"Leistungsgruppen für schwache Schüler eine Katastrophe"

Teresa Eder
2. August 2010, 13:36
  • Schulnoten abschaffen - eine Idee, die auf politischer Ebene bisher nur die Grünen auszusprechen gewagt haben.
    foto: apa/hochmuth

    Schulnoten abschaffen - eine Idee, die auf politischer Ebene bisher nur die Grünen auszusprechen gewagt haben.

Pädagogikprofessor Vierlinger über Schulnoten, die Lebenswege einschränken und seinen "Liebesbrief" an Beatrix Karl

Schulnoten sind Unsinn. Davon ist Rupert Vierlinger, ehemaliger Direktor der Pädagogischen Akademie, überzeugt: Das derzeitige System der Leistungsbeurteilungen "stößt die Schüler in ein Wettbewerbsgerangel und lässt die Klasse zu einem Hunderennplatz verkommen." Im Interview mit derStandard.at erklärt er, warum Noten keine geeigneten Messinstrumente für Leistungen sind und wieso die Neue Mittelschule keine "echte" Gesamtschule ist.

***

derStandard.at: Herr Vierlinger, sie haben sich ihr Leben lang für die Abschaffung von Ziffernnoten eingesetzt. Wo liegt das Problem?

Vierlinger: Jedes Messinstrument muss drei Gütekriterien erfüllen: Objektivität, Zuverlässigkeit und Gültigkeit. Objektiv ist das EKG, wenn es egal ist, ob es der Arzt A macht oder der Arzt B. Genauso müsste es egal sein, ob der Lehrer A oder der Lehrer B eine bestimmte Leistung benotet - Jeder weiß, dass es sich anders verhält. 

Gleiches trifft für die Zuverlässigkeit zu. Als Professor für Schulpädagogik habe ich an der Universität Passau pro Semester etwa 100 Klausuren zu verbessern gehabt. Angenommen, man hätte mir diese Arbeiten nach einiger Zeit - gereinigt von meinen Eintragungen - wieder vorgelegt, und zwar mit der Erwartung, dass ich zu den selben Ergebnissen käme... Diesen Test hätte ich - wie jeder Andere - mit Sicherheit nicht bestanden.

Auch das Kriterium der Gültigkeit kann nicht erfüllt werden. Ich habe meinen Studenten an der pädagogischen Akademie seinerzeit eine Aufgabe gestellt. 100 Leute mussten den Aufsatz eines Buben benoten, der kein schönes Schriftbild hatte. Die anderen 100 bekamen denselben Aufsatz mit einer schönen Schulschrift. Ich hab ausdrücklich zu beiden Gruppen gesagt: Schauen Sie nicht auf Schrift und Form. Geben Sie nur eine Note aufgrund des Inhalts. Die Unterschiede bei der Notenvergabe waren offensichtlich: bei der ersten Gruppe gab es für den Aufsatz im Durchschnitt einen Dreier, bei der zweiten hingegen einen Zweier. Allein der Schrifteindruck hat also das Urteil über den Inhalt merkbar verändert. Es werden Dinge hineininterpretiert, die mit dem Beurteilungsauftrag nichts zu tun haben. 

derStandard.at: Kann ein Mathematik-Professor die Noten-Vergabe transparenter durchführen als etwa ein Deutsch-Professor?

Vierlinger: Auch das ist keinesfalls sicher. Ein Mathematiklehrer aus einer großen Hauptschule hat zum Zwecke der Harmonisierung bei der Bildung von Leistungsgruppen die M-Schularbeit eines seiner Schüler an fünf Fachkollegen mit der Bitte um Beurteilung weiter gereicht. Einer gab ein Sehrgut; die als sehr streng bekannte Kollegin gab ein Nichtgenügend; zwei gaben ein Befriedigend und einer ein Genügend. Er selbst hatte sich für ein Gut entschieden. Groß angelegte Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Beim Betreiben der Mathematik herrscht die Logik vor, bei der Beurteilung der Schülerleistung aber die Psychologie.

derStandard.at: Welche Konsequenzen haben Noten für den Einzelnen?

Vierlinger: Schicksalsträchtige, obwohl sie nicht gerecht sind! Wann geben unsere Universitäten zu, dass es unsinnig ist, unter zwei Bewerbern aus verschiedenen Schulen, Städten oder gar Bundesländern einen nach den Maturanoten auszuwählen? Auch die Numerus-Clausus-Berechnungen in Deutschland sind sinnlos: Man berechnet den Mittelwert der Noten bis auf Zehntel- und Hundertstelstellen, obwohl schon die Einerstellen nicht stimmen. 

derStandard.at: Brauchen wir nicht doch Maßstäbe in Form von Noten und den Wettbewerb untereinander, um Leistungssteigerungen zu erreichen?

Vierlinger: Dazu wieder ein Beispiel: Ich bin einmal etwas verspätet in ein Klassenzimmer zum Praktikumslehrer gekommen und merke, dass etwas vorgefallen ist, weil große Aufregung geherrscht hat. Natürlich haben die Schüler eine Schularbeit zurückbekommen. Ich habe sie gebeten anonym die Frage "Was geht dir gerade durch den Kopf?" zu beantworten. Bei den Antworten gab es kein Wort über die Schularbeit selbst, die Mehrheit schrieb von Dingen wie Neid und Überheblichkeit. Beispielsweise: Ich freue mich, dass mein Sitznachbar eine schlechtere Note als ich hat. Oder: Ich beneide meinen Nachbar um die bessere Note. Die meisten hatten also bereits den geheimen Lehrplan des Systems verinnerlicht: "Übe keine Nächstenliebe, sie bringt dich nicht voran!" - Im Vorwort zu den offiziellen Lehrplänen und in den politischen Sonntagsreden zur Schule steht und klingt es zwar anders, aber der vom installierten System der Leistungsbeurteilung ausgehende Impuls ist stärker. Er stößt die Schüler in ein Wettbewerbsgerangel und lässt die Klasse zu einem "Hunderennplatz" verkommen. Die Devise lautet: "Übertriff den Anderen!", während sie eigentlich lauten sollte, "Übertriff dich selbst!"

derStandard.at: Was wäre der Ersatz für die herkömmliche Notengebung?

Vierlinger: Es gibt systemkonforme und systemsprengende Alternativen. Um die Direkte Leistungsvorlage (DLV), die von mir propagierte Alternative, zu erklären, muss ich den Unterschied zwischen systemkonform und systemsprengend verdeutlichen.
Systemkonforme Alternativen (verbale Beurteilung, Pensenbücher, Lern- und Entwicklungsberichte etc.) ändern grundsätzlich nichts an den Gegebenheiten, die bei der Ziffernnote bestehen: Die Schülerleistung sieht im Wesentlichen nur der Lehrer. Er schätzt sie ein und transformiert sie nach seinem Gutdünken in eine Note. Die Adressaten, die weiterführende Schule, der Betriebschef, bei denen sich die Absolventen bewerben, sehen nur die Note. Sie transformieren diese (wiederum) nach eigenem Gutdünken in eine Vorstellung von Eignung und treffen eine Entscheidung. 

Bei der systemsprengenden Alternative namens DLV wird der Lehrer dorthin "verschoben", wo er eigentlich immer hin gehört hat: an die Seite des Schülers. In ihrem gemeinsamen Bemühen kommt der Schüler zu seiner individuellen Leistung. Er legt eine exemplarische Auswahl in eine "Portfolio" genannte Mappe und zeigt sie den Adressaten... Wie ein guter Trainer entzieht sich der Lehrer nicht dem Urteil darüber, ob etwas bereits gut ist oder noch verbesserungsbedürftig. Das Neue in seiner Rolle aber ist, dass er immer Helfer und Trainer bleibt und nie die Rolle des Richters übernimmt. Diese kommt den Adressaten zu, die über Aufnahme oder Ablehnung entscheiden. Sie kennen das Anspruchsniveau ihrer Institution besser als er. - Aus den vielen Vorteilen der DLV sei nur einer herausgegriffen: Endlich kommt auch der Schwache zu seinem Erfolg, weil seine Leistung am individuellen Fortschritt gemessen wird und nicht am Mittelmaß des Kollektivs.

derStandard.at: Wie sehen Sie die Chancen, dass das Notensystem tatsächlich irgendwann abgeschafft wird?

Vierlinger: Ministerin Schmied hat neben der Gesamtschule auch die Ziffernnotenverurteilung als Ziel ihrer Ministerschaft genannt. Das heißt, es könnte tatsächlich etwas ins Rollen kommen. 

derStandard.at: Würden Sie der Aussage zustimmen, dass der Lehrer eine Autoritätsperson für die Schüler sein soll?

Vierlinger: Ja und nein. Um junge Menschen in die Kulturwelt einzuführen, muss der Lehrer etwas können und etwas sein. Er muss also fachliche und persönliche Autorität haben. Diejenigen Schulleute, die Amtsautorität beanspruchen und von den Schülern Gehorsam einfordern, weil sie Amtsträger sind, die mag ich nicht - und die Schüler mögen sie auch nicht.

derStandard.at: Stichwort Gesamtschule: Jeder versteht darunter etwas anderes. Ministerin Schmied nennt sie Neue Mittelschule (NMS), die ÖVP „gemeinsame Schule". Was verstehen sie darunter?

Vierlinger: Bei der ÖVP spricht sich leider bis dato nur Frau Karl für eine „gemeinsame Schule" aus. Ich habe ihr auch gleich geschrieben: "Sehr geehrte Frau Ministerin! Als alter Mann (78) schreibe ich ihnen etwas, das auch in einem Liebesbrief stehen könnte: Sie sind die Freude meines Alters." Weil ich ja seit 1973 immer für die echte Gesamtschule gekämpft habe. Das Markenzeichen der echten Gesamtschule ist der Verzicht auf das Sortieren der Zehnjährigen in Gymnasiasten und Hauptschüler. Sie kennt auch keine Sortierung in Leistungsgruppen. Demnach sind die "Integrierte Gesamtschule" (deutsche Gesamtschule und österreichisches Modell der Schulversuche in den Siebzigerjahren) wie auch die „Neue Mittelschule" keine Gesamtschulen!

derStandard.at: Warum ist das Projekt so schwer umzusetzen?

Vierlinger: Die ÖVP liebt die Tradition. Das ist zunächst weder positiv noch negativ, denn Tradition kann sowohl das Bewahren von Asche sein als auch das Hüten der Flamme. Für Verteilungsgerechtigkeit, Religionsfreiheit und Fremdenrecht einzustehen entspricht dem Hüten einer Flamme. Aber das Verteidigen des gegliederten Schulsystems gleicht dem Bewahren von Asche.

Eine moderne Demokratie darf das "ständische" Bewusstsein nicht zulassen, das manche Gesamtschulgegner sagen lässt: "Unser Kind soll nicht mit Krethi und Plethi beisammen sitzen!" Alle Eltern, die ihr tüchtiges Kind schon in der Pflichtschulzeit von den Anderen absondern wollen, müssen sich bewusst sein, dass sie diesen ein Vorbild rauben.

derStandard.at: Müssen bei einer gemeinsamen Schule die Privilegierten ihre Privilegien aufgeben, damit es zu einer Chancengleichheit kommt? 

Vierlinger: Wenn unter Privilegien die bestmögliche Ausbildung der Kinder verstanden wird, soll darauf niemand verzichten müssen. Dazu gehört selbstverständlich auch die soziale Erziehung. Kinder sollen nicht schon in der Pflichtschulzeit wie Rennpferde in Quarantäne "gezüchtet" werden.

Dass die Gesamtschule die Eliten nicht verkümmern lässt, ist doch schon seit Jahrzehnten international bewiesen; zuletzt durch PISA. In der Gesamtschule haben die Schwächeren immer die Vorbilder vor sich und können deshalb aufschließen. Das Lernen durch Vorbilder unter den Klassenkollegen ist ebenso wichtig, wie das Lernen über den Lehrer. Man kann den schwachen Schülern nichts Schlimmeres antun, als sie in eine Leistungsgruppe abzuschieben. Wenn man schwache Schüler zusammenpfercht, spiegelt sich der desinteressierte Blick des Einen im desinteressierten Blick des Anderen wider. Das Ergebnis ist:"Null Bock!" Gegenüber dem Lehrer schalten sie ab oder proben den Aufstand. (Teresa Eder/derStandard.at, 02.08.2010)

Zur Person

Rupert Vierlinger war Gründungsdirektor der Pädagogischen Akademie in Linz, bis 1997 Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Passau. Seit seiner Emeritierung ist er Honorarprofessor an der Johannes-Kepler-Univerisität Linz.

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Ich kann nur jedem raten: Viel Geld verdienen! Nur dann kann man sich die Schulen aussuchen. Öffentliche Schulen werden in Österreich auch in 20 Jahren noch genau so schlecht, wenn nicht noch schlechter sein.
Eine Änderung des Status Quo wirds nicht geben, weil von der Mehrheit der Bevölkerung nicht gewünscht, bzw von der übermächtigen Lehrergewerkschaft im Keim erstickt...

Was mich so aufregt

Was mich so aufregt sind Kolleginnen und Kollegen - ja, ich bin Lehrer:-) - die sich sofort mit dem System, unter dem sie so leiden, identifizieren und es verteidigen, sobald jemand dieses kritisiert und mit Weitblick etwas anderes fordert.

Und für starke Schüler sind keine Leistungsgruppen eine Katastrophe.

Frage nun, ob es besser ist, die Anforderungen zu nivellieren und die Leistungsfähigeren zu unterfordern, um grössere "Erfolgsquoten" zu erzielen.

Skeptisch muss man nur dann werden

wenn wer lückenlos begründet das Wundermittel gefunden zu haben glaubt.

Ich habe einmal mit dem Leiter einer Lehrerbildungsanstalt gesprochen. Der würde das meiste von dem im Beitrag gesagten sofort unterschreiben. Er ist sich aber auch ganz im klaren darüber, dass es die Scharen an Wunderwuzzis nicht gibt, die man als Lehrer bräuchte, um mit den vorgeschlagenen Systemen auich erfolgreich zu sein. Man kann Lehrerpersönlichkeiten nicht in Massen ausbilden.

weltfremd

Die ganze Problematik der "schwachen" Schüler liegt leider völlig anders, als es sich ein längst emeritierter UNI Professor vorstellen kann. Vermutlich selbst noch nie längere Zeit vor Kinder mit Lernproblemen gestanden (wei auch, wenn er den größten Teil seines Lehrerlebens auf UNI Lehrstühlen bverbrachte?)
TATSACHE ist: und da schreibt Herr Professor keine Silbe, dass man seit Jahen bei diesen Kinder mit Sonderpäd. Förderbedarf hunderttausende Stunden weggekürzt hat. Wie sollen die LehrerInnen da noch jemand fördern, wenn keine Förderstunden mehr da sind.
Leider sieht man diese Damen und Herren nie bei uns an der "Front", wo wir mit diesen Kindern arbeiten!
Das theoretische Gesülze bringt uns nicht weiter, im Herbst wird weitergekürzt

Vierlinger hat in seinem Leben sehr wohl längere Zeit mit Kindern mit Lernproblemen verbracht. Hab ihn selbst als Schüler erlebt, als er Praktikanten in unserer Klasse ausgebildet hat: Eine faszinierende Lehrerpersönlichkeit! Er weiß sehr wohl, wovon er spricht. UND: Er hat Visionen. Gut so.
Ihn mit Stundenkürzungen in Verbindungen zu bringen ist schlichtweg absurd - was soll er damit zu tun haben?

Bitte

"theoretisches Gesülze" zu lesen, gefällt mir nicht. Denn mir ist ein wertschätzender Umgang miteinander sehr wichtig. Schau doch bitte mal auf die guten Absichten des Profs. Auf Kürzungen hat er sicher genauso großen Einfluss wie du.

So einfach muss man es ihm nicht machen.

Seine Erkenntnis, dass Noten nicht sonderlich aussagekräftig sind, hat keinerlei Neuigkeitswert. Interessant am Ausgang des beschriebenen Experiments ist lediglich, dass der durch Äußerlichkeiten verursachte Unterschied recht gering ausfiel!

Was er jedoch -- bewusst oder nicht -- anrichtet: Eine am Unterricht selbst völlig desinteressierte Schulbehörde kann eine so undifferenzierte Systemkritik gut brauchen. Da eingespart werden soll, sorgt Prof. Vierlinger mit für die Eintrübung des Wassers, in dem die Sparmeister dann fischen werden.

BM Karl für ihre völlig irrwitzigen Kommentare zur Schulorganisation zu gratulieren, ist allein schon genug Anlass zu ungläubigem Kopfschütteln.

Wo lebt der Mensch?

Was mich an solchen Theoretikern so aufregt, ist das blinde Festhalten an irgendwelchen Idealbildern,

die im Alltag einfach nicht vorkommen. Noch dazu verwendet er falsche Begründungen:

1. Pisa testet die Schulorganisation nicht. Die Ergebnisse dieses ohnehin schon fragwürdigen "Wissens"-Tests sagen eigentlich nur aus, dass die meisten Schulsysteme in etwa die gleichen Ergebnisse liefern. Immerhin liegen die ersten 15 Länder innerhalb der statistischen Schwankungsbreite.

2. Niemand "pfercht schwächere Schüler" zusammen. Dass Förderunterricht vor allem die zu Fördernden erreichen soll, liegt in der Natur der Sache. Wie erich pammer bemerkt hat, wurden diese Förderstunden jedoch fast völlig gestrichen. Das Drama der Bildungsverlierer kommt wohl daher.

Die unerträgliche Rennpferd-Rhetorik richtet sich m. A. nach selbst.

Bei uns war der Lerneffekt im Förderunterricht gleich Null.
Aber wenn man hinging und mitarbeitete, dann konnte man damit Eindruck beim Lehrer schinden und erhielt deswegen eine bessere Note, bzw. konnte in eine höhere Leistungsgruppe aufsteigen oder verhinderte den Abstieg.
Es war also mehr ein "guter Wille" demonstrieren. Gebracht hat es nichts.

Wenn Förderunterricht offensichtlich schlecht gemacht wird, bringt er natürlich nix.

Aber ihn dann zu streichen und die Förderung ans Christkind abzuschieben dürfte auch keine sonderlich aussichtsreiche Strategie sein.

Im Übrigen nehme ich an, dass es sich bei Ihren Erfahrungen um die eines AHS- oder BHS-Schülers handelt. Dort ist der Förderunterricht m. Erfahrung nach eher Ersatz für ein klärendes Gespräch mit den durch exzessive Faulheit glänzenden Schülern.

Gestrichen wurden Stunden für Schüler/innen mit Sprach- und Lerndefiziten in der Grundschule, wo es noch etwas nützt, wenn sich jemand um die Kinder kümmert!

Hauptschule

Gestrichen wurden:

- Förderkurse für Kinder mit Dyslexie/Diskalukulie
- muttersprachlicher Unterricht
usw.

leistung

was ist das?
das wort gibt es nicht einmal mehr im österr. wörterbuch.

Fortsetzung

Ich möchte jedoch, dass sie sich dessen bewusst sind das ein "schwacher Schüler" wie im Artikel geschrieben, ebenfalls ein Urteil, oder Etikett ist.
Sicherlich wissen Sie, was eine Sich-selbst-erfüllende Prophezeihung ist und können sich daraus ableiten, welche Folgen diese Denkweise, und ihre Manifestation sowohl im sprachlich Ausdruck als auch in Noten und allgemein im System von Belohnung und Strafe, auf einen Schüler hat: Selbstzweifel, "das kann ich nicht", "das versuch ich gar nicht erst, weil ich Angst vor der Frustration und den (Selbst-)Urteilen habe" - was sie wiederum in ihrem Urteil "schwacher Schüler" bestärkt.
Es gibt keine schwachen Schüler.
Es gibt Schüler, die etwas anders gemacht haben, als Sie es als "richtig" definier

na bumm! und es gibt auch keine gehandicapten menschen, oder wie, die sind auch nur anders?

das ist die wahre unmenschlichkeit, allen menschen suggerieren zu wollen, sie hätten tatsächlich die gleichen talente und anlagen und die gleichen rechte und background, um alles erreichen zu können!

Einzigartigkeit

Du machst dir Sorgen, weil dir wichtig ist, dass die Einzigartigkeit jedes Individuums geshen wird?

Das ist doch kein Widerspruch.
Denn "schwach" ist nur ein Urteil. Ich sehe Urteile als nutzlos an, denn, was bringen sie? Nützen sie irgendwem etwas?
Dabei bitte nicht moralische Urteile mit Werturteilen verwechseln. Letzte braucht man, und Handlungen (nicht Menschen!) nach ihrer Wirksamkeit einzuordnen.

Ein Beispiel für ein nutzloses Urteil ist:

Bei Wetterumschwung in den Bergen dem Bergführer vertrauen und nicht dem " Mensch und das sind also Berge"-Wegbegleiter.
Ich habe über die Fähigkeiten beider geurteilt. Ist das wirklich unsinnig?

Sehr geehrter Herr Vierlinger!

Grundsätzlich ersteinmal: Ich Teile ihre Meinung.
In zwei Teile.
Denn wenn ich finde ebenfalls, dass es nicht zielführend ist, Menschen zu benoten. Aber nur unter der Bedingung, dass sie dem Lernenden ein Etikett aufdrückt. Ihn als wie ein Objekt behandelt und damit entmenschlicht.
Ich könnte besser damit leben, wenn meine Profs. mich benoten würden, um selbst eine Rückmeldung darüber zu erhalten, ob sie ihre eigene Arbeit zu ihrer eigenen Zufriedenheit erfüllt haben.
Denn mir ist wichtig, aus EIGENER Motivation heraus zu handeln (sprich: zu lernen), also Selbstbestimmung. Wenn dieses grundlegende Bedürfnis nicht erfüllt ist, ich also meine, etwas unfreiwillig zu tun,dann schwindet jede Motivation.
Rosenberg:"Gewaltfreie Kommunikation"

Meine Generation zumindest hat auf der Universität noch richtige Bildung kennengelernt.

Und da geht es auch ausgezeichnet ohne diesen Zwang.

Ich kann hier natürlich aus eigener Erfahrung nur für die Naturwissenschaften sprechen, aber dort sind die Visionen des Herrn längst verwirklicht und waren es auch immer.
Wenn es auch geplant ist, durch Verschulung dieses Privileg des Lernens aus eigenem Antrieb, wie es den Studenten heute noch zugestanden wird, zu zerstören.

Bitte nicht Uni mit einer Pflichtschule, in welcher sich ein Haufen pubertierende Jugendliche befinden, vergleichen.

Wenn ein Student bei einem Studium, das er selbst ausgewählt hat, nur "Der Sch**** interessiert mich nicht" von sich gibt, dann ist sowieso alles zu spät.

Es geht nicht ums Überleben!!!

Die Menschheit muss verstehen, dass es in dieser Welt nicht ums Überleben, sondern ums Zusammenleben geht.
Wenn Kinder schon in der Schule lernen, dass jedes Individium seine eigenen Fähigkeiten hat, dass der Leistungsstärkere den Leistungsschwächeren respektiert, dann haben wir schon einen großen Schritt gemacht.
Schlussendlich kann unsere Gesellschaft nicht funktionieren, wenn es nur Manager gibt. Aber auch nicht, wenn es nur Hilfsarbeiter gäbe. Jeder braucht jeden. Respekt und Akzeptanz sollen in erster Linie erlernt werden. Leistungen eines Hilfsarbeiter sind gehören genau so respektiert, wie Leistungen eines Managers. Daher ist wäre die Leistungsbeurteilung nach Vierlinger (Fortschritt beschreiben) wünschenswert.

aus dem umstand, dass sie

jahrelang mit 2, 3 dutzend anderen einen großen teil ihrer aktiven zeit verbringen, lernen sie also nichts über das zusammenleben mit anderen? sie müssen autist sein oder aber eine schreckliche schulzeit gehabt haben.

IRoNie

genau. es ist ja sooo egal, wie die äußere form der schriftlichen arbeiten ausschaut, so etwas sollte man "niemals" in die beurteilung einfließen lassen.

egal ob power-point, word oder aufsatz, die form ist doch egal, oder etwa nicht? allein der inhalt zählt, wie man ja auch im "wirklichen" leben sieht, wo eine ordentliche form ja überhaupt nicht zählt und werbung von den bürgern ignoriert wird.

und überhaupt: die sonderpädagogischen zentren sind menschenrechtsunwürdig. viel menschenrechtswürdiger ist es, wenn man alle 10-Jährigen, egal wie talentiert und mit welchen interessen, in die gleiche schule steckt.

Ich konnte bereits im Kindergarten ganz passabel lesen. Manche meiner Altersgenossen konnten das auch nach der Pflichtschule noch nicht wirklich.

Es wäre gewiss "spannend" gewesen, hätte ich mit diesen Kollegen meine 9-Jährige Schulpflicht zu verbringen.

Da hätte gewiss einer vom anderen "viel gelernt".

In den Hauptschulen hat die 3. Leistungsgruppe in Deutsch Mühe, das Niveau zu erreichen, das die Schüler der 1. bereits bei der Einschulung hatten.

Zusammenwürfeln bringt nichts. Auch, wenn Leistungsgruppen nicht optimal sind, sie sind eine günstige Variante, um ein Sparefroh-Schulsystem nicht vollends den Bach hinuntergehen zu lassen (wie mit der Gesamt-Ganztagsschule absehbar)

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