Gusenbauers Hypo-Engagement

Keine Regeln für Lobbyisten

29. Juli 2010 17:56

In Deckung bleiben, scheint die Devise: SPÖ schweigt zu Gusenbauers Hypo-Beratung

Wien/Graz - In Deckung bleiben, scheint die Devise in der SPÖ zu lauten. Offiziell will keiner etwas zu Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer und seiner Beratertätigkeit für die Hypo Alpe Adria Bank (siehe auch) sagen. Außer vielleicht, dass rechtsmäßig alles einwandfrei war. Dass manche ein moralisches Problem sehen, sagen sie nur hinter vorgehaltener Hand.

Alfred Gusenbauer war im zweiten Halbjahr 2009 Berater für die Hypo Group Alpe Adria. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bank wegen der Staatshilfe aus dem Jahr 2008 Ärger mit der EU. Gusenbauer hat bestätigt, für seine Dienste 60.000 Euro erhalten zu haben. Bis Dezember 2008 war Gusenbauer noch Bundeskanzler.

Gusenbauer war Teil des Beraterteams um den Wiener Rechtsanwalt Leopold Specht. Specht selbst soll für seine Dienste etwa 90.000 Euro erhalten haben.

Diskussionen in der Partei

Dass er seine als Kanzler erworbenen Kontakte genutzt habe, um die noch von ihm als Regierungschef möglich gemachte Staatshilfen für die Bank bei der EU durchzusetzen und dabei als Berater zu verdienen, sorgt in der Partei für Diskussionen. Wenn auch die offizielle Linie lautet: Gusenbauer habe dieses Geschäft als Privatperson erledigt, und für die Bankenhilfe sei das Finanzministerium zuständig gewesen.

Die Sorge in der SPÖ: Wird das der Partei schaden? Wenn es eine große Geschichte wird, könnte es zu einer Belastung für den steirischen SPÖ-Chef Franz Voves und den Wiener Bürgermeister Michael Häupl, die sich demnächst der Wahl stellen müssen, werden.

Stiftungsumwandlung als Dauerbrenner

Der Rechtsanwalt Leopold Specht war auch jener Mann, der die umstrittene Stiftung der steirischen SP in eine gemeinnützige GmbH umwandelte. Die Umwandlung ist ein Dauerbrenner im steirischen Landtagswahlkampf, weil sie für die Partei besonders "steuerschonend" erfolgt sei, wie die Landes-VP der SP stets vorwirft.

Für Lobbyismus gibt es in Österreich keinerlei verpflichtende Vorschriften, lediglich eine freiwillige ethische Regelung zweier Interessenverbände. Der Politologe Peter Filzmaier meint, dass Österreich kaum Erfahrung mit Lobbyismus habe, weil das über die Kammern institutionalisiert sei und weil der Unterschied zwischen Lobbyismus und Beratung oft verschwimme.

Die Gehaltsfortzahlung für Politiker, beim Kanzler etwa ein halbes Jahr, habe auch den Sinn, eine Pause zwischen der politischen Tätigkeit und der privatwirtschaftlichen auf gleichem Terrain zu gewährleisten. (cms, ker, völ, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.7.2010)

Kommentar posten
19 Postings
Finn McCool
30.07.2010 11:45
Warum hat es eine schwarzblaue Bank überhaupt nötig, sich von einem Roten beraten zu lassen?

Kein Vertrauen in die geballte "Wirtschaftskompetenz" in den eigenen Reihen?

blubb66
30.07.2010 10:52
Der Gusenbauer ist wenigstens billig ...

... anderswo werden ja gleich steuerfrei etliche Millionen verschenkt.

Typisch Österreich: die beste Karriere ist immer noch die Politik, da gibt's ab einer bestimmten Ebene einen beständigen Geldregen, ganz egal, wie kompetent man ist. Weil man halbseidene Geschäfte in die Wege leiten kann ...

mulligan1
30.07.2010 09:51
lobbying IST korruption pur !

der lobbyist
30.07.2010 09:39
... sagt der lobbyist filzmaier! er ist ja selbst miteigentümer der grössten österreichischen lobbying/public affairs/beratungsfirma!

http://www.datum.at/7809/stor... gskartell/

partner und miteigentümer(u.a.): rosam, ecker, rauch-kallat, langthaler, karmasin...

Prof. h.c. Doleg Stinida
30.07.2010 07:27
Oje!

Wenn sich jetzt auch schon die Roten an den Gaunereien beteiligen, auf wen sollen die linken Medien denn dann schimpfen? Jetzt gehen ihnen bald die Bashing-Ziele aus!

Bernhard Tweraser
 
30.07.2010 01:43
Vranz, Klima, Gusi, eine ganze Generation SPÖ Politiker garantierte für eine Politik

für das Großkapital. Die SPÖ ist die beste Partei, die sich das Großkapital wünschen kann. Der Mittelstand hat niemand mehr, den er wählen kann. Die ÖVP ist von der SPÖ rechts überholt worden und versucht krampfhaft, noch besser für das Großkapital zu sein. Die Arbeiter und Angestellten wurden sowieso verkauft von einem Herrn namens Verzetnitsch, der für sein Penthouse alles durchwinkte. Faymann steigt in die Fußstapfen Gusis, wetten?

Mostbluzza
30.07.2010 11:48
bezeichnend ... und wie es läuft

bezeichnend ist, dass das ganze thema politik, lobbying und korruption im wirtschaftsteil hier zu finden ist. es geht nicht um eine villa, einen urlaub hier und 50.000 dort, sondern um fette kohle:
um gesetze, wo generationen von bürgern ihr geld verbraten, um staatshilfen und bankenrettungen, um steuererhöhungen usw ...

aber egal.

schön sieht man, an den verwicklungen der spd/cdu und der finanzbranche wie es läuft ... aktuell bei präs. wullf in brd:

http://www.freitag.de/community... maschmeyer

also dann ...
29.07.2010 23:55
a ...w u a s c h t, weil

- die korruption ja bei der offenlegung ALLER parteispenden beginnt,
- die (geplante verjährung a la strasser...) -
ja zum bestandteil der "organisationsentwicklung"... der justiz zu gehören scheint,
- transparancy intl., (seit jahren), auf die totale unzulänglichkeit der ösi-gesetze hinweist,
- das agieren von g u s i + k h g + meischi
... bei SP_Ö_VP seit dekaden gängige praxis ist...
(die korrupte braune jauchengruber lass ich aussen vor)
d.h.
all diese "geschäftsgebarung" ist bestandteil der politischen k u l t u r ... im ösi-landerl !

ja - es gibt (hie und da) ein ungustige medienrülpser (so wie zu gusi z.b.) aber das legt sioch schnelle wieder.

what shalls,
es ist heiss - und sommer...

Advaita0
30.07.2010 11:45
wo wohnt "also dann"?

in Ösistan ist Regen und kühl...

Karl Heiden
29.07.2010 22:47
In den - viel gescholtenen - USA

ist eine "cooling-off-period" von zwei Jahren für aus Regierungsämtern Ausscheidende verpflichtend ...

wien 1220
 
30.07.2010 15:55

Das hat etwas für sich, denn nach 2 Jahren haben sich die meisten Kontakte verlaufen. Allerdings müssten diese zwei Jahre vom Staat bezahlt werden und das will bei uns niemand. So manche(r) wäre danach allerdings mit Sicherheit ein unlösbarer Fall fürs AMS.

tablespace65
29.07.2010 21:49
Nicht nur zwischen "Lobbyismus und Beratung", sondern auch zwischen "Lobbyismus und Betrug" verschwimmt der Unterschied sehr oft...

Schom Tougher
29.07.2010 20:47
Weshalb überrascht mich ...

... das alles so überhaupt nicht?

www.lila-oesterreich.at
29.07.2010 20:39
Gusi... in welche Niederungen hast Du Dich begeben?

Agierst ja wie ein österreichischer Durchschnittspolitiker - kein Schüssel, kein Lopatka (der dann beichten geht), Scheuch oder sonst irgendein Betrugsprofi kann das besser machen.

lllaaa
29.07.2010 20:20

macht der standard das freiwillig?
drei journalisten darauf anzusetzen, vom wahren skandal in dieser causa abzulenken und auf einen "roten" hinzudreschen?
erscheint mir - in der relation - eher lächerlich....

Boots Mann
29.07.2010 21:51
jo, jo, der arme Gusi, ...

alle dreschens auf ihn, ...

Die andern SPÖler habens halt besser gemacht, und Guso war halt nur a guta Juso.

Regis 1
29.07.2010 19:46
egal

egal ob vp, sp, fp, bzö - irgendwann kann mann/frau sie alle in einen topf werfen ...

Advaita0
30.07.2010 11:49
bleiben nur mehr Grüne und KPÖ

Klaus Woltron
30.07.2010 07:15
.........ein Binkel..........

Hadern.

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