Den Haag/London - BP-Konkurrent Shell steht glänzend da: Gestiegene
Ölpreise und eine stärkere Nachfrage durch die Erholung der Weltwirtschaft haben
dem größten europäische Ölkonzern auch im zweiten Quartal zu kräftigen Gewinnen
verholfen. Die Erträge des niederländisch-britischen Unternehmen stiegen auf der
Basis vergleichbarer Kosten auf 4,5 Mrd. Dollar (3,5 Mrd. Euro) im Vergleich zu
2,3 Mrd. Dollar im selben Quartal des Jahres 2009, wie Royal Dutch Shell am
Donnerstag in Den Haag und London mitteilte.
Zugleich gab der Konzern am Donnerstag für den Zeitraum April bis Juni 2010
eine Dividende von 0,42 Prozent pro Aktie bekannt. Rund zwei Drittel des
Shell-Gewinns, 3,27 Mrd. Dollar, wurden im Bereich der Öl- und Gasförderung
erwirtschaftet. Bei der Raffinierung sowie im Verkauf von Öl- und Gasprodukten
betrug der Gewinn 1,47 Mrd. Dollar. In nahezu allen Bereichen lag Shell leicht
über den Erwartungen von Analysten.
Über die weiteren Aussichten äußerte sich Konzernchef Peter Voser
zurückhaltend: "Die Weltwirtschaft sendet gemischte Signale aus. Die Ölpreise
blieben in diesem Jahr zwar fest, aber die Gewinnmarge im Raffineriebereich
sowie die Nachfrage nach Ölprodukten und die Gaspreise stehen weiterhin unter
Druck." Zugleich gab er bekannt, dass der Shell-Konzern sein Anfang vergangenen
Jahres begonnenes Spar- und Umstrukturierungsprogramm inzwischen abgeschlossen
hat.
Voser nannte die Ölkatastrophe durch die Explosion einer Bohrinsel des
britischen Konkurrenzunternehmens BP im Golf von Mexiko "eine Tragödie für alle
Betroffenen". Die weltweite Erschließung von Tiefsee-Ölressourcen werde aber
auch künftig eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung spielen. BP hatte am
Dienstag für das zweite Quartal einen Rekordverlust von 17,2 Mrd. Dollar
gemeldet, der vor allem den Kosten im Golf von Mexiko geschuldet ist. (APA)