In fast allen Landesteilen Griechenlands kam es streikbedingt zu Engpässen - heimische Reiseagenturen sehen nur vereinzelte Probleme
Athen - Nach einer mehrstündigen Sitzung und Urabstimmung haben die griechischen Tank- und Lastwagenfahrer beschlossen, ihren seit Montag andauernden Streik fortzusetzen, berichtete der griechische Rundfunk. Das für heute in Aussicht gestellte Streikende ist somit vorläufig nicht in Sicht. Über die Auswirkungen auf den Tourismus gehen die Meinungen weit auseinander.
Laut griechischen Medienberichten sieht es nämlich düster aus. Die Regierung
hatte
bereits am Donnerstag ein Verfahren in Gang gesetzt, um die Fahrer
wieder zum
Dienst zu verpflichten. In fast allen Landesteilen kam es wegen des Streiks zunehmend zu Engpässen vor allem beim Treibstoff. Zehntausende Touristen harrten in Hotels und auf Campingplätzen aus, weil es keinen Sprit für ihre Autos gab. An den wenigen Tankstellen, die noch Benzin und Diesel verkauften, bildeten sich lange Warteschlangen. In einigen Stadtteilen Athens gab es in den Supermärkten kaum noch Obst und Gemüse.
Reiseagenturen riefen die Regierung am Donnerstag auf, sofort etwas zu unternehmen, andernfalls werde der Tourismus zusammenbrechen. Einige Fähren stellten den Verkehr wegen Treibstoffmangels ein. Tausende Touristen haben Medienberichten zufolge bereits ihre Reisen storniert, weil sie Angst haben, mit dem Auto steckenzubleiben. Auf Kreta hätten mehr als 200 Touristen ihre Mietfahrzeuge einfach stehengelassen, weil sie keinen Sprit mehr bekamen.
Vereinzelte Probleme
Weit weniger dramatisch beurteilt man heute die Situation von Österreich aus. Bei heimischen Reiseagenturen spricht man nur von vereinzelten Problemen. "Die Versorgung von Reisebussen und Mietautos mit Sprit ist gewährleistet", sagte Verkehrsbüro-Direktor Martin Bachlechner. "Uns sind derzeit nur Probleme auf der Insel Korfu bekannt. Die Versorgung in Athen und auf Kreta scheint gewährleistet", sagte Außen-Ministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthaler. Man gehe zudem davon aus, dass die griechische Regierung bald für eine Lösung sorgen werde. Das Außenministerium warnt allerdings Griechenland-Urlauber in seinen Reisehinweisen vor einer möglichen Benzinknappheit.
Beim Verkehrsbüro zeigt man sich ebenfalls gelassen. "Unsere Geschäftspartner vor Ort können uns von keinen größeren Problemen berichten", sagte Bachlechner. Für gecharterte Reisebusse und Mietautos würden eigene Tankstellen zur Verfügung stehen, die nicht vom Streik betroffen seien. Stornierungen gebuchter Reisen hätte es bisher keine gegeben. Auch TUI gibt Entwarnung: "Alle Leistungen können uneingeschränkt zur Verfügung gestellt werden", so Konzernsprecher Josef Peterleithner. Alle Transfers könnten planmäßig durchgeführt werden. Der ÖAMTC rät Griechenland-Urlaubern dennoch, noch vor der Grenze vollzutanken und im Land jede Möglichkeit zum Nachtanken zu nutzen.
Gegen die Öffnung geschlossener Berufe
Die Eigentümer und Fahrer der rund 30.000 Tank- und Lastwagen Griechenlands protestieren gegen die von der Europäischen Union (EU) verordnete sogenannte Öffnung geschlossener Berufe. Eine Lizenz für einen Last- oder Tankwagen kostet in Griechenland je nach Größe des Wagens bis zu 300 000 Euro. Lizenzen sind seit fast 40 Jahren in Griechenland nicht mehr ausgegeben worden. Aus diesem Grund steigt ihr Wert immer mehr. Dies soll nach einem Gesetzesentwurf in den nächsten drei Jahren stufenweise durch die Ausgabe neuer Lizenzen geändert werden. (APA/red)