Von 9,1 Milliarden Dollar Ausgaben sind 8,7 mangelhaft belegt, 2,6 fehlen
Washington/Bagdad - Nach den Afghanistan-Papieren wird Washington von einer neuen Veröffentlichung über unangenehme Wahrheiten im Zusammenhang mit seinen Kriegen geplagt. Zwar waren auch diese Missstände - die amerikanische Geldvernichtung im Irak - im Prinzip ebenfalls seit Jahren bekannt, aber das Ausmaß wurde soeben wieder in einem Bericht des Special Inspector General for Iraq Construction (SIGIR) dokumentiert.
Diesmal handelt es sich um irakisches Geld, das in einem schwarzen Loch verschwunden ist. Von 9,1 Milliarden Dollar von einem irakischen Konto, die das Pentagon nach 2003 für Wiederaufbau ausgegeben haben will, sind 8,7 Milliarden - das sind 96 Prozent des Summe - nicht ordentlich belegt. Von 2,6 Milliarden fehlt überhaupt jede Spur.
Es handelt sich dabei um eine unendliche Geschichte. Nach der Installierung des US-Zivilverwalters im Irak, Paul Bremer, ließ dieser im Mai 2003 den "Development Fund for Iraq" (DFI) etablieren: Dort wurden, unter treuhändischer Verwaltung der Bremer-Behörde, die irakischen Öleinnahmen - der Irak unterlag noch immer Uno-Sanktionen - plus eingefrorenes irakisches Regime-Vermögen gesammelt. Mit diesem Geld bezahlte Bremer sozusagen irakische Rechnungen.
Der Uno-Sicherheitsrat rief parallel zum DFI ein Aufsichtsinstrument ins Leben (International Advisory and Monitoring Board, IAMB), das sehr bald mangelnde Transparenz und Rechenschaft kritisierte. Im Mittelpunkt der Kritik stand Bremers CPA (Coalition Provisional Authority) - eine Kreation des Pentagon von Donald Rumsfeld, unter Ausschluss des US-Außenministeriums.
Die Ungereimtheiten setzen sich jedoch bis ins Heute fort. Ab Ende 2007 sollten alle DFI-Gelder, die sich noch in den Händen des Pentagon befanden, wieder an den Irak zurückgehen. Der aktuelle Bericht zeigt aber auf, dass dies nicht zur Gänze geschehen ist und dass der Pentagon zum Teil sogar noch immer mit DFI-Geldern hantiert.
Die Geldvernichtung beim irakischen Wiederaufbau ist Legende. Zum Teil beauftragten die USA unfähige oder betrügerische Subunternehmen für ihre Projekte; nur ein Bruchteil der für den Wiederaufbau designierten Gelder kam den Irakern zugute. Vieles wurde auch wieder zerstört. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2010)