Assad und Abdullah spielen Krisenfeuerwehr in Beirut

30. Juli 2010 18:45

Hisbollah-Anklage könnte Regierung gefährden - Syriens Staatschef gemeinsam mit Saudi-Arabiens König Abdullah zu Besuch

Beirut/Damaskus/Wien - Der 85-jährige saudische König Abdullah holt Präsident Bashar al-Assad in Damaskus ab und reist mit ihm nach Beirut: Für beide ist das der erste Besuch in der libanesischen Hauptstadt seit der Ermordung von Expremier Rafik al-Hariri und weiteren 22 Menschen im Februar 2005. Und es ist mehr als ein Besuch, es ist eine Demonstration.

Als im November 2009, Monate nach den Wahlen, im Libanon endlich eine fein austarierte Proporzregierung der zwei verfeindeten Blöcke - pro und contra Syrien - unter der Führung des Hariri-Sohns Saad Hariri zustande kam, galt dies zu Recht als Folge der syrisch-saudi-arabischen Wiederannäherung. Assad hatte in der Folge seine Klienten im Libanon, Hisbollah und den Christen Michel Aoun, zum Abschluss gedrängt.

Und nun setzen sich Abdullah und Assad gemeinsam ein, um diese Regierung zu retten - und dem Libanon eine Rückkehr in die instabilen Verhältnisse der letzten Jahre zu ersparen, die 2008 zu einer Machtdemonstration der Hisbollah und zu Gewalt geführt hatten. Im Libanon ist der Gedanke an Bürgerkrieg nie fern.

Was Assad und Abdullah mobilisiert hat, sind neue Entwicklungen beim mit der Aufklärung des Hariri-Attentats betrauten Uno-Tribunal in den Niederlanden, das bis zu Jahresende eine Anklageschrift vorlegen soll. Der Hariri-Mord war Auslöser der tiefen syrisch-saudischen Verstimmung gewesen: Hariri stand dem saudischen Königshaus sehr nahe, und die syrische Schiene - die Vermutung, der syrische Geheimdienst, vielleicht auch die syrische Staatsspitze selbst seien direkt hinter dem Attentat gestanden - war für Ermittler und Beobachter lange Zeit die einzige. In letzter Zeit schwenken die Ermittler offenbar zu einer innerlibanesischen Spur um: die direkt in die Hisbollah führt, und zwar zu einem hochrangigen Funktionär.

Davon wurde Premier Saad Hariri informiert und gab die Nachricht an Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah weiter, der mit dunklen Drohungen und den üblichen Zuweisungen - das Uno-Tribunal als israelische Verschwörung - in die Öffentlichkeit trat. Zu befürchten ist nun, dass der prekäre innenpolitische Friede im Libanon eine Hisbollah-Anklage nicht überlebt.

Hariris Dilemma ist groß: Für seinen 14.-März-Block (benannt nach dem Tag, an dem 2005 die großen antisyrischen Demonstrationen begannen, die letztlich zur Zedernrevolution und zum Abzug der syrischen Truppen führten) ist das Hariri-Tribunal ein starkes identitätsstiftendes Element, abgesehen davon, dass er der Sohn des Ermordeten ist. Auch seine Unterstützer im Westen würden kaum verstehen, wenn er sich vom Tribunal distanziert. Ob jedoch reicht, was der einzig mögliche Kompromiss scheint - nämlich die Betonung, dass vom Tribunal nicht die Hisbollah, sondern nur Individuen angeklagt werden - ist zu bezweifeln.

Wenn die Regierungskoalition zwischen 14. März und 8. März (dem Hisbollah-geführten Block) zerfällt, stehen dem Libanon unsichere Zeiten bevor. Zwar hat die libanesische Armee seit dem Krieg mit Israel 2006 an Gewicht gewonnen, die Hisbollah bleibt jedoch militärisch stärker. Zu all dem kommen wachsende Spannungen - eigentlich schon Kriegsgefahr - mit Israel.

Für Assad indes bedeutet seine Rehabilitation in Saudi-Arabien eine Stärkung der syrischen Rolle nicht nur im Libanon, sondern in der ganzen Region. Im Fahrwasser Riads könnte auch Ägypten seine angespannten Beziehungen zu Damaskus verbessern. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7.2010)

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11 Postings
Plasmaball
31.07.2010 00:18
Und nicht ein einziges mal wurde bei den Ermittlungen in Richtung Israel gedacht

Erst gings gegen Syrien um die aus dem Land zu haben. Und als die draußen waren marschierte Israel ein weil sie dachten leichtes Spiel zu haben. Aber Pustekuchen, die Hisb'allah hielt dagegen. Also was macht man? Man ermittelt jetzt gegen die Hisb'allah um das Land wieder in einen Bürgerkrieg zu schicken.

Und wem nützt es? Nur Israel. Denn bis zum Einmarsch 2006 ging die libanesische Wirtschaft unter Hariri auf wie ein Hefepilz. Dann platt gemacht. Aber jetzt holen die Libanesen schon wieder auf. Sind halt einfach die besseren Kaufleute und das stinkt den Israelis wenn Jemand auf ihrem Spezielgebiet besser ist...

Fritz Wunderlich
04.08.2010 09:25

da vor zwei, drei jahren eine linksextreme organisation ihr informationstreffen ankündigte, bei dem sie von ihren tollen erfahrungen auf dem solikongress der hisballah in beirut erzählen wollten, zeigt ihr posting: sie gehören dieser an

Georg Schütt
04.08.2010 00:05
Wem nützt es, wenn Sie Israel ins Spiel bringen?

Richtig ...

Die Beweise gegen die Hisbollah - gefundene Handys, Gesprächjsdaten und -partner (u.a. im Iran zu den Pasdaran) sind jedenfalls erdrückend.

Herausgekommen ist das nur, weil einer der Männer ein privates Gespräch mit seiner Freundin führte - der Mann ist jetzt verschollen ...

Getötet wurde auch ein libanesischer Polizist, der die Hisbollah-Intrige zum Mord an Nasrallah erkannte. Aber auch das nutzt vermutlich nur Israel ...

Carlito336
30.07.2010 20:35
Die jahrelangen westlichen Schuldzuweisungen ...

an Syrien haben sich also in Nichts aufgelöst?
Unhaltbare Unterstellungen um einen Staat ins Eck zu drängen?
Und das ohne Powerpoint? Und ohne Gschichtln von ermordeten Säuglingen?
Und auch kein militärisches Atomprogramm?

Die Liste der Lügen wird mit jeder Äußerung eines US-Präsidenten nur länger...
?
?

Fritz Wunderlich
04.08.2010 09:29

noch ist es unklar, auf wessen anweisungen die zwei hauptverdächtigen der hisballah (neben fünfzig weiteren verdächtigten der hisballah) gehandelt haben: nasrallah, syrien oder iran

es gilt wie bei grasser die unschuldsvermutung, vor allem bei den linksextremen sympathisanten der hisballah und hamas

Kpt.Blaubart
30.07.2010 17:41
Liegt doch auf der Hand

wer da unten ständig Kriege führt.

Fritz Wunderlich
04.08.2010 09:26

hamas, hisballah und sonstiges terrorzeugs

Waldgaenger
 
30.07.2010 20:58

Für diese Israel verpasste Ohrfeige habe ich brillant vergeben

Makronaut
30.07.2010 23:36

naja - nachdem nasrallah sogar selber sagt, den krieg '06 angefangen zu haben, wäre ich da eher vorsichtig... ;-)

kurt haenel
 
30.07.2010 12:46
Die Schiitenorganisation Hisbollah hat die arabischen Führer zu einem Schulterschluss gegen das "israelische Komplott" aufgerufen, das hinter dem UNO-Tribunal zur Ahndung des Mordes an Rafik Hariri stecke

net schlecht..

Gibt's hier nix dazu zu sagen ?

Der Zwersch
31.07.2010 13:23

Sie meinen etwas das über ihr "net schlecht" hinausgeht?

Vielleicht sollten sie sich erstmal selber Gedanken darüber machen ob sie etwas zu sagen haben...bevor sie es von anderen einfordern.

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