Hoffnung für Salzburg

28. Juli 2010, 18:49
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    foto: rockhouse

    Es muss nicht immer "Jedermann" sein. Sixties-Garage-Rock tut's auch. Die dänischen Raveonettes treten nächste Woche beim Salzburger Stuck!-Festival auf.

Es gibt noch Leben abseits von "Jedermann", Gottschalk und teuren Damen auf teuren Rängen: Das Rockhouse Salzburg veranstaltet das Stuck!-Festival

Wien - Mein Gott, schon wieder Salzburg. Jedes Jahr im Hochsommer dieselbe Überdosis. Doch halt! Hier geht es ausnahmsweise nicht um den Jedermann, sein Gschpusi oder die Garderobe von Frau von und zu oder Herrn Gottschalk. Das junge Salzburg, das sich deshalb in Schmerzen windet und fremdschämt, gibt im Schatten der allmächtigen Festwochen ein Lebenszeichen.

Das Rockhouse lädt erstmals zum sogenannten Stuck!-Festival. "Stuck", was so viel wie festsitzen bedeutet, bietet den Bewohnern und Besuchern der Regenstadt Gelegenheit zur Gegenkultur. Und nie ist dieser Zugang notwendiger als während der Selbstbeweihräucherungstage der Hochkültür. Also dachte sich das Rockhouse "Stuck you!" - und programmierte ein Dreitagesmusikfest.

Von 5. bis 8. August bietet es - auch open air - ein Musikprogramm, das an die 25 Live-Bands und bis zu zehn dringend lebensnotwendige DJs pro Tag aufwartet. Dabei fällt die Durchmischung aus heimischen und internationalen Bands auf. Zu den Hauptacts zählen Caribou, The Raveonettes oder We Have Band.

Caribou nennt der Kandier Dan Snaith seine Band, die auf ihrem heuer erschienenen Album Swim Pop und Dancefloor auf infizierende Art und Weise aneinanderführt. Dass sich das live vor einigen Wochen in Wien mitunter angehört hat, als würde da gerade eine Nachwuchsband ihren Probekeller einweihen, soll da kein Hinderungsgrund sein - jeder hat einmal einen schlechten Tag.

The Raveonettes aus Dänemark spielen seit ihrem Auftauchen ästhetisch fortgebildeten Sixties-Garage-Rock. Quasi The Cramps mit Matura und Benimm-Kurs. We Have Band aus Großbritannien frönen ihrerseits dem seit einigen Jahren leidlich bekannten Disco-Rock mit den üblichen Vorbildern. Nicht gerade der Brüller, aber keine Peinlichkeit.

Empfehlenswert sind die Auftritte der Hamburger Formation Like A Stuntman, die sich an den süßen Facetten des Sixties-Pop der Marke Beach Boys versucht, dabei aber konziser als die artverwandten Animal Collective erscheint. Mit vier Füßen auf dem Gaspedal steht das israelische Duo TV Buddhas, das mit Gitarre und Schlagzeug antritt und aus dieser Minimalbesetzung das Maximum herausholt. Am Maximum versucht sich auch die Wiener Band Sex Jams. Diese veröffentlichte eben ihr Album Post Teenage Shine, das mit jeder Pore den Geist und den Sound von Sonic Youth atmet.

Le Tamtam aus Graz wiederum erinnern an John Carpenter, den Regisseur, der auch die Musik zu seinen B-Movies wie Escape From New York oder Assault on Precinct 13 komponierte: Old-School-Synthie-Pop mit Oberlippenbart. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.7.2010)

 

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