Kopf des Tages

Der Herr über fünf Milliarden Schokoriegel

28. Juli 2010, 18:52

Vergangene Woche kaufte Anthony Ward 240.000 Tonnen Kakao, das sind mehr als sieben Prozent der weltweiten Jahresproduktion

Die Zutaten, die das Leben von Anthony Ward einzigartig machen, sind schnelle Autos, sündteurer Wein und gute Schokolade. Viel Schokolade. Vergangene Woche kaufte der Brite an der Londoner Warenterminbörse 240.000 Tonnen Kakao. Das sind mehr als sieben Prozent der weltweiten Jahresproduktion. Im Internet wird kolportiert, Ward könnte daraus fünf Milliarden Schokoriegel fertigen lassen oder Deutschland ein Jahr lang mit Schokolade versorgen.

Ward können solche Zahlenspielchen egal sein: Der 50-Jährige ist Chef des Hedgefonds Armajaro. Ihn interessieren nicht die Riegel, sondern der Preis, zu dem er Kakao an den Weltmärkten weiterverkaufen kann. Weil der Großeinkauf Wards den Kakaopreis auf ein 30-Jahres-Hoch trieb, heißt er branchenintern nur mehr "Mr. Chocfinger" - James-Bond-Bösewicht Goldfinger lässt grüßen.

Der Schokobaron stammt aus einer gutbürgerlichen englischen Familie. Er besuchte das Elitecollege Marlborough. Seine Mitarbeiter sagen, keiner wisse so viel über Kakao wie Ward. Das ist zumindest möglich. Denn schon seit den 70er-Jahren ist Ward für Handelsfirmen im Kakaogeschäft, seine Reisen führten ihn öfter nach Afrika. Nach einem Karrieregalopp über unzählige Investmentfirmen gründete er 1998 Armajaro - der Fonds managt heute ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar. Ward fällt am Markt früh als Zocker auf: Schon 2002 verdiente er mit einer Kakaowette Millionen.

Wobei Ward nicht nur sein Riecher für gute Geschäfte hilft. Armajaro handelt selbst mit Kakao (und Kaffee) und ist mit Niederlassungen in der Elfenbeinküste und in Ecuador vertreten. "In manchenWeltgegenden verfügen wir ganz allein über Wetterstationen", sagt Ward. Das Unternehmen beobachtet vor Ort, wie die Ernte ausfällt - und dann wird gewettet.

In Interviews wirkt er farblos, umso bunter ist seinPrivatleben. Ward liebt schnelle Autos, er fährt selbst Rallyerennen. Seiner Leidenschaft für Wein frönt er auf dem eigenen Weingut in Südafrika. Mit seinerEhefrau wohnt er im Londoner Nobelviertel Mayfair. Angeblich haben die beiden fünf Schlafzimmer im Haus, selbst das Personal verfügt über einen eigenen Wohntrakt.

Wegen des Megadeals wird Ward, der sich einen Großteil des Kakaos tatsächlich in Lagerhäuser ausliefern ließ, Marktmanipulation vorgeworfen. Ob er mit seine Wette auch Geld verdient, weiß der Investor im Oktober. Dann ist Erntezeit auf den meisten Kakaofeldern. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2010)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
1 2
.oOo. /|||||||\ .oOo.
01
18.8.2010, 19:22

ganz einfach, die nächsten jahre keinen kakao oder schoko essen und schon schimmeln seine kontrakte dahin ..
alternative z.B. http://www.schafschoki.de/carobblau.html

psand
00
30.7.2010, 20:50
Wie lange noch...

...ist es erlaubt, dass auf Kosten der kleinen Konsumenten solche Typen reicher und reicher werden?
Aufruf:
Nascher aller Welt, esst keine Schokolade mehr!
Dann kann wenigstens einem das Handwerk gelegt werden.
Und dann machen es so wir weiter mit Kaffee, Bananen, Tabak, Benzin...
Und krank werden wir auch nicht mehr, um die Pharmaindustrie in die Schranken zu weisen, weiters kauen wir keine "zuckerfreien" Kaugummis mehr, damit Monsanto ihr Aspartam nicht mehr los wird.

Es gibt genug Alternativen zu all dem, nur sind sie halt nicht so bequem zu bekommen ...

Erzpiefke
 
00
19.8.2010, 06:43

Die Linke behauptet einerseits, daß die bösen Kapitalisten die dritte Welt durch viel zu niedrige Rohstoffpreise ausplündert. Wenn dann mal ein Zocker die Preise für einen Rohstoff in die Höhe treibt und den Herstellerländern zu Rekordeinnahmen verhilft, dann wird von böser Preistreiberei gesprochen.

schämteuch
01
19.8.2010, 11:55

Ja, wenn die Herstellerländer das Geld bekämen, oder noch besser, die Bauern/Erzeuger selber. Schön wärs.
Beispiel Erdöl: Profitiert die Bevölkerung Nigerias davon?
Da muss man nicht "Links" sein, um sich davor zu ekeln.

nina yankow
06
29.7.2010, 15:41

ekelhaft.

1116er
07
29.7.2010, 13:16
die alte geschichte: gewinne werden privatisiert, verluste sozialisiert.

würden die erzeuger den preis bekommen, den letztlich der schoko-erzeuger bzw der konsument für den rohstoff bezahlt, dann würden so manche migrantenströme abreissen, vieles an entwicklungshilfe überflüssig werden.

aber diese beträge bleiben ja hängen bei mr. sticky fingers. bzw bei den leuten, die in seinen fonds investieren (sind das via pensionsfonds u.a. finanztitel nicht eh wir konsumenten, die wir uns aufregen über die von mir erwähnten kosten?)

erwin meier
40
29.7.2010, 15:31

sie haben aber schon verstanden, dass er bisher nur eine große menge teuer gekauft hat, und noch nichts verdient, bzw sogar ein risiko besteht, dass er verlust macht, weil er den produzenten zu viel bezahlt hat?
die produzenten können sich freuen, weil sie sicher eine fixe summe bekommen, sonst hätten sie das geschäft ja nicht gemacht.

1116er
02
29.7.2010, 13:08
"Ward liebt schnelle Autos, er fährt selbst Rallyerennen. Seiner Leidenschaft für Wein frönt er auf dem eigenen Weingut in Südafrika.."

da kann man nur darauf warten, dass er auf einer sonderprüfung in seinem phaeton besoffen und zu schnell unterwegs ist!

le chat botté
06
29.7.2010, 12:38

Bravo! Endlich einmal ein anschauliches Beispiel, wie es an den Rohstoffbörsen zugeht! Der Endkunde darf sich schon freuen...

kapitän nemo
012
29.7.2010, 10:54
ein wohltäter an der menschheit!

er kauft 240.000 tonnen kakao um dadurch den preis in die höhe zu treiben und das zeug dann mit gewinn wieder zu verkaufen.
solche "leistungsträger" braucht die welt so dringend wie einen eitrigen abszess am arsch.

litera:a
00
29.7.2010, 12:26

das ist ein exzess am arsch ... die verteilung stimmt einfach nicht!

erwin meier
40
29.7.2010, 15:32

komisch dass in marktwirtschaften die "verteilung" immer noch am besten stimmt. da gibts immerhin etwas zu verteilen.

litera:a
00
29.7.2010, 19:20

hahaha ... der war gut. glauben sie in russland gab's nix zu verteilen?

nina yankow
02
29.7.2010, 15:51

ja, weil diese paar marktwirtschaften, die du meinst, von ihrem gewaltigen vorteil gegenüber der masse der armen weltbevölkerung profitieren: sie sind die zahlungskräftige minderheit die preise und gehälter bestimmen kann.
wie viele der güter in deinem besitz (kleidung, möbel, unterhaltungselektronik) und wieviele der produkte, die du täglich verbrauchst, sind unter ausbeutung der arbeitskraft und rohstoffe eines ärmeren landes produziert worden?

hast du eine ahnung, was die agrarsubventionen der EU und USA zB für die zuckerpreise bedeuten? sogar entwicklungshilfe geht sehr häufig mit einer starken förderung der eigenen wirtschaft einher, damit nur ja die wettbewerbsvorteile erhalten bleiben.

usw.

erwin meier
10
29.7.2010, 15:58

der grund, warum diese ausbeutung möglich ist, ist dass es dort eben keinen freien markt gibt, sonst würden sich die preise/löhne nämlich schnell anpassen. aber wenn ein politisches regime die löhne und wechselkurse bestimmt, sind die arbeiter im endeffekt die sklaven der regierenden. dabei sollen doch gerade diese systeme so "gerecht" sein - immerhin hat dort jeder gleich wenig.

litera:a
00
29.7.2010, 19:19

irgendwie kommt mir das bekannt nach kaiptalismus vor, viel haben nur jene die bestimmen dürfen wo's langgeht.

erwin meier
00
29.7.2010, 20:43

wohl noch nie in nicht-kapitalistischen ländern gewesen.

litera:a
00
30.7.2010, 06:31

wollen sie damit sagen, daß der kapitalismus kein herr / sklave verhältniss kennt?

es ist nur das persönliche durch das unpersönliche des geldes ersetzt worden. wirkliche freiheit sieht anders aus.

UnXund
00
29.7.2010, 15:45
ja eh

und zwar die kosten
die gewinne streichen wir nämlich nicht ein.
es sein sie haben schon was geerbt, dann kanns sichs eventuell vermehren

erwin meier
00
29.7.2010, 15:59

habe nichts geerbt und streiche trotzdem gewinne ein. was mache ich falsch?

hed
42
29.7.2010, 12:11
und inwiefern unterscheidet er sich prinzipiell

von der omi die eine wohnung kauft und diese jahre später mit gewinn weiterverscherbelt?

oder vom greissler ums eck, der auch darauf abzielt die waren die er kauft mit gewinn weiterzuverkaufen?

oder vom arbeiter, der versucht für seine leistung den bestmöglichen preis (=lohn) zu kriegen?

Fritz Wunderlich
00
24.8.2010, 19:11

nun, die unterscheidet sich von der oma, die 7% des wiener wohnungsmarktes aufkauft, oder von der oma, die 7% des weltwohnungsmarktes aufkauft wie der freie handwerker vom französischen könig im absolutismus
ich hoffe, ihnen fällt der unterschied auf, wenn nicht, schenke ich ihnen einen maßstab

Shrike
25
29.7.2010, 13:12

Die alle schaffen Wert. Die Omi für sich selber, indem sie in der Wohnung wohnt. Der Greissler, indem er die Ware in kleinen Orten feilbietet, die sonst keine Nahversorgung hätten und der Arbeiter, indem er etwas erschafft.

Spekulanten hingegen sind reine Parasiten, die durch Wetten Geld scheffeln.

erwin meier
20
29.7.2010, 15:34

wenn das so wäre würden alle spekulanten geld machen. manche verlieren aber auch, und das kommt dann den produzenten zugute. insofern wirken sie ausgleichend und haben daher auch einen wert.

litera:a
01
29.7.2010, 12:27

durch die macht die er hat (fonds)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.