Immigration

USA stehen vor heißem Sommer

29. Juli 2010 19:01

Bundesgericht blockiert Arizonas Einwanderungsgesetz

In letzter Minute hat eine Bundesrichterin in Phoenix Mittwochabend entscheidende Teile des neuen Immigrationsgesetzes von Arizona blockiert. Es hätte am Donnerstag in Kraft treten sollen. Die Polizei darf nun nicht nach Gutdünken und de facto nach Hautfarbe von jedem Passanten die Ausweispapiere verlangen. Jede Verkehrskontrolle hätte so für Illegale das Risiko bedeutet, dass sie entdeckt und abgeschoben werden. Eine fehlende Aufenthaltserlaubnis sollte sogar zu einem Verbrechen erklärt werden, während dies das Bundesrecht nur als Ordnungswidrigkeit ahndet. Das hat es in den USA, wo weder Ausweis- noch Meldepflicht bestehen, bisher nie gegeben.

Die Bundesregierung sprach in ihrer Klage einem Einzelstaat wie Arizona grundsätzlich das Recht ab, solche Fragen zu regeln. "Das Gesetz bedroht alle Grundsätze der Fairness, die uns Amerikanern so teuer ist" , sagt Präsident Barack Obama: "Es zerstört das Vertrauen zwischen der Polizei und der Bevölkerung, das für die Sicherheit von uns allen so wichtig ist."

Doch mit der Eilentscheidung hat der heiße Sommer zum Thema Einwanderung erst begonnen. Arizonas republikanische Gouverneurin Jan Brewer nannte den Richterspruch "nur ein kleines Schlagloch" . Der Kampf vor Gericht gehe weiter: "Das Für und Wider des Gesetzes ist noch gar nicht abgewogen worden."

Vertreter der Latinos sehen in der Entscheidung hingegen einen Warnschuss für alle, die mit dem Gedanken an ähnliche Regelungen spielen. In siebzehn weiteren Bundesstaaten werden nämlich ähnliche Gesetze wie in Arizona debattiert. Die New York Times sprach vom Stopp für einen "hasserfüllten Kreuzzug, der einen Massenexodus von illegalen Einwanderern provozieren sollte" .

Obama wirbt um Latinos

Obama wirbt mit seinem Vorgehen um die wachsende Zahl der aus Lateinamerika stammenden Wähler. Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen. Kaum ein anderes Thema erregt die Amerikaner vor den Zwischenwahlen zum Kongress so sehr wie das Thema Arizona. Jedes politische Votum, jeder Gerichtstermin war von Demonstrationen der Gegner und der Befürworter begleitet.

Und nicht nur für politische Rechtsaußen der Tea-Party-Bewegung ist die Klage der Bundesregierung das Paradebeispiel dafür, dass Obama die Amerikaner ihrer Freiheit beraubt. Umfrage um Umfrage haben klare Mehrheiten der US-Wähler gesagt, dass Arizona recht habe. Sogar die Gerichte werden lediglich als politische Werkzeuge gesehen. Schließlich sei die Bundesrichterin in Phoenix, Susan Bolton, noch von Präsident Clinton eingesetzt worden. (Andreas Geldner aus Washington, DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2010)

Kommentar posten
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hotzenplotz1001
29.07.2010 16:52
Betrifft leider Arizona, nicht Arigona.

Der, der es besser weiß
29.07.2010 15:16

Ich habe immer geglaubt wir sollen das US-Einwanderungsrecht nachahmen. Also sollen wir jetzt so einen Zaun gegen Süden errichten.

Oder wäre es besser die USA reißen den ab und lassen unbegrenzte, unkontrollierte Einwanderung.

Gigerius
29.07.2010 16:32
weder, noch.

catfish eyes
29.07.2010 15:16
"...die Rechte Hunderttausender illegal Eingewanderter verletzt"

In Österreich haben illegal Eingewanderte keinerlei Rechte.
In Sachen Immigration und Menschenrechte haben die USA die Nase immer noch weit vorn; bei uns herrschen nach wie vor Metternichsche Zustände. Menschenrecht ist bei uns synonym für Österreicherrecht.

Gigerius
29.07.2010 16:33

Das ist Unsinn. Natürlich haben auch illegal eingereiste in Österreich Rechte.

hed
29.07.2010 16:15
immer noch weit vorn...

bei menschenrechten? hatten die usa die nase auch weit vorn als schwarze z.b. nicht in bestimmte schulen gehen durften? so lange ist das noch nicht her.

und wie verhält sich guantanamo oder ein von den befugnissen her gestapo-ähnlicher inlandsgeheimdienst der willkürlich menschen mitnehmen und nach belieben festhalten kann zu den menschenrechten?

in einigen punkten haben die usa sicher die nase vorn, aber insgesamt halte ich die beweihräucherung von "god's own country" für ziemlich übertrieben

Hepkat
29.07.2010 17:39

Ach wirklich? Seit wann dürfen Schwarze bestimmte Schulen nicht besuchen. Ich bin Schwarzamerikaner und was Sie sagen ist mir völlig neu.

Und seti wann herrscht ein "gestapo-ähnlicher" Inlandsgeheimdienst in den USA, der "willkürlich menschen mitnehmen und nach belieben festhalten"? Ich glaube Sie schauen viel zu viel Fernsehen!

Wann waren Sie das letzte Mal in den USA, oder wie lange haben Sie dort jemals gelebt bitte?

Edmund III.
29.07.2010 15:08

Ich hab zuerst "Arigona" gelesen.

hotzenplotz1001
29.07.2010 16:52
Und?

hed
29.07.2010 15:01
also "begründeter verdacht" reicht nicht aus

was dann?

diamant
 
29.07.2010 14:56
Was da in den USA so stark bekaempft wird ist in Europa die normalste Sache der Welt!

Nur die Ami-Basher habens noch nicht gemerkt.....

Hepkat
29.07.2010 17:35
Eben!

Und zwar, als Schwarzamerikaner werde ich ständig hier in Wien kontrolliert. Sogar haben die Polizei mich in der Wohnung einmal besucht, um zu kontrollieren, weil die Nachbarin eine Meldung gemacht habe, dass ein Schwarzer ins Haus eingezogen ist.

Einmal bei einer Verkehrskontrolle, hat der Polizist um meinen Pass gefragt. Ich beantwortete dass ich ihn dabei nicht hatte, musste aber dann gleich mit dem Polizist zur Wache, um mein Visumstatus zu prüfen. Er sagte mir dann später dass in Ö dürfen die Polizei alle Personen OHNE begründeten Verdacht jede Zeit kontrollieren. Er nannte es Personenkontrolle. Ich wurde sogar auch im Zug vom Wien nach Linz kontrolliert, mein weißer Kollege aber nicht!

Was für eine rückständige Mentalität!

die naive
30.07.2010 14:12

"Was für eine rückständige Mentalität!"

Alle sind hier zurück geblieben; das strahlende Vorbild sind nach wie vor die USA mit ihrer lupenreinen Auslands- und Inlandspolitik.

Sie Ärmster, was machen Sie dann noch hier?!

Walter KURTZ
 
29.07.2010 23:55

Österreich ist auch kein Staat von Bürgern sondern einer von Untertanen. Von denen man wissen muß, wo sie wohnen (in den USA wär ein Meldegesetz wie hier wohl komplett undenkbar) und die sich jederzeit ausweisen müssen, sonst laufen sie einem ja noch davon oder noch schlimmer.

Superserbe
29.07.2010 14:42
die argumentation des bundes ist natürlich blödsinn ...

nicht nur weil ein teil von arizonas grenzen auch us-grenze ist, sondern weil das gesetz sich offenbar nur auf den arbeitsablauf aller polizeidienste des staates arizona bezieht und eben genau diese argumentation (bundesangelegenheit) umschifft.

jeder bürger kann bundesvergehen anzeigen, aber polizeidienste der bundesstaaten sollen bundesvergehen nicht ausforschen und/oder anzeigen dürfen ?

mit dem gesetz kann man also auf jeden fall vor das höchstgericht gehen.

mfg

Hepkat
30.07.2010 06:29

Es heisst bei uns "Separation of Powers" (Gewalttrennung) und ist in den USA tiefgehender verankert als in Europa (soweit ich weiß und gesehen habe).

Diese Doktrin verbietet den Bund sich in allen Staatssachen einzumischen und ebenfalls die Staaten sich in allen Bundessachen. Deshalb dürfen und können Beamte des Staates Arizona keine Visumskontrolle durchführen, da dies gegen die Hoheitsgewalt des Bundes stoßt. Umgekehrt darf und kann der Bund Waffen, Bildung, etc. nicht regeln, da dies gegen die Souveränität der Staaten ebenso stoßt. Keine Zusammenarbeit, einfach nichts!

Den Bürgern aber sind keine solche Doktrin untergelegen, weshalb dürfen sie klagen und Anzeigen machen.

hotzenplotz1001
29.07.2010 14:35
Und in Florida darf man Leute erschießen, wenn sie einem bedrohlich vorkommen.

Tot sind sie keine Gefahr mehr. Sicher ist sicher!

stefan strasser
 
29.07.2010 11:19
Rasisstisch?

Also ich glaube die meisten die hier posten haben keine Ahnung wie's in Teilen Arizonas zugeht. Und auch nicht, was im Gesetz steht. Da steht nirgends, dass "hispanic" aussehende Menschen rausgepickt werden sollten, sondern bei JEDEM, der WEGEN EINES ANDEREN DELIKTES verhaftet wird (Raub, Diebstahl, Schnellfahren, was auch immer) der Aufenthaltstatus überprüft werden soll. Da kann man jetzt dafür oder dagegen sein, aber was daran "rassistisch" sein soll, sehe ich nicht. Wäre in mehreren Bundesstaaten durchaus angebracht, bei dieser Flut an illegalen Einwanderen und den einhergehenden Problemen.

Prof. Wolf
29.07.2010 14:50
Falsch, Gegenbeweis: reelles Gedankenexperiment

"Da steht nirgends, dass "hispanic" aussehende Menschen rausgepickt werden sollten, sondern bei JEDEM, der WEGEN EINES ANDEREN DELIKTES verhaftet wird (Raub, Diebstahl, Schnellfahren, was auch immer) der Aufenthaltstatus überprüft werden soll. "
Es wird ein Weißer wegen egal was verhaftet. Werden sich sich die Polizisten die Mühe machen seine Herkunft zu überprüfen? Vielleicht! Das gleiche passiert mit einem Hispanic. Werden sich sich die Polizisten die Mühe machen seine Herkunft zu überprüfen? Mit Sicherheit! Bei wem wird man wohl eher versuchen aus humanitären Gründen oder sonst was ein Auge bei fehlenden Papieren zu drücken? Richtig, beim Weißen.

hed
29.07.2010 15:03
sie müssen aber schon das gesamte bild betrachten

die wahrscheinlichkeit, dass sie in arizona auf einen illegal im land lebenden hispanic treffen ist ziemlich hoch und sehr viel höher als über einen illegalen weißen zu stolpern...

ChilliPalmer
29.07.2010 19:06

Das stimmt natürlich, und trotzdem gibt es tausende legal in Arizona lebende "hispanics". Diese werden durch die Tatsache dass sie von haus aus "illegal" wirken überprüft, und dadurch diskriminiert. Weiße stört das wenig, da die ja "legal" wirken und dadurch nicht gestört werden in ihrem Lebensaltag...

Loonquawl
29.07.2010 21:28

einen legal im land lebenden "hispanic" dürfte das wohl wenig kümmern, oder?

ChilliPalmer
30.07.2010 16:31
tja

wenn es Sie nicht stört, dass Sie als legal in Österreich lebender Staatsbürger, jeden Tag mehrmals kontrolliert werden, nur weil Sie seltsam aussehen. Mich würde es stören, wenn ich jedes mal wenn ich aus der Ubahn aussteige kontrolliert werde, ob ich legal hier bin, nur Aufgrund meines aussehens. - Mal ganz davon abegesehen, dass dies gegen die Vefassung ist, da Diskriminierung.

Prof. Wolf
29.07.2010 21:50
Laut dem neuen Gesetz dürfte er (der legal im land lebenden "hispanic") wenn er beim Schnellfahren erwischt wird gleich in Haft genommen werden.

lemming0815
29.07.2010 10:45
Außerdem würden damit nach ihrer Ansicht die Rechte Hunderttausender illegal Eingewanderter verletzt

...

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