Währing: Die bürgerliche Bastion Wiens

Marie-Theres Egyed, 2. August 2010, 12:19
  • Artikelbild
    foto: der standard/fischer

    Der jüdische Friedhof wurde 1784 gegründet. Heute wird über die Finanzierung zur Erhaltung des Biedermeier-Friedhofs gestritten.

  • Artikelbild
    vergrößern 729x384
    foto: wien.gv.at

    Ergebnis der Bezirksvertretungswahl 2005 in Währing. Quelle: wien.gv.at

  • Artikelbild
    vergrößern 642x385
    foto: wien.gv.at

    Ergebnis der Gemeinderatswahl 2005 in Währing. Quelle: wien.gv.at

Manch einer sagt, wenn es eine Steigerung von bürgerlich gäbe, dann ist es Währing - Ein Vorurteil, das Währinger nicht erfreut

Pötzleinsdorf, Cottageviertel, Gürtel: Der 18. Wiener Gemeindebezirk ist facettenreicher als es auf den ersten Blick scheinen mag. Freizeitmöglichkeiten im Wienerwald und in den zahlreichen Parkanlagen, Einkaufstraßen und Bauernmarkt, Gemeindebauten und Altersheime. Lebensqualität steht hier weit oben. Nicht umsonst ziehen viele Jungfamilien hierher.

Wenn nicht bürgerlich, was dann?

Der 18. Bezirk ist weder besonders groß, besonders schön, besonders aufregend, noch besonders hip. Ohne Zweifel ist der 18. Bezirk ein Wohnbezirk: Familien, Studenten und vor allem viele Pensionisten fühlen sich hier wohl. Das durchschnittliche Alter liegt bei genau 42 Jahren und damit doch deutlich über dem Wiener Durchschnitt von 41 Jahren. Auch der Akademikeranteil ist mit 23,8 Prozent deutlich höher als im restlichen Wien (12,6 Prozent).

Die Universität für Bodenkultur (BOKU) umgibt trotz Gründerzeitarchitektur ein jüngerer Flair: Das Studentenlokal Tüwi an der Bezirksgrenze zum 19. Bezirk ist bekannt und beliebt, nicht selten verbringen die Studenten ihre Pausen im nahen Türkenschanzpark, Slackline und Frisbee inklusive.

Währing punktet mit guter Verkehrsanbindung und Infrastruktur. Auch deshalb sprießen in den letzten Jahren Bauobjekte mit „Luxusappartments" aus dem Boden. Als lukrativer Standort wird dabei auch der Semmelweis-Park gehandelt. Im Zuge des Neubaus des Spitals in Floridsdorf wird die traditionsreiche Semmelweis-Klinik geschlossen und soll als Geburtenklinik im neuen Krankenhaus aufgehen. Die Währinger Grünen sind gegen diese Pläne. Nicht nur die Verlegung der Klinik ist ihnen ein Dorn im Auge, auch die Frage, was mit dem Areal geschehen wird, wollen sie nicht aus der Hand geben. Teile des Areals wurden bereits in Bauland umgewidmet, den Verkauf wollen sie nun verhindern.

Zeugen vergangener Zeiten

Die Universitätssternwarte ist ein inoffzielles Bezirkswahrzeichen. Die Kuppel der Sternwarte ist von vielen Punkten des Bezirks leicht erkennbar. Obwohl sie 1883 eingeweiht wurde, ist sie heute noch das größte baulich geschlossene Sternwartegebäude der Welt.

Über den jüdischen Friedhof beim Währinger Park wurde in den letzten Jahren viel berichtet - allerdings in keinem erfreulichen Zusammenhang. Für die Restaurierung des Biedermeier-Friedhofs fehlt Geld. Seit Jahren wird über die Zuständigkeit zwischen Bund und Stadt Wien gestritten. Auch private Geldgeber und die Israelitische Kultusgemeinde sollen an der Finanzierung beteiligt werden. Der Friedhof lag früher innerhalb der Währinger Grenzen, jetzt gehört er offiziell zu Döbling.

Ein schwarzer Bezirk im Roten Wien

Währings Bürgerlichkeit wird auch in der politischen Vertretung deutlich. Schon bei den ersten freien Gemeinderatswahlen nach dem Krieg verloren die Sozialdemokraten den Bezirksvorsteher - und konnten ihn seither nicht mehr für sich beanspruchen.

Die Gemeinde- und Bezirksvertretungswahlen 2005 haben an der schwarzen Führungsposition nichts geändert, die ÖVP kam im Bezirk auf 34,85 Prozent. Ein paar Prozent dahinter dann die SPÖ mit 30,42 Prozent, die Grünen reihten sich mit 23,07 Prozent an dritter Stelle ein. Die FPÖ kam mit 8,02 Prozent als einzige im Bezirksrat vertretene Partei unter 10 Prozent. Bis 2006 verfügten die FPÖ über drei Mandate, dann spalteten sich zwei der Bezirksräte ab und bildeten die Freie Liste Währing. Bezirksvorsteher Karl Homole (ÖVP) ist seit 1990 im Amt.

Die Parteienvertreter in Währing sind Johannes Schreiber (ÖVP), Friedrich Strobl (SPÖ), Marcel Kneuer (Grüne) und Udo Guggenbichler (FPÖ). Die beiden Bezirksräte der Freien Liste Währing heißen Gerald F. H. Egghart und Katharina Minnich.

Währing ist kein „Problembezirk", und das ist spürbar. Ein parteiübergreifendes Projekt ist der Generationencampus auf dem Gelände des Hauses der Barmherzigkeit in der Vinzenzgasse. Auf dem Areal sollen Volksschule, Mittelschule und Kindergarten entstehen, aber auch eine Ausbildungsstelle der Caritas für Sozialberufe. Einzig die Währinger SPÖ stellte sich gegen den Vorschlag. Während die FPÖ auf sicherheitspoltische Themen setzt, sucht die SPÖ ihre Schwerpunkte bei der älteren Generation. (Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 2.8.2010)

Informationen zum Bezirk:

Wahlberechtigte: 35.293

Bezirksvorstehung: Karl Homole (ÖVP)

ÖVP: 15 Mandate
SPÖ: 13 Mandate
Grüne: 9 Mandate
FPÖ: 3 Mandate, nach der Abspaltung 2006: 2 Mandate Freie Liste Währing

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 204
1 2 3 4 5
schokoente
00
11.10.2010, 17:08

ich finde es sehr ärgerlich, dass dieser schöne bezirk allmählich in eine betonwüste verwandelt wird, weil die luxusdomiziele, die alle gleich ausschauen und ein wahnsinnsgeld kosten und die dann zur hälfte leer stehen, nur so an allen ecken und enden aus dem erdboden spriessen...das ruiniert diese noch-grünoase ..
wie kann man nur eine parklandschaft zum bau freigeben?
wie wärs liebe politiker und stadtplaner, wenn der rest von wien auch so nett und vor allem grün gestaltet wird, wenn mal die ganzen leer stehenden wohnungen vergeben werden, dann bräuchten wir hier nicht um unser naherholungsgebiet bangen...

Warpsignatur
10

währing fehlt die multikulturalität!

Felix Da Housecat
23
10.8.2010, 20:01

Wenn Sie damit Kebapstandln, Call-Shops und auf den Boden spuckende Südosteuropäer meinen, dann verzichte ich gerne auf Multikulti.

FAK96
11

Deshalb liebe ich diesen Bezirk!

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
20
Buergerliches Milieu..

http://derstandard.at/127733954... ar-in-Wien
(Falls der link nicht mehr funktioniert: Mann mit Migratioshintergrund sticht Frau und Schwiegermutter ab..)

Naja, was erwartet man von einem Bezirk, der an den Guertel grenzt...

Wiener Konfitüre
00

aha

Ausgeflippter Lodenfreak
01

Gut, dass der Artikel überarbeitet wurde, da waren einfach zu viele Fehler darin.
Es ist witzig, dass der 18te an soviele Dinge grenzt, wie AKH, Volksoper, TÜWI, jüdischer Friedhof, die auch einen wichtigen Einfluss auf den Bezirk haben, aber eben nicht in diesem liegen. Im Bezirk selbst leben die Menschen und das prägt den Bezirk. Das "Angrenzen" hätte eigentlich ein schöner Aufhänger für den Bericht sein können, statt des überholten Bürgerliche-klatschens.

Schottentor U-Bahn
00
Noch ein gravierender Fehler im Artikel:

Der jüdische Friedhof befindet sich nicht in Währing, sondern in Döbling; er ist zwar "beim" Währinger Park, die Bezirksgrenze verläuft aber genau zwischen Friedhof und Park.

Neben dem "Tüwi" somit gleich die zweite Einrichtung, die fälschlicherweise in den 18. gesetzt wird.

Alles in allem ein sehr schlecht recherchierter und zudem noch vorurteilsbehafteter Artikel.

Bernhard Lassy
 
01
davon steht nichts im Artikel,

falls der nicht nachträglich verändert wurde..

"Der Friedhof lag früher innerhalb der Währinger Grenzen, jetzt gehört er offiziell zu Döbling."

"Tüwi an der Bezirksgrenze zum 19. Bezirk" ist auch OK, es steht ja nicht da dass das Tüwi im 18. ist.

Schottentor U-Bahn
00
Ja, der Artikel wurde nachträglich verändert.

Das zum Friedhof war vor kurzem noch nicht drinnen, auch der Text über den Tüwi (der eindeutig in den 18. verlegt wurde) wurde verändert.

fabian am
04

der spiegel online lösgt das viel besser; die ändern den artikel, screiben aber in einen PS dazu wann was geändert wurde; das finde ich viel aufrichtiger als die variante des standards einfach so tun als ob der artikel immer gestimmt hätte nur die poster nicht richtig lesen können.

elderem
00

und den artikel dann gschwind im archiv verschwinden lassen...

time2vote
01

wer kann da wohl meine gedanken lesen? übrigens läuft die bezirksgrenze entlang der friehdhofsmauer. draußen 18., drinnen 19: deshalb auch die genaue bezeichnung "währinger jüdische friedhof in döbling". das "parteiübergreifende projekt" ist übrigens auf initiative der bezirks-övp entstanden, deren antrag sich alle fraktionen bis auf die spö angeschlossen haben. auch ist homole övp-chef und nicht schreiber. was bedeutet eigentlich "parteivertreter in währing", frau redakteurin?

elderem
43
Wenn noch das Parkpickerl kommt...

...ists noch schöner im (inneren) 18.

Plus:
- Beschleunigung von 40+41er
- mehr Radwege
- Verkehrsberuhigung in Währinger Str. und Gentzgasse

ubu roi
30

nicht nur für den 18., für alle außer-gürtel-bezirke wäre die ausweitung der kurzparkzone ein segen. dann wäre einmal ein dauerargument gegen baumpflanzungen, radwege und breitere gehsteige (die vielen wertvollen parkplätze...) definitiv weg und man könnte diese bezirke wesentlich menschenfreundlicher gestalten, auch in der vielgeschmähten gürtelnähe.

JanHHH
60
Die Währingerstraße sollte eine Fußgängerzone sein

Die belebte Einkaufsstraße ist zu eng für zwei Straßenbahnlinien, Autos, Parkstreifen und Fußgänger.
Daher sollten nur noch Bim und Fußgänger erlaubt sein.
klappt in andern bezirken doch auch

stoneisland
03
was finden sie so schön an den parkpickerl?

sonst: haben sie eine konkrete idee wie eine "Beschleunigung von 40+41er" und gleichzeitig eine "Verkehrsberuhigung in Währinger Str." funktionieren sollten oder posten sie hier nur so ein paar phrasen des tages...??

elderem
51

parkpickerl: bringt nicht wiener kennzeichen, nie bewegte pensionistenschüsseln mit rostigen bremsscheiben und andere wracks weg von der strasse, bringt mehr parkraum, damit ich nicht am abend - wenn ich mal mit dem auto unterwegs bin - eine dreiviertelstunde im kreis fahren muss.

verkehrsberuhigung gentzgasse+währinger str: kreuzungsgestaltung mit vorgezogenen gehsteigen und fußgängerübergängen, bäume (platz durch parkpickerl geschaffen), 40kmh beschränkung und verbesserte beleuchtung, damit man als fußgänger und radfahrer ein leichteres leben hat.

beschleunigung bim: sperre der währingerstr. zwischen volksoper und spitalgasse für autos.

bitte um entschuldigung, dass das erstposting dem sg poster steininsel zu unkonkret war

stoneisland
21

weder verkehrsplanung, noch das rechnen, noch toleranz sind ihre stärken.

elderem
00

posten sie doch mal konstruktive kritik anstatt persönlicher angriffe. ich mach hier wenigstens inhaltliche vorschläge, auch wenn sie ihnen nicht passen. mfg

Pauli Feuerstein
02
Bürgerlicher Bezirk,

dazu ein Photo von einem Friedhof, dazu die Steigerung von bürgerlich ....

WAHLPROPAGANDA :)))

König der Wandalen
00
Zuerst waren eh zwei andere Fotos im Artikel,

die haben sie aber einfach von der Wikipedia genommen.....

an.ge.fressen
01
Vorher war ein Foto aus Pötzleinsdorf...

...die subtile Art des Standard halt Meinung zu machen. Dafür wurde im Bezirksportrait Josefstadt der Grüne Bezirksvorsteher per Foto platziert...

natoll
01

das durchschnittsalter in wien liegt bei 41 jahren? na das erklärt wirklich einiges.

Te Ata
41
Bei aller Lobhudelei für den 18..

..sind die dörflichen Strukturen im nachbarlichen 19. ausgeprägter und viel häufiger. Ein Tal nach dem anderen.

Zum Wandern find ich den 19. auch besser. Und wo gibt's im 18. einen Nussberg mit einem Sirbu, Hajszan-Buschenschank, Wildgrube 48 oder dem Hirt im Kahlenbergerdörfl? Plus Donau-Anschluss?

Wenn ich schon zwischen Reichenbezirken wählen müsste, dann doch eher den 19. als den 18. oder 13.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 204
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.