Die Griechen arbeiten wieder an der Krisenbekämpfung durch Wirtschaftsbelebung
Man kann nicht sagen, dass in Griechenland nicht an der Bekämpfung der Krise durch Belebung der Wirtschaft gearbeitet würde. So hat jetzt wieder die Waldbrandsaison begonnen. Findige Menschen zünden (die noch vorhandenen) Wälder an, dadurch entsteht Bauland für Ferienvillen steuerhinterziehender reicher Griechen bzw. von Ausländern. Die Bauwirtschaft blüht auf, aber auch die Bestechungsgelder für Behörden, Justiz und Polizei erhöhen die interne Kaufkraft. Die Touristen haben auch etwas davon, denn sie können etwa auf der ägäischen Insel Samos fasziniert beobachten, wie die Löschflugzeuge auf hoher See Wasser tanken, im Formationsflug über den Strand donnern und im Rauch verschwinden.
Eine andere Variante der Wirtschaftsbelebung ist bei griechischen Taxlern zu beobachten. Der stolze griechische Taxler kann ganz schön böse werden, wenn man Kinder auf dem Rücksitz anschnallen will ("I am a good driver!"). Deshalb klemmt er gerne die Gurte hinter den Rücksitzen weg. Der Fahrgast auf dem Beifahrersitz hingegen, der sich anschnallen will, findet oft die Fixiervorrichtung für den Gurt blockiert. Ein sinnreicher kleiner Keil aus Metall oder Plastik sorgt dafür, dass der Warnton nicht anschlägt, wenn der Gurt nicht eingesteckt ist. Die Dinger sind nicht handgeschnitzt, sondern industriell produziert. Irgendwer muss sie erdacht, entworfen und erzeugt haben. Wirtschaftsankurbelung! (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 30.7.2010)