Politiker verraten durch Gestik wahre Botschaften
San Francisco - "Gut" und "böse" sind in vielen Kulturen jeweils mit rechts und links assoziiert. Ein Beispiel dafür ist das Englische "right", das sowohl für richtig und rechts steht. Politikern wird deshalb empfohlen, in erster Linie die rechte Hand für ihre Gestik zu benutzen und die linke nur für negative Botschaften einzusetzen.
Mit dieser kulturellen Prägung lässt sich allerdings nur die Gestik von Rechtshändern erklären, wie Forscher des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik im Fachjournal PLoS ONE berichten. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Menschen positive Botschaften nicht mit einer bestimmten Körperseite verbinden, sondern mit der Seite, die bei ihnen persönlich dominiert", sagt Daniel Casasanto vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik.
Casasanto hat sich zusammen mit seiner Kollegin Kyle Jasmin Reden der US-Präsidentschaftskandidaten der Jahre 2004 und 2008 angeschaut. Der Zusammenhang zwischen nichtdominanter Hand und negativer Botschaft fiel dabei zum Teil schon "mit bloßem Auge" auf: So nutzte Barack Obama seine nichtdominante Hand etwa doppelt so häufig für negative Botschaften, John Kerry dreimal so oft. John McCain unterstrich negative Inhalte sogar 12-mal häufiger mit der nichtdominanten Hand.
Linke und rechte Wahrheiten
Mit der Parteizugehörigkeit hat die Art der Gestik dagegen nichts zu tun. "Links" und "rechts" stehen zwar auch für politische Orientierungen, aber die Rechtshänder in der Studie - der Republikaner Bush und der Demokrat Kerry - nutzten beide dieselbe Körperseite, um positive oder negative Botschaften zu verkünden.
Die Hand, die ein Sprecher für seine Gestik bevorzugt benutzt, sagt also viel darüber aus, was er tatsächlich über seine Botschaften denkt. Kaum ein Redner ist sich dabei bewusst, welche Botschaft er mit seinen Gesten an das Publikum sendet. Die meisten merken nicht einmal, dass sie überhaupt gestikulieren. (tasch)