US-Präsident trat erstmals in seiner Amtszeit in einer TV-Talkshow auf
New York - US-Präsident Barack Obama hat in einem Auftritt in der Talkshow "The View" die Medienkultur und noch immer nicht ganz überwundenen Rassismus in den USA kritisiert. "Es gibt da draußen noch immer Ungleichheiten", sagte Obama. "Es gibt
immer noch Diskriminierung. Aber wir haben Fortschritte gemacht."
Die erzwungene Entlassung einer dunkelhäutigen Ministeriumsmitarbeiterin nannte er im Fernsehsender ABC einen "heuchlerischen Streit", der von einer Medienkultur verstärkt worden sei, in der die Tatsachen nicht immer korrekt wiedergegeben würden.
Shirley Sherrod wurde von Landwirtschaftsminister Tom Vilsack entlassen, nachdem ein Blogger aus einer Rede der Ministerialbeamtin zitiert hatte. Sie hatte im März erklärt, sie habe vor 24 Jahren einen weißen Farmer nicht in dem Umfang unterstützt, wie ihr das möglich gewesen wäre. Der Mann habe sich ihr gegenüber überheblich verhalten, sagte Sherrod, die damals für eine Nonprofit-Organisation arbeitete.
Dieser von dem Blogger verbreitete und unter anderem vom Fernsehsender Fox aufgegriffene Filmausschnitt wurde allerdings aus dem Zusammenhang gerissen: Sherrod hatte den Fall des weißen Farmers als Beispiel dafür geschildert, dass sie selbst Vorurteile überwinden musste. Sie habe dem Mann zunächst nur so viel geholfen, dass sein Fall gerade so weiter vorangekommen sei, erklärte Sherrod bei dem NAACP-Bankett im März. Schließlich habe ihr die Situation aber "die Augen geöffnet" und gezeigt, dass Weiße genauso zu kämpfen hätten wie Schwarze. Diesen Teil der Ansprache hatte der Blogger verschwiegen.
Nachdem der volle Wortlaut der Rede bekannt wurde, bot Vilsack Sherrod ihren Ministeriumsposten wieder an. Obama sagte in "The View", in dem Fall hätten viele Leute überreagiert, "einschließlich Leute in meiner Regierung".
Interesse für Klatsch und Tratsch
Obama trat erstmals in seiner Amtszeit in einer TV-Talkshow auf. Er räumte ein, dass die wirtschaftliche Erholung schleppend verlaufe, lobte aber, es sei ermutigend, "wie belastbar das amerikanische Volk ist". Er ließ ein Interesse für Klatsch und Tratsch erkennen und gab zu, dass er wisse, dass Filmschauspielerin Lindsay Lohan im Gefängnis sei. Einer Frage, ob Mel Gibson eine Therapie zur Aggressionsbewältigung machen sollte, wich er aber aus: Lieber beantworte er eine Frage über Afghanistan.
Zu den Erfahrungen im Weißen Haus gehöre auch, dass in seinem E-Mail-Fach nur noch offizielle bis eher langweilige elektronische Post ankomme, berichtete Obama. Weil Absender damit rechnen müssten, dass ihre Botschaften auf Antrag offen gelegt werden müssen, seien sie sehr vorsichtig, sagte Obama. "Niemand will mir den wirklich spannenden Kram schicken", klagte er. "Es ist alles sehr förmlich." (APA)