Franzose auch über 200 Meter erfolgreich - Vojta Elfter über 1.500 m - Erstes Gold für Gastgeber, fünf Titel gingen an Russland
Barcelona - Wie erwartet heißt der neue
Sprint-Double-Gewinner bei den Leichtathletik-Europameisterschaften
in Barcelona Christophe Lemaitre. Der Franzose fügte am Freitagabend
im Olympiastadion auf dem Montjuic seinem Gold über den Kurzsprint
ein weiteres über 200 m hinzu. Österreich war am vierten Bewerbtag,
an dem elf Entscheidungen fielen, im 1.500 m-Finale der Männer
vertreten, Andreas Vojta klassierte sich als Elfter beim ersten Gold
für Spanien durch Arturo Casado. Fünf Titel gingen an Russland, das
bei insgesamt acht hält.
Mit einem starken Finish verwies der 20-jährige Lemaitre in
20,37
Sekunden den Briten Christian Malcolm hauchdünn auf den Silberrang
(20,38), Martial Mbandjock (FRA) gewann wie auf der kürzeren
Sprintstrecke Bronze (20,42). "Es war wirklich schwierig, weil ich
technisch nicht gut war. Ich habe bis zum Ende gekämpft und alles
gegeben", erzählte Lemaitre, der erst einmal "den Moment genießen"
wollte. Es ist das siebente Sprint-Double in der EM-Geschichte seit
1934, Lemaitre wird auch mit der Staffel am Sonntag antreten.
Gladiatoren
Bis zum letzten Bewerb des Tages auf ihre erste Goldmedaille
warten mussten die Spanier, vor 36.000 Zuschauern triumphierte über
1.500 Arturo Casado in 3:42,74 Minuten vor dem Deutschen Carsten
Schlangen (3:43,52) und seinem Landsmann Manuel Olmedo (3:43,54). Für
den 21-jährigen Vojta war das Rennen ein unglaubliches Erlebnis, im
Schlusssprint überholte er sogar noch einen Konkurrenten. "Die
Stimmung war ein Wahnsinn. Drei Spanier hatten die Chance auf den
ersten Titel für ihr Land bei der Heim-EM, als man reinkam war es es
so, wie es damals bei den Gladiatoren gewesen sein muss", zeigte sich
Vojta beeindruckt.
Das Motto des Athleten mit der mit Abstand schwächsten
Entryzeit
war voller Angriff gewesen, schon die Finalqualifikation war eine
Riesenüberraschung gewesen, dass er im Endlauf in 3:45,68 nicht
Letzter wurde, war das Tüpfelchen auf dem i. "Ich hatte nichts zu
verlieren, ich bin das Tempo mitgegangen, ich habe versucht, so lange
wie möglich dranzubleiben. Als der Kick gekommen ist, merkte man, wie
es in der europäischen Spitze aussieht, das fehlt mir noch ein
Alzerl." Platz elf ist die zweitbeste Platzierung eines Österreichers
bisher in Barcelona nach Rang neun durch 100-m-Sprinter Ryan Moseley.
Einen britischen Sieg gab es im 110-m-Hürdensprint der Männer
durch Andy Turner (13,28), doch auch in dieser Disziplin holte
Frankreich dank dem zweitplatzierten Garfield Darien eine Medaille
(13,34). Die Deutschen stockten ihr Medaillenkontingent ebenfalls
weiter auf, Betty Heidler gewann den Hammerwurf mit 76,38 Metern vor
der Russin Tatjana Lysenko (75,65). Im Stabhochsprung holten in
Abwesenheit von Jelena Isinbajewa, die eine Auszeit nimmt, hinter der
Russin Swetlana Feofanowa (4,75) Silke Spiegelburg und Lisa Ryzih (je
4,65) Silber und Bronze.
Überraschung
Einen sensationellen Ausgang brachte das 400-m-Rennen der
Männer.
Nicht der favorisierte Belgier Jonathan Borlee, sondern sein jüngerer
und vermeintlich schwächerer Zwillingsbruder Kevin Borlee machte das
Rennen vor zwei Briten. Jonathan Borlee ging als Siebenter sogar leer
aus.
Nach 50 km Gehen war die russische Siegesserie in dieser
Disziplin
bei Großereignissen beendet, ebenfalls dank dem starkem Team der
"Bleus". Yohann Diniz verteidigte in der Jahresweltbestzeit von
3:40:37 Stunden seinen Titel vor dem Polen Grzegorz Sudol (3:42:24).
Doch Russland schlug zurück, über 400 m flach gab es einen
Dreifachsieg, den Tatjana Firowa (49,89 Sekunden) angeführte, über
die Hürden-Stadionrunde durch die favorisierte Natalja Antjuch
(52,92) und über 800 m durch Marija Sawinowa (1:58,22).
Dominanz
Während des 3.000-m-Hindernisrennens schrien sich die
spanischen
Zuschauer die Seele aus dem Leib, um Lokalmatadorin und Favoritin
Marta Dominguez zum Titel zu verhelfen, doch auch hier war mit Julija
Sarudnewa eine Russin unbesiegbar. "Mental war das hart, das ganze
Stadion war für Dominguez, das hat mich zornig gemacht. Ich dachte
mir, es wäre großartig, die Weltmeisterin daheim zu besiegen, also
habe ich mich entschieden, gleich die Führung zu übernehmen. Aber ich
konnte wegen des Publikums Martas Atem nicht spüren", schilderte
Sarudnewa.
Dominguez gewann 2002 in München und 2006 in Göteborg Gold über
5.000 Meter, sie war die einzige Frau in Barcelona, die Chance auf
das dritte EM-Gold in Folge gehabt hätte. Silber bedeutet aber ihre
vierte Medaille bei Kontinentaltitelkämpfen en suite.
Vorläufe
Victoria Schreibeis qualifizierte sich am Freitagvormittag über 100 m Hürden für das Halbfinale der Top-16 am Samstagabend. Mit 13,23 Sekunden lief die Niederösterreicherin die zweitbeste Zeit ihrer Karriere und kam gesamt auf den 14. Vorlaufrang. Nach einem Fehlstart disqualifiziert wurde hingegen Beate Schrott. Schnellste war die Norwegerin Christina Vukicevic mit 12,83.
"Der Start war mittelmäßig, für mich aber nicht so schlecht. Am Ende musste ich mich konzentrieren und schauen, dass ich nicht zu nah an die Hürden ran komme", erzählte Schreibeis. "Ich habe mir noch nie so sehr gewünscht, dass ich die Zeit zurückdrehen könnte", meinte hingegen Schrott. Der erste Fehlstart bedingt die sofortige Disqualifikation.
Hindernisläufer Martin Pröll hat den Aufstieg in das Finale der
Top-Zwölf klar verpasst. Der Oberösterreicher wurde in seinem Vorlauf Zehnter in
8:41,63 Minuten und landete gesamt auf dem 19. Rang unter 24 Teilnehmern.
Schnellster war der Franzose Mahiedine Mekhissi-Benabbad in 8:27,32.
Pröll beklagte sich nach dem Lauf darüber, dass sein Trainer-Vater Manfred
Pröll vom Verband nicht akkreditiert worden war. "Das ist nicht der einzige
Grund für die Leistung, aber es war sicherlich nicht förderlich, denn da leidet
die Motivation drunter." Der Athlet glaubt, dass es eine Reaktion darauf war,
dass er aus beruflichen Gründen für die Team-EM im Juni in Belgrad, für die
Startverpflichtung galt, abgesagt hatte.
Mit dem Gegenwind auf der Zielgeraden nicht zurechtgekommen ist Sprinterin Doris Röser.
Die Vorarlbergerin schied im 200-m-Vorlauf als 23. unter 25 Teilnehmerinnen mit
schwachen 24,32 Sekunden aus. Schnellste war die Russin Anastasija
Kapatschinskaja in 23,09.(APA)