iPhone-Paket mit gleichzeitiger iPad-Nutzung über zweiter Micro-SIM-Karte - CEO Krammer: Lob und Kritik für Apple
Einen Tag vor dem offiziellen Marktstart des iPhone 4 in Österreich hat Mobilfunker Orange seine Tarife dafür bekannt gegeben. Mit dem neuen Apple-Smartphone und einem iPhone Paket, das mit zusätzlicher Micro-SIM-Karte auch mit dem iPad genutzt werden kann, hofft der Mobilfunker die Zahl von derzeit 140.000 iPhone-Kunden bis Jahresende auf 200.000 hochschrauben zu können. Das Geschäft mit dem Apples-Handy ist ein hartes, aber äußerst lukratives.
iPhone-Tarife
Das iPhone kann mit den vorhandenen Tarifen und einem Zusatzpaket genutzt werden. Das iPhone Paket bietet Nutzern 3 GB Datenvolumen sowie 100 inkludierte SMS und MMS um 14 Euro pro Monat. iPad-Besitzer können sich eine zweite Micro-SIM-Karte bestellen und das Datenvolumen auf iPhone und iPad gleichzeitig nutzen. In den ersten sechs Monaten ist das noch kostenlos, danach fallen monatlich 5 Euro dafür an. Für bestehende Kundengibt es das iPhone 4 ab 79 Euro bei höchster Bonusstufe, für Neukunden ab 199 Euro mit iPhone Paket und dem Tarif Europa Team 2010 Young. Ohne Stützung kostet das Apple-Handy 749 Euro.
Starke Nachfrage
Orange ist zuversichtlich, dass sich das iPhone 4 gut verkaufen wird. In einer ersten Vorbestellungsphase war Apples neues Smartphone nur den Bestandskunden mit den zwei höchsten Bonusstufen angeboten worden. In drei Tagen haben demnach 4.000 Kunden das iPhone 4 fix vorbestellt. Beim 3GS seien es noch 3.000 in zwei Wochen gewesen. In den Orange-Shops gingen 15.000 Reservierungen ein. Bis alle Kunden das iPhone tatsächlich in Händen halten, wird es jedoch einige Wochen dauern. Zuerst werden die fixen Bestellungen abgefertigt, danach folgen die Reservierungen und erst dann kann man Kunden bedienen, die das iPhone ohne Reservierung kaufen möchten. Wer das iPhone 4 am Freitag bereits in Händen halten will, sollte sich also früh bei den Orange-Shops anstellen, rät Orange-CEO Michael Krammer. Nur dort sind die Geräte tatsächlich lagernd. Bei anderen Händlern kann man vorerst nur Bestellungen aufgeben. Einen Mitternachtsverkauf in Wien wie bei T-Mobile gibt es bei Orange nicht - das wäre gegenüber den weiter entfernt wohnenden Kunden unfair, betont Krammer.
Lieferverzögerungen
Orange geht davon aus, dass sich die Lieferzeiten Mitte August "normalisiert" haben wird. Apple liefert die Smartphones nur in Tranchen aus. Der Mobilfunker hofft zwar bis Jahresende 60.000 iPhone 4 verkaufen zu können, ob Apple tatsächlich so viele Geräte liefert, ist allerdings nicht ganz sicher. "Bei Logistik und Distribution könnte Apple von uns noch lernen", scherzt der CEO. "Wir sind sicher, jedes einzelne iPhone 4 verkaufen zu können, das uns Apple liefern wird, auch wenn wir nicht wissen, wieviele das sind."
Apple kann es sich leisten
Die Verhandlungen mit Apple dürften zu den härtesten im Business zählen. So können Journalisten mit Testgeräten erst ab dem Tag des Marktstarts versorgt werden, andernfalls riskieren die Mobilfunker Vertragsstrafen. Wer es davor testen wollte, musste dafür schon in die USA reisen. Auch verhandelt Orange seit Monaten um das iPad direkt im Shop anbieten zu können - bislang ohne Erfolg. Aber Apple kann sich Geschäftspraktiken, die jedem die Haare zu Berge stehen lassen, ob der enormen Kundennachfrage leisten. Und den Mobilfunkern bringen iPhones deutlich mehr ein, als normale Handys und Smartphones. Verbrauchen Smartphone-Kunden im Monat durchschnittlich 123 MB an Datenvolumen, sind es bei Oranges iPhone-Kunden 265 MB im Monat. Der Durchschnittsumsatz pro Kunde und Monat ist bei iPhone-Nutzern um den "Faktor 1,6" höher. Interessant auch: am iPhone werden zehnmal mehr MMS verschickt. Man greife zur Stützung des iPhones tiefer in die Tasche als bei anderen Geräten, aber bekomme auch deutlich mehr zurück, zeigt sich Krammer mit dem iPhone-Geschäft zufrieden.
Von Paris Hilton zum Ferrari der Smartphones
Die meisten iPhone-Kunden von Orange- nämlich 61 Prozent - sind mit ihrem Gerät jedenfalls "voll und ganz zufrieden", wie eine interne Studie im Juni ergeben habe. 95 Prozent würden bei Vertragsverlängerung wieder ein Apple-Handy wählen. Warum das so ist, erklärt Krammer so: "Das iPhone bietet eine einzigartige Usability in Kombination mit einer Kult-Marke." Kritik, das iPhone sei wie Paris Hilton, die Krammer vor einigen Jahren noch am originalen iPhone äußerte, gilt heute nicht mehr. Erstens machte die 2G-Version keinen Sinn und zweitens hatte Orange da noch nicht den Deal mit Apple an Land gezogen, schmunzelt Krammer. Natürlich gibt es andere Smartphones mit gleicher oder besserer Hardware, aber "da könnte man auch einen Ferrari 358 mit einem Nissan GTR vergleichen. Beiden fahren gleich schnell, aber der Ferrari ist doch etwas anderes." (Birgit Riegler/derStandard.at, 29. Juli 2010)