Mutmaßliche Neonazis löschten Teile des Internetauftrittes
Nach einem Hackerangriff mutmaßlicher Neonazis haben die Thüringer Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora Teile ihres Internetportals rekonstruiert. Die vollständige Wiederherstellung des Portals werde aber noch mehrere Tage dauern, sagte der Direktor der Gedenkstättenstiftung, Volkhard Knigge, am Donnerstag im MDR. Das Portal für Mittelbau-Dora fehle noch immer. Die Buchenwald-Seite wurde teilweise wieder hergestellt. Zugleich stellte Knigge klar, dass keine Unikate verschwunden sind.
"Es sieht doch eher so aus, als seien es Deutsche gewesen, mit gefälschten internationalen Herkunftsadressen"
Der Direktor äußerte die Vermutung, dass es sich bei den Hackern um Deutsche gehandelt habe. "Es sieht doch eher so aus, als seien es Deutsche gewesen, mit gefälschten internationalen Herkunftsadressen", sagte der Gedenkstättenchef. Der Zentralrat und das Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma verurteilten den Anschlag. Damit sei eine neue Dimension der Schändung des Opfergedenkens eingetreten, erklärte der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose.
Unbekannte hatten sich am Mittwoch Zugang zum Server verschafft. Sie löschten Teile des Internatauftritts, darunter die Online-Ausgabe des Totenbuches. Der Internetauftritt von Mittelbau-Dora wurde vollständig gelöscht. Zugleich platzierten sie Seiten mit rechten Symbolen und Parolen auf dem Server.
Ermittlungen laufen
Die Ermittlungen wegen des Hackerangriffs führt das deutsche Bundeskriminalamt. Ein Sprecher des Thüringer Innenministeriums bestätigte, dass die Staatsanwaltschaft Erfurt das BKA um die Übernahme der Ermittlungen gebeten habe.
Buchenwald gehörte zu den größten Konzentrationslagern auf deutschem Boden. Zwischen 1937 und 1945 wurden in dem Lager in Thüringen und seinen 136 Außenlagern rund 250.000 Menschen aus ganz Europa gefangen gehalten, von denen schätzungsweise 56.000 starben. Sie verhungerten, mussten sich zu Tode arbeiten, starben bei medizinischen Experimenten oder wurden hingerichtet.
Das ebenfalls in Thüringen gelegenen KZ Mittelbau-Dora bestand aus 40 einzelnen Lagern. Die Häftlinge mussten zwischen 1943 und 1945 unter schrecklichen Bedingungen unterirdische Stollen für die Rüstungsproduktion graben und in diesen arbeiten. Von den geschätzten 60.000 Gefangenen starb mehr als ein Drittel. (APA)