Pentagon plünderte irakisches Konto

28. Juli 2010, 19:14

Von 9,1 Milliarden Dollar Ausgaben sind 8,7 mangelhaft belegt, 2,6 fehlen

Washington/Bagdad - Nach den Afghanistan-Papieren wird Washington von einer neuen Veröffentlichung über unangenehme Wahrheiten im Zusammenhang mit seinen Kriegen geplagt. Zwar waren auch diese Missstände - die amerikanische Geldvernichtung im Irak - im Prinzip ebenfalls seit Jahren bekannt, aber das Ausmaß wurde soeben wieder in einem Bericht des Special Inspector General for Iraq Construction (SIGIR) dokumentiert.

Diesmal handelt es sich um irakisches Geld, das in einem schwarzen Loch verschwunden ist. Von 9,1 Milliarden Dollar von einem irakischen Konto, die das Pentagon nach 2003 für Wiederaufbau ausgegeben haben will, sind 8,7 Milliarden - das sind 96 Prozent des Summe - nicht ordentlich belegt. Von 2,6 Milliarden fehlt überhaupt jede Spur.

Es handelt sich dabei um eine unendliche Geschichte. Nach der Installierung des US-Zivilverwalters im Irak, Paul Bremer, ließ dieser im Mai 2003 den "Development Fund for Iraq" (DFI) etablieren: Dort wurden, unter treuhändischer Verwaltung der Bremer-Behörde, die irakischen Öleinnahmen - der Irak unterlag noch immer Uno-Sanktionen - plus eingefrorenes irakisches Regime-Vermögen gesammelt. Mit diesem Geld bezahlte Bremer sozusagen irakische Rechnungen.

Der Uno-Sicherheitsrat rief parallel zum DFI ein Aufsichtsinstrument ins Leben (International Advisory and Monitoring Board, IAMB), das sehr bald mangelnde Transparenz und Rechenschaft kritisierte. Im Mittelpunkt der Kritik stand Bremers CPA (Coalition Provisional Authority) - eine Kreation des Pentagon von Donald Rumsfeld, unter Ausschluss des US-Außenministeriums.

Die Ungereimtheiten setzen sich jedoch bis ins Heute fort. Ab Ende 2007 sollten alle DFI-Gelder, die sich noch in den Händen des Pentagon befanden, wieder an den Irak zurückgehen. Der aktuelle Bericht zeigt aber auf, dass dies nicht zur Gänze geschehen ist und dass der Pentagon zum Teil sogar noch immer mit DFI-Geldern hantiert.

Die Geldvernichtung beim irakischen Wiederaufbau ist Legende. Zum Teil beauftragten die USA unfähige oder betrügerische Subunternehmen für ihre Projekte; nur ein Bruchteil der für den Wiederaufbau designierten Gelder kam den Irakern zugute. Vieles wurde auch wieder zerstört. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2010)

 

 

Kommentar posten
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Donald Kerabatsos
00
Bitte sich nur einmal unseren Nachbarn Deutschland anzusehen,

dort liefs und läufts genauso.
Dennoch jubeln die Medien über den ach-so-tollen Marshall-Plan.
Österreich kam nicht so schlimm unter die Räder, doch auch wir waren Kriegsverlierer und blechen noch heute dafür.
Und unsere Medien sind allesamt US-gegründet oder - lizensiert und akklamieren den USA ebenfalls ständig.
In diesem Sinne sind wir dem Irak also nur ein paar Jahrzehnte voraus.

a b1
01
Super Artikel

Kurz und bündig, ohne viel blabla, harte objektive Fakten, die genau einen der zu kritisierenden Punkte an diesem Krieg treffen.

Da können andere mit ihrem subjektiven Geschwafel einpacken!

Mostbluzza
04
29.7.2010, 09:29
War-kickbacks ...

irgendwie muss sich so ein aufwand für einen so mühsam konstruierten krieg - den keiner will und braucht - der ärger, der schlechte ruf - ja auch rentieren.

die kohle ist dort, wo auch die legale kriegskohle ist:
bei den dienstleistern, den verbundenen unternehmen der damals mächtigen (halliburton, bechtle, blackwater, rüstungskonzerne usw) und natürlich am privatkonto der noblen elite.

die ganze geschichte ist aber bitte uralt, da gibts bücher drüber mittlerweile. was da neu sein soll dran, oder wars bisher eine VT und jetzt stehts im standard und ist somit ein teil der offiziellen historie?
so ist bekannt, dass hubschrauber us dollars ein-ausflogen, nach belieben - auf palletten.

etepetete
01
29.7.2010, 08:40
Hier noch ein video zur Umverteilungskriese Ansich:

Was Iceland a Target for Economic Hit Men? - John Perkins

http://www.youtube.com/watch?v=v... h_response

etepetete
04
29.7.2010, 08:37
Das ist Standard Prozedur der Schuldenpolitik.

Gelder werden veruntreut die aber dem Iraq zur Last gelegt werden. Durch diese riesigen Schuldenmengen kann es sich der Iraq in den nächsten hundert Jahren also nicht mehr leisten gegen WTO bestimmungen und erpressungen aufzubegehren.

Ein typischer Marionettenstaat also.
Und die Profiteure sind einzig und allein westliche Partei- und Geschäftsklientel.

http://www.youtube.com/watch?v=e... ature=fvwp

a b1
01
Das war ja auch der Sinn des Krieges

Die meisten Regierungen lassen sich gegen Geld freiwillig abhängig machen. Es wird irgendein Kredit für Aufbauhilfe vergeben, die Gelder werden gar nie wirklich ausbezahlt, ein paar "Volksvertreter" erhalten immense Schmiergelder für eine Unterschrift und die armen Völker müssen wieder für Jahrzehnte schuften, um den Kredit zurückzuzahlen. Hussein spielte da nicht mit (genauso wie Ahmadinejad im Iran und ein paar andere).

siehe: Film "Let's make money" von Erwin Wagenhofer, Kapitel mit der Weltbank

Subcomandante Sancho
01
29.7.2010, 08:20

Der Amerikanische Raubzug ist sehr wohl bekannt , viel trauiger ist jedoch das dagegen nichts unternommen wird und wir das Volk darüber höchstens vorm Fernseher kurz vorm 20:15 film darüber infomiert werden ..... schachmatt kann man da nur sagen.

Mostbluzza
01
29.7.2010, 09:50
gerichtlich geht nix

es gab ja einige verfahren in den usa, die in erster instanz auch dementsprechend ausfielen. weiter oben wurde es dann gerichtet, im wahrsten sinne des wortes. nach dem motto:

der irak ist nicht us-gebiet und somit sind gesetzloser raum - in strafrechtliche und finanzieller hinsicht.

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
04
29.7.2010, 07:44

nur ein Bruchteil der für den Wiederaufbau designierten Gelder kam den Irakern zugute. Vieles wurde auch wieder zerstört.

wenn mann den ganzen Traurigen geschichten und Skandale der USA hier liesst,bleibt nur eins übrig,der Iran muss sich unverzüglich A waffen beschaffen,damit Sie nicht den gleichen schicksal wie die Iraker Afgahnen durch machen müssen,lieber ein paar unzufriedene Jugendliche im Iran als Millionen Tote Jugendliche in ganzen land,dazu noch diese Piraterie der Öl und Gas reserven eines landes.

En Sabah Nur - Apocalypse
03
29.7.2010, 08:43

nicht zu vergessen die 500 Millionen Schuldenerlass an einen Ölstaat durch Österreich. Sozusagen unsere Kriegssteuer an die USA. 100 € von jedem Arbeiter.

Als ob es nötig gewesen wäre das Regime anzugreifen und alles nieder zu bomben. Gezielte Schläge auf deren Militärs hätten mehr als gereicht, aber dann wäre man ja auf den Waffensystemen sitzen geblieben und hätte weniger Wiederaufbau Verträge bekommen.

Advaita0
02
29.7.2010, 07:05
was wehtut ist ein Bericht ohne Folgen und Konsequenzen für die Verantwortlichen.

Ladendiebe sollten das hier lesen, sonst kommen die Kabeln heraus, ob der Ungerechtigkeit in der Welt.

Niahahaha
01
29.7.2010, 06:49

und trotzdem kein geld für frisur :D

dr.ban cok
13
29.7.2010, 03:33

na und? die usa haben genug waffen um sich sowas einfach erlauben zu können - so what?

ich würd auch die gesamte US regierung gerne an einer wand sehen, nur so läufts halt nicht.

GG22
07
28.7.2010, 23:21
Vermutlich wir die EU für den Schaden aufkommen.

So funktioniert doch die Arbeitsteilung in Nahost.

robert king
02
29.7.2010, 03:12
dazu ein artikel

der NYT vom 8.februar 2007

http://tinyurl.com/23xwxqj

klingt irgendwie ziemlich ähnlich

der d
03
28.7.2010, 23:16
ich dachte so funktionieren raubzüge?

ratzfatz
02
28.7.2010, 22:36
hä?

wenn 8,7 Milliarden nicht ausreichend belegt sind und 2,6 Milliarden gar nicht belegt sind, dann wurden doch insgeamt 11,5 Mrd ausgegeben. Oder ist "gar nicht belegt" eine Teilmenge von "nicht ausreichend belegt"?

mahnamahna
00
die mengenlehre ist ein hund

vor allem das mit den teilmengen .. am besten nochmal zurück in die unterstufe, oder fragens einen 12jährigen, der wird ihnen das erklären können ... :)

HisHasH
12
29.7.2010, 01:53

na... weißt du es mittlerweile? isses?

ratzfatz
00
29.7.2010, 20:57
nein

kannst du mich aufklären?

miss chicken
06
28.7.2010, 21:50
Die Kriegsverlierer müssen jetzt zahlen

So war das immer.
Die Kriegskosten - und die zahlreichen "Privaten", die an diesem Feldzug teilnahmen, wollen ordentliche renditen. War ja schließlich harte Arbeit, jahrelanges Lügen will sich auch ein dick Cheney was kosten lassen.
Und dann die Aktionäre von Haliburton...

So gesehen ist es heute teurer einen Krieg zu verlieren als im 20. Jh.

isidor vom billa
16
28.7.2010, 23:16
Kriegsverlierer

Das war kein Krieg, das war ein Überfall oder Raubzug, deshalb sollte man eher von "Überfallenen" oder von "Ausgeraubten" sprechen ...

Kein Witz
40
29.7.2010, 07:26
Du sprichst von Raubzug,

was wurde denn geraubt?

isidor vom billa
11
29.7.2010, 17:52
US-Plünderer sind die selben Barbaren wie die Taliban, die

keine Ehrfurcht vor buddhistischem Kulturgut hatten:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/ir... r-1.431190

Kein Witz
40
29.7.2010, 19:29
Welche US-Plünderer?

Du scheinst die Zusammenhänge nicht zu begreifen, wundert mich aber nicht, wenn ich dein Posting durchlese!

Zwar hatten Mitarbeiter die US-Truppen gebeten, das Haus vor dem Schlimmsten zu bewahren und wenigstens einen Panzer zu schicken. Doch das ist offenbar nicht oder zu spät geschehen.

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