Talkshow

Obama rügt Medienkultur und Rassismus in den USA

29. Juli 2010, 20:19

US-Präsident trat erstmals in seiner Amtszeit in einer TV-Talkshow auf

New York - US-Präsident Barack Obama hat in einem Auftritt in der Talkshow "The View" die Medienkultur und noch immer nicht ganz überwundenen Rassismus in den USA kritisiert. "Es gibt da draußen noch immer Ungleichheiten", sagte Obama. "Es gibt immer noch Diskriminierung. Aber wir haben Fortschritte gemacht."

Die erzwungene Entlassung einer dunkelhäutigen Ministeriumsmitarbeiterin nannte er im Fernsehsender ABC einen "heuchlerischen Streit", der von einer Medienkultur verstärkt worden sei, in der die Tatsachen nicht immer korrekt wiedergegeben würden.

Shirley Sherrod wurde von Landwirtschaftsminister Tom Vilsack entlassen, nachdem ein Blogger aus einer Rede der Ministerialbeamtin zitiert hatte. Sie hatte im März erklärt, sie habe vor 24 Jahren einen weißen Farmer nicht in dem Umfang unterstützt, wie ihr das möglich gewesen wäre. Der Mann habe sich ihr gegenüber überheblich verhalten, sagte Sherrod, die damals für eine Nonprofit-Organisation arbeitete.

Dieser von dem Blogger verbreitete und unter anderem vom Fernsehsender Fox aufgegriffene Filmausschnitt wurde allerdings aus dem Zusammenhang gerissen: Sherrod hatte den Fall des weißen Farmers als Beispiel dafür geschildert, dass sie selbst Vorurteile überwinden musste. Sie habe dem Mann zunächst nur so viel geholfen, dass sein Fall gerade so weiter vorangekommen sei, erklärte Sherrod bei dem NAACP-Bankett im März. Schließlich habe ihr die Situation aber "die Augen geöffnet" und gezeigt, dass Weiße genauso zu kämpfen hätten wie Schwarze. Diesen Teil der Ansprache hatte der Blogger verschwiegen.

Nachdem der volle Wortlaut der Rede bekannt wurde, bot Vilsack Sherrod ihren Ministeriumsposten wieder an. Obama sagte in "The View", in dem Fall hätten viele Leute überreagiert, "einschließlich Leute in meiner Regierung".

Interesse für Klatsch und Tratsch

Obama trat erstmals in seiner Amtszeit in einer TV-Talkshow auf. Er räumte ein, dass die wirtschaftliche Erholung schleppend verlaufe, lobte aber, es sei ermutigend, "wie belastbar das amerikanische Volk ist". Er ließ ein Interesse für Klatsch und Tratsch erkennen und gab zu, dass er wisse, dass Filmschauspielerin Lindsay Lohan im Gefängnis sei. Einer Frage, ob Mel Gibson eine Therapie zur Aggressionsbewältigung machen sollte, wich er aber aus: Lieber beantworte er eine Frage über Afghanistan.

Zu den Erfahrungen im Weißen Haus gehöre auch, dass in seinem E-Mail-Fach nur noch offizielle bis eher langweilige elektronische Post ankomme, berichtete Obama. Weil Absender damit rechnen müssten, dass ihre Botschaften auf Antrag offen gelegt werden müssen, seien sie sehr vorsichtig, sagte Obama. "Niemand will mir den wirklich spannenden Kram schicken", klagte er. "Es ist alles sehr förmlich." (APA)

JackBauer99
10
30.7.2010, 18:48
Obama...

....traurig, aber anscheinend der richtige Präsident für die Generation Youtube,Twitter und Co.

Wenn GW das gemacht hätte...puh...da wären wieder die Hackeln geflogen, aber mit einem Lächeln schafft es Obama zwar kaum was anders zu machen, nur hat er kaum Kritiker...

hin und wieder ein tunichtgut
00
31.7.2010, 01:50
ganz so sehen

das manche in der medienbranche in den usa nicht:
stichwort: overexposure to the media.
weil dieser Präsident es halt keinem recht machen kann.

Quintus Beckloeffel
14
30.7.2010, 17:03

Der jetzt von ihm kritisierten Medienkultur verdankt Obama seinen Aufstieg.

politisch verfolgt
00
30.7.2010, 14:19
bot Vilsack Sherrod ihren Ministeriumsposten wieder an

und, hat sie ihn wieder angenommen? weiß das wer? wäre ja ein nettes happy-end.

hin und wieder ein tunichtgut
23
30.7.2010, 11:29
ein durch und durch

sympathischer Präsident, der sich traut, es mit fünf damen aufzunehmen, die nicht auf den mund gefallen sind.
humor beweist er außerdem. und rückt ein paar sichtweisen der medien zurecht. zu recht, wie mir scheint.
und auf chelsea clintons hochzeit hatte er sowieso von vornherein nichts verloren, ich fand es immer seltsam, dass behauptet wurde, er wäre selbstverständlich dabei. er meinte auch scherzweise, die ihn interviewenden damen würden ziemlich sicher nicht zu sashas oder malias hochzeit eingeladen werden.

micksen
07
30.7.2010, 10:37

Ich find den Mr. President einfach cool

Odo
11
30.7.2010, 05:26
"US-Präsident trat erstmals in seiner Amtszeit in einer TV-Talkshow auf."

Obama hat in dieser Talkshow außerdem verkündet, dass er von der Familie Clinton NICHT zur Hochzeit von Chelsea Clinton am Wochenende eingeladen wurde.

http://www.spiegel.de/panorama/... 83,00.html

Erwin Wolfram
00
30.7.2010, 02:01

Ich will ja auch US Praesident werden.

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