Schüssel hat den Privatisierungsbereich einem FPÖ-Klüngel übergeben, an der Spitze Sonnyboy Grasser
Ein Kabinettschef ist der Generalstabschef in einem Ministerium, er leitet das persönliche Büro des Ministers/der Ministerin, organisiert alles, sammelt Informationen, weiß (fast) alles.
Der Kabinettschef im damals blauen Infrastrukturministerium, Willibald Berner, hat schon im Oktober 2009 (!) vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt, der Grasser-Vertraute und PR-Unternehmer Peter Hochegger habe ihm einen "Masterplan" mit Skizze vorgelegt, wie hohe FPÖ-Persönlichkeiten an Privatisierungen von Staatsbetrieben mitschneiden könnten. Er nannte u.a. Haider, Grasser, Meischberger und den Immobilienmakler Plech (es gilt die Unschuldsvermutung). Berner hätte mitkassieren sollen, lehnte aber "aus Überzeugung" ab.
Privatisierungen waren Hauptbestandteil der "konservativen Revolution" der schwarz-blauen Schüssel-Haider-Regierung. Besonders die Schüssel-ÖVP betrachtete die Privatisierungen als Hauptbestandteil ihres Masterplans, wie man Österreich verändern könne.
An sich können Privatisierungen sinnvoll sein. Staatseinfluss bedeutet Parteieneinfluss und damit Korruption und Pleite (siehe Verstaatlichte ca. 1985). Aber so wie das unter Schüssel gelaufen ist, war das höchst verdächtig. Schüssel hat den zentralen Wirtschafts- und damit Privatisierungsbereich einem FPÖ-Klüngel übergeben, an der Spitze Sonnyboy Grasser. Was bleibt von Schüssels "Wende" ? Ein übler Geruch. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2010)