Gianfranco Fini soll Partei verlassen, weigert sich aber

Gerhard Mumelter, 30. Juli 2010 07:08

Kammerpräsident "absolut unvereinbar" mit Regierungspartei PDL

Eigentlich wollte Silvio Berlusconi seinen ungeliebten Rivalen Gianfranco Fini am Donnerstag endgültig loswerden. Doch statt der erwarteten roten Karte begnügte sich die 37-köpfige Parteileitung mit der gelben: endgültiger Bruch, aber kein Rausschmiss.

Dagegen hatte Fini gerichtliche Schritte angekündigt. Nun soll er selbst die Konsequenzen ziehen. "Seine politische Überzeugungen und sein Verhalten sind absolut unvereinbar mit den Prinzipien des Volks der Freiheit und mit den Verpflichtungen gegenüber den Wählern", stellte die Parteileitung mit großer Mehrheit fest. Daraus ergebe sich auch der Schluss, dass "Fini als Präsident der Abgeordnetenkammer nicht mehr das Vertrauen der Mehrheit" genieße.

Für mehr als eine indirekte Rücktrittsaufforderung reichte es nicht. Denn die Geschäftsordnung des Parlaments sieht einen Misstrauensantrag gegen den Präsidenten nicht vor. Fini soll das dritthöchste Staatsamt also freiwillig niederlegen. Das hat er in einer ersten Reaktion entschieden abgelehnt. Der seit eineinhalb Jahren schwelende Koalitionskrach zwischen Silvio Berlusconi und seinem parteiinternen Gegenspieler endete mit einem Beschluss, der alles andere als klare Verhältnisse schafft - im Gegenteil.

Drei Abgeordnete aus Finis engstem Gefolge sollen sich einem Schiedsgericht verantworten, dessen Legitimität anfechtbar ist, weil es noch aus der Zeit von Forza Italia stammt. Das Verfahren könnte Monate dauern. Fini hat bereits erklärt, dass er die Partei nicht freiwillig verlassen werde. Heute will er auf einer Pressekonferenz auf die Entscheidung der PDL-Führung reagieren. Schon am Freitag könnten 34 Abgeordnete der Nationalen Allianz in der Kammer eine neue Fraktion bilden - für Berlusconi und seine disziplinlose Mehrheit ein ernsthaftes Problem.

Der aufgebrachte Cavaliere, der Tags zuvor einem Versöhnungsangebot Finis noch frostig begegnet war, steht nach der vermeintlichen Flurbereinigung vor einem Trümmerhaufen. Zwei Minister und ein Staatssekretär mussten in den letzten Monaten wegen Verwicklung in diverse Skandale zurücktreten. Justiz-Staatssekretär Giacomo Caliendo erhielt einen Ermittlungsbescheid der Staatsanwaltschaft und soll am Freitag von der Staatsanwaltschaft verhört werden.

Der Berlusconi-Vertraute Aldo Brancher wurde am Mittwoch in Mailand wegen Veruntreuung zu zwei Jahren Haft verurteilt. Parteikoordinator Denis Verdini hat auf einer Pressekonferenz alle Vorwürfe vehement zurückgewiesen. Doch der Credito Cooperativo Fiorentino, deren Präsident er bis vor einer Woche war, wird seit zwei Tagen wegen massiver Unregelmäßigkeiten in der Bilanzführung kommissarisch verwaltet.

Das vom Premier gewünschte Maulkorbgesetz wird vor der Sommerpause nicht mehr vom Parlament behandelt. Berlusconis Popularität ist auf 39 Prozent gesunken. Nur noch 31 Prozent der Italiener wollen seine zerstrittene Partei wählen. Eine Gewissheit lässt sich der knapp 74-Jährige freilich nicht nehmen: "Es stimmt, daß ich alt werde. Aber einen geeigneten Nachfolger sehe ich nicht."(Gerhard Mumelter aus Rom, derStandard.at, 30.7.2010)

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Unzeit-gemäß
30.07.2010 17:32
PD und IdV nur noch als "Zaungäste der politischen Auseinandersetzung"

Ganz guter Kommentar:

http://www.taz.de/1/debatte... offensive/

Gar nicht gesagt außerdem die Frage, wer Neuwahlen mehr fürchten muss: Berlusconi oder Fini ... am Ende könnte wieder der tribunus plebis über die Senatorenclique siegen.

Michaelis Sander
 
31.07.2010 09:39
übertrieben

das problem der italienischen linken ist sicher nicht zuletzt die privelegierte position ihrer führer. denen gehts ja materiell gut, und in der opposition muß man dafür praktisch nichts leisten, nur ein paar worte fallen lassen oder den aufgeregten schauspielen. aber daß sie neuwahlen fürchten ist wohl quark. im schlimmsten fall machen sie als opposition weiter. sicher ist, daß berlusconi aus neuwahlen, wenn er gewinnt, geschwächt hervorgehen wird. - übrigens, zaungäste, naja, nennt man in der demokratie normalerweise -oposition-. aber es stimmt. zuerst war man -besorgt-. da muß es in der basis rumort haben. jetzt fordert-man-neuwahlen. na, man gibt sich mühe, sozusagen. - vendola for president!

do the evolution
30.07.2010 15:32
der hält sich nicht an regeln und gesetze? na was für eine überraschung aber auch

ob ihm das wer vorgelebt hat?

El Rick
30.07.2010 13:30
Justiz-Staatssekretär Giacomo Caliendo erhielt einen Ermittlungsbescheid der Staatsanwaltschaft und soll am Freitag von der Staatsanwaltschaft verhört werden.

So etwas wäre in Österreich einfach undenkbar.

Heimat bist du großer Koffer
30.07.2010 15:17
"Zehn Millionen Euro kassierten Karl-Heinz Grassers Freunde beim Buwog-Deal. Wohin floss das Geld? Vertrauliche Justiz-Akten nähren einen schlimmen Verdacht. Grassers Konten werden bald geöffnet" (aus dem aktuellen FALTER)

Das wäre IN ITALIEN undenkbar! Da wären nämlich schon längst einige Damen/Herren in U-Haft gewandert. Und wozu? Zu Recht!

Im Unterschied zu Österreich ist die Staatsanwaltschaft in Italien nämlich nicht in der Form von der Politik (Justizministerium) abhängig. Das ist ja der Grund, weshalb Berlusconi derart verbissen und mit unzähligen (oft verfassungswidrigen) "Ad personam"-Gesetzen gegen die "roten Richter und Staatsanwälte" ankämpft...

wildkater
30.07.2010 13:21

Die Parallelen zu Österreich:
in beiden Ländern haben rechtsextreme Parteien großen Zulauf, in beiden Ländern sind diese Parteien aber untereinander zerstritten.

Österreich hat aber den Vorteil, dass die rechtsextremen Parteien so schnell nicht mehr in Regierungsverantwortung stehen werden.
In Italien ist dies eigentlich auch nur durch den immensen medialen und wirtschaftlichen Einfluß von Don Berlusconi möglich.

Poldi Fesch
30.07.2010 14:46
die it. extreme

Rechte grundelt irgendwo bei 5 % herum

-Nathan-
 
30.07.2010 17:22
bei 2-3 % höchstens.

aber die Schelme meinen Rechtspopulisten a la Lega Nord.

Poldi Fesch
30.07.2010 17:45
mit bossi jr.

als neuem Gossip ?:))

Jo eh...
30.07.2010 15:28

Schon praktisch wenn man so einfach umdefiniert was radikal ist, gell? Berlusca mit seiner Romahetze usw. ist ja sooo unradikal.

Poldi Fesch
30.07.2010 15:37
das mit den Zigeunern

ist zur Zeit der cousin oltrealpe.
ansonsten
http://www.storace.it/

Stelio Cotugno
 
30.07.2010 13:07
Meno male

Meno male che Silvio c'è !!!!

Silvio sorgt für Qualität ;)

raff1
30.07.2010 12:53
"Gianfranco Fini soll Partei verlassen, weigert sich aber"

Versuchens mal eine Sau vom Futtertrog zu verjagen...

Ava Tar
30.07.2010 15:12
Ein gezielter Schuß mit Hotzenplotz'ens Pfefferpistole

und ein quiekender Blitz zischt mit flammend rotem Hintern den Stiefel rauf und runter ;o)

Gerg K.
30.07.2010 14:31
Richtig....

deshalb bleibt ja auch Berlusconi....

clearlake
30.07.2010 14:47
berlusconi hat genug futter....

er hat ganz andere motive, aber dieses problem haben sich die italiener selbst eingebrockt....

Gerg K.
30.07.2010 15:29
Den Eindruck habe ich nicht....

aber ich konzediere gerne, dass es beim ihm nicht um Geld sondern um Macht geht, und davon kann er nicht genug bekommen.......

e g c
30.07.2010 12:43
bin gespannt, ob Finis neue "Azione Nazionale" immer noch bei jeder Vertrauensfrage der Regierung klein beigibt ...

plentn
30.07.2010 12:50

noch witziger wird der zickenkrieg in bozner PDL.

raymond a
30.07.2010 12:34

in keinem europäischen Land wird eine Regierung von Medien (fast alle Tageszeitungen, Rai 3, fast das gesamte Internet) und Justiz vehementer bekämpft als in Italien.

diesmal eben mit einem "P3-Logen"-Skandal, bei dem auch Fini mitmachen wollte...

http://aron2201sperber.wordpress.com/2010/07/1... e-p3-loge/

das hindert jedoch nicht die großen Italien-Experten daran zu glauben, Italien sei eine "Medien-Diktatur" und Berklusconi ein autoritärer Herrscher

plentn
30.07.2010 15:24

so ein schmarrn. über 80% beziehen die infos aus tg1 und tg5, und da sorgen schon minzolini und co. dafür dass nix anbrennt. der rest sind jeweils brösel.

Fritz Wunderlich
30.07.2010 15:13

hören sie doch endlich auf, den schützling von craxi zu verteidigen

joey .at
30.07.2010 14:40

schon wieder die falschen tabletten geschluckt???

coldturkey
30.07.2010 12:17

Unglaublich dass Berlusconi's Popularität überhaupt noch bei 39 Prozent liegt. Unglaublich dass er überhaupt noch im Amt ist. Unglaublich dass er nicht längst hinter Gitter sitzt. Unglaublich die Zustände, die in diesem Land herrschen. Da muss man über die Verhältnisse in Österreich im Vergleich ja geradezu glücklich sein.

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