Streik

Entwarnung für Griechenland-Urlauber

30. Juli 2010, 15:35

In fast allen Landesteilen Griechenlands kam es streikbedingt zu Engpässen - heimische Reiseagenturen sehen nur vereinzelte Probleme

Athen - Nach einer mehrstündigen Sitzung und Urabstimmung haben die griechischen Tank- und Lastwagenfahrer beschlossen, ihren seit Montag andauernden Streik fortzusetzen, berichtete der griechische Rundfunk. Das für heute in Aussicht gestellte Streikende ist somit vorläufig nicht in Sicht. Über die Auswirkungen auf den Tourismus gehen die Meinungen weit auseinander.
Laut griechischen Medienberichten sieht es nämlich düster aus. Die Regierung hatte bereits am Donnerstag ein Verfahren in Gang gesetzt, um die Fahrer wieder zum Dienst zu verpflichten. In fast allen Landesteilen kam es wegen des Streiks zunehmend zu Engpässen vor allem beim Treibstoff. Zehntausende Touristen harrten in Hotels und auf Campingplätzen aus, weil es keinen Sprit für ihre Autos gab. An den wenigen Tankstellen, die noch Benzin und Diesel verkauften, bildeten sich lange Warteschlangen. In einigen Stadtteilen Athens gab es in den Supermärkten kaum noch Obst und Gemüse.

Reiseagenturen riefen die Regierung am Donnerstag auf, sofort etwas zu unternehmen, andernfalls werde der Tourismus zusammenbrechen. Einige Fähren stellten den Verkehr wegen Treibstoffmangels ein. Tausende Touristen haben Medienberichten zufolge bereits ihre Reisen storniert, weil sie Angst haben, mit dem Auto steckenzubleiben. Auf Kreta hätten mehr als 200 Touristen ihre Mietfahrzeuge einfach stehengelassen, weil sie keinen Sprit mehr bekamen.

Vereinzelte Probleme

Weit weniger dramatisch beurteilt man heute die Situation von Österreich aus. Bei heimischen Reiseagenturen spricht man nur von vereinzelten Problemen. "Die Versorgung von Reisebussen und Mietautos mit Sprit ist gewährleistet", sagte Verkehrsbüro-Direktor Martin Bachlechner. "Uns sind derzeit nur Probleme auf der Insel Korfu bekannt. Die Versorgung in Athen und auf Kreta scheint gewährleistet", sagte Außen-Ministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthaler. Man gehe zudem davon aus, dass die griechische Regierung bald für eine Lösung sorgen werde. Das Außenministerium warnt allerdings Griechenland-Urlauber in seinen Reisehinweisen vor einer möglichen Benzinknappheit.

Beim Verkehrsbüro zeigt man sich ebenfalls gelassen. "Unsere Geschäftspartner vor Ort können uns von keinen größeren Problemen berichten", sagte Bachlechner. Für gecharterte Reisebusse und Mietautos würden eigene Tankstellen zur Verfügung stehen, die nicht vom Streik betroffen seien. Stornierungen gebuchter Reisen hätte es bisher keine gegeben. Auch TUI gibt Entwarnung: "Alle Leistungen können uneingeschränkt zur Verfügung gestellt werden", so Konzernsprecher Josef Peterleithner. Alle Transfers könnten planmäßig durchgeführt werden. Der ÖAMTC rät Griechenland-Urlaubern dennoch, noch vor der Grenze vollzutanken und im Land jede Möglichkeit zum Nachtanken zu nutzen.

Gegen die Öffnung geschlossener Berufe

Die Eigentümer und Fahrer der rund 30.000 Tank- und Lastwagen Griechenlands protestieren gegen die von der Europäischen Union (EU) verordnete sogenannte Öffnung geschlossener Berufe. Eine Lizenz für einen Last- oder Tankwagen kostet in Griechenland je nach Größe des Wagens bis zu 300 000 Euro. Lizenzen sind seit fast 40 Jahren in Griechenland nicht mehr ausgegeben worden. Aus diesem Grund steigt ihr Wert immer mehr. Dies soll nach einem Gesetzesentwurf in den nächsten drei Jahren stufenweise durch die Ausgabe neuer Lizenzen geändert werden. (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 265
1 2 3 4 5 6
Ohne Zinseszins ginge es 95% der Bevölkerung besser
00
31.7.2010, 19:00
Widersprüche

Die österreichischen und die internationales Medien widersprechen sich stark in der Schilderung des Ausmaßes des Boykotts. Die Österreicher (Ö1 Mittgsjournal) haben anscheinend nur die Reiseveranstalter befragt. Diese machen ihre Angaben so, dass die Leute ja nicht die Reise stornieren.

DirtyHarry
01
31.7.2010, 13:07

Griechenland - In ein Fass ohne Boden schüttet man kein Wasser.

Warum die SP-VP-Koalition trotzdem eine Haftung für Griechenland in der Höhe von EUR 15.000.000.000,- übernommen hat, das kann niemand erklären.

Ohne Zinseszins ginge es 95% der Bevölkerung besser
00
31.7.2010, 19:06
Der Tellerrand

geht bei Ihnen wohl nur bis zur österreichischen Staatsgrenze. Wir müssen einerseits lernen europäisch zu denken, dann ist Griechenland ein Teil von UNS!

Andererseits sollten wir sehen, dass im konkreten Fall nicht Griechenland, sondern die deutschen und französichen Banken geretten werden sollen, die griechische Staatspapiere in großen Mengen gekauft haben. Auf diese Art von von Finanzhai-Pseudo-Europäer könnte ich natürlich gerne verzichten...

DirtyHarry
00

Also ich verstehe mich in erste Linie als Österreicher, dann als Europäer und in weiterer Folge als Erdenbewohner.

Wenn das "UNS" dazu missbraucht wird um den Nettozahlerstaaten NL, FL, DE u. AT das Geld aus der Tasche zu ziehen, dann ist das eine Frechheit.

MarieAntoinette
01
30.7.2010, 18:40
Als noch Hoffnung bestand.

Der seit 15:35 korrigierte, zur Zeit möglicherweise aktuelle Inhalt widerspricht der seit 13:00 bestehenden Headline.

Funk1
01
30.7.2010, 17:36
Da wünscht man sich fast eine Margaret Thatcher

für Griechenland.

gogosch der Grosse
00
30.7.2010, 17:11
Wenn Griechenland den Bach runtergeht

ist der österr. Steuerzahler auf einen Schlag um 14 Mrd. Euros ärmer!
I find des suppa!

Norbert Müller
 
00
30.7.2010, 17:36
nein, der steuerzahler ist um 1750 Euro ärmer!

Richelieu
00
30.7.2010, 17:59

Bei diesen polemischen Milchmädchenrechnungen stellt's einem die Haare auf - wieviele Steuerzahler haben wir denn in Österreich? Welche Arten von Steuern kennen Sie? Welcher Anteil am Steuereinkommen kommt aus der Unternehmensbesteuerung? Hm?

cenare in animo habeo
02
30.7.2010, 19:16
Regen Sie sich nicht auf.

Das ist die typische Art, wie in der ZIB dem Pöbel das Rechnen beigebracht wird.

"... muss aufgrund des Defizits jeder Österreicher €.- bezahlen blabla ..." und der Österreicher sind immer 8 Millionen.

Kein Wunder, dass der Bürger so kalkuliert, wenn er vorher vom Staatsfunk vertrottelt wird.

DirtyHarry
00
31.7.2010, 13:05

Staatsschulden bzw. aufgeteilt auf alle Erwerbstätigen, je Erwerbstätigen: EUR 46.000,--

plus 15.000.000.000,-- Haftung für Griechenland, welche die sp-vp-regierung auch noch übernommen hat

http://www.staatsschulden.at/

naja2009
 
00
30.7.2010, 17:53
...seit wann zahlen Babys Steuern?...

Norbert Müller
 
00
30.7.2010, 18:32
das baby wird aber mal steuern zahlen und dann wird es ebenfalls dan mit den ca. anteil von pro kopf mehr belastung an staatschulden indirekt konfrontiert sein.

Conny Bärlus
00
30.7.2010, 17:08
Klug, die Griechen

Jeden Euro, den sie jetzt verlieren, zahlt ohnehin die EU. Und das, ohne dass ein einziger Grieche arbeiten muss.

Lord Chaos
00
30.7.2010, 16:39

So ruiniert man eine Wirtschaft. Geschützte Werkstätten versuchen die Gesellschaft in Geiselhaft zu nehmen. Ich hoffe die Regierung bleibt hart!

Lieblingstroll
00
30.7.2010, 16:07
Wenigstens die sonst so aggressiven griechischen Lehrer

verhalten sich zur Zeit ruhig. Immerhin! - Könnte es sein, dass sie eingesehen haben wie kritisch es um Griechenland steht?

Minimonk
00
30.7.2010, 15:05

Lizenzen für LKW um 300k? Bitte wie geil ist das denn?

Dass da alles andere blüht, nur nicht die Wirtschaft ist doch sonnenklar.

Mr. Spock
00
30.7.2010, 14:58

"Für gecharterte Reisebusse und Mietautos würden eigene Tankstellen zur Verfügung stehen, die nicht vom Streik betroffen seien. "

Was, wenn diese kein Benzin mehr haben? Diese werden ja dann auch nicht beliefert ...

Owi l8
02
30.7.2010, 16:11

Wenn sie kein Benzin mehr haben, kann man immer noch Diesel tanken.

wolfgang gaerber
02
30.7.2010, 14:52
Anruf bei der Griechischen Botschaft:

A: Hallo !
GR: Sorry you have to speak english or greek !
A: Excuse me, I want to make holidays in Greece - and Im´m slightly concerned about going by car because of the reported lack of fuel due to the ongoing strike.
GR: Which strike do you mean ?
A: It was reported on television and in the internet that only 5% of the gas-stations are in service by lack of fuel !
GR: We don´t know about a strike in greece. (!!)
A: Do you have an idea how long such strike may last in greece ?
GR: Thats few days typical - nothing to worry about.
A: Do you know if its allowed for tourists in such situation to take reserve fuel with them ?
GR: I don´t know.
======================================
Werde sicherheitshablber etwas Pflanzenöl in Ungarn einkaufen.

politisch verfolgt
03
30.7.2010, 14:39
den gewerkschaften geht es

wie überall längst nicht mehr um das wohlergehen aller arbeitnehmer, sondern nur mehr um die verteidigung der privilegien einer kleinen schicht, zu der die gewerkschaftsfunktionäre klarerweise meist selbst gehören. damit diskreditieren sie die an sich sinnvolle und in heutiger zeit mehr denn je notwendige idee, die gewerkschaften eigentlich zugrunde liegt.

Thomas Wetschnig
08
30.7.2010, 14:38
300.000,-- € für eine Lizenz zum Fahren ............

.......... und das nur, weil die Zahl der Lizenzen seit 40 Jahren gleich ist. Nicht der Staat und nicht die EU sind es, die dieses Geld einstreifen, sondern der, der eine Lizenz verkauft. Und eigene Agenturen, die für die Vermittlung der Lizenzen Provisionen einstreifen.
Aber wer diese Summen bezahlt, das steht fest - die Konsumenten.
Es ist gut, daß die EU diesem Treiben ein Ende setzen will und die Auftraggeber des Transportgewerbes wären gut beraten, die Transporte während des Streikes an Frächter aus Bulgarien zu vergeben.

Poldi Fesch
12
30.7.2010, 15:31
ein bisserl damit

befassen koenntest dich schon. also, irgendein LKW-Fuehrerscheinbesitzer least einen LKW u. kauft eine Lizenz. Dann faehrt er bis zum umfallen in der Hoffnung, den Kredit fuer die Lizenz sowie die Leasingraten bedienen zu koennen. Leben taet er auch nocht ganz gerne. Wennst das auf 40 Jahre rechnest hat der eine monatl. Belastung v. wenigstens € 2.000.- Wenn er diese Lizenz dann mit 65 weiterverkauft hat er eine Bto Pension v. rund € 1.200.- 12x. und sonst nix

Mr. Spock
00
30.7.2010, 15:03

Wozu braucht man ueberhaupt die Lizenzen? Mir erscheint das eher als eine andere Art von Schutzgeldzahlung.

Poldi Fesch
02
30.7.2010, 15:35
jein

die Frage, wer kassiert das Schutzgeld ? Die Idee dahinter, man will den einzelnen LKW-Besitzer soviel Markt geben, dasz der auch davon leben kann. Das sind ja nicht wie bei uns, riesige Speditionen mit zig LKWs sondern 1 - 3 Maxeln die einen LKW haben

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 265
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.