Eklat um RH-Prüfung

NÖ-Wohnbaugelder: Undichte Stelle im Rechnungshof

Renate Graber, 28. Juli 2010, 19:06
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    foto: apa

    Die dynamischen Veranlagungen des Landes-Duos Erwin Pröll (re.) und Wolfgang Sobotka wurden vom Rechnungshof zerzaust - allerdings tat sich bei der Prüfung eine undichte Stelle auf.

Eklat rund um die RH-Prüfung der Veranlagungen vom Land NÖ. Ein Prüfer hat vorzeitig Unterlagen an die Fibeg gegeben

Eklat rund um die Rechnungshofprüfung der Veranlagungen des Landes Niederösterreich. Ein Prüfer hat vorzeitig Rechnungshof-Unterlagen an die Fibeg gegeben. Im Rechnungshof läuft ein Disziplinarverfahren.

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Wien - Der Prüfbericht des Rechnungshofs zur Veranlagung der niederösterreichischen Wohnbaudarlehen sorgt immer noch für Nervosität und Aufregung - freilich hinter den Vorhängen der Prüfbehörde einerseits und der Landespolitik (ÖVP) und der geprüften Gesellschaft andrerseits. Letztere ist die Land NÖ Finanz- und Beteiligungsmanagement GmbH (Fibeg) unter Herbert Höck. Die Fibeg verwaltet das Familiensilber des Landes, also auch die Wohnbaudarlehensgelder (4,4 Mrd. Euro), die veranlagt wurden.

Diese Veranlagungen liefen unglücklich und haben nicht den erhofften Ertrag gebracht, Ausschüttungen ans Land erfolgten aus dem Kapitalstock, was zu heftigen politischen Debatten führte - und zur Prüfung durch den Rechnungshof. Das Ergebnis fiel sehr kritisch aus (siehe Wissen), zugestellt wurde der Rohbericht "den überprüften Stellen" (Fibeg-Chef und Landeshauptmann) am 14. Jänner. Am 20. April nahm Niederösterreich Stellung, den Endbericht legten die Prüfer am 30. Juni dem Landtag in St. Pölten vor.

Das Problem bei alledem: Unter den zu Geheimhaltung (Amtsgeheimnis) verpflichteten Prüfern im Rechnungshof (RH) gab es eine undichte Stelle. Fibeg - und angeblich auch hohe Funktionäre der Landesregierung - waren von einem der involvierten Rechnungshof-Prüfer vorzeitig, also vor Erhalt des Rohberichts, von Inhalten der heiklen Prüfung informiert worden.

Die Sache flog auf, der Prüfer, dessen Name dem Standard bekannt ist, wurde suspendiert, ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Aufgefallen war, dass Finanzlandesrat, Vize-Landeshauptmann Wolfgang Sobotka, in Medien bereits früh zur allfälligen Kritik des Rechnungshofs Stellung bezogen hatte, "um der Sache Druck zu nehmen" , wie Involvierte berichten. Ein Sprecher Sobotkas stellt das alles entschieden in Abrede: "Sobotka war nicht frühzeitig informiert." In der Landesamtdirektion St. Pölten weiß man von all dem überhaupt nichts.

Die Sprecherin des Rechnungshofs, Helga Berger, bestätigt die Suspendierung, die Ereignisse beschreibt sie so: "Der Bericht kam zu früh an Nicht-Zustellbevollmächtigte innerhalb der Fibeg, es gibt ein Disziplinarverfahren. Aber mit dem Inhalt des Berichts haben die laufenden Erhebungen nichts zu tun." Was gemeint ist: Einfluss auf den Inhalt des Berichts wurde nicht genommen.

Recherchen des Standard ergeben folgendes Bild. Prüfungsleiter für die NÖ-Veranlagungen war Oskar Herics, der die Sektion Banken und Finanztransaktionen leitet. Seinem Team zugezogen war ein Prüfer aus der RH-Sektion Landesverwaltung. Herics und sein Sektionskollege Heimo Mauser waren vor kurzem mit Rechnungshof-Präsident Josef Moser bei einer Landtagssitzung samt anschließender Pressekonferenz in St. Pölten, um den Bericht zu debattieren. Hintergrund: In den Augen der Landesregierung, namentlich Sobotkas, hat der Rechnungshof Fehler gemacht, das Land dagegen das Familiensilber nicht verringert, sondern "vergoldet", wie Sobotka einmal sagte.

Im Zuge der Prüfung, bei der die RH-Prüfer laufend Textbausteine zusammentragen, habe sich ein Prüfer nach einer Besprechung bei der Fibeg "breitschlagen lassen", ebendort Text-Vorentwürfe auszuhändigen, wie es heißt. In der Fibeg war niemand für eine Stellungsnahme zu erreichen.

Angst vor harscher Kritik

Aufgeflogen sei die Sache imRechnungshof, weil die Informationen an Niederösterreichs Politik weitergereicht worden seien, und ihre Veranlagungen verteidigte, als dazu noch gar kein offizieller Anlass bestand. Angeblich, so wird in politisch wohlinformierten Kreisen kolportiert, habe man einen noch wesentlich kritischeren Rohbericht erwartet.

Jedenfalls wurde das Prüfteam im Rechnungshof peinlich befragt - ein langjähriger Mitarbeiter, dem eine gewisse Nähe zu Niederösterreich nachgesagt wird, gab schließlich zu, Textentwürfe weiter gereicht zu haben. Folge: Freistellung, Disziplinarverfahren.

Vorfälle wie dieser sind im Rechnungshof extrem selten, die Verschwiegenheit gilt als eine der obersten Pflichten. Das Disziplinarverfahren wird jetzt von einem unabhängigen Senat im Rechnungshof geführt, der involvierte Disziplinaranwalt ist gegenüber dem RH-Präsidenten weisungsgebunden. Sollte der Senat zur Ansicht gelangen, dass ein Verdacht auf Bruch des Amtsgeheimnisses oder Amtsmissbrauch vorliegt, müsste er die Sache bei der Staatsanwaltschaft anzeigen. Das Disziplinarverfahren wäre dann bis zu einer Entscheidung der Justiz unterbrochen. Und selbige müsste entscheiden, ob es in der Causa allenfalls Anstifter gab. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2010)

Wissen

Niederösterreich hat aus dem Verkauf von Wohnbaudarlehen und Beteiligungen 4,4 Mrd. Euro erlöst. Das Geld wird von der landeseigenen Fibeg verwaltet, wurde veranlagt und sollte fünf Prozent Rendite bringen. Das Kapital sollte trotz Ausschüttungen erhalten bleiben. Laut aktuellem Rechnungshofbericht gelang das nicht: Per Ende 2008 hatten die Veranlagungen 996,7 Mio. Euro an Wert eingebüßt. Die Auszahlungen ans Land betrugen 862 Mio., verdient wurden aber nur 487 Mio. Euro. Niederösterreichs Finanzchef Wolfgang Sobotka ist zuversichtlich, das aufholen zu können. Nun soll Hypo-Investmentbank-Chef Peter Harold die Vermögensverwaltung des Landes auf neue Beine stellen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 161
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silberkatze
02
30.7.2010, 14:38

auf "nieder"österreichisch ist die welt doch in ordnung. der informierende beamte wird diszipliniert (unrechtsbewusstsein wird er ja keins haben), sobotka hat alles im griff. ja und fehlveranlagungen haben auch andere zu verantworten. passt.

Wolfgang Lederbauer1
00
31.7.2010, 19:25
auf "nieder"österreichisch ist die welt doch in ordnung........

Teil 2:

Man sollte nun keinesfalls zur Tagesordnung übergehen und die Sache ad acta legen. Ein Untersuchungsausschuss wurde laut Medienberichten abgelehnt.

Dieses beschriebene Spannungsfeld sollte aber unbedingt geklärt werden.

Was könnte nun getan werden?

Eine relativ einfache und unkonventionelle Lösung könnte gesucht und gefunden werden. Der Prüfbericht ist nun öffentlich.

Wir werden über eine solche Lösung nachdenken und veröffentlichen.

http://so-for-humanity.com2000.at

Wolfgang Lederbauer1
00
31.7.2010, 19:24
auf "nieder"österreichisch ist die welt doch in ordnung........

Teil 1:

So leicht sollte man es sich nicht machen.

- Es gibt offensichtlich gravierende Vorwürfe des Rechnungshofs wegen der Veranlagungen

.

- Es gibt offensichtlich gravierende Vorwürfe des Amts der Niederösterreischen Landesregierung gegenüber dem Rechnungshof, dem Inkompetenz vorgeworfen wurde.

.

- Es gibt offensichtlich gravierende Vorwürfe des Rechungshof als Dienstbehörde gegen einen Beamten des Rechnungshofs.

.

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Makro 24/7
02
29.7.2010, 17:04

und schon wieda verschwunden aus der titelseite im wirtschaftsbereich ... ganz großes kino!

durazell
02
29.7.2010, 18:30
ist ja auch politisch vollkommen irrelevant ^^

Advaita0
01
29.7.2010, 16:44
"Name der Redaktion bekannt"...

...wir werden auch bald den Namen des Informanten wissen, wenn ein Neuer im Landtag sitzt oder auf einem anderen netten Posten, der zufällig vorher beim RH war.

Simplicius Simplicissimus
00
29.7.2010, 16:19
Amtsgeheimnis, ...

... das gibt es tatsächlich noch immer?

hotzenplotz1001
01
29.7.2010, 16:48
In einem rückständigen Staat muss es das Amtsgeheimnis geben.

Ohne Amtsgeheimnis müssten die Beamten vor der Bevölkerung Rechenschaft ablegen. Ein Teil der laufenden Korruption würde auffliegen. Das könnte diesen Staat, wie wir ihn kennen, ins Wanken bringen.

Wolfgang Lederbauer1
00
29.7.2010, 19:13

Teil 2:
Zu beachten ist, dass Beamte ( bzw öffentlich Bedienstete im allgemeinen ) nur eine unterstützende Funktion gegenüber dem jeweils politisch verantwortlichen Entscheidungsträger haben.

Ein Staatswesen kann nur dann gut funktionieren, wenn es ein geordnetes und gesetzeskonformes Zusammenspiel gibt.
.
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Wolfgang Lederbauer1
00
29.7.2010, 19:12
Ohne Amtsgeheimnis müssten die Beamten vor der Bevölkerung Rechenschaft ablegen.

Teil 1:

So einfach ist das nicht.
Bei einer geordneten Verwaltung und Gerichtsbarkeit ist die Beachtung des Amtsgehemnisses selbstverständlich notwendig.
Stellen Sie sich das unbeschreibliche Chaos vor, wenn alle einzelnen Handlungen "sofort" an die Öffentlichkeit gelangen würden.
Allerdings muss es auch genügende Transparenz und Klarheit geben.
Hiefür gibt es zahlreiche gesetzliche Vorschriften. zB
- Allgemeines Verwaltungsverfahrensgeset (AVG) ,
- Zivilprozessordnung ( ZPO)
- Strafproessordnung ( STPO)
etc.
.
http://so-for-humanity.com2000.at

Rudolpho der I
06
29.7.2010, 15:19
Kann mir dies irgendwer erklären!

Warum ist der Pröll in Niederösterreich so beliebt
obwohl er ein Mensch ist der nichts gutes ausstrahlt
und regieren tut sowieso der Raiffeisebanker.

Advaita0
00
29.7.2010, 16:45
wieso ist der Haze so beliebt?

Noch unerklärlicher!

seppl absmui
04
29.7.2010, 15:54

fragst das bitte die nön- und krone-leser?

Rudolpho der I
01
29.7.2010, 16:05
Das möchte ich nicht!

Das Niveau ist schon sehr tief.Fg Rudolfo

seppl absmui
00

ist mir bekannt.
deshalb fühle ich mich auch mit meiner einstellung gelegentlich etwas einsam hier in nö. "vox populi vox rindvieh" trifft´s hier (mehrheitlich) sehr gut, leider! trotzdem denke ich, daß machtkonzentration jedenfalls ein schmarrn ist...partei-, orts- und personenunabhängig.

Spi an
04
29.7.2010, 15:48
selbe Erklärung wie für Haider's Beliebtheit in Kärnten

Brot und Spiele . . . bis es halt nicht mehr finanzierbar (vertuschbar) ist (Hypo Alpe Adria)

Adams, 42 Adams
06
29.7.2010, 14:58

CÄSARENWAHN - der Anfang vom Ende

Rhodentia
03
29.7.2010, 15:29
"Cäsarenwahn - der Anfang vom Ende"

Du greifst zu tief - den hat er längst hinter sich!

Aktuell ist:
Jeder, der ihn nicht kniefällig anbetet, wird vernichtet. Vorher gibt´s aber noch etwas Hölle, siedendes Öl usw....

(Er beschäftigt dazu einen Schwarm Hilfsteufel, gegen die Luzifer himself ein Kuscheltierchen ist. Man kann ja nicht alles selbst machen...).

pierre giro
02
29.7.2010, 14:36
der niederösterreichische Meinl

sobotka MC vs mixmaster Erwin P.:

http://www.youtube.com/watch?v=z-PKO0sE4bo

Cherobin
05
29.7.2010, 14:23
Aus der Sicht der Korrupten ist das Verrat am Filz.

karl ingwer
010
29.7.2010, 14:02
Danke Erwin Pröll

wo NÖ drin ist, kommt Qualität raus! Fibeg, Skylink, Ernst Strasser....

Goffredo
02
29.7.2010, 13:46
Die Kritik lässt an Sobotka kein gutes Haar ....

...siehe Foto

francis79
 
03
29.7.2010, 13:19
wie lieb sie immer lächeln auf den fotos

und wie selbssicher unsere politiker immer auf den fotos grinsen.
ich tät mir mit dem grinsen vermutlich auch leicht, wenn ich einen sicheren posten, nahezu unbegrenzte Macht über die mir übertragenen Aufgabengebiete und Gelder, viele Haberer in der Partei und jederzeit von Steuergeldern finanzierte Medieneinschaltungen zur eigenen Imagekorrektur zur Verfügung hätte.

ich mach jetzt den "politiker" beim humbolt. da kann ich jederzeit neben der arbeit NIX für den job lernen und dann wird auf-.......äh nein: ABGERÄUMT !

Finanzradar
013
29.7.2010, 12:40
Details

Fuer alle die es interessiert: Auf folgendem Blog versuche ich die Maschenschaften in NÖ genauer unter die Lupe zu nehmen:

http://www.finanzradar.at/

Wolfgang Lederbauer1
00
29.7.2010, 16:21
Notwendigkeit der ntensiven öffentlichen Diskussion über Prüfungen des Rechnungshofs

Die Unterlagen auf dieser websites sind intessant aufbereitet.

Ich halte als ehemeliges Mitglied des Rechnungshofs eine intensive öffentlichen Diskussion über Prüfungen des Rechnungshofs für dringend notwendig.
.
Die beschriebene Vorgangsweise als " Verletzung des Amtsgeheimisses " anzuprangern ist absurd. Der genehmigte Endbericht wird ohnehin mit der Stellungnahme der geprüften Stelle veröffentlicht.

Die Sachlage hätte mit einer einfachen Befragung geklärt werden können.

Mit einer Suspendierung und der Einleitung eines mittelalterlichen Displinarverfahrens ( Inquisitionsprinzip) wird die ohnehin schwierige Position der Prüfer des Rechnungshofs geschwächt.

http://so-for-humanity.com2000.at SFH-0823, SFH-1037, SFH-1569

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