Frankreichs Präsident stellt sich nicht den durchaus drängenden Fragen, sondern ethnisiert die Frage der Roma-Politik
Dass Sicherheit und Ordnung für Sarkozy Priorität haben, ist bekannt und legitim. Doch wenn der französische Präsident nun Kriminalität mit "dem Verhalten einiger Angehöriger der Roma und anderer nichtsesshafter Gruppen" direkt verbindet, dann greift er auf Stereotype zurück, wonach Roma eben kriminell veranlagt seien. Er weist nicht auf die ursächlichen Probleme hin - nämlich die Kluft zwischen der Durchschnittsbevölkerung und den Roma in den Bereichen Wohnen, Bildung und Arbeit -, sondern ethnisiert die Frage.
Eine solche Ethnisierung bedeutet, dass kulturell-ethnische Argumente für alles herangezogen werden. Die Konsequenz: Egal, was sie tun, ihr Verhalten wird allein damit erklärt, dass sie Roma sind. Das ist an sich dumm, aber leider auch gefährlich:insbesondere in einer Zeit, in der die Übergriffe gegen Roma in Europa massiv angestiegen sind.
Sarkozy, dessen Name übrigens auch in mitteleuropäischen Roma-Familien vorkommt, stellt sich nicht den durchaus drängenden sozialen Fragen. Am selben Tag, an dem er sich eine Badewanne für seine Präsidentenmaschine ordert, ignoriert er in der Roma-Politik, dass Kriminalität und Armut ursächlich miteinander verknüpft sind.
Wenn er schnellere Abschiebungen für Roma fordert, bricht er aber mit einem Fundament der Demokratie. Sonderregelungen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit widersprechen dem Gleichheitsgrundsatz - und sind rassistisch. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2010)