"Inception" ist ein vor allem visuell beachtlicher Raubzug durch fremde Traumwelten

29. Juli 2010 10:42
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Christopher Nolans Thriller schöpft die Möglichkeiten eines Blockbusters konsequent aus

 "Erinnern Sie sich, wie Sie hierher gekommen sind?" So lautet eine der Fangfragen in Christopher Nolans Inception, dem seit Avatar wohl am ungeduldigsten erwarteten (und mit entsprechender Geheimnistuerei begleiteten) Hollywood-Blockbuster. Wer sich nämlich nicht erinnert - und die wenigsten tun das in diesem Film -, der befindet sich mit großer Sicherheit in einem Traum. Es muss nicht sein eigener Traum sein, es kann ein fremddesignter Traum sein, dazu entworfen, dem Träumenden ein Geheimnis zu entlocken. Es kann überdies sein, dass man aus dem Traum nie richtig erwacht, von Traum zu Traum übertritt oder sich ganz im Limbo des Unbewussten verliert.

Computerspiel

Inception ist wie eine solche Traum-im-Traum-Anordnung gebaut, ein Film ohne eindeutigen Beginn und mit äußerst ambivalentem Ende - eine Mise en abyme, die wie ein Computerspiel fortlaufend ihre Ebenen wechselt. Christopher Nolan, der britisch-amerikanische Tüftler unter den Hollywoodregisseuren, hat sich schon immer für solche narrativen Verwirrspiele begeistert (und demgegenüber psychologische Motivationen vernachlässigt). Mit dem neuen Projekt, seinem seit dem Debüt Following ersten allein verfassten Drehbuch, wuchsen die Ambitionen besonders rasant in die Höhe. Das Resultat ist ein maßloser Film, der mitunter zu viel auf einmal will, aber gemessen an den kreativ engen Begrenzungen vergleichbarer US-Produktionen (über 200 Mio. Dollar Budget) über visuelle Sensationen verfügt, die Raum- und Zeitachsen auf schwindelerregende Weise durcheinanderwirbeln.

Actionfilm, Spionagethriller und Drama

Die amphibische Qualität von Inception ist aber nicht nur produktionsbedingt - ein Blockbuster, der Autorenschaft beansprucht -, sondern tritt auch im Inneren als Spannung auf, wenn der Film zugleich Actionfilm, Spionagethriller und Drama eines traumatisierten Helden sein will, der mit den eigenen Phantomen einen Kampf austrägt. Vor allem letzterer Aspekt erinnert durch den gemeinsamen Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio an Martin Scorseses Shutter Island, dem die Verquickung persönlicher und kollektiver Traumata allerdings überzeugender gelang.
Fremde Idee im Kopf

In Inception wirkt das Unbewusste wie ein Virus, das die Träume mit unverarbeiteten Urszenen verunreinigt und gefährliche Projektionen hervorbringt. Da es aber die Aufgabe des Industrie-Spions Dom Cobb (DiCaprio) ist, Träume anderer zu durchforsten, wird ihm seine labile Verfassung immer mehr zum Hindernis. Zumal die zentrale Aufgabe noch dadurch erschwert wird, dass der Erbe eines Großindustriellen (Cilian Murphy) nicht beklaut, sondern mit einer fremden Idee im Kopf ausgestattet werden soll.

Kompliziert

Klingt kompliziert, und ist es auch. Deswegen verfügt der Film über einen etwas trägen Beginn, in dem man dem zentralen Trupp - neben DiCaprio agieren Ken Watanabe, Ellen Page und Joseph Gordon-Levitt - dabei zusieht, wie sie nerdhaft ihr Handwerk darlegen, beziehungsweise Page als Traum-Architektur-Novizin erste Entwürfe anfertigt, die wie Trailer auf das Kommende verweisen. Ein Pariser Straßenzug klappt etwa wie ein Vexierbild auf und zu, wuchert fröhlich in Gedanken - den Hauch der Angeberei, der diesen Bildern zu eigen ist, liefert die Szene praktischerweise gleich mit.

Die auf den Menschen angewandte Traumfahrt gerät indes zum Höhepunkt des Films. Die unterschiedlichen Handlungsräume - eine Entführung samt Autoverfolgungsjagden, Faustkämpfe in Schwerelosigkeit auf Hotelfluren und Skiläufe vor einer Gebirgsfestung - werden in verschachtelten Parallelmontagen auf immer wieder verblüffende Weise verbunden. Hier löst Inception als Actionfilm sein Versprechen ein, Wahrnehmungsmuster sinnlich auszureizen. Dabei verfährt er erstaunlich sparsam mit computergenerierten Effekten und löst etliche Manöver auf bewährte analoge Weise auf.

Der Traum im Traum im Traum bleibt ein verschlossener Bau

Was allerdings bei all dem souverän exekutierten Traumsurfing in den Hintergrund rückt, ist der soziopolitische Widerhall des Films, ein gesellschaftliches Außen, mit dem er noch in Verbindung träte. Der melodramatische Teil der Erzählung ist auf individuelle psychische Dispositionen zurückgeschraubt, auf Archetypen, die in ihrer Funktionalität letztlich recht eindimensional bleiben. Der Traum im Traum im Traum bleibt ein verschlossener Bau, aus dem keine Idee in die Freiheit führt. Ab Freitag im Kino. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD Printausgabe 29. Juli 2010)

 

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Posting 1 bis 25 von 36
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ÖVP und Banken sind eine Seuche !
14.08.2010 01:05
der film wäre sicher gut

wäre da nicht das babyface dicaprio

*elkamillo*
13.08.2010 11:35

....bitte den unterschied zwischen LIMBO und LIMBUS beachten. das eine ist ein tanz, das andere eine astralebene. da hat wohl jemand schlecht recherchiert. oder ich hab da was entscheidendes an dem film missverstanden ^^

goope
09.08.2010 19:35

Ob Traum oder nicht ist mir egal. An der Lebensweise würde sich ja nichts ändern.

Intirius
30.07.2010 22:22

Bisher war District 9 auf meiner Nr. 1 der letzten 5 Jahre.
Gestern bei der Vorpremiere hat Inception die Nr. 1 erlangt.
Ich fand den Film einfach nur genial. Die Story und der Plot bzw. die Plots waren 1a.
Spoiler!
Frage an die User:
Was er am Ende noch in einer Traumwelt oder nicht?
Eine Theorie wäre das dass Totem seiner Frau bei Ihm nie wirklich funktioniert hat da man ja sein Totem selbst baut.
Die Architektin will ihm ja auch nicht zeigen wie Ihres funktioniert und er meint dazu ja nur das Sie schnell lernt.

Vielleicht hat er Limbo nie verlassen und alles war nur ein Traum. Vielleicht hatte seine Frau recht. ^^

Mathias
 
13.08.2010 11:03
Was er am Ende noch in einer Traumwelt oder nicht?

Die Frage stelle ich mir auch bei "Total Recall" immer wieder :-)

_spike_
08.08.2010 21:38

Das macht genau die Ambivalenz des Filmes aus.

Muss aber Traum sein:

Irgendwann im Film erwähnt er, dass er seit 3 Jahren auf der Flucht ist. Das wird auch durch andere Szenen wie, Geschenke machen ersetzen keinen Vater bzw. das Papa kommt nicht zurück sagt die Oma bestätigt. In der Schlussszene, als sich die Kinder umdrehen, sind sie genauso groß wie in seiner Erinnerung und haben auch noch die selbe Kleidung an.

Ergo muss er noch im Traum sein, außer das war ein Regiefehler. :)

Yojimbo
09.08.2010 09:13
Vielleicht haben sie's ja ...

... auch nur nicht geschafft die Kinder während des Drehs um 3 Jahre altern zu lassen. Aber gutes Argument...

Yojimbo
05.08.2010 13:38
An alle die damit argumentieren ...

... er weiss wie er dahin gekommen ist also kann's kein Traum sein: wenn der Traum so aufgebaut ist dass er dort fortsetzt wo er in der Realität eingestiegen (also eingeschlafen) ist, dann funktioniert auch diese Frage nicht mehr. Also kann er sich (zumindest in diesem Punkt) noch immer in einem Traum befinden....

_spike_
09.08.2010 18:47

Das macht an sich keinen Sinn, weil er das explizit immer dann verwendet um einen anderen aufmerksam zu machen, dass er nicht in seinem eigenen Traum sondern in einem fremden ist.

Ergo kann er sich das bei seinem eigenem Traum schon erstellen, denn da ist er der aktive Träumer. Das erkennt er nur dann, wenn es Dinge gibt, die er nicht Vorhersagen kann (Schlussszene mit seiner Frau). Das kommt dann wieder zu meinem oberen Argument.

du hast mich nicht gesehen
01.08.2010 21:12
+

In allen Traumsequenzen trägt DiCaprio einen Ehering, in der Realität nicht. Unter anderem auch nicht als er am Schluss seine Kinder sieht. Und wie bereits erwähnt, er weiß auch wie er hingekommen ist.

salenoz
 
31.07.2010 01:35
SPOILER

Es war sogar sicher KEIN Traum.

1.) Im Traum hat das Kreisel, sobald es sich stabil dreht, nie auch nur ein bisschen "gewankt", soll heißen Instabilität gezeigt. Das tut es aber in der letzten Szene.

2.) Vom stilistischen Standpunkt aus wäre es unlogisch. Cobb lehnte es ab, mit seiner Frau im Traum zu leben, weil sie nur noch ein Schatten der Erinnerung war. Warum sollte er das mit seinen Kindern wollen? Und er sieht das erste Mal wieder ihre Gesichter.

3.) Wäre es ein Traum, müsste er beim vermeintlichen Aufwachen im Flugzeug beginnen. Frage "Wie sind wir hierher gekommen?". Es wird klar gezeigt, wie alle das Flugzeug betreten. Daher kann es gar kein Traum sein, wenn man der Filmlogik folgt!

au contraire
30.07.2010 09:42

Frage an die Redaktion:
Warum trennt ihr die Foren, wenn ihr ein und den selben Artikel textgleich in verschiedenen Ressorts veröffentlicht?
Schon in der Vergangenheit öfters passiert, hier haben wir ein aktuelles Beispiel.

(Ganz besonders "lustig" war's bei eurer Vorstellung des neuen Mobil-Standards)

Emanuel S.
30.07.2010 09:26
Wer sich den Film zuhause als Cam Rip ansieht der trinkt Champagner aus Pappbechern.

Denn wenn es dieses Jahr einen Film gegeben hat, den man sich unbedingt im Kino ansehen sollte - und der gezeigt hat, dass 3D-Filme in Wirklichkeit kein Mensch braucht - dann war das Inception.

the JJ
08.08.2010 23:31

Die Zeiten der Cam Rips mit den hustenden und durchs Bild wandelnden Gestalten sind aber mittlerweile auch schon vorbei...es gibt teils schon Kopien von den originalen Vorführfilmen...sogar in HD...

Raubkopierer
30.07.2010 09:18

wenn man sich die beiden blockbuster des jahres (bisher) ansieht, also inception und avatar, gewinnt in meinen augen inception. avatar ist zweifelsohne gut, aber eben eher anspruchsloses popcornkino. inception versteht es, eine komplexe handlung die zum nachdenken anregt mit schnellen und spektakulären actionszenen zu verbinden. und genau das mahct den reiz aus. meist hat man die wahl zwischen anspruch mit langeweile und action mit stumpfsinn. hier kriegt man von beidem etwas.
für mich war inception der beste film des jahres, gefolgt von schwerkraft und dann halt doch avatar. aber allzuhoch war das niveau dann dieses jahr doch nicht ;)

A Voice
08.08.2010 23:19
Anspruch + Action

Dark City

Bin sehr neugierig auf Inception.

salenoz
 
29.07.2010 14:40

War bei der Premiere des Standards in Wien. Der Film ist wirklich toll, visuell beeindruckend, Handlung interessant und nie wirr.
Absolut sehenswert.

Lobende Worte auch an den Standard: Kostenlose Getränke, die Printausgabe des Standards geschenkt und dazu noch Feuerzeuge vom Standard zum Mitnehmen. Wirklich toll, das war mir die etwas umständliche Reise nach Wien allemal wert.

rsub
29.07.2010 16:29

den film kann man sich definitiv ansehen, allein die idee ist es schon wert. und ja, das service war wirklich toll. alles in allem ein super abend!

Cafe Corretto
29.07.2010 14:07
Hab mir den Film gestern angesehen ..

und war enttäuscht. Pompöse Soundeffekte, aufwendige Animationen und eine komplexe Handlung in verschiedenen Wirklichkeiten. Ganz großes Kino halt. Vergleichbar ist dieser Film mit Matrix und Shutter Island. Da weiß man auch nie so genau, wo man sich befindet.

Vielen dürfte der Film allerdings gefallen, da er in der IMDB (imdb.com) einstweilen auf Platz 3 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten ist. Eigentlich unglaublich, ist aber sicher nur vorübergehend.

Emanuel S.
30.07.2010 09:17

Und warum genau waren Sie jetzt enttäuscht?

A Voice
08.08.2010 23:21
wahrscheinlich

"Pompöse Soundeffekte, aufwendige Animationen und eine komplexe Handlung in verschiedenen Wirklichkeiten"?

Chris W.
29.07.2010 11:56

Es existiert ein Interesse an der generellen Rezession der Applikation relativ primitiver Methoden komplementär zur Favorisierung adäquater komplexer Algorithmen.

reboot austria
29.07.2010 15:12
naja, nicht ganz, denn

Interesse und Faksimile gehen hier einen grotesken Schnittpunkt und einen präzisen Kunstraum ein. Die experimentelle Allegorie welche den Rhythmus segmentiert, durchbricht die irreversible Einrichtung des Raums einer tendenziellen Partizipation der Beteiligten, deren Planung sich aus der Praxis des Kunstmarktes publiziert.

anton haupt
31.07.2010 20:51

Sie reizen mich zum Widerspruch! Inwiefern soll diese existenzielle Eklektik im synaptischen Gleichgewicht zu prähistorischen Molusken stehen? Die Frage bleibt doch doch einzig und allein: Bewegen die Elemente sich auf den Fokus der immateriellen Saugglocke zu oder öffnen sich die Schlupfventile derselben mit eigenem Fug und Recht? Wenn wir darauf keine Antwort finden, müssen wir auch die Frage nicht stellen.

Dr. Alfred E. Neumann
31.07.2010 21:15
Damit sind Sie semipermeabel?

Wenn die anaxialen Fragestellungen aus diesem Grund tendieren, funktioniert ambitionierte zweidimensionale Allianz eine Inversion, womit der Beweis erbracht ist, dass die transferablen Äquivalenzen unprätentiös sind, infolgedessen die Identität flexibel wird.

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