Weiter Kritik an Loveparade-Planern

30. Juli 2010 08:37

Innenpolitiker Uhl sieht Fall "glasklar" - Wiefelspütz für Versicherungspflicht der Veranstalter

Frankfurt/Main - Nach der Katastrophe bei der Loveparade in der deutschen Stadt Duisburg gibt es weiter Kritik an den Planern der Großveranstaltung. Die Loveparade "hätte nie und nimmer genehmigt werden dürfen", sagte der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl der "Financial Times Deutschland" laut Vorabmeldung.

Besonders kritisierte er die Verantwortlichen, die den Auflagenbescheid ausstellten. "Jeder Obsthändler, der in der Münchner Fußgängerzone einen Stand eröffnen will, muss mehr nachweisen", sagte er. Die beiden Seiten lieferten keine Informationen. Die Gefahren seien nicht benannt und geklärt gewesen.

Dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland die Verantwortung zurückwies, weil er keine Genehmigung unterschrieben habe, ließ Uhl nicht gelten. "Auflagenbescheide unterschreibt der OB nie selbst, aber sie werden in seinem Auftrag unterschrieben, und er hat als Chef der Stadtverwaltung die Verantwortung." Der Hauptfehler liege bei ihm. Er müsse "das Begehren eines Kaufmanns bewerten, mit einer Veranstaltung mit möglichst wenig Auflagen viel Geld zu verdienen".

Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz forderte unterdessen eine gesetzliche Versicherungspflicht für Veranstalter. Das gehöre zu den Lehren aus der Loveparade, sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". "Man muss sicherstellen, dass eine Versicherung vorliegt, bei großen Ereignissen wird man auch über die Höhe zu reden haben." Die Versicherung über 7,5 Millionen Euro, die der Veranstalter der Duisburger Loveparade abgeschlossen habe, werde angesichts der vielen Toten und Verletzten nicht ausreichen. (APA)

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15 Postings
Chocoholic
30.07.2010 13:25
Fuer mich ist es auch glasklar:

Verantwortliche, die unterschrieben haben, sofort hinter Gitter, U Haft, und Pensionszahlungen und Gehaltszahungen zukuenftige oder jetzige sofort sperren und fuer die Zahlung an die Opfer und fuer die Bezahlung der kommenden, hoffentlich teuren Gerichtsentscheidungen verwenden.... natuerlich, um den Opfern und deren Familien die teuersten und besten Anwaelte zur Verfuegung zu stellen.

Walter Kaiser
 
01.08.2010 17:21
So ähnlich könnt' ich mirs auch vorstellen.

Aber nicht nur für die Unterschreibenden sondern auch für diejenigen, die Druck gemacht haben, dass unterschrieben wird - also die mitverantwortlichen.

Chocoholic
02.08.2010 12:40
Absolut. Zustimmung.

fibiundchillie
30.07.2010 13:10
Liebe Leute:

Der Punkt ist der: wer in Deutschland eine Großveranstaltung besucht, darf wohl davon ausgehen, daß diese eine behördliche Bewilligung erfahren hat, die nach sämtlichen gültigen Gesetzen/Verordnungen getroffen wurde, und ohne Schlamperei, Schieberei, Mauschelei...

hier haben deutsche behörden den tod von Menschen auf dem gewissen.

Darum geht es und nicht darum, ob einem die loveparade gfallt oder net.

fabian am
30.07.2010 11:00

Die Medien und die Öffentlichkeit verstehen das Konzept eines Unglücks nicht mehr; Wenn etwas passiert, ist das kein Unglück sondern ein Skandal und irgendwer ist schuld, meist ein Politiker.

Ich kenne die Details nicht (und keiner von euch kennt sie, da man sie erst erarbeiten muss; die Medien bieten nur die Parole "Skandal" mit Informationshäppchen angereichert an), aber für mich besteht zumindest die Möglichkeit dass niemand schuld ist! Und genau das kann sich die Gesellschaft mit Vollkasko-Mentalität nicht mehr vorstellen.

virginia plain
02.08.2010 21:56
jetzt ists ja schon eine weile her,

haben Sie sich mittlerweile schon informiert?

Walter Kaiser
 
01.08.2010 17:25
Sie schwafeln Unsinn.

Es geht hier um eine von Menschen geplante Veranstaltung und einer nicht zufälligen Unfallsursache.

Wenn aber Menschen etwas geplant haben, was dann zum Tode von Menschen führt, kann man wohl von Fehlplanungen sprechen. Und dass bei menschlichen Fehlplanungen auch nach Schuldigen zu suchen ist, ist wohl selbstverständlich.

Hier geht es NICHT um Naturkatastrophen, hier gehts um Menschkatastrophen.

Andreas Prucha
31.07.2010 16:04
Naja, Warnungen hat es schon im Vorfeld gegeben. Soweit ich über die Sache gelesen habe, sieht die Situation für mich folgendermassen aus:

Die Veranstalter haben bei der Planung und Genehmigung mit absurd niedrigen Besucherzahlen operiert (irgendwo bei < 500000, obwohl bisher die gleich Verantstaltung weit mehr die doppelte Anzahl an Besuchern hatte). Für mehr Besucher war das Gelände und die Zugänge einfach zu klein. Die Stadtverwaltung wollte aber scheinbar die Plausibilität nicht weiter prüfen und hat es trotzdem genehmigt. Soweit zu den Fehlern im Vorfeld.

Bei der Veranstaltung waren dann zu wenig Ordner anwesend, die Polizei hat an den falschen Stellen abgesperrt und nach Stunden Warten (weil viel zu viele) ungeduldige Besucher haben dann noch äussere Zugänge überrant. Ergebnis: Die ganzen Massen im Tunnel und auf der Rampe.

Marie Luxemburg
30.07.2010 13:26

man kennt ausreichend Details (wenn man nicht ohne Lesen einfach postet).
grundsätzlich sprechen Sie etwas sehr Richtiges an - ich meine aber, für diesen Fall gilt das nicht. In diesem Fall ist erschreckend fahrlässig und gefährlich "organisiert" worden. Es gibt - für alle - Gesetze, die einzuhalten sind.

Keyser
30.07.2010 11:52

In diesem Fall ist es ein Skandal, der zu einem vermeidbaren Unglück geführt hat. Wer die Schuld trägt, wird zu klären sein.

die Resi-Tant Evil
30.07.2010 11:36

Es ist haarsträubend, vermeintlich Erwachsenen wie Ihnen erklären zu müssen, eine große Menschenmenge besitzt kein kollektives Handlungsbewusstsein!

Das hat sie nur in Science Fiction Romanen und nur dann, wenn es eigentlich Mutanten sind, denen man bissi Ameisen- oder Bienengene in ihre DNA eingepflegt hat, sodass ein Teil des Kollektivs hunderte Meter weit per Gedankenübertragung o.ä. einem anderen Teil des Kollektivs mitteilt, es soll sich vom Ende der Rampe schleichen, denn das rampenmittige Kollektiv kann nicht nachrücken und staut sich.

So würde das in einem SF Roman funktionieren, hingegen in der realen Welt gibt es Verantwortliche für die Veranstaltung, bei der sich Menschenmassen bilden und nicht von selbst steuern können.

suboptimal
 
30.07.2010 09:25
makaber erhellend

der OBM und seine Spitzenbeamten sind schon mausetot
(und der Veranstalter sowieso)

http://maybritillner.zdf.de/ZDFde/inh... .html?dr=1

abalada
30.07.2010 11:22

Bosbach hat als Mitglied des Bundestages leicht reden.
Tritt ein MdB zurück
- verliert er seine Ansprüche aus der Altersversorgung für Abgeordnete die er bis dahin erworben hat nicht.
- verliert er natürlich auch nicht seine Ansprüche aus seinem vorherigen Berufsleben.

Tritt OB Sauerland zurück (= beantragt die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis) verliert er sowohl seine Pensionsansprüche als OB (auch aus seiner 1. Amtszeit) als auch die seines vorherigen Berufslebens als Oberstudienrat.

Ob der OB Sauerland wegen des Loveparade Unglücks finanziell (oder anders) bestraft wird, sollte den Gerichten überlassen werden. Nicht dem Mob, der Presse, den politischen Gegnern oder um Wahlstimmen fürchtende "Parteifreunde".

suboptimal
 
30.07.2010 16:15
Die präpotente Verwendung des Wortes "Mob" für Angehörige,

Freunde, Eltern von Kindern, die gerade noch davongekommen sind, finde ich im Angesicht des Todes von 21 jungen Menschen jämmerlich. 1 oder 2 Tote wären schon schlimm gewesen, aber 21 sind ein Desaster der politischen Unfähigkeit.

Merkel, Kraft, Jäger, Bosbach verlangen den Rücktritt auch nicht als "Mob" und beschädigen auch nicht die Opfer, wie es der OBM und seine Freunderln bei der Pressekonferenz noch getan haben.

Der Un-Verantwortliche
http://www.spiegel.de/politik/d... 54,00.html

abalada
31.07.2010 00:56

Die hatte ich mit Mob nicht gemeint. Aber auch Freunde, Eltern von Kindern, die gerade noch davongekommen sind, sollten nicht über die Bestrafung von Sauerland entscheiden dürfen.

Das was da derzeit abgeht erinnert mich an Lynchjustiz. Der war's. Der muss es gewesen sein. Hängt ihn!. Selbst wenn es stimmt ist das nicht richtig.

"Politische Verantwortung" als ein Konzept dass sich andere nicht ihrer Verantwortung stellen müssen ist der falsche Weg. Auch wenn das gerade der Zeitgeist ist.

Erst mal abwarten. Der ganze Ablauf ist noch lange nicht klar. Auch nicht ob es an fälschlich erteilten Genehmigungen lag oder der Nicht-Ausführung von Auflagen.

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