Weniger Öl, weniger Wasser, unklares Risiko

28. Juli 2010, 18:18
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    Die Plattform Statfjord A vor der norwegischen Küste. 2008 leckte einer der Pfeiler, die als Öltanks genutzt werden. Ein drei Quadratkilometer großer Ölteppich breitete sich aus

Kann in der Nordsee ein ähnliches Unglück passieren wie im Golf von Mexiko? Der STANDARD ging der Frage nach

Norwegen hat schon eines, Deutschland will eines, Großbritannien zaudert: ein Moratorium für Ölbohrungen in der Nordsee. Mitte Juli machte Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie, den Anfang und forderte einen vorübergehenden Bohrstopp in der Nordsee. Vergangene Woche folgte der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). "Wir warten immer noch darauf, von den US-Behörden den Grund für das Unglück im Golf von Mexiko zu erfahren, erst dann wird sich zeigen, welche Auswirkungen das auf die Offshore-Aktivitäten Großbritanniens hat" , sagt dazu die Gesundheits- und Sicherheitsaufsichtsbehörde des Königreichs.

Die gesamte Nordsee ist aufgeteilt unter den Anrainerstaaten Norwegen, Großbritannien, Dänemark, Niederlande und Deutschland. Etwa 400 Ölförderanlagen stehen derzeit im Meer, die meisten im Sektor des Vereinigten Königreichs. Wirtschaftlich relevant ist das Öl vor allem für Norwegen und Großbritannien. Alle großen internationalen Firmen wie BP, Exxon oder Shell bohren und suchen in der Nordsee nach Öl. Die OMV ist bei Förderprojekten im englischen Sektor beteiligt, vor Norwegen hat sie selbst Lizenzen und sucht nach neuen Feldern.

Tauchen nur bis 200 Meter

Wie wahrscheinlich es ist, das in der Nordsee ein ähnliches Unglück passiert wie im Golf von Mexiko, darüber gehen die Meinungen auseinander: Jederzeit kann etwas passieren, meint Greenpeace. Vor allem die Bohrungen von BP vor den Shetlandinseln sind laut Umweltschützern riskant: Aus 400 Metern Wassertiefe holen dort Bohrschiffe Öl an die Oberfläche. Taucher, die eine lecke Quelle abdichten könnten, können aber nur bis zu 200 Metern Tiefe arbeiten.

2007 sei es in der Nordsee zu 515 kleineren Ölunfällen gekommen, dabei seien etwa 4000 Tonnen Öl ins Meer geronnen. Durch den normalen Betrieb der Plattformen seien zusätzlich knapp 10.000 Tonnen ins Wasser gelangt. Vor zwei Wochen erhob die norwegische Zeitung Dagbladet schwere Vorwürfe: Die Hälfte der Plattformen vor Norwegen seien veraltet, das von BP verwaltete Feld Valhall sei als "größter Schrottplatz der Nordsee" bekannt.

Fördertiefe meist 200 Meter

Doch während im Golf von Mexiko teils in über tausend Metern Tiefe gebohrt wird, ist die Nordsee vergleichsweise seicht: Die meisten Anlagen fördern aus einer Tiefe zwischen 200 und 300 Metern. Gleichzeitig hat zumindest Norwegen, der wichtigste Ölproduzent, sehr strenge Auflagen: "Die Sicherheits- und Umweltstandards in diesem Land zählen zu den höchsten der Welt" , sagt Sven Pusswald von der OMV. Um dort bohren zu dürfen, müssten Firmen ein sehr hohes Maß an Kompetenzen aufweisen, sowohl bei Bohrtechnologie als auch bei Health, Safety and Environment (HSE). Die Risikomanager der norwegischen Stiftung De Norske Veritas kommen daher in einer aktuellen Studie zu dem Schluss, dass ein Ölaustritt im Golf von Mexiko neunmal wahrscheinlicher sei als in der Nordsee.

Sollte doch etwas passieren, müssen Konzerne keine großen Schadenszahlungen fürchten: "Die Zahlungen für Umweltschäden sind derzeit mit 120 Millionen Euro gedeckelt" , sagt Ingo Peters vom Versicherungsmakler Aon. Das unterscheidet die Nordsee vom Golf von Mexiko: Die Deckelung von 75 Millionen US-Dollar gilt dort nur für Vermögensschäden, also für jene Schäden, die etwa Fischern oder Hoteliers entstehen.

In einigen Jahren könnte sich die Frage nach der Sicherheit des Nordseeöls von selbst erledigt haben: "Der Gipfel der Förderung war 2000 erreicht, die Produktion geht stark zurück" , sagt David Wech vom Consultingunternehmen JBC Energy. Fördert Großbritannien derzeit etwa 1,4 Millionen Barrel am Tag, werden es nach JBC-Schätzungen 2020 nur mehr 700.000 sein. Auch bei Gas zeigt sich der gleiche Trend, nur etwas zeitverzögert: Hier ist derzeit das Fördermaximum erreicht. (Tobias Müller, Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe, 29.7.2010)

1116er
00
29.7.2010, 13:37
vor 10 jahren

stammten 2% der fördermenge aus tiefseebohrungen.
heute sind es bereits 10 %.
tendenz stark steigend, zb wird sich in nächster zeit vor der brasilianischen küste ein eldorado der bohrer und pumper auftun.

die nächste katastrophe ist keine frage des ob sondern ausschließliche eine des wann.

aber kann man es den ölfirmen verdenken?
der unterdruck, der in den leitungen entsteht, weil wir an der tanksäule derart stark saugen, ist stärker als jede vernunft!

Mathias
 
00
29.7.2010, 15:51
was ich mich schon länger frage ...

... das öl befindet sich doch in einer unterirdischen kammer.. irgendwie logisch, dass mit der zeit das öl abgepumpt wird, und dann ein hohlraum zurück bleibt ... was passiert, wenn es immer mehr hohlräume in einem gebiet gibt? wenn der fels dem druck nicht standhält, müsste doch die oberfläche sich senken ... irgendwie gruselige vorstellung...

Schrödinger's Cat
00
29.7.2010, 16:09

Das Öl ist in keiner Kammer, sondern in festem Gestein mit feinen Poren. Ein Hohlraum entsteht beim Fördern nie. Über Jahre hinweg kann es aber vorkommen, dass der Boden ein paar Meter absinkt.

Dirty Sanchez
 
31
29.7.2010, 10:05
Bei der Nordsee ist das schon wurscht.

Sowas von verdreckt und verseucht, da macht eine Ölpest das Kraut auch nicht mehr fett.
Leider.

C.G.
21
29.7.2010, 05:21

Dass es in Norwegen ein Moratorium gibt ist auch nur ein Geruecht (gibt es dafuer irgendwelche Quellen?).
Das Erdoel befindet sich in der Nordsee sicher nicht wie berichtet 200-300 m unter dem Meer!
Das Meer selbst ist in der Nordsee ca 200-300 m tief. Die Lagerstaetten sind im Durchschnitt ab in ca 3000m Tiefe.
Und in der Nordsee wird sicher noch laenger als ein paar Jahre gefoerdert (Jahrzehnte waee korrekter gewesen).
Und nach so vielen Berichten sollte doch wirklich jeder wissen, dass Bohrschiffe, kein Oel foerdern!
Ich kann mich Entropix nur anschliessen! Wie waere es zumindest ein bisschen Recherche zu betreiben? Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder?

Club-der-dichten-Toten
00
29.7.2010, 11:58
Das Erdoel befindet sich in der Nordsee sicher nicht wie berichtet 200-300 m unter dem Meer!

Um das ging's auch nicht, sondern um die Wassertiefe.
Und die ist in der Nordsee eben um einiges geringer, als im Golf von Mexico.
Auch dort liegt das Öl nicht 100 Meter unter der Meeresoberfläche, sondern viel tiefer, nur muss man eben über 1000 Meter zum Meeresgrund zurücklegen.

Entropix
01
29.7.2010, 00:08
es wäre ganz nett,

vielleicht den einen oder anderen Fachmann (und die sitzen nicht bei Greenpeace) zu fragen, bevor man über etwas "berichtet", wovon man absolut keine Ahnung hat ;-)

wero2
00
28.7.2010, 22:23
wunderbar.

nur schade das sich der club of rome um eine generation vertan hat

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