GNOME

Wer schreibt den Linux Desktop? Viel Red Hat, wenig Canonical

Andreas Proschofsky, 29. Juli 2010, 08:41

Beiträge aus Unternehmen dominieren beim GNOME-Projekt, viel aber in Freizeit - Novell, Intel und Collabora ebenfalls sehr aktiv

Es ist eine Frage, die bei jedem Open Source-Projekt immer wieder aufkommt: Wer schreibt eigentlich all diesen Code? Stammen die meisten Beiträge aus der verteilten Community der freiwilligen HelferInnen oder treiben doch vor allem Unternehmen die Entwicklung voran? Und wenn ja: Welche? Eine Thematik, der sich GNOME-Entwickler Dave Neary etwas näher gewidmet hat, die aus der Analyse des Source Codes und einer Umfrage gewonnenen Erkenntnisse präsentierte er nun im Rahmen der derzeit in Den Haag stattfindenden GNOME-Konferenz GUADEC.

Unternehmen

Und diese fördern in einigen Punkten durchaus interessante Erkenntnisse zutage: So ergab die Code-Analyse, dass mehr als 70 Prozent der Beiträge von EntwicklerInnen stammt, die bei diversen im GNOME-Umfeld tätigen Unternehmen beschäftigt sind. Die zugehörige Umfrage zeigt aber auch, dass der größte Teil dieser Beiträge trotzdem in der Freizeit vorgenommen wird, hier viele also stark in das Projekt eingebunden sind. Rein professionell - also ohne weitere Involvierung außerhalb der Arbeitszeit - sind hingegen nur vergleichsweise wenige im GNOME-Umfeld tätig.

Red Hat

Durchaus dazu geeignet kontroverse Diskussionen auszulösen, ist eine andere Statistik, und zwar jene, die der Frage nachgeht, welche Unternehmen über die Jahre am meisten Code beigetragen haben. Dass Red Hat mit 16,30 Prozent (nach den Beiträgen aus der Community) diese Liste klar anführt, war wohl zu erwarten, auch die zweite Position von Novell (10,44%) ist noch keine Überraschung. Doch danach folgen - neben Intel, das mit 2,57 Prozent immerhin an vierter Stelle liegt - zahlreiche kleine Unternehmen, die in den letzten Jahren im GNOME-Umfeld entstanden sind. Allen voran Collabora (4,99 Prozent), welches für das Telepathy-Kommunikations-Framework verantwortlich zeichnet, die Multimedia-Experten von Fluendo (GStreamer) oder auch der GTK+-Dienstleister Lanedo.

Ubuntu

Vergleichsweise marginal hingegen die Zahl der Beiträge, die von Ubuntu-Hersteller Canonical stammen, mit 1,03 Prozent ist man gerade noch in den Top-15, hat aber noch nicht einmal schon seit langen Jahren in Konkurs gegangen Unternehmen wie Eazel überholt. Freilich sollte nicht vergessen werden, dass die Analyse den gesamten Code betrachtet, schon länger existierende Unternehmen hier also im Vorteil sind. Gerade unter diesem Blickpunkt fällt allerdings wiederum auf, dass der noch recht junge Webbook-Hersteller Litl es im Ranking bereits vor Canonical geschafft hat. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 29.07.10)

Kommentar posten
21 Postings
sepular
05
29.7.2010, 16:50

Canonical mag zum Code wenig beitragen, aber mit ihrem Marketing und ihrer zugegebenermaßen sehr guten Community leisten sie einen unschätzbaren Beitrag zur Verbreitung von Linux. (PS: offensichtlich gibt es aber auch "Linuxer" denen diese Verbreitung gar nicht recht ist.)

Das mag den "Developern" nicht gefallen, aber eine Distribution besteht aus mehr als nur aus Millionen an Codezeilen. Und als Gesamtpaket ist Ubuntu einfach gut.

Tofix67
02
30.7.2010, 21:40
... finde ich auch

Viele negative Reaktionen gegen Canonical kommen eben aus dem Eck..... Eifersucht!
Was der 300000 Mann Riese IBM oder Oracle (70000 ohne SUN, "wir sind die größte OpenSource Firma) nicht schafften - am Desktop bekannt zu werden.
... und sie sagten es ja selbst - sie wollen es gar nicht. Und jetzt kommt Mark und tut genau das!
Danke Hr. Shuttleworth ;-) und viel Erfolg!

unangenehm
04
29.7.2010, 15:09
danke canonical

also die opensource produzentinnnen gegenseitig auszuspielen finde ich ein bisschen kontraproduktiv.
ubuntu ist es zu danken, dass es zumindest eine desktop-edition gibt, die normale nutzerinnen verwenden können und nicht nur die, die es selbst programmieren.
vielleicht hat ja ubuntu andere stärken als die entwicklung des gnome? jedenfalls ist das ja auch kein unternehmen, das geld verdient, so wie red hat.

DerMäx
02
29.7.2010, 15:25

Sie übertreiben masslos. :-)

Fedora, das von Red Hat kommt, oder Debian, um einfach mal zwei Beispiele zu nennen, bei denen ich mich als User gut auskenne, sind um keinen Deut schwieriger zu verwenden als Ubuntu.

Der einzige Vorteil, den Ubuntu hat ist "sudo apt-get install ubuntu-restricted-extras", der einem beim Einrichten des Systems eine Menge Zeit und Ärger erspart.

OK.. dass einem bei Bedarf durch den Jockey gleich der proprietäre Treiber angeboten wird ist sicherlich auch ein Vorteil.

Ich weiss nicht, wie oft Sie ein System installieren, ich zb. mache sowas alle paar Jahre mal, und da ist es letztendlich echt wurscht, ob Installation+Einrichtung 2 Stunden, oder 5 Stunden brauchen, oder?

Muffel
 
00
31.7.2010, 14:17
Sie sagen es ja im ersten Absatz Ihres Postings ja selbst:

"...bei denen ich mich als User gut auskenne...".

Von daher können Sie sich schwer in einen Linux-Dau (wie ich es zum Beispiel bin) reinversetzen.

Tofix67
01
30.7.2010, 20:55
Genau das braucht's...

Ich finde die Eifersüchteleien unter den Linuxern auch komisch. Da scheine einige mit der Freiheit die sie ja haben nicht umgehen zu können. Ich gehöre zu einer Generation, die ohne Computer aufgewachsen ist und nichts mit der Branche zu tun hat. Trotzdem habe ich mich inzwischen sehr viel damit beschäftigt. Ich sehe das nüchterner. Danke Ubuntu, danke Mark! Ohne die beiden hätte ich mich nicht soviel damit beschäftigt. Mein Ziel ist, es auch produktiv zu nutzen. Der weilen arbeite ich Hardware bedingt noch mit meinem "alten" Vista, wau!
Es sind gerade die Kleinigkeiten und das weitgehende nicht verwenden der Kommandozeile, die Ubuntu für den Normalo ausmachen! Und es kann noch weniger werden. Menschen sind im Schnitt stark visuelle Typen.

unangenehm
02
29.7.2010, 17:02
mache alle 6 monate ein upgrade

auf die neueste version. mit dem klick auf den aktualisierungsbutton.
leider verbreiten sie das klischee noch immer, dass man als linux user die konsole braucht und nur freaks das nutzen können. es ist sogar für pensionisten geeignet, die das wort konsole oder apt-get noch nie gehört haben.

AngelusNoctis
21
29.7.2010, 15:24
So ein Unsinn...

kann nur von einem Ubuntu User kommen!

Es gab lang, lang, lang vor Ubuntu Distrubtionen die einfach zu installieren und einfach zu nutzen waren!

Red Hat hatte schon 1997 nen Grafischen Installer
Suse hatte schon 1997 Yast/Sax zur einfachen Konfiguration
Mandrake hatte sowohl Grafischen Installer als auch MCC zu einfachen Konfiguration

Beispiel:
Wer unter Ubuntu Samba Share in die Fstab klatschen will muss dies von Hand machen, unter Mandriva mit MCC geht dies über klick-bunti!

http://polishlinux.org/reviews/m... center.png

unangenehm
01
29.7.2010, 16:57
danke für einen überblick über die geschichte

natürlich waren andere vorher da und besser und es gibt auch zahlreiches was woanders besser funktioniert.
aber aus otto-normalo usersicht ist ubuntu immer noch das benutzerfreundlichste. ich schätze andere systeme genauso. persönlich habe ich lange auf opensuse gearbeitet und war davon begeistert.
aber das kann ich leider meiner mutter nicht zumuten. ubuntu im gegensatz schon.
naja aber hauptsache ist doch der opensource gedanke und es ist schön diese vielfalt zu haben.
danke jedenfalls für den screenshot. muss nämlich morgen einen samba share unter ubuntu einbinden. leider kann man das home-verzeichnis nicht von der share mounten, so wie bei windows fat-clients. oder weiß hier jemand wie das geht (ohne iceauthority error)?

sepular
00
29.7.2010, 16:42

Also meine Frau nutzt Ubuntu und ich Fedora. Und obwohl ich Fedora echt schätze, aber was die Installation angeht ist Ubuntu einfach besser. Bei jeder Neuinstallation von Fedora gibt es z.B.Probleme mit den NVIDIA Treibern. Das liegt sicher an mir, dass ist mir schon klar, allerdings hatte ich persönlich solche Probleme noch nie unter Ubuntu.

Und das Marketing und die Community sind - wenn man ehrlich ist - eine absolute Stärke von Ubuntu. Und beide Aspekte sind halt besonders wichtig, egal ob man das will oder nicht. Canonical macht das einfach gut.

PS: Trotzdem nutze ich Fedora, weil es einfach stabiler läuft. ;-)

mal cie
21
29.7.2010, 10:29
Canonical / Ubuntu ist überhaupt schlecht

einfach mal dieses video ansehen. ist abgesehen vom schlechten abschneiden von canonical ein inhaltlich sehr gutes video. für leute die nicht so in dieser thematik drin sind, ein sehr gutes video. für freaks auch interessant und unterhaltsam :)

http://video.google.com/videoplay... 824733336#

dann weiss mann, wieviel canonical zum opensource beiträgt. reiner schmarotzer verein.

aber immerhin ist ubuntu für den "normalen" user das am einfachsten zu verwendende linux. das ist aber das einzige was man positiv herausstreichen kann.

Tofix67
00
30.7.2010, 21:23
Der falsche Weg?

Ich kann mit dem Vortrag wenig anfangen. Sorry - aber die Großen "alten" Firmen mit Canonical zu vergleiche ist einfach unfair. Ubuntu ist der Grund warum Linux am Desktop in den letzten Jahren viele neugierige anzog. Die Jungs sollten doch froh sein, dass Ubuntu ihre Arbeit nach vorne zerrt. Das haben sie selbst nicht geschafft.

AngelusNoctis
11
29.7.2010, 13:23
Btw..

Traurig ist da das Canoncial mehr als 300 Mitarbeiter hat, aber anscheinend sind die nicht mal fähig Bugs zu fixen, da immer wieder Bugreports von Canoncial Devs bei bugzilla.redhat.org auftauchen.

AngelusNoctis
10
29.7.2010, 13:25
Sry... [dot]com ;)

k.w.t

DerMäx
20
29.7.2010, 12:08

Gebe Ihnen voll recht.

Und da hilft auch nicht die immer wieder gerne gebrachte "Verteidigungsstrategie", dass es aufgrund der Lizenz jedem frei steht zu tun und lassen was er will....

Es macht einfach kein gutes Bild, und man sollte von so einer stark vertretenen Distribution schon mehr erwarten können.

Die Debianer sind ja auch nicht wirklich zufrieden mit dem Feedback, das Canonical gibt....

sepular
00
29.7.2010, 16:46

Debian kommt bei mir auch nicht gut weg. Da habe ich mich als DAU doch tatsächlich einmal getraut im Forum eine Frage zu stellen. Die Reaktionen im Forum waren derart dumm, dass ich als Konsequenz auf Fedora umgestiegen bin. :-(

mal cie
00
29.7.2010, 12:28

obwohl debian auch ziemlich schlecht abschneided. das liegt aber wohl eher am personalmangel und einsatz.

wir sicher wieder besser und ich wünsche, dass es mit debian wieder bergaufgeht. (auch wenn ich redhat freund bin).

DerMäx
00
29.7.2010, 12:35

Naja, Debian ist ja ein reines Community-Produkt ohne Firma dahinter, das ist dann schon ein bissl ein Unterschied.

Von Redhat bin ich aber echt beeindruckt.

mal cie
00
29.7.2010, 12:39

ist schon klar, aber ich hoffe trotzdem, dass debian bald wieder mehr aktive mitarbeiter findet. es ist gut eine "lebendige" alternative zu haben.

gut für den markt :)

dobu
20
29.7.2010, 09:48

find ich persönlich ein wenig peinlich für canonical. ob sich mark da wohl zu einem kommentar aufraffen kann?

mal cie
00
29.7.2010, 10:55

wie lange dauert es normal, biss ein kommentar erscheint? ich habe vor 30 minuten ein posting erstellt und das taucht noch nicht auf..

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