Szenarien

Wie eine Welt ohne Stechmücken wäre

29. Juli 2010 12:28

Welche ökologischen Folgen hätte die Ausrottung der Plagegeister? Wissenschafter sind uneins

London/Wien - Im Moment dürfte die Gelsenplage bei uns gerade abflauen, sagt Harald Krenn. "Das liegt vor allem am kühlen, windigen Wetter". Wenn es in den nächsten Wochen aber wieder heiß werden sollte, dann sei eine neuerliche Invasion zu befürchten, so der Entomologe und Ökologe vom Department für Evolutionsbiologie an der Uni Wien.

Für uns Menschen sind Stechmücken vor allem lästig, genauer: die weiblichen. Denn während sich die männlichen Gelsen Vegetarier sind, ernähren sich die Weibchen von Blut, was in unseren Breiten im Normalfall "nur" zu juckenden Gelsenstichen führt. In anderen Weltgegenden sind die Folgen von Moskitostichen weitaus dramatischer.

So werden durch Stechmücken weltweit rund 247 Millionen Menschen pro Jahr mit Malaria infiziert, und rund eine Million Menschen sterben jährlich daran. Dazu kommen noch andere fiese, durch die kleinen Blutsauger übertragene Krankheiten wie Gelbfieber, Japanische Enzephalitis oder das West-Nil-Virus, mit dem sich zuletzt auch schon in Ungarn Menschen ansteckten.

Was aber wäre, wenn man die Plagegeister einfach ausrotten könnte? Welche Konsequenzen hätte das für die Ökosysteme auf unserem Planeten? Dieser Frage ging das britische Wissenschaftsmagazin "Nature" (Bd. 466, S. 432) nach und kam dabei zum Resümee, dass man es erstens so genau nicht sagen kann, aber womöglich gar nicht so schlimm wäre.

3500 verschiedene Arten

Die Wissenschaft kennt rund 3500 Stechmückenarten weltweit, von denen ein paar Hundert auch uns Menschen piesacken. Die Insekten leben auf allen Kontinenten (bis auf die Antarktis) und in fast allen Habitaten. Für die Ausbreitung hatten sie auch reichlich Zeit: Die ersten Mücken seien vor mehr als 100 Millionen Jahren aufgetaucht und hätten sich in Ko-Evolution mit vielen anderen Lebewesen entwickelt, sagt Jittawadee Murphy, die seit zwanzig Jahren über Stechmücken und ihre Parasitenübertragung forscht.

Eben deshalb hätte die US-amerikanische Entomologin gar nichts dagegen, wenn die Stechmücken ein für alle Mal vom Planeten verschwinden würden. Geht es um die Malaria-übertragende Anopheles-Mücke, würden ihr wohl die meisten recht geben. Schließlich ist kostet die Malaria nicht nur viele Menschenleben, auch ihre Prävention ist teuer: Allein 2010 werden rund 1,5 Milliarden Euro für Sprays gegen die Anophelesmücke ausgegeben und 1,7 Milliarden für Insektennetze.

Was aber würde passieren, wenn man zum Beispiel auch jene zwei Stechmückenarten los werden könnte, die in der arktischen Tundra massenhaft auftreten?

Darüber sind sich die von "Nature" befragten Wissenschafter uneins - zumal man gar nicht genau weiß, wie groß die Biomasse der Insekten tatsächlich ist. So wird geschätzt, dass die Anzahl der Zugvögel, die sich unter anderem von den Mücken ernähren, um mehr als die Hälfte sinken könnte. Unabsehbar aber ist zum Beispiel, wie sich eine mückenfreie Arktis auf das Verhalten der Rentiere auswirkt, deren Wanderungen auch von ihren Quälgeistern abhängt, die ihnen bis zu 300 Milliliter Blut pro Tag abzapfen.

In der Camargue in Südfrankreich hat man kürzlich die Auswirkungen eines Ökosystems mit weniger Stechmücken empirisch untersucht ("Journal for Applied Ecology", Bd. 47, S. 884). Eine der Folgen war, dass die Vögel im Schnitt zwei statt sonst drei Eier im Nest hatten.

Die meisten Mücken-fressenden Vögel würden wahrscheinlich auf andere Insekten umschwenken. Und Fledermäuse würden sich überhaupt nur zu ganz geringem Teil von Mücken ernähren, weil sie fette Motten und Falter bevorzugen.

Kakao braucht Bartmücken

Schlimmer würde es jedenfalls vielen Pflanzenarten ergehen, die von Stechmückenarten bestäubt werden. Eine Welt ohne bestimmte Bartmücken- bzw. Gnitzenart wäre zum Beispiel auch eine Welt ohne Kakaopflanzen. Hunderte weitere Pflanzenarten würden ebenfalls aussterben.

Folgen hätte eine mückenfreie Welt vor allem aber auch unter Wasser: Ihre Larven sind wichtiger Nahrungsbestandteil. "Außerdem halten sie das Wasser sauber, indem sie Mikropartikel fressen", sagt Harald Krenn. Ohne die Larven wären etwa die Gewässer in der Lobau nicht nutzbar, weil das Wasser zu verschmutzt wäre."

Für den Wissenschafter ist klar, dass in Ökosystemen immer alles eine Rolle spielt - "ob uns Menschen das passt oder nicht, ist unerheblich". Und er schließt mit dem abgewandelten Leitspruch eines Fachkollegen: "Auch die Gelsen und die Wanzen gehören zu dem Ganzen". (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 29. 7. 2010)

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Nick Tameer
31.07.2010 19:18
Wo bleibt die Gentechnik, wenn man sie braucht?

Die ideale Lösung wäre doch, diesem Viehzeug eine Abneigung gegen Menschen, ein Misanthropie-Gen, einzubauen. Sie könnten dann weiterhin nach Herzenslust ihre ökologische Funktionen wahrnehmen, Rentiere plagen, Gewässer filtern, als Fischfutter dienen und Kakaoblüten bestäuben, aber wir hätten unsere Ruhe. Monsanto, die Chance, dein Image deutlich zu verbessern!

Zhdophanti
31.07.2010 10:34
Bären, Wölfe und ähnliches

hat man in den meisten Teilen Mitteleuropa ja auch schon ausgerottet, da sie dem Mensch beim Spatzieren und Wandern lästig waren.

Hat dem Ökosystem auch nicht geschadet, das Wild nun keine natürlichen Feinde mehr hat, hat den Jägern sogar neue Beschäftigung gegeben :)

Zhdophanti
31.07.2010 10:37

wer ein überflüssiges "t" findet, darfs behalten :)

iohui
30.07.2010 22:38

wie wär es mit ernährungsumstellung?

Norbert Müller
 
29.07.2010 18:10
eine welt ohne menschen würde hingegen den planeten wirklich gut tun!!

mukl
03.08.2010 16:06

was ist gut?

dietraeneallahs
30.07.2010 01:58

Mach den ersten schritt!

eristalis
29.07.2010 15:59
Was bringen wir als nächstes um?

Wie wäre es mit Spinnen? Bei den vielen Arachnophoben würde man einen ganzen Haufen Therapiekosten sparen. Oder Ameisen? Die sind beim Picknick immer so lästig. Oder Tauben? Oder gleich alle Vögel? Dann sind unsere Städte nicht mehr so zu geschi**en. Aus dem Grund sollte man vielleicht auch gleich alle Hunde um die Ecke bringen und die Katzen gleich mit, bei den vielen Allergikern. Weitermachen könnten wir dann wieder mit Amphibien und Fischen, denen haben wir mit den Stechmückenlarven sowieso schon eine Nahrungsgrundlage entzogen, wäre barbarisch die weiter leben zu lassen.

Was war zuerst da - FPOewaehler oder Deixfiguren
29.07.2010 15:26
Fuer dicke biertrinkende Deixfiguren ueberlebenswichtig ...

... Sonst wuerden sich diese Evolutionsverweigerer ueberhaupt nicht mehr bewegen

derPolizist
30.07.2010 00:40

sie müssen sowas von schön sein...

Was war zuerst da - FPOewaehler oder Deixfiguren
30.07.2010 10:15
Uije ...

... Ein - ohne mich bricht das Chaos aus - Polizist als Psychologe

derPolizist
30.07.2010 16:48

Ohne mich bricht das Chaos aus? Tja, wenn sie das so empfinden...

Mein Posting hat aber auch nichts mit Psychologie zu tun, ich ziehe einen ganz einfachen Schluss...

Martin Müller10
 
29.07.2010 15:05
Wenn man über Krankheiten die durch Stchmücken übertragen werden

sollte man auch Dengue Fieber nicht vergessen

Araschmarrn
29.07.2010 15:01

Und wenn man nur die lästigen stechenden und saugenden Mücken ausrottet? Ginge das bitte? Und zwar bald? Die anderen können meinetwegen bleiben.

vheissu
29.07.2010 21:11
Ha!

Frauenfeind!

Helge Remsgard Remsgard
29.07.2010 14:57
das würde bedeuten:

nie mehr ekstatisch schreien nach einem backhand-cross mit dem küchenfetzen aus dem handgelenk, der die beute der vergangenen nacht hübsch über die weiße, weiße wand verteilt

lemming0815
29.07.2010 13:11
und kam dabei zum Resümee, dass man es erstens so genau nicht sagen kann, aber womöglich gar nicht so schlimm wäre.

die im artikel aufgezählten folgen finde ich also doch eher gravierend als "nicht so schlimm"

Tom_Bombadil
30.07.2010 10:33
"Gravierend"? Das ist harmlos ausgedrückt.

" Hunderte weitere Pflanzenarten würden ebenfalls aussterben. " Die Folgen davon wären unabsehbar gravierend ...
Das klingt eher nach der größten ökologischen Katastrophe seit dem Dinosauriersterben.

joseba beloki
29.07.2010 12:55

das krasse ist, jeden tag sterben weiß gott wie viele tierarten aus, viele davon sympathieträger. nur die gelsen, die erwischts irgendwie nie.

Boerd
02.08.2010 22:35
giebt es aufzeichnungen darüber

wieviel tierarten mehr ausgestorben sind als der mensch noch keinen wesentlichen einfluss darauf hatte?
gehört der mensch nun zur entwicklung der erde oder nicht? müssen wir uns der evolution unterwerfen und um unser "überleben kämpfen"* ich fänds auch schön wenn wir den planeten nicht derart überennen würden aber wir können es zumindest einschränken (zumindest versuchen) wir befinden uns in einem sehr jungen menschlichen zeitalter (wenn man optimistisch denkt) und daher müssen wir uns einfach anstrengen um unseren planeten zu erhalten. eigentlich müssen wir ja nicht - wir wollen.

*ums überleben kämpfen: unter anbetracht der neugierde und des forschungsdrangs des menschen. wir wollen und werden nicht ruhen bevor wie alles wissen.

Jeder hat das Recht auf meine Meinung
29.07.2010 11:26
2 unnötige Arten:

Wie sieht's aus mit Zecken?! Sind die für das Ökosystem wertvoll? Haben die so einen hohen Biomasseanteil, dass sich dieser Krankheitserreger rechtfertigt?

Und dann wäre da der jahrelang als ausgestorben geltende Quastenflosser; Unlängst ne Doku auf Phönix: Es gibt ne millonenschwere Stiftung die diese fürs Ökosystem wertfreien Fische am Leben erhält!

Folge: lasst die Gelsen leben, setzt die Zecken auf die Fische an (Unterwasser....) !

dajonny
29.07.2010 17:40

woher wissen sie, was für das Ökosystem gut ist oder nicht? Wie es so schön heißt: Quelle?

waterpistolriot
29.07.2010 11:18
eine Welt ohne Stechmücken?

Halte ich persönlich für nicht ungefährlich. Sind ja im Artikel bereits eindeutige Gegenargumente zu finden - man kann nunmal nicht abschätzen, wie weitreichend die Konsequenzen wären. Was aber zB eine Anopholes-Mücke betrifft, wäre eine Ausrottung evtl. wirklich überlegbar. Die Frage wird sein, ob man sicherstellen kann, dass keine anderen Mückenarten davon betroffen wären (quasi versehentlich).

Wenn wir uns ehrlich sind, sind zwar die Gelsen unserorts zwar (tlw. wirklich) lästig, aber nicht lebensbedrohlich. Wer sich wirklich so unglaublich daran stört, möge sich doch bitte einen Schutzspray für Körper und/oder Kleidung kaufen. Kost' nicht die Welt, hilft sehr gut. Und für bereits gesetzte Stiche hilft zB Fenistil (bei mir) sehr gut.

Schemieschenie
29.07.2010 10:36
im nature

wird auchjeder dreck publizert

ich errinere mich an eine großartigen Artikel über Mammutpfürze und die Eiszeit !!

fangdenhut
29.07.2010 10:32
Die sibirischen Viecher und die Kakaobefruchter

...können von mir aus ja bleiben. Ich wäre schon glücklich, wenn alle Gelsen ausgerottet würden. Endgültig.

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