"Spanier zu sein ist keine Ausrede mehr"

28. Juli 2010, 19:11

Weltmeister: Geht es nach der jungen Generation, soll das nicht nur im Fußball so sein

Sportliche Erfolge sind gut fürs kollektive Selbstbewusstsein. "Spanier zu sein ist keine Ausrede mehr" steht auf den roten Shirts zu lesen, die viele Jugendliche tragen. Erstmals tauchten sie während der Fußball-Europameisterschaft vor zwei Jahren auf. Jetzt, nach dem WM-Gewinn Spaniens, sind sie wieder da. Einer der großen Sportbekleidungshersteller kam auf die Idee und trifft damit das Empfinden einer ganzen Generation. Viele derer, die heute studieren oder als Berufsanfänger ihre Frau oder ihren Mann stehen, wollen etwas erreichen. Anders als ihre Eltern oder Großeltern sind sie dabei stolz auf die Marke España. Sie sprechen Fremdsprachen, studieren und machen Praktika in Europa. Sie suchen einen Platz für sich und ihr Land. Dabei geht es nicht darum, wie sie als Spanier Europa sehen. Darüber gibt es nicht einmal Umfragen. Vielmehr geht es ihnen darum, was die Europäer dort auf der anderen Seite der Pyrenäen von Spanien halten.

"Spanien ist wirtschaftlich gesehen die Nummer acht weltweit, und dennoch sind wir nicht unter den ersten zehn, die bei Umfragen den Leuten in den Sinn kommen", erklärt Professor Carles Torecillas von der bekannten Wirtschaftshochschule Esade. Die Marke España sei noch immer von Klischees behaftet, fügt sein Kollege Javier Noya vom Königlichen Institut Elcano hinzu. "Wir haben große sportliche Erfolge in Einzeldisziplinen wie im Tennis gefeiert, doch jetzt haben wir gezeigt, dass wir auch als Kollektiv in der Lage sind, etwas zu erreichen", sagt Noya.

Die junge Generation lebt die sportlichen Erfolge als die ihren. Weltoffen wie ein Rafael Nadal, beliebt wie ein Fernando Alonso und durchsetzungsfähig wie die Nationalelf, so soll ihr Spanien sein. Vorbei sind die Zeiten, als Spanier von den Auslandsreisen vor allem stereotype Anekdoten mit nach Hause brachten: das schlechte Essen in den Niederlanden, arrogante, chauvinistische Franzosen, warmes Bier in England, von dem die Untertanen der Königin Elisabeth dennoch zu viel trinken, oder die überordentlichen und überorganisierten Quadratschädel aus Deutschland und die sexy Mädels in Skandinavien.

Und vorbei sind vor allem auch die Zeiten, in denen das eigene Bild den Klischees der noch unter Diktator Franco erfunden Dreieinigkeit der Tourismuswerbung - Strand, Sonne, Flamenco - folgt. Der Slogan "Spain is different", der einst auf allen Werbeplakaten für das Urlaubsziel Spanien prangte, dient heute nur noch dazu, nach einem Misserfolg oder einer nationalen Peinlichkeit Selbstkritik zu üben.

Doch statt alten Klischees nachzutrauern, läuft Spanien in großen Schritten der Zukunft entgegen. Egal ob Hochgeschwindigkeitszüge, Biotech, Informationstechnologie oder Investitionen in alternative Energieträger - kaum ein Hightech-Sektor, in dem Spanien in den vergangenen Jahren nicht einen gewaltigen Quantensprung vorwärts gemacht hätte.

Sollen doch die anderen die Erfindungen machen, und wir profitieren von den Erfindungen. "Ich hoffe, du bist davon überzeugt wie ich, dass das elektrische Licht hier so hell scheint wie dort, wo es erfunden wurde", beschrieb einst der bekannte spanische Schriftsteller Miguel de Unamuno, wie die Spanier aus den eigenen Unzulänglichkeiten eine Tugend machten. Hundert Jahre später exportiert Spanien Spitzentechnologie ins restliche Europa und sogar in die USA. Wenn es nach der jungen Generation von heute geht, ist dies erst der Anfang. (Reiner Wandler aus Madrid/DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2010)

Teil 4 der STANDARD-Serie "Selbst- und Fremdbilder der Europäer".

 

Teil 3: Polen: Brüssel läuft Washington den Rang ab

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11 Postings
fangdenhut
00
"...'jetzt haben wir gezeigt, dass wir auch als Kollektiv in der Lage sind, etwas zu erreichen', sagt Noya"

Und was genau war Herrn Noyas Beitrag zu dieser kollektiven Leistung des spanischen Teams?

Ich habe tatsächlich sehr viele Spanier auf Auslandspraktika in Europa getroffen. Darauf angesprochen, habe ich noch von keinem Einzigen eine andere Antwort gehört, als dass es zur Zeit "nicht leicht" sei, für Gutqualifizierte einen angemessenen Job in Spanien zu finden. Wobei man sich unter "gutqualifiziert", das habe ich am konkreten Fachwissen in der Arbeit gesehen, nicht das Gleiche wie bei uns vorstellen darf.

"Room for improvement" (und damit Aufschwung) gäbe es also genug, auf den Nationalstolz könnte man aber gut und gerne verzichten.

Im Exil
10
30.7.2010, 09:03
beim feiern

sind die spanier auf jeden fall schon mal ganz vorne dabei. einfach mal an einem samstag abend in berlin die schlesische strasse in kreuzberg lang gehen, sich vorm berghain anstellen oder in die bar 25: überall wimmelt es vor pillen spaniern und ketaloniern...

Peter Pummel
 
00
28.7.2010, 23:25
EU-Nettozahler und Empfänger 2008 in Mill. Euro

"+" = Empfänger
Belgien - 721
Bulgarien + 670
Danemark - 543
Deutschland - 8774
Finnland -319
Frankreich - 3843
Griechenland + 6280
Großbritannien -844
Irland + 566
Italien - 4101
Lettland + 407
Litauen + 843
Luxemburg - 22
Niederlande -2678
Osterreich - 356
Polen -4.442
Portugal +2.695
Rumänien +1.581
Schweden - 1.463
Slowakei + 726
Slowenien + 114
Spanien + 2.813
Tschechien + 1.178
Ungarn + 1.112
http://de.wikipedia.org/wiki/Nett... U-Haushalt

GB ist ein Nettozahler, aber was für einer!

Vranz & Vritz, eine Bubengeschichte
 
00
29.7.2010, 15:42
Kleiner Irrtum

Polen ist natürlich ein Nehmerstaat, daher +4442 Mill. Euro

Peter Pummel
 
00
28.7.2010, 22:55
BIP 2009 nach Wiki (Stand April 2010)

http://de.wikipedia.org/wiki/List... ndsprodukt
1 USA 14.256.275
2 Japan 5.068.059
3 China 4.908.982
4. Deutschland 3.352.742
5 Frankreich 2.675.915
6 Königreich GB 2.183.607
7 Italien 2.118.264
8 Brasilien 1.574.039
9 Spanien Spanien 1.464.040

Peter Pummel
 
01
28.7.2010, 21:46
Wie schaffen die Spanier es dann, nicht schon längst Nettozahler in der EU zu sein?

Die haben anscheinend noch einen Weltmeistertitel!

Jo eh...
00
29.7.2010, 18:15

Das Geheimnis liegt darin dass das BIP ein ziemlich sinnloser Maßstab ist. Wer nur auf das BIP schaut glaubt ja auch dass China extrem reich sein muss. Sinnvoller wäre natürlich das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf, und da ist Spanien auf Platz 19-27 weltweit, siehe http://en.wikipedia.org/wiki/List... per_capita

Ingrimm
00
28.7.2010, 22:11

Geh mal in den Supermarkt, schau woher Obst und Gemüse kommen... den Rest kannst dir denken...

Jo eh...
00
30.7.2010, 17:18

Es lebe die Ausbeutung marokkanischer Gastarbeiter!

Hoher Standard
12
28.7.2010, 21:34
Das große Problem

der Spanier (neben den Separatisten) offenbart sich durch einen Blick in die Schulen.
Disziplinlosigkeit, die in Österreich undenkbar sind (und unsere Schüler sind alles andere als Engel), herrscht vor. Gelernt wird deshalb nur sehr wenig.
Grund hierfür ist, dass Spanien die Freiheit der Postfrancozeit vielleicht zu sehr genießt, die Eltern ihren Kindern also zu viel durchgehen lassen.

Jürgen Rembremerding
03
29.7.2010, 08:35
Und der Unterricht ist in spanisch!

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