Weidlinger

Erst Wahlkampf, dann Marathon

28. Juli 2010, 18:35
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    foto: apa/neubauer

    Weidlinger ist vielleicht bald schon Funktionär

Günther Weidlinger strebt Spitzenrang und Platz in Athletenkommission an - Will viel verbessern, kritisiert Barcelona-Startzeit

Barcelona/Wien – Wer für den Marathon trainiert, hat oft nicht nur viel in den Beinen, sondern auch im Kopf. Das mag an den langen Trainingseinheiten liegen, in denen man sich so seine Gedanken machen kann über die Gott und die Welt. Günther Weidlinger, Rekordhalter Österreichs (2:10:47), hat zuletzt sehr intensiv nachgedacht, herausgekommen ist jene Kandidatur, die er am Rande der EM in Barcelona lanciert. Der 32-Jährige bewirbt sich für einen von acht Plätzen in der Athletenkommission des europäischen Verbandes (EAA), und Kundige räumen ihm gute Chancen ein.

Abgesehen davon nimmt Weidlinger am Sonntag den Marathon unter die Beine, dessen Startzeit einer jener Punkte ist, die Weidlinger aufs Tapet bringen würde, wenn ihm die Kolleginnen und Kollegen ihr Vertrauen schenken. Sehr spät, um 10.05 Uhr, fällt der Startschuss. Üblicherweise heben Marathons um spätestens 9 Uhr an, bei Barcelona kommt der Termin im Hochsommer sowieso erschwerend hinzu. Doch die EAA, der die Sponsoren Druck machen, erhofft sich zur späteren Sendezeit mehr TV-Publikum.

Weidlingers Verständnis ist enden wollend. "Auch ich bin froh, wenn ich präsent bin. Aber die Gesundheit soll im Vordergrund stehen."  Der Braunauer strebt einen Top-8-Platz an, einige trauen ihm eine Medaille zu. Jedenfalls will er sich eher an Zehnkämpfer Roland Schwarzl orientieren, der gestern nach drei Bewerben an achter Stelle lag, denn an Andreas Rapatz, der im 800-m-Vorlauf ausschied. Weidlinger rechnet am Start schon mit 25 Grad. Er geht davon aus, dass sich einige Läufer überschätzen und die Sanitäter ordentlich zu tun bekommen werden.

So gesehen hat die aktuelle Athletenkommission, der Finnlands Speerwerferin Mikaela Ingberg und Schwedens Hochspringer Stefan Holm vorstehen, seit 2006 keinen tollen Job gemacht. "Ich habe" , sagt Weidlinger, "wenig mitgekriegt. Es muss mehr Info geben, Newsletter an alle Athleten."  Etliche Läufer werden ihm wohl ihre Stimme geben, er kommt als einziger Kandidat von der Mittel- oder Langstrecke. Und er ist der Einzige aus dem deutschsprachigen Raum, was der ÖLV dazu nutzen will, bei Schweizern und Deutschen, die in Barcelona in einem Hotel mit den Österreichern wohnen, für Weidlinger zu werben.

Noch dazu befinden sich die Info-Desks, an denen man seinen Wahlzettel in eine Box werfen kann, in den acht Teamhotels. 1368 Aktive aus 50 Ländern sind wahlberechtigt. Die Wahl läuft seit Dienstag und bis Sonntag. Insgesamt gibt’s 14 Kandidaten für die acht Plätze in der Athleten-Kommission.

Weidlinger, der erst heute nach Barcelona fliegt, fiel dort bereits auf, weil er einen Flugzettel mit seinen Ideen auf Deutsch, Englisch und Spanisch in den Hotels auflegen ließ. Unter anderem will er sich dafür einsetzen, dass jüngere Sportler leichter zur EM 2012 kommen, die sehr knapp vor Olympia stattfindet und deshalb wohl für einige Stars kein Thema ist. Weidlinger: "So könnten die Jungen bei einem Großevent reinschnuppern."

Und dann ist da noch die Marathonstartzeit am Sonntag. Gegen sie hätte man sich wehren müssen – und sei’s mit E-Mail-Terror an den Veranstalter. Von einem Sitzstreik am Start hielte Weidlinger wenig. "Dann wird’s nur noch später."  Und noch heißer. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe, 29.07.2010)

santiago nasar
01
29.7.2010, 11:20
solange der weidlinger

und nicht der lichtenegger wahlkämpft, bin ich schon beruhigt.

TRockenmilch
00
29.7.2010, 11:12

um mal wieder kamp zu zitieren:

"und ich nehm das leben so wie günther weidlinger hürden!"

tanh sigmoid
01
29.7.2010, 10:34

warum nicht startzeit 22h? ein nachtmarathon waere auch v. der zuseherzahl her sicher besser als JEDE startzeit am vormittag. in suedeuropa ruehrt sich vor dieser uhrzeit im sommer sowieso nix und niemand.

byron sully
00
29.7.2010, 17:16
keine üble idee,

das kann man natürlich nicht bei den "normalen" stadtmarathons machen (denn wann kämen diejenigen ins ziel, die 5 stunden brauchen?), aber bei so einem em-marathon wäre das durchaus eine überlegung wert, find ich.
wobei sich eine frage schon stellt: die sind es ja gewohnt, daß während eines rennens die temperatur (langsam, aber doch) ansteigt. ein rennen um 22:00 hätte den umgekehrten effekt, da würde die temperatur im verlauf des rennens sinken. das macht für einen amateurläufer vermutlich kaum einen nennenswerten unterschied, aber bei toptrainierten profis, wo es auf jede kleine einzelheit ankommt, könnte das vielleicht eine große/schwierige umstellung sein.

G. B. Corner
00
29.7.2010, 12:37

An sich eine Idee; allerdings muss das langfristig vorbereitet werden. Gerade Marathon-Vorbereitung dauert Monate und Marathonläufer sind dementsprechend Gewohnheitstiere; 90% aller Marathons starten am frühen Vormittag - das ist üblicherweise auch für die körperliche Leistungsfähigkeit optimal. Wenn man also Nachtmarathons will, dann müssen die Athleten auch davor ihr Training entsprechend umstellen können.

Abgesehen davon ist so eine Startzeit im August echt das Letzte; erinnert an den verunglückten und zum Glück abgeschafften "Tirol Speed Marathon" :(

ich bin rapid-fan
21
28.7.2010, 21:20
Sehr gut!!!!!!

Österreich ist zwar nicht so ein große Leichtathletiknation, aber seine Vorschläge klingen gut.

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