Sarkozys Roma-Politik

Gefährliche Ablenkungen

29. Juli 2010 19:09

Frankreichs Präsident stellt sich nicht den durchaus drängenden Fragen, sondern ethnisiert die Frage der Roma-Politik

Dass Sicherheit und Ordnung für Sarkozy Priorität haben, ist bekannt und legitim. Doch wenn der französische Präsident nun Kriminalität mit "dem Verhalten einiger Angehöriger der Roma und anderer nichtsesshafter Gruppen" direkt verbindet, dann greift er auf Stereotype zurück, wonach Roma eben kriminell veranlagt seien. Er weist nicht auf die ursächlichen Probleme hin - nämlich die Kluft zwischen der Durchschnittsbevölkerung und den Roma in den Bereichen Wohnen, Bildung und Arbeit -, sondern ethnisiert die Frage.

Eine solche Ethnisierung bedeutet, dass kulturell-ethnische Argumente für alles herangezogen werden. Die Konsequenz: Egal, was sie tun, ihr Verhalten wird allein damit erklärt, dass sie Roma sind. Das ist an sich dumm, aber leider auch gefährlich:insbesondere in einer Zeit, in der die Übergriffe gegen Roma in Europa massiv angestiegen sind.

Sarkozy, dessen Name übrigens auch in mitteleuropäischen Roma-Familien vorkommt, stellt sich nicht den durchaus drängenden sozialen Fragen. Am selben Tag, an dem er sich eine Badewanne für seine Präsidentenmaschine ordert, ignoriert er in der Roma-Politik, dass Kriminalität und Armut ursächlich miteinander verknüpft sind.

Wenn er schnellere Abschiebungen für Roma fordert, bricht er aber mit einem Fundament der Demokratie. Sonderregelungen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit widersprechen dem Gleichheitsgrundsatz - und sind rassistisch. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2010)

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heinz feichtinger
19.08.2010 03:32
Abflug der Romas aus Frankreich

Die Ideen des Präsidenten der französischen Grand Nation werden jetzt in die Tat umgesetzt : Man setzt die Romas aus Rumänien ( klingt ja schon nach "Roma" ) für 300 Euro Abfertigungsprämie - und man hat die ungeliebten Mit-Europäer für eine Weile los - immerhin 300 Euro "Abfertigungsprämie" haben sie gekriegt. Ist das die europäische Integrationspolitik ? Kann sich so Frankreich loskaufen von Europa, von Menschenrechten ?
Was heißt dann "Wir Europäer ? " Was heißt Reisefreiheit, Niederlassungsfreiheit ? Entweder wird Frankreich aus der Europäischen Union mal ausgeschlossen oder aber man errichtet einen Landeplatz für die zwangsevakuierten Romas in der Nähe von Auschwitz. Roma sind ein elementarer Teil Europas oder Europa wird nicht sein !

heinz feichtinger
19.08.2010 03:20
Der Völkermord an den ArmenierInnen ist uninteressant.

Für die türkische Regierung , Intelligenzia ja ! Ein Objekt der Verdrängung einer verdrängten, verschuldeten Massenabschlachtung. Da gibt es keine "Aufarbeitung des Völkermords". Wie will die Türkei, als tatsächlich größte Nation Europas (Russland haben sie bald überholt) da in die EU kommen ?

nie mehr wieder ÖVP
30.07.2010 16:55
Wenn Rechte und Konservativen versagen

versuchen Sie Ihre Probleme Minderheiten zuzuschieben.

Feig ist das !

Igor Gassner
30.07.2010 16:28
Nun dann soll er eben keine Sonderregelung machen

Wenn man keinen sozialen Aufstieg will weil man gerne lebt wie man lebt dann wird die Armut zum Geschäft stimmt nicht für alle Angehörigen dieser Minderheit aber für manche schon.

Wenn man unten ist wird jeder Reiche der eigenen Volksgruppe zum Helden auch wenn er ein Gauner ist, auch das ist gefährlich.

LGL
30.07.2010 15:11
Vielleicht arbeitet er jetzt seine vorige Ehe auf

immerhin war der Familienname von Sarkozy's erster Ehefrau Ciganer (sie stammt aus Rumänien)

Der Freund Deiner Frau
30.07.2010 15:22
Darauf hab' ich die ganze Zeit gewartet.

Endlich mal eine nicht falsche" Behauptung (im Gegensatz zu "Sarkozy ist selber einer").

Ich kann mich irren, aber ihr Vater war "teils Jude, teils Tzigan" (was man so natuerlich eigentlich gar nicht ausdruecken darf, mit dem teils-teils) aus Moldawien.

Karl Kater
30.07.2010 14:51
Badewanne

Welche Farbe hat den Badewanne der Präsidentenmaschine, passt Sie stimmig zum Bodenbelag?

Lange Nacht der Kirschen
30.07.2010 14:25

Auch wenn ich der Grundaussage des Kommentars inhaltlich voll zustimme, finde ich die Anspielung auf die Herkunft des Namens Sarkozy wirklich entbehrlich. Hier wird versucht, künstlich einen Konnex herzustellen, der so nicht existiert. Ich bin kein Historiker und man möge mich berichtigen, wenn ich falsch liege, aber ich habe einmal gelesen, dass die Familiennamen der Bevölkerung der Roma und Sinti im Zuge der gesetzlichen Einführung der festen Familiennamen in Ungarn, hauptsächlich nach deren Herkunfts- bzw. Niederlassungsort gewählt wurden. Vielleicht wirkt es daher für so manchen erhellend, wenn er den Namen „Sarköz“ googelt.

Sandor Kocsis
30.07.2010 15:56

ja, da haben Sie recht, und nein, Sarko hat keine Roma u/o Sinti Vorfahren, von denen wir wissen

Berli Jucker
30.07.2010 10:34
Prof. Rudolf Sarközi

Präsident des Kulturvereins österreichischer Roma,

http://www.kv-roma.at/FRAMES/RU... RKOEZI.HTM

Janosch bacsi
30.07.2010 21:55

"Sie" natürlich.

Janosch bacsi
30.07.2010 21:54
na und?

Was wollen uns damit sagen?

Berli Jucker
30.07.2010 10:33
Junge Römer tanzen anders als die anderen

Der Freund Deiner Frau
30.07.2010 10:30
= Rassismus.

Ich bin natuerlich mit Tendenz und Grundaussage des Kommentars einverstanden.

Fr. Woelfl haette aber durchaus ein wenig mehr ueber die verschiedenen Volksgruppen (es geht nicht nur um Roma) und ihre Stellung in der EU erzaehlen koennen.

Sarkozys Herkunft und die seines Namens sollte man nur erwaehnen wenn man sie auch genau beleuchtet (Er ist natuerlich KEIN "Zigo").

Ich denke nicht, dass die Regierung sehr clever agiert, wenn sie die Mercedes der "fahrenden" genau dann anprangert wenn sich das Volk fragt warum Superreiche weiterhin die UMP sponsern und dafuer Steuerverguenstigungen bekommen.

Diese "Verbrechen" stehen in keiner Relation.

Sandor Kocsis
30.07.2010 14:26

na ja: er sprach von "einigen Angehörigen", und die er damit meinte hatten am Vorabend eine Ortschaft verwüstet

Langsam frage ich mich, ob Burleschini, Sarko, und Viki so falsch liegen, oder, ob es nicht tatsächlich eine höhere Kriminalitätsrate bei Roma gibt? Das liegt nicht im Blut der Roma, sondern ist auf deren soziale Randlage zurück zu führen. Zu negieren, dass es die Kriminalität gibt, hilft nicht weiter.

Wenn ich mich als Österreicher in Frankreich einer Straftat schuldig mache, werde ich auch abgeschoben. Was ist daran zu verurteilen?

G e o r g
30.07.2010 19:04

Das Problem ist ja nicht im Speziellen, dass Sarkozy Kriminalität bekämpfen würde (was oft schon problematisch genug ist), sondern dass er die Einordnung in ein "Volk" als Begründung für Kriminalität ansieht, und damit Ressentiments verstärkt.

Sandor Kocsis
02.08.2010 10:19

Mal beiseite lassend, dass ich nicht weiß, was daran schlecht sein soll, wenn man Kriminalität bekämpft - man muss ja nicht gleich mit dem Kärcher durch die Vororte ziehen - wo und wann betont Sarko, dass die Begründung der Einstufung als Krimineller auf eine Volksangehörigkeit zurück zu führen ist?
Da wird in Österreich viel hinein interpretiert, was so nie gesagt wurde. Und ich unterstelle, dass es aus dem umgekehrten Reflex passiert, den Sie Sarko´s Anhängern unterstellen.

G e o r g
08.08.2010 14:37

Mit oft schon schlecht genug meine ich z. B. die von dir erwähnte Kärcherei - die brutale Repression mit rassistischer Grundierung.
Wenn Sarkozy dauernd von kriminellen gens de voyage spricht, wenn er sie "aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit" abschieben will, wenn er ihnen "Kinderhandel und -ausbeutung sowie Prostitution" vorwirft, wenn er spezielle Steuerkontrollen veranlasst (http://www.spiegel.de/politik/a... ,00.html), dann verwendet er ganz deutlich antiziganische rassistische Ressentiments. Sarkozy ist übrigens schon als Innenminister gegen Roma vorgegangen und hat damit die frühere französische Roma-Politik gewendet: http://www.wsws.org/de/articl... -j28.shtml

Sandor Kocsis
09.08.2010 11:38

da sie es leid sind, von uns mit dem erhobenen Finger belehrt zu werden, es Sache der italienischen u/o französischen Regierung ist.

Wir müssen den neuen EU Ländern helfen, die Integration zu schaffen, Vorurteile abzubauen - aber nicht indem wir das Problem negieren.

Sandor Kocsis
09.08.2010 11:36

Dass er nicht ganz koscher ist, da gebe ich Ihnen recht: nur, was hätten Burleschini und er sagen sollen: "Menschen, die aus der EU vorübergehend hier sind, und das tägliche Einkommen unregelmäßig und mit kriminellen Mitteln bestreiten?"
Ich verstehe nicht, warum man/frau das Problem nicht beim Namen nennen darf. Dadurch wird es nicht besser.
Dieses ständige Schönreden... Sehen wir doch ein, dass tatsächlich viele Roma ihr Geld nicht auf legale Weise verdienen - das heißt weder, dass sie es im Blut haben, noch, dass wir, die sie an den Rand der Gesellschaft gedrängt haben, unschuldig an ihrer Situation sind.
Ich glaube aber nicht, dass, selbst wenn es die meisten Osteuropäer/innen gerne hätten, da sie

G e o r g
27.08.2010 23:39

Ich glaube dir deinen guten Willen in der Sache. Aber eines ist sicher kein Weg hin zu einem besseren Zusammenleben: Kriminalität mit "Volkszugehörigkeit" oder ähnlichem zu korrelieren, egal für welche Zwecke. Da helfen die besten Absichten nicht weiter.

Sandor Kocsis
28.08.2010 11:54

Einfach zu sagen: nicht alle Roma sind Kriminelle, löst nicht das Problem, dass überdurchschnittlich viele unter ihnen, wegen dem Abdrängen an den Rand der Gesellschaft, kriminell sind, viel zu viele Kinder unter ihnen, keinen Schulabschluss haben, et al. Endlich scheint es einen grenzüberschreitenden Lösungsansatz zu geben.

Sandor Kocsis
28.08.2010 11:54

vergessen wir die Kriminalität: Alternativen zum Vorgehen Sarkos u/o Burleschinis?

Vorschläge zur Integration? Ich lese hier - nicht von Ihnen - wenn man die Probleme beim Namen nennt, und Lösungsvorschläge unterbreitet, wir wären Raxisten, weil wir eben die zahlreichen Fälle direkt ansprechen. Wir verallgemeinern nicht, negieren eben nicht diese Probleme. Sonst können wir sie nicht lösen.

In unseren österreichischen Wohnungen und Häusern zu posten: Lasst den Roma doch ihre Freiheit! ist Salonkommunismus: ich möchte wissen, was genau diese Personen posten, wenn so eine illegale Siedlung vor ihrem Haus/Wohnhaus ist, wenn der Abfall nicht entsorgt, und die Straße und Parks die Toiletten sind, während man aggressiv angeschnorrt wird?

Der Freund Deiner Frau
30.07.2010 15:16
"Wenn ich mich als Österreicher in Frankreich einer Straftat schuldig mache, werde ich auch abgeschoben"

Das glaub' ich nicht.

In dem Fall geh ' ich in einen franzoesischen Knast oder zahl Strafe.

Das "es tatsächlich eine höhere Kriminalitätsrate bei Roma gibt" und diese "auf deren soziale Randlage zurückzuführen" ist, ist natuerlich nicht falsch (und auch ganz gut ausgedrueckt).

Zum Thema "Roma & Integration" sei uebrigens Jedem der Bestseller "Die Hundeesser von Svinia" (KM Gauss) ans Herz gelegt.

- Faszinierend, ernuechternd und nicht unbedingt positiv stimmend - Life's a vicious circle!

Trotz Allem: Solidaritaet jetzt!

Sandor Kocsis
30.07.2010 15:57

Soweit ich weiß, wobei ich keine Straftat begangen habe, wird man schnellstmöglich abgeschoben (jetzt nicht wegen Falschparkens)

Die Hundeesser ist tatsächlich ernüchternd.

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