Abwechselnd starke Regenfälle und dann wieder Hitze: Das ist das ideale Wetter für die Insekten
Wien - Die heuer in vielen Gebieten ungewöhnlich lästigen Gelsen dürften sich nach Ansicht des Gelsenforschers Bernhard Seidel noch eine Weile halten. Die sogenannten Überschwemmungsgelsen haben sich zwar schon längst verabschiedet, durch die herrschende Witterung drängen aber andere Arten nach und verderben so manchen Grillabend. Durch den feuchten Frühling und Frühsommer haben die Hausgelsen und andere Arten einen frühen und idealen Start in die Saison gehabt. Im Gegensatz zu den Überschwemmungsgelsen, die als Eier kalte und trockene Perioden überstehen, überdauern diese Tiere als lebende Insekten. Im Frühling beginnen vergleichsweise wenige Weibchen mit dem Brutgeschäft, erst im Laufe des Sommers kommen die Populationen so richtig in Schwung.
Nachdem es heuer bereits sehr früh ideale Lebensbedingungen für die wasserlebenden Larven der Gelsen gab, hat sich die Sache auch entsprechend schnell aufgebaut. "Durch die zahlreichen Regenfälle und die gesättigten Böden bleiben etwa nach Gewittern immer wieder Lacken zurück, die den Tieren als Lebensraum dient", so Seidel. Dazu kommt die Wärme, welche die Entwicklung beschleunigt. Innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen entstehen so immer wieder neue Generationen.
Mit High-Tech gegen Gelsen
Bekämpfungsmaßnahmen wurden bereits viele entwickelt. Neben dem Einsatz von Giften, die auch die Umwelt in Mitleidenschaft ziehen und Resistenzen hervorrufen, laufen Versuche, die Gelsen mittels RNA-basierten Insektiziden dazu zu bringen, sich gleichsam selbst töten. Bereits weiter fortgeschritten ist die Methode, Männchen mittels radioaktiver Strahlung massenweise zu sterilisieren. Anschließend werden die Männchen ausgesetzt. In Unkenntnis der eigenen Sterilität versuchen sie Weibchen zu befruchten, der Erfolg bleibt natürlich aus. Derartige High-tech-Methoden werden vor allem in stark Malaria-gefährdeten Gebieten eingesetzt.
Seidel arbeitet an alternativen Methoden, bei denen die Gelsenweibchen zur Eiablage effektiv irregeleitet werden. Mittels Gerüchen von Pflanzenextrakten werden ihnen ideale Bruttümpel vorgegaukelt, tatsächlich trocknen die Gewässer aber rasch aus, oder die Brut wird weggespült. (APA)