Ausblick

GNOME 4.0: Das GNOME OS?

Andreas Proschofsky, 29. Juli 2010, 17:14
  • Artikelbild
    grafik: gnome

GNOME Shell-Entwickler mit Vorschlag für langfristige Ausrichtung des Projekts - Gemeinsames Interface statt Distro-Anpassungen

Die GNOME-Konferenz GUADEC ist nicht nur der Rahmen um Schritt für Schritt die kommenden Releases zu planen, sie wird von den EntwicklerInnen auch gerne dazu genutzt, etwa verwegenere Vorschläge zu machen oder gleich eine grundlegende Neuorientierung anzuregen. Die dieses Jahr in Den Haag abgehaltene Veranstaltung hatte in dieser Hinsicht bereits einiges zu bieten, vor allem die verstärkte Nutzung von Web-Technologien tauchte dabei immer wieder auf, sei es in der Keynote von Mozilla-Anwalt Luis Villa oder einem eher technisch gehaltenen Plädoyer von Red-Hat-Entwickler John Palmieri, der mit anderen Mitteln aber größtenteils in die selber Kerbe schlug.

User Experience

Aus einem gänzlich anderen Blickpunkt betrachtet der ebenfalls von Red Hat beschäftigte William Jon McCann die aktuelle Situaton: Als eine der treibenden Kräfte hinter der konzeptionellen Neuausrichtung der User Experience für GNOME3 - und im speziellen der Entwürfe für die GNOME Shell - fordert er in seinem unmissverständlich "Shell Yes!" betitelten Vortrag zunächst einmal vor allem mehr Einheit im Linux-Desktop-Land. Anstatt mit freier Software die Rechner der breiten Masse zu erobern - wie man sich gern als Ziel vorgibt - habe man vor allem eines geschafft: Eine "Teile-und-Herrsche"-Strategie auf sich selbst anzuwenden - mit den zu erwartenden Resultaten.

Kooperation

Insofern betont McCann wie wichtig es sei die bestehenden Animositäten zwischen den einzelnen Distributionen, und die vorherrschende Praxis, dass jeder einen irgendwie angepassten GNOME ausliefert, hinter sich zu lassen und an einer wirklich gemeinsamen Oberfläche zu arbeiten. Dafür sei es aber nicht nur wichtig, dass man kooperiere, sondern auch, dass man den Desktop und die Marke GNOME stärker in den Vordergrund stelle. Von ChromeOS, Android und Co. können man lernen, dass Linux eigentlich nur ein - zwar wichtiges aber doch - Implementationsdetail sei. Worauf es wirklich ankommt, seien die Interfaces mit denen durchschnittliche NutzerInnen konfrontiert sind, zeigt sich McCann überzeugt.

Vorschlag

Eine Einschätzung aus der er einen konkreten Vorschlag für das Projekt ableitet: Über die nächsten Releases solle man den Fokus auf die Schaffung eines gemeinsamen GNOME OS legen. Ein roher Zeitplan würde dann in etwa so ausschauen: Mit GNOME 3.0 liefert man die anvisierte Core User Experience ab, der dann mit der Version 3.4 die App Developer UX folge. Zur Veröffentlichung von GNOME 3.8 könnte man dann damit beginnen ein eigenes Anwendungs-Ökosystem - ähnlich bestehender Distributionen, aber eben gemeinsam - zu etablieren. Mit GNOME 4.0 wäre dann das GNOME OS erreicht.

Disclaimer

Damit kein falscher Eindruck entsteht, sei am Schluss noch mal explizit darauf hingewiesen, dass es sich hierbei lediglich um einen Vorschlag handelt, eine "potentielle Zukunft", wie es McCann selbst bezeichnet. Zumindest aber einen, der das Potential hat für umfangreiche Diskussionen in der Community zu sorgen. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 29.07.10)

Link

GUADEC

Kommentar posten
22 Postings
der Pinguin
 
00
31.7.2010, 00:17
da bin ich dabei.

ein einheitlicher gnomedesktop, ausgeliefert von allen distris, das würde imho viel bringen. Einrichten kann es dann eh jeder User wie er möchte, aber so könnte man die "Marke" Linux Desktop vereinheitlichen und vor allem stärken.

Blauer Dunst!
00
30.7.2010, 15:08
Läuft nich einmal der Dreier geht schon der Vierer los

Wann kann man eigentlich ein bisschen arbeiten mit Ubuntu, ich aktualisiere nur mehr.
Irgendwie glaubt man die wollen nichts versäumen, Windows ist ja sowieso schon lange überholt, jetzt geht es gegen Apple, oder wie soll man das verstehen?

sepular
12
30.7.2010, 18:04

Wer genau zwingt Dich denn zu einem Update oder suchst Du nur eine Ausrede dafür, dass Du nicht arbeiten kannst? ;-)

PS: Den Unterschied zwischen Gnome und Ubuntu kennst aber schon, oder?

Gut und dann...?
00
Ich hoffe schon!

Aber der neue Nutzer nicht und dass ist das Übel.
Mark Shuttleworth hat ein OS versprochen, wo sich jeder ohne Vorkenntnisse auskennen kann und das weltweit, Du Kocksstierler.
Und um dass geht es mir!
Hier haben schon die Leute Probleme und Updates sollte man schon installieren glaube ich.
Die haben ja meist nur Erleichterungen für den Benutzer an sich.

derbrain
01

Natürlich zwingt einen niemand zum Update. Aber bisher war Ubuntu ja keine Bleeding-Edge-Distro, zumindest in dem Sinn, dass zwischen zwei Releases nur Fehlerbehebungen und keine Neuerungen angeboten wurden.

Inzwischen ist es aber oft so, dass Features nachgeliefert werden oder zunächst extrem fehlerhaft sind und erst nach und nach verbessert werden. Oft werden dabei sogar noch mehr Bugs eingebaut. Da ist man dann schon gezwungen, das nächste Update gleich einzuspielen, man hofft halt auf Verbesserung.

Schade, dass man sich bei Canonical diese Unart angewöhnt hat, da kann ich ja gleich zu Microsoft gehen...

Markus138
00

willst du nicht so aktuelle, dafür stabilere Pakete? Dann würde ich Ubuntu auch nicht empfehlen ;)

Da ist Debian sicher die bessere Wahl

Martin Hammerschmied
00
30.7.2010, 13:43
Ich verstehe nicht

was McCann genau damit meint. Ein "Anwendungsökosystem" hat ja jede Distribution jetzt schon. Klingt für mich als wolle er einfach eine eigene Distribution raus bringen und am besten sollen alle anderen GNOME Distributionen gleich bei ihm einsteigen.

Wärs nicht leichter er stiege einfach bei Ubuntu ein? Mark Shuttleworth hat die Knete.

suka
00
30.7.2010, 14:45

Nur so als faktische Anmerkung: Die Taschen von Red Hat sind erheblich tiefer als jene von Canonical/Shuttleworth.

misch
01
30.7.2010, 14:08

also was ich so aus dem satz herauslese ist was anderes :)

"Wir machen uns nen Ar... voll arbeit um hier eine Super-User-Expierience zu basteln und die blöden Linuxdistributionen kommen daher und ändern das nach ihren Vorlieben ab, tauschen icons aus, pfuschen im code rum und überhaupt ist das alles kacke von denen. One Gnom to rule them all reicht vollkommen aus weil nett ist eh schon die kleine schwester von schei..."

kaserf
00
30.7.2010, 13:24
Banshee Community Extensions

Zum Thema "App Developer UX":

ich kann nur die Banshee Community Extensions empfehlen, die einen sehr sehr einfachen einstieg in Banshee ermöglichen.

Eine schöne step-by-step anleitung gibt es hier: http://banshee.fm/contribut... xtensions/

das "create-extension" script übernimmt das files erstellen, autotools magic, makefile, git add und man muss eigentlich nur noch die richtigen files anpassen.

Knox -
01
30.7.2010, 10:00
Bild: "GNOME is BUILD by a worldwide community"

Täusche ich mich oder ist immer noch "BUILT" das Partizip perfekt von "build"?

Oder ist das wieder so ein Computerjargon?

psykorsky
00

IS steht vielleicht für irgendeine build version… :)
Oder aber man sieht darin einfach die bandbreite an nationalitäten der entwickler und grafiker…
weh tut's trotz dieser interpretationen allerdings immer noch.

Vorpotsky
00
30.7.2010, 14:30
Tut so richtig weh

Edward the Great
00
30.7.2010, 13:20

Stimmt, schon ein bisschen peinlich

GulGarak
00
30.7.2010, 13:20

Das ist sehr richtig wie sie es anführen. Und sehr falsch von Gnom.

Marku5
01
30.7.2010, 08:28
Überschätze nicht die Oberfläche.

Mir würde der Wechsel von GNOME zu KDE hin leichter fallen als der Wechsel von einer Shell zur anderen oder der Wechsel von VIM zu einem anderen Editor hin. Oder der Wechsel von apt zu yum. Selbst der Wechsel von einem Compiler zu einem anderen hin wäre störender, wenn die Fehlermeldungen und Warnungen andere wären.

Ich habe zwar einen Lieblingsbrowser (Epiphany) und eine Lieblings-DE (GNOME) und ein Lieblings-Musikprogramm (Rhythmbox), aber viel wichtiger ist das, was darunter ist. GNOME ist wichtig, aber es macht nur ein ganz kleines Stück von einem OS aus, weshalb mir der Name überzogen erscheint.

Edward the Great
00
30.7.2010, 13:29

Sie sprechen aber aus der Perspektive eines Anwenders, der mit Begriffen wie Shell, VIM, apt und Compiler etwas anfangen kann. Damit gehören Sie nicht unbedingt zu der Zielgruppe, auf die sich sich das GNOME-Projekt in erster Linie konzentriert.

Sir Harry....
31
29.7.2010, 17:45
Super...

Genau das hat noch gefehlt: GnomeOS vs. KDEOS...

Die sind wohl nicht ganz sauber: wenn dieser Mist mal wirklich zur Umsetzung ansteht, freut sich Microsoft bestimmt am meisten. Statt KDE und Gnome möglichst nah aneinander zu bringen, ist man bemüht die "Kleinstaaterei" zu fördern.

makombo
40
30.7.2010, 10:56

Damit deine These berechtigt stimmten würde, wäre es aber erforderlich, dass noch irgendwer KDE nutzt! ;-)

:
10
30.7.2010, 04:07

ist doch wurscht, ob gnome oder kde. 90% von dem was Linux zu einem ueberlegenen OS macht, hat nichts mit der oberfläche zu tun. die restlichen 10% werden von beiden ungefaehr gleich gut geloest.
eine bash oder jede beliebige andere shell hat eh
jedes linux.
openoffice, gimp, firefox, hugin usw rennen dort wie da gleich gut.

bonomat
 
01
29.7.2010, 22:12

und abgesehen davon sind die staaten kde und gnome ja nachbar länder, die sich sehr gut miteinander verstehen können(vorrausgesetzt sie wollen), aber trotzdem zwei sein wollen, und windoof ist nur so ein großes weit entferntes land, von denen viele schlecht reden und trotzdem viele abhängig sind, und nein...... ich rede gerade nicht von AT,GER und USA ;-)

suka
01
29.7.2010, 21:54

Inwiefern wäre GNOME OS vs KDE OS schlimmer als das, was es jetzt gibt? So würd sich wenigstens die GNOME-Welt vereinen, das wär doch schon mal ein Schritt in Richtung weniger "Kleinstaaterei", oder?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.