Sprecher: Unterlagen zeigen kein geschlossenes Bild - Lage am Hindukusch "so günstig wie noch nie"
Geltow/Kabul - Die internationale Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) sieht die Veröffentlichung Zehntausender Geheimakten zum Afghanistan-Krieg im Internet gelassen. Es handle sich vorwiegend um sogenanntes Rohmaterial, das kein geschlossenes Bild von der tatsächlichen Lage im Land zeige, sagte ein Sprecher des ISAF-Oberbefehlshabers General David Petraeus am Donnerstag. Darunter befänden sich viele erste schnelle Meldungen über Geschehnisse, die erst später genauer hätten beurteilt werden können.
"Was seit Sonntag im Äther ist, kann nur denjenigen vom Hocker reißen, der seit drei Jahren keine Zeitung gelesen hat", bewertete ISAF-Sprecher Josef Blotz in einer per Videoschaltung aus Kabul ins Einsatzführungszentrum der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam übertragenen Pressekonferenz. Schlussfolgerungen daraus könnten "nur mit äußerster Vorsicht" gezogen werden.
Trotzdem verurteilte der Brigadegeneral der deutschen Bundeswehr die Veröffentlichung der geheimen Unterlagen. "Ich bezeichne es im Namen der ISAF als unverantwortlich, klassifizierte Dokumente so zu Markte zu tragen, weil Menschen einer höheren Gefährdung ausgesetzt werden", kritisierte er. Dabei gehe es nicht nur um die Sicherheit der Soldaten, sondern auch vieler Afghanen, die für die ISAF oder die einheimische Polizei arbeiten und mit vollen Namen in den Akten auftauchen.
Entgegen des Bildes, das nach Veröffentlichung der etwa 92.000 Dokumente auf der Website Wikileak Anfang der Woche von vielen Beobachtern gezeichnet worden war, bezeichnete Blotz die Lage in Afghanistan als "so günstig wie noch nie". In diesem Jahr würden die entscheidenden Weichen für die 2014 geplante Übergabe der kompletten Sicherheitsverantwortung an die afghanische Regierung gestellt, sagte er. Dies werde Region für Region und lageabhängig geschehen. (apn)