Poetry Slam

Selbstentfaltung und Identität

29. Juli 2010 15:15
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    Text von Muhammet Ali Bas: "Selbstentfaltung"

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    Text von Isabella Sophie Freilinger: "Ich bin"

Jugendliche in Begrenz schrieben und interpretierten Texte zum Thema Identität

Junge Autoren setzten sich beim Poetry Slam im Kunsthaus Bregenz mit dem Thema Identität auseinander. Der Slammer Muhammet Ali Bas sicherte sich neben 13 anderen Teilnehmern den Sieg - Isabella Freilinger erreichte den zweiten Platz. Mit folgenden Texten:

***

Selbstentfaltung

Wenn du suchst was du verloren hast, wirst du immer nur das finden was daraus geworden ist.
Du kannst ihr ins Gesicht schauen.
Stundenlang ... Und noch eine Stunde.
Du wirst nicht ein Gesichtsmerkmal erkennen,
nicht einmal ihr Lächeln, das sie dir zuwarf, wenn sie dich sah.
Du kannst sie beobachten.
Wochen- Monate- und Jahrelang ... Und noch eine Stunde.
Du wirst nichts an ihr wiedererkennen,
nicht einmal das Wiedererkennungswerteste..
Du kannst mit ihr sprechen.
Sekunden- Minutenlang ... Und noch tausende Worte dazu.
Du wirst kein Wort aus diesem Mund hören, das du aus diesem Mund gehört hast,
mit dieser Stimme, die dir jetzt so verfremdet ist.
Du kannst ihre Anwesenheit einatmen.
So kurz, dass man es gar nicht merkt ... Und auch tausende Augenblicke danach.
Aber du wirst nicht eine Duftnote riechen,
die ein bestimmtes Erlebnis ins Gedächtnis ruft.
Du kannst ihr in die Augen schauen.
Nur ein kurzer Moment lang ... Und noch eine Ewigkeit dazu.
Aber du wirst diese Seele nicht erkennen,
die für dich rein und weiß war ... die du geliebt hast.
Du kannst versuchen alles wiederzuerkennen,
aber wenn man sucht, was man verloren hat, wird man nur finden, was daraus geworden ist.
Eine Person. Irgendeine Person. Irgendeine fremde Person.
Irgendeine fremde Person, die deine Welt war, deine Gefühle war, du warst.
Irgendeine fremde Welt, fremde Gefühle und ein fremdes Du.
Fühlst du dich fremd? Nein?
Fühlst du dich allein? Nein?
Fühlst du was du gefühlt hättest? Nein?
Das schlimmste aller Gefühle ist, nichts zu fühlen.

Und weißt du jetzt wieso du nichts fühlst?
Ja - weil du dich verloren hast. In dem du sie verloren hast.
Was musst du machen, um dich zu finden?
SUCHEN!,
Aber wenn man sucht, was man verloren hat, wird man nur finden, was daraus geworden ist.
Liebe verändert.
Kennst du deinen Pfad noch, deinen Kurs noch,
auf dem du blindwegs gereist bist,
mit der Liebe als Wind in deinen Segeln?
Liebe verändert.
Kennst du deinen Lebenssinn noch, siehst du deine Ziele,
die deine Liebe dir Stück für Stück,
von Abschnitt zu Abschnitt gesetzt hat?
Liebe verändert.
Wer bist du? Was tust du?
Und wie heißt du überhaupt?
Du willst keine Veränderung,
weil du ja du bist und du suchst dann dein altes "Ich".
Aber wenn man sucht was man verloren hat, wird man nur finden was daraus geworden ist.
Und mit Ambition gesucht und mit ein bisschen Glück gefunden,
wird es nicht lange dauern, bis man sich wieder verliert.
Ich verliere mich ... so oft ich kann
im Lärm des schnellen Verkehrs,
im Geräusch einer langsamen Wasserquelle.
Ich verliere mich und wehe davon
mit diesem Wind,
mit jenem Wind,
mit jedem Wind.
Ich verliere mich im Angesicht
spielender Kinder,
singender Sänger,
dichtender Dichter,
malender Maler
und sorgende Eltern.
Und kurz daraufhin finde ich mich wieder,
im "Klick" der Ampel, der von Gelb zu Rot wechselt, so dass es mein Leben bremsen lässt.
Fließe in mich hinein, wie frisch gesprungenes Wasser, das mein Leben wieder beschleunigt.
Ich finde mich in den Luftteilchen,
voller Schallwellen, voller Aussagen,
in verschiedenen Sprachen, Stimmen, Tonhöhen,
die mich belehren.
Ich finde mich
in den fröhlichen Blicken der Kinder,
in der Hingabe des Sängers,
in den Gedanken des Dichters,
in den Farben des Malers
und der Liebe der Eltern.
Und ein Lächeln, wie von einer Fee gezaubert,
malt sich knallrot in mein Gesicht.
Meine Augen strahlen, als würden sie den Polarstern beheimaten.
Und Perlen fließen meine Wangen hinunter,
bis sie auf der Spitze meiner Zunge zur Welt kommen:
"Ich bin eins, mit allem."
Und mit dieser Erkenntnis,
verliert man sich gerne,
weil man dieses Abenteuer immer wieder eingehen möchte.
Wer sich finden mag, muss sich verlieren, um neugeboren zu werden.
Wer lebend neugeboren wird, gibt einer seiner anderen Facetten, die er nicht gekannt hatte, Leben. Und "neu" ist das "neue" Ich gar nicht, denn eigentlich verändert man sich nicht, sondern entfaltet sein allzeitiges Ich.
Auf diesem steinigen Weg der Selbstentfaltung,
mag man Enttäuschungen und Hass queren,
eine Sackgasse bis ans Ende laufen,
fremde Strukturen erkennen und sich fremd werden,
das Vertraute und das Vertrauen verlieren.
Den Glauben verlieren.
Und man mag die größte Liebe verlieren.
Aber wenn man sie sucht findet man sie neudefiniert wieder bei sich.
Und all das wird zu "Ich".
Ich bin eins - mit allem.
Ich verliere mich und suche mich und finde immer denjenigen, der aus mir geworden ist!

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sam duke
29.07.2010 19:42
mein held ist

tadic.

Gobi Todic
29.07.2010 19:22
mein held

marc uwe kling:
http://www.youtube.com/watch?v=4CwSKursu4c

:D

byron sully
29.07.2010 17:24

oh, hab erst nach durchlesen der texte entdeckt, daß unter den fotos dabeisteht, welcher text von wem ist. ich war nämlich schon fast dazu geneigt, es raten zu müssen (also die texte passend den fotos zuzuordnen), was mir nicht so leicht gefallen wäre...

Anyuser
 
30.07.2010 16:39

Du, das ist echt spannend. Erzähl uns mehr von dir.

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