Wenn die Drosseln Richtung Süden fliegen

1. August 2010, 16:40
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Durch Fahrräder mit Elektro-Unterstützung gewinnt ein Volkssport wieder an Popularität: das Entdrosseln

Eigentlich ist es ja keine Drossel, welche die elektrische Unterstützung bei 25 km/h aussetzen lässt, sondern ein Controller. Und eigentlich ist es Sandra Just, Junior-Chefin des E-Bike-Spezialisten Just, so unangenehm, über das Thema zu sprechen, dass sie sich vor jedem Satz, den sie antwortet, windet wie eine Boa in einer Grazer Küche. Das Problem an den erstarkten E-Bikes und den umgangssprachlich rausfliegenden Drosseln ist, dass die Räder nicht mehr für den Straßengebrauch zugelassen sind, wenn das Zusatzkraftwerk mehr als 600 Watt leistet oder bei 25 km/h nicht abregelt.

Auf Rennstrecken wie den Quantya-Parks oder auf dem Semmering darf man aber auch ganz legal stärkere Räder fahren. Und ja, es gibt sie, die E-Bikes, die schneller gehen, und die Nachfrage danach ist ziemlich groß. Aber Sandra Just meldet Bedenken an. "Das ist alles noch nicht ausjudiziert, und wir fürchten, dass da auch etwas auf die Fachwerkstatt zurückfallen könnte, wenn jemand mit einem stärkeren Fahrrad einen Unfall im Straßenverkehr hat - selbst wenn wir hundert Mal darauf hinweisen, dass man mit solchen Rädern nicht auf der Straße fahren darf." Keine Bedenken haben die Justs bei Offroad-Sportlern, die sie gut kennen: "Wir haben Kunden, die wollen ihren Trainings-Radius einfach noch ein Stück weit ausweiten. Sie kennen nicht nur die Risiken, sondern wissen auch genau, was sie brauchen."

Entdrosseln geht gar nicht unbedingt so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt, erklärt Sandra Just. "Ein paar km/h sind vielleicht noch ohne allzu großen Aufwand rauszuholen, aber will man mit einem E-Bike einen Fünfziger schaffen, dann wird die Sache schon kompliziert." Erst muss man schauen, ob das Fahrwerk überhaupt solche Belastungen aushält, dann braucht man neben einem stärkeren Motor auch andere Akkus, damit nicht nach wenigen Kilometern Schluss mit Lustig ist. Abgesehen davon, dass der Akku schneller leer ist, macht es ihm aber nichts aus, wenn ein stärkerer Motor an ihm saugt wie ein Egel; die Anzahl der Ladezyklen, welche die Batterie verträgt, bleiben gleich.

In der Rekuperation, der Energie-Rückgewinnung beim Fahren oder Bremsen, sieht Sandra Just nicht die ultimative Lösung: "Man müsste schon sehr weit bergab fahren oder selber treten, damit sich das merkbar auf die Akku-Ladung auswirkt. Wir haben uns bei unseren Rädern aber aus einem ganz anderen Grund für ein System ohne Rekuperation entschieden: Weil die Motoren dann einen Freilauf haben." Hätten sie diesen Freilauf nicht, müsste man, wenn man schneller als 25 km/h fährt, den Motor mittreten, und das wird dann anstrengend.

Auf die Nachrüst-Kits angesprochen, die von der Just-Firma "el-cycle" für alle Fahrräder, um maximal 1900 Euro, angeboten werden, holt Sandra Just tief Luft und will schon eine Hymne auf dieses System anstimmen, als klar wird, dass es mir nur um die Möglichkeiten des Entdrosselns geht. Sie seufzt: "Du mit deinem ewigen Entdrosseln. Wir wollen nicht dafür bekannt sein, dass wir in der Lage sind, diese Antriebe schneller zu machen." Mit den paar Stundenkilometern, die das E-Bike dann schneller geht, hat man nicht viel erreicht, außer den Schritt in die Illegalität. "So ein Fahrrad in Österreich für den Verkehr zuzulassen, ist ziemlich schwierig und steht in keiner Relation zum Geschwindigkeitsgewinn, außerdem muss man dann auf der Straße fahren. Mit 25 km/h über die Radwege zu fetzen ist gefährlich genug."

  • In der Rekuperation, der Energie-Rückgewinnung beim Fahren oder Bremsen,
 sieht Sandra Just nicht die ultimative Lösung.
    foto: just

    In der Rekuperation, der Energie-Rückgewinnung beim Fahren oder Bremsen, sieht Sandra Just nicht die ultimative Lösung.

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