Vergangene Woche kaufte Anthony Ward 240.000 Tonnen Kakao, das sind mehr als sieben Prozent der weltweiten Jahresproduktion
Die Zutaten, die das Leben von Anthony Ward einzigartig machen, sind schnelle Autos, sündteurer Wein und gute Schokolade. Viel Schokolade. Vergangene Woche kaufte der Brite an der Londoner Warenterminbörse 240.000 Tonnen Kakao. Das sind mehr als sieben Prozent der weltweiten Jahresproduktion. Im Internet wird kolportiert, Ward könnte daraus fünf Milliarden Schokoriegel fertigen lassen oder Deutschland ein Jahr lang mit Schokolade versorgen.
Ward können solche Zahlenspielchen egal sein: Der 50-Jährige ist Chef des Hedgefonds Armajaro. Ihn interessieren nicht die Riegel, sondern der Preis, zu dem er Kakao an den Weltmärkten weiterverkaufen kann. Weil der Großeinkauf Wards den Kakaopreis auf ein 30-Jahres-Hoch trieb, heißt er branchenintern nur mehr "Mr. Chocfinger" - James-Bond-Bösewicht Goldfinger lässt grüßen.
Der Schokobaron stammt aus einer gutbürgerlichen englischen Familie. Er besuchte das Elitecollege Marlborough. Seine Mitarbeiter sagen, keiner wisse so viel über Kakao wie Ward. Das ist zumindest möglich. Denn schon seit den 70er-Jahren ist Ward für Handelsfirmen im Kakaogeschäft, seine Reisen führten ihn öfter nach Afrika. Nach einem Karrieregalopp über unzählige Investmentfirmen gründete er 1998 Armajaro - der Fonds managt heute ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar. Ward fällt am Markt früh als Zocker auf: Schon 2002 verdiente er mit einer Kakaowette Millionen.
Wobei Ward nicht nur sein Riecher für gute Geschäfte hilft. Armajaro handelt selbst mit Kakao (und Kaffee) und ist mit Niederlassungen in der Elfenbeinküste und in Ecuador vertreten. "In manchenWeltgegenden verfügen wir ganz allein über Wetterstationen", sagt Ward. Das Unternehmen beobachtet vor Ort, wie die Ernte ausfällt - und dann wird gewettet.
In Interviews wirkt er farblos, umso bunter ist seinPrivatleben. Ward liebt schnelle Autos, er fährt selbst Rallyerennen. Seiner Leidenschaft für Wein frönt er auf dem eigenen Weingut in Südafrika. Mit seinerEhefrau wohnt er im Londoner Nobelviertel Mayfair. Angeblich haben die beiden fünf Schlafzimmer im Haus, selbst das Personal verfügt über einen eigenen Wohntrakt.
Wegen des Megadeals wird Ward, der sich einen Großteil des Kakaos tatsächlich in Lagerhäuser ausliefern ließ, Marktmanipulation vorgeworfen. Ob er mit seine Wette auch Geld verdient, weiß der Investor im Oktober. Dann ist Erntezeit auf den meisten Kakaofeldern. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2010)