Beschlossen

Montenegrinisch als Unterrichtssprache eingeführt

29. Juli 2010 14:40

Parlamentarische Opposition befürchtet Diskriminierung der serbischen Sprache

Podgorica - Ins Schulwesen Montenegros wird ab kommendem Herbst auch die Haupt-Amtssprache des Landes, das Montenegrinische, als zusätzliche Unterrichtssprache eingeführt werden. Dies wurde am Dienstagabend vom Parlament durch eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen. Die Entscheidung stützt sich auf die Verfassungsbestimmung, dass das Montenegrinische die Amtssprache in dem Balkanland ist. In amtlichem Gebrauch sind auch die serbische, bosniakische, albanische und kroatische Sprache. Die Unterrichtssprache wurde bisher meist als Serbisch bezeichnet.

Montenegrinisch ist Mundart des Serbo-Kroatischen

Bei der Volkszählung 2003 gaben 64 Prozent das Serbische als Muttersprache an, für knapp 22 Prozent war dies das Montenegrinische. Laut jüngsten Umfragen ist der Anteil der Bürger Montenegros, die Montenegrinisch als ihre Muttersprache angeben, nach der Trennung Montenegros von Serbien im Jahre 2006 angestiegen und beläuft sich derzeit auf 38 Prozent.

Die Landessprache Montenegros gilt als Mundart des - im ehemaligen Jugoslawien so bezeichneten - Serbo-Kroatischen. Im Vorjahr hatte die montenegrinische Sprache dank Sprachexperten aus der nordserbischen Provinz Vojvodina und aus Kroatien ihre erste Rechtschreibung bekommen, wodurch zwei neue Buchstaben eingeführt wurden. Im Unterschied zum Serbischen hat das Montenegrinische 32 Buchstaben. Heuer wurde von zwei kroatischen Linguisten, Josip Silic und Ivo Pranjkovic, auch eine erste Grammatik der montenegrinischen Sprache angefertigt.

Opposition fürchtet Vertiefung von Spaltungen

Die Parlamentsopposition protestierte heftig gegen die Einführung der montenegrinischen Sprache im Unterrichtswesen. Dies würde zur Diskriminierung der serbischen Sprache und zur Vertiefung der Spaltungen in Montenegro führen. Nicht nur den Schülern, auch so manch einem Lehrer, dürfte der Gebrauch der zwei neuen Buchstaben und auch grammatikalischer Regeln des Montenegrinischen künftig noch Kopfzerbrechen bereiten, stellten lokale Medien fest. (APA)

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Quintus Beckloeffel
30.07.2010 16:56

Diese kindische Ambition, dass jedes politische Gemeinwesen seine eigene Sprache haben (und schon immer gehabt haben) will, ist überaus lächerlich. Das kennt man ja neuerdings auch von Österreich. Demnächst wird dann wohl "belgisch" zur Staatssprache ausgerufen und Legionen von verstaatlichten Sprach"wissenschaftlern" werden sehr viel Papier bedrucken mit Versuchen, zu beweisen, dass es Belgisch eigentlich schon seit Jahrhunderten gegeben hat und jetzt endlich - welch wunderbarar Zufall - ein maßgeschneidert passender Staat für diese Sprache entstanden ist.

Drago+
30.07.2010 15:18
Ukraine, nicht Vojvodina

Es gibt keine Linguisten aus der Vojvodina, die an dieser montenegrinischer Neuschöpfung beteiligt sind, sondern die kommen aus der Ukraine. An dem Sprachexperiment sind ausschließlich Bosniaken, Kroaten und Ukrainer beteiligt (überiwegend Kroaten und Ukrainer, Leitung Bosniake), jedoch keine Serben und auch keine Montenegriner. Es ist eine künstliche Sprachschöpfung, welche als die neue montenegrinische Nationalsprache forciert werden soll: man nehme einen lokalen Dialekt, verändert diesen, gibt Wörter, Begriffe oder Buchstaben hinzu bzw. entfernt diese, und präsentiert dann eine eigene Nationalsprache. In die Geschichte wird dieses Montenegrinisch als eine von nicht Montenegrinern geschaffene Sprache eingehen.

wolfindersteppe
 
30.07.2010 10:05
Wow, sprachgewandt

Auf einmal spreche ich Kroatisch, Bosniakisch, Serbisch und Montenegrinisch...

Drago+
30.07.2010 15:23

Da die serbische Sprache die einzige aus dem serbokroatischen Schrachschatz ist, die keinen Bedarf hat sich zu verändern, um sich von den anderen abzugrenzen, wirst du, mehr oder weniger übel, Serbisch sprechen...

Anyuser
 
30.07.2010 16:06
Ja, das ist schon bemerkenswert

Serbisch ist die einzige Variante, die von der nationalistischen Hysterie der 1990er unberührt blieb - und das, obwohl doch nur die Serben angeblich die pöhsen Ultra-Mega-Nationalisten sind.

In Serbien gab's im Gegensatz zu Kroatien, Bosnien oder Montenegro niemals Programme zur "Säuberung" von Fremdwörtern, keine Kommissionen zur Erfindung von Neologismen oder zum Ausgraben längst vergessener Wörter, keine Neuschöpfungen von Buchstaben.

Emil Sinclair1
05.08.2010 14:41

Die Serben (vor allem die in Bosnien) sind sehr wohl von sprach-nationalistischen Effekten betroffen. Die zunehmende Verwendung des kyrillischen Alphabets dient ja auch nur der Abgrenzung gegenüber den Kroaten u.a. Ex-Jugo-Völkern.

LPFe
04.08.2010 13:08
Kroatien

spricht ja mittlerweile schon fast slowenisch, nur um sich vom Serbischen abzugrenzen

Zinnmo
 
29.07.2010 15:03

Sehr sinnvoll. Ich schlage vor, analog das Hamburgische, Saarländische, Kölsche, Berndütsche, Vorarlbergische, Ober- und Unterkärtnerische sowie diverse Wiener Bezirkssprachen als offizielle Sprachen anzuerkennen und im Unterricht zu verwenden.

(Ironie aus)

Quim Barreiros
29.07.2010 17:18

Luxemburg hat seinen Dialekt ja wirklich zur Sprache gemacht.

navrat pospischil
 
30.07.2010 10:36
Allerdings gibt es international keinen tatsächlichen konsens wo dialekt endet uns Sprache beginnt.

Das Niedersächsische zb gilt sehrwohl als eigenständige Sprache, genau wie das Friesische.

Die Austro-Bayrische Sprache ist hier ein sehr gutes Beispiel für eine Sprache die ausschliesslich durch politischen Willen im deutschen Sprachraum nur als Dialekt gilt. Im angelsächsischen Raum(nach den ebendort geltenden linguistischen Einteilungen) gilt ebendiese als eigene Sprache.
http://en.wikipedia.org/wiki/Aust... n_language

Alle Deutschen Grossdialekte können rückblickend als Westgermanische Einzelsprachen begriffen werden.
Die zusammenfassung zu einem "Gemeindeutsch" war einerseits der Untergang dieser Einzelsprachen als Solche, und andererseits eine rein politische Massnahme.

Zinnmo
 
30.07.2010 11:12

Auch im angelsächsischen Raum ist diese Einteilung alles andere als üblich.

Würde man Deutsch so aufteilen, müsste man auch Englisch in mindestens 5 verschiedene Sprachen aufteilen.

Jo eh...
29.07.2010 15:01

Wenn ein Land das bisher fremdregiert wurde nun endlich wieder die Gelegenheit hat die korrekte Version seiner eigenen Sprache zu verwenden ist es schon etwas absurd da vor Spaltungen zu warnen. Wo waren diese Warner als von Belgrad aus alles gleichgeschaltet wurde?

LPFe
04.08.2010 13:07
von wem wurde Jugoslawien denn um gottes willen fremdregiert ?

al pinski
 
30.07.2010 11:10
wäre es nicht Zeit für die Mölltaler

die korrekte Version ihrer eigenen Sprache zu verwenden, statt vom Wasserkopf Klagenfurt gemaßregelt zu werden?

Jeder der Ohren im Kopf hat hört, dass in Stall eine ganz andere Sprache gesprochen wird, als in Klagenfurt!!!

jo eh
30.07.2010 04:25

was für eine geistreiche meldung wieder mal von meinem treuen nick-imitator

Naja2008
29.07.2010 17:09
LOL!!!!

OmG!!! Das ist echt einer der dümmsten Kommentare die ich hier seit langem gelesen habe. Keine Ahnung vom Balkan aber mitreden wollen, das haben wir gern.
Für diesen lächerlichen Kommentar bekommst Du ein ganz dickes LOL!!!!!!

Cranio-schamanischer Bachblütenakupunkteur C30
29.07.2010 16:57
Wer hier von Gleichschaltung durch Belgrad faselt, hat einfach keine Ahnung.

In Jugoslawien wurden sämtliche Varianten der serbokroatischen Sprache gepflegt, Bücher erschienen in der jeweiligen regionalen Orthographie und Grammatik.

Trotzdem hieß das Ganze "serbokroatisch", weil's wirklich nur minimale Variationen derselben Sprache sind.

Dieses neue "Montenegrinisch" ist ein Minderheitenprojekt von Nationalisten, ein künstliches Produkt. Die Mehrzahl der Montenegriner fängt überhaupt nichts damit an.

Anyuser
 
29.07.2010 16:45
die Gelegenheit hat die korrekte Version seiner eigenen Sprache zu verwenden

1) Da werden *neue* Buchstaben und grammatikalische Regeln erfunden. Und dafür braucht man sogar Konsulenten aus anderen Ländern! Seltsam, nicht?

2) Wie, genau, wurde denn Montenegro "fremdregiert"?

3) Die Unterschiede, die da beschworen werden, sind lächerlichst. Der Unterschied zwischen amerikanischem und britischem Englisch etwa ist weitaus größer als der zwischen Kroatisch, Serbisch, Bosnisch, Montenegrinisch und was da noch kommen mag. Trotzdem heißt beides problemlos "Englisch", und die einst fremdregierten Amerikaner haben kein Problem damit.

Diese krampfhafte Spracherfinderei ist einfach nur nationalistisch motiviert.

Drago+
30.07.2010 15:37

Das Projekt soll lediglich die Trennung Montenegros und Serbiens zementieren. Irgendwann geht es alles nach hinten los, weil eine Manipulation der Bevölkerung auf diese Weise kann auf Dauer keine Früchte tragen. Man muss sich das nur vorstellen: eine "Nationalsprache" ohne Literatur, ohne Geschichte, nicht einmal ein Roman oder eine Kurzgeschichte, ja nicht einmal ein Aufsatz von Erstklässlern..

Aber so wird unten Politk gemacht. Und wer sich das gefallen lässt, der wird sich vieles gefallen lassen.

(.) (.)
29.07.2010 15:49

Wann wurde Montenegro fremdregiert?

Das ganze ist eine sinnlose Schaffung einer neuen Nationalität.

Wenn die Staaten einmal alle bei der EU sind, müssen wolh tausende Dolmetscher beschäftigt werden, um Kroatisch, Serbisch, Bosnisch, Montenegrisch, vielleicht auch Dalmatinisch ineinander übersetzen. Obwohl es eh ein und dieselbe Sprache ist.

Im Deutschen gibt es größere sprachliche Unterschiede, z.b. zwischen Preussen, Bayern, Vorarlbergern, Wienern oder Schweizern. Und doch sprechen sie alle Deutsch.

navrat pospischil
 
30.07.2010 10:41
Jede Nationalität ist künstlich.

Die künstlichsten aber sind die Großidentitäten der Nationalstaaten.

zb. die Deutsche die Italienische die Polnische usw. Alle reine neuschöpfunge des 19ten Jahrhunderts.

(.) (.)
30.07.2010 13:28
Der Balkan wird bald draufkommen

dass er sich mit seinem Nationalismus in eine Sackgasse und in die Bedeutugnslosigkeit maneuvriert hat. Ausser viel menshcliches Leid, enormen volkswirtschaftlichen Kosten, Riesengewinnen für ein paar Mafiosi hat das ganze nichts gebracht.

Wo wäre Deutschland, wenn es nicht im 19 Jahrhundert die Einigung gegeben hätte. Wir hätten nach wie vor 20 deutsche Kleinstaaten, die vielleicht alle ihre eigene Sprache haben und miteinander verfeindet sind.

navrat pospischil
 
30.07.2010 15:55
Super Beispiel.

Vor der künstlichen Deutschen Nation gab es keine (grösseren)Kriege die von "deutschem Boden" ausgingen.

Es gab Texte wie "er kann kein schlechter Mensch sein, er spricht deutsch"(frei zitiert).

Aber im Moment der Gründung des deutschen Nationalstaates wurde aus nationalistischem Kalkül Frankreich niedergemacht.

Die Weltkriege waren die direkte Folge dieser Kunstnation.

Deutschland als positives Beispiel eines Nationalstaates zu nennen grenzt an Chuzpe im Endstadium.

Gendo
05.08.2010 14:10

Hm intressantes Geschichtsverständniss.
Einen deutschen Nationalstaat (der es ja im Grunde nicht war, da der größte deutsche Staat Österreich nicht eingeschlossen wurde) gab es dank der Eroberung Frankreichs. Wo den Deutschen Vorgeführt wird dass ein "einig Vaterland" am längeren Hebel sitz als ein Fürstenflickerlteppich.
So hat Frankreich dank seinen Erfolges als Nationalstaat sich ein deutsches Gegenstück gezüchtet mit bekannten Folgen!

Das der Nationalismus eine Seuche für Europa war ist klar, aber Vorher war auch nicht Friede Freude Eierkuchen. Da wurden halt die Leute wegen des Glaubens oder weil ein Fürstensöhnchen sich übergangen fühlte in den Tod geschickt

navrat pospischil
 
25.11.2010 17:42
Österreich war ein per definition multiethnisches Land.

Genau deshalb war es auch nicht möglich diese künstliche deutsche Nationalstaatsidee auf Österreich umzulegen.
Wohin dieses umlegen führte sah man dann 1938 überdeutlich.

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