Grüner Dauerclinch: Betriebsräte vs. Parteiführung

29. Juli 2010, 18:31

Konsequentes Mobbing und ein "sich einbunkernder Funktionärsklüngel" - Zwei Betriebsräte erheben schwere Vorwürfe gegen die niederösterreichischen Grünen

St. Pölten - Melitta Dannereder ist vorsichtig geworden. "Machen Sie bitte die Tür zu", sagt sie zur Kellnerin, als diese den Raum verlässt. Die langjährige Mitarbeiterin der niederösterreichischen Grünen liegt seit Jahren im Clinch mit der Parteiführung, vor allem mit Landesgeschäftsführer Thomas Huber. Ihren Job hat sie noch, weil sie als Betriebsrätin unkündbar ist. Doch auch das könnte sich in wenigen Wochen ändern.

Rückblick. "Wir waren ein tolles Team, eine zusammengeschweißte Partei", sagt Dannereder, eine blau-gelbe Grüne der ersten Stunde. Doch in den letzten Jahren habe sich die Stimmung zusehends verschlechtert. Ein erster Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Huber und dem Betriebsrat waren die Verhandlungen über ein neues Gehaltsschema nach den Landtagswahlen im Frühjahr 2008. "Die unteren Gehälter lagen unter dem, was die Grünen politisch als Mindestlohn fordern", sagt Helmut Schlager, ebenfalls Betriebsrat.

Konkurrenz und Misstrauen

Ohne Vorankündigung wurde auch die damals gültige Betriebsvereinbarung aufgekündigt; die Alternativen und Grünen Gewerkschafter (Auge) protestierten. Gleichzeitig bekam die Auge in Niederösterreich Konkurrenz durch die "Grünen Gewerkschafter", die federführend von Hubers Büroleiter Paul Souschill gegründet worden waren.

Die beiden grünen Betriebsräte gehören nach wie vor zur Auge. Sie sprechen von einem "sich einbunkernden Funktionärsklüngel", der sich vor kompetenter Konkurrenz fürchte. "Als Buchhalterin wusste ich alles, nun misstraut man mir", sagt Dannereder, der laut ihren Angaben der Großteil ihrer Arbeit weggenommen worden sei.

Nach und nach, sagen die beiden Betriebsräte, wurden sie vom Rest der Partei praktisch absentiert: Schriftlich sei ihnen erklärt worden, dass sie das Telefon im Büro nicht mehr abheben dürften, außer es klingle direkt bei ihnen, außerdem gebe man ihnen keinen Büroschlüssel.

Als Mobbing empfinden das die beiden langjährigen Mitarbeiter in der Landesparteizentrale. Sie informierten Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig und die niederösterreichische Klubobfrau Madeleine Petrovic. Beides blieb folgenlos.

Dannereder steht fünf Jahre vor der Pensionierung, doch der Druck wird immer größer. Im Februar 2010 vereinbarte sie mit Huber einen "sozialverträglichen Ausstieg". Das Angebot habe diese Bezeichnung aber "nicht im Entferntesten verdient", notierte die Betriebsrätin in einem ihrer Memos, in denen sie die Vorgänge der letzten Jahre dokumentiert hat. Sie lehnte das Ausstiegsangebot ab. Auch Schlager ist über 50, für die beiden wird es am Arbeitsmarkt schwierig.

Denn genau dort könnten sie sich bald wiederfinden. Eine außerordentliche Betriebsversammlung steht in den nächsten Wochen an, die die Enthebung des Betriebsrats zum Ziel hat - zum zweiten Mal innerhalb von 15 Monaten. Schlager und Dannereder gehen davon aus, dass sie abgewählt werden, Huber habe die Landesparteizentrale schließlich nach und nach mit seinen Unterstützern besetzt. Nach ihrer Abwahl sind die beiden Betriebsräte noch drei Monate lang unkündbar, danach, vermuten sie, wird man sie wohl rauswerfen.

Huber: "Nicht mein Stil"

Landesgeschäftsführer Huber will sich - vom Standard mit den Vorwürfen konfrontiert - nicht konkret dazu äußern. "Es ist nicht mein Stil, in der Öffentlichkeit über Personalangelegenheiten zu sprechen." Den Vorwurf des Mobbings weist er aber "auf das Schärfste zurück" . Und eine Abwahl des Betriebsrats würde von den Mitarbeitern initiiert, nicht von der Geschäftsführung. Grundsätzlich gebe es in der grünen Landespartei aber "nichts zu verbergen. Bei uns liegt alles offen auf dem Tisch."

Manuel Prankl, Regionalsekretär der niederösterreichischen Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), befasst sich schon seit längerem mit den grünen Interna. Einzelfälle darf er offiziell nicht kommentieren; ganz allgemein steige aber der Druck auf die Betriebsräte. Prankl vermutet, das sei eine "Nachwirkung der Finanzkrise. Viele werden sehr unter Druck gesetzt." Mobbingfälle und daraus resultierende Burnouts bei Betriebsräten würden zunehmen. "Gleichzeitig wird der Nachwuchs zu Einzelkämpfern erzogen", glaubt Prankl, "Solidarität heißt zwar unsere Zeitung, aber in den Betrieben gibt es sie oft nicht mehr."

Dass ausgerechnet bei den Grünen politischer Wunsch und arbeitsrechtliche Wirklichkeit offenbar derartig auseinanderklaffen, enttäuscht Dannereder. "Ich habe doch immer auf die grünen Werte gepocht." (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 63
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naihoit
00
11.8.2010, 10:17
Ich bin schon lange auf der Welt,

ich kann mich noch sehr gut an die Geburtswehen der Grünen (VGÖ, GAL etc.) erinnern.
Und ich war so froh, daß es endlich wieder eine politische Bewegung gab, die die Menschen in den Mittelpunkt aller Entscheidungen stellte.
Und ich habe sie auch gewählt, aus Überzeugung.
Aber leider haben sich -wie ja eigentlich eh immer- die Profiteure eine Bewegung unter den Nagel gerissen, um selbst gut zu leben.
Und die Idee wird zum Mittel zum Zweck mißbraucht.

naihoit
10
11.8.2010, 10:09
Schreiben Sie "Sauschädl", trinken Sie 1/2 Liter Wein und lesen Sie, was Sie geschrieben haben.

Cape Of Green Hope
04
Mindestlohn fordern und Mindestlohn zahlen...

...ist eben schon ein Unterschied. Soviel Grünäugigkeit hätte ich nicht erwartet. Leider ist der geforderte genaue Betrag nicht ausgewiesen. Wäre interessant, wieviel das im Vergleich zur Mindestsicherung wäre.

legal eagle
 
03
arbeitsrechtlich gesehen kann man den beiden nur raten,

die kündigung (die so sicher kommt wie das sprichwörtliche amen im sprichwörtlichen gebet) anzufechten, und zwar sowohl nach ArbVG wegen sozialwidrigkeit als auch nach GlBG wegen altersdiskriminierung und altersbezogener belästigung - das ist der einzige weg, wie sie das offensichtliche mobbing rechtlich ausreichend tragfähig einbringen können.

ergänzend dringender rat: rechtzeitig eine gute beratung einholen!

derhammerer
21
31.7.2010, 21:05
grünöiag = soziale inkompetenz

der grüne-huber hat anscheinend guten kontakt zum öiag michaelis, beide glauben sich über alles hinwegsetzen zu können und das auch noch unter den augen der öffentlichkeit bzw der wähler und steuerzahler, diese grün-kaoten bringen sich in wien gegenseitig-politisch um und der michaelis glaubt dadurch -soziale inkompetenz - seinen job zu retten,
wird zeit dass dem spuk bald ein ende gesetzt wird,
was ich jedenfalls redaktionell interessant finde ist, dass den auge betriebsräten da so ein breiter raum geboten wird und über die öiag unzulänglichkeiten beharrlich geschwiegen wird, hängt wohl an den finanzen, ungerböck schau oba

Oldsgone
24
31.7.2010, 02:10
HAHA

das sieht man wieder einmal das auch die grünen DRECK am stecken haben (ihren aussagen betreffend natürlich) amüsant.... :)
natürlich sind alle parteien nicht perfekt aber bei den grünen wird schon seit dem abgang von van der bellen nur noch wein statt wasser getrunken (gepredigt wird natürlich von wasser..:) damit alle möchtegern alternative people die Grünen wählen

Michel Berger
04
30.7.2010, 16:37
Interessanter Aspekt!

Die Dame soll fünf Jahre vor Pensionsantritt sozialverträglich verrentet werden.

Ist sowas für eine politisch korrekte Partei wie die Grünen eigentlich gehörig?

Um sein Süppchen auf Kosten der Allgemeinheit zu kochen ist man sich offenbar auch in dieser Partei nicht zu gut.

karl radek1
04
30.7.2010, 16:21
Nicht erst seit 2008...

führt Thomas Huber die nö. Landespartei autoritär bis despotisch.
Färbt der Erwin Pröll so stark ab?

zkk
 
14
30.7.2010, 16:05
"Dass ausgerechnet bei den Grünen politischer Wunsch und arbeitsrechtliche Wirklichkeit offenbar derartig auseinanderklaffen, enttäuscht ..."

bzw. überrascht niemanden. die doppelmoral ist (rot-)grün. gilt wahrscheinlich auch für die eigenen kinder, wieviele gehen denn in eine privatschule obwohl mami und/oder papi ganz eifrig die gesamtschule für alle fordern?

Was für eine dreckige Stadt!
01

Von den in diesem Artikel betroffenen Personen: Niemand.

Lexi70
02
30.7.2010, 13:35

aber immerhin ist die partei noch so transparent, dass man von diesen zuständen erfährt. sonst kann ich leider nicht viel positives mehr dort sehen.

demokratin
00
30.7.2010, 13:22
Persönliche Erfahrung!

Zur Frage vom Hamstertier!
Es gibt (zum Glück) auch noch ein Leben außerhalb der Grünen wo man sich kennt und vieles mitbekommt!

demokratin
184
30.7.2010, 12:54
Gewerkschaftsbonzen und Green Bashing

Ich habe ja mit den Grünen nicht viel am Hut, aber ich verstehe nicht, wieso die Mehrheit der Mitarbeiter und MitarbeiterInnen die beiden Gewerkschaftsbonzen Danereder und Schlager nicht abwählen dürfen. Die einzigen Mitarbeiter die noch von Danereder und Schlager gewerkschaftlich vertreten werden wollen sind ja wohl nur die beiden selbst, damit sie ihrer Pfründe nicht verlustig werden und ihre Millionenabfertigung kassieren können. Das dies natürlich von F und ÖVP Postern zum allgemeinen Green Bashing benutzt wird, ist in Wahlkampfzeiten klar. Für mich ist das Verhalten von Danereder und Schlager parteischädigend, sie sollten ausgeschlossen werden.

legal eagle
 
02

rot für präpotent-uninformiertes posten.

Was für eine dreckige Stadt!
03

Millionenabfertigungen als Betriebsrat der Landespartei? Harharharhar....

santillan
04
30.7.2010, 13:33

millionenabfertigungen?????? gewerkschaftsbonzen????? jenseitiger gehts aber auch nicht mehr. und wer parteischädigender ist, die BR die nun an die öffentlichkeit gehen, weils reicht, oder der huber mit seinen vasallen darüber lasst sich trefflich streiten. wobei es ja eh wurscht sein kann, nachdem sie mit den gruenen eh nicht viel am hut haben.

MX2
12
30.7.2010, 13:23
Tanja, bist du's?

hamstertier
27
30.7.2010, 13:11
an demokratin

wenn sie mit den grünen nicht viel am hut haben, wieso wissen sie dann so genau, dass Danereder und Schlager die bösen sind?

put
23
30.7.2010, 11:42
die grünen sind heruntergekommen!

eine partei deren oberste mitarbeiter sich wider dem wunsch des wähler in der partei breit machen ist mehr als bedenklich, wenn nicht gar der suizid einer partei (siehe walhergebnisse und da ist das vorzugsstimmenergebnis bemerkenswert, wenn spitzenkandidatinnen kaum mehr stimmen erhalten - siehe am bsp. baden!)
einige wenige zur macht gekommene, sehen die partei als ihre private spielwiese. ein grund sind ihre mangelnden jobaussichten die wohl in der kompetenz dieser personen zu finden sind (bspw. petrovic, huber, brosz, krisma, ...)

meiner meinung nach ein ewiger verrat an der grünen idee, durch unterdurschnittliche, linksverblendete und machtgeile provinzpolitiker!

ludmilla invantil
 
25
30.7.2010, 11:42
Huber-Clan

Aus meiner Heimatstadt habe ich erfahren, dass Fr Landesrätin Huber-Krismer die Koalition mit den Schwarzen nur eingeging, als ihr der Landesvetrinär angeboten wurde.

Die Grünen beginnen sich, wie alle anderen Parteien selbst zu versorgen.
Schade nur um die vielen Idealisten einer grundsätzlich sehr guten Partei!

richard ratphlat
 
10
31.7.2010, 13:34
wenn ich viel glaube, aber ....

.. dass sich grüne kaufen lassen, das nein!

Für eine Welt ohne Tofu!
11
30.7.2010, 11:02
So sans, de Greanan.

bezahlter kampfposter
28
30.7.2010, 10:47
nachdem ich nun gehört habe, dass thomas huber...

...in der nächsten stunde eine presseerklärung seiner mitarbeiterInnen veröffentlichen lässt, muss ich auch hier ein bisserl vorbauen: huber hat systematisch jobs in der landesorganisation mit hörigen freunderln besetzt. jetzt kommt die schlusssäuberung. nach dem letzten versuch, den betriebsrat wegzumobben, hat huber eine langjährige mitarbeiterin mit falschem stimmverhalten gekündigt und durch ein mitglied des huber-clans - eine gescheiterte ehemaligenr.-abgeordnete seines gnadens - ersetzt. tatsache ist, dass das system huber nicht nur ein gutes drittel aller partei-aktivistInnen in den letzten jahren vertrieben hat, sondern in der folge auch fast 50% aller stimmen bei den gr-wahlen.

legal eagle
 
02

in nö passiert im größeren, was die grünen in der josefstadt auch zusammenbringen...

Chief Cohiba
00
oder vielmehr...

...in nö passiert eben im kleinen, was in österreich im großen geschieht...

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