Streubomben-Verbot gilt nicht für Großmächte

28. Juli 2010 20:48
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    Foto: reuters/john vizcaino

    Streumunition der kolumbianischen Armee: Mehr als 90 Prozent der weltweit verstümmelten oder getöteten Opfer trugen keine Uniform.

Am 1. August tritt das Abkommen über ein Verbot von Streumunition in Kraft. Die USA, Russland und China sperren sich dagegen

Menschenrechtsorganisationen sehen dennoch Fortschritte, vor allem für die Opfer.

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Der sechsjährige Adnan aus dem Kosovo ging mit seiner Familie zum Baden. Am See in der Nähe der Stadt Ferizai fand der Junge eine Kiste aus gelbem Metall, er brachte die Box zu seinen Angehörigen. Niemand wusste, dass es sich um Streumunition handelte, eine tödliche Hinterlassenschaft aus dem Krieg von 1999. Die Nato-Streitkräfte hatten die tückischen Waffen verschossen.

Als ein Bruder Adnans die Kiste fallen ließ, explodierte sie. Der Bruder und der Vater Adnans starben sofort. Später wurde auch Adnans Schwester von der Munition getötet, als sie den Unglücksort besuchte. Adnan selbst überlebte, verletzt und traumatisiert. "Trifft man ihn, so spürt man die ihm innewohnende tiefe Traurigkeit und schreckliche Schuld" , berichtet die Hilfsorganisation Handicap International.

Damit sich Schicksale wie das von Adnan nicht wiederholen, unterzeichneten 107 Staaten bis Mitte Juli das Übereinkommen über Streumunition, 37 ratifizierten das Abkommen, darunter auch Österreich. Der Vertrag tritt am 1. August in Kraft.

Der Pakt sieht ein weitgehendes Verbot der Waffen vor. Die Länder ächten Einsatz, Entwicklung, Produktion, Lagerung und Weitergabe der Sprengsätze. Innerhalb von acht Jahren sollen die Streitkräfte ihre Bestände zerstören.

Allerdings: Bestimmte Kategorien bleiben von dem Verbot unberührt, so etwa moderne Munitionstypen, die spezifische Merkmale wie ein Gewicht von mehr als vier Kilogramm aufweisen. Und: Die Arsenale der USA, Russlands und Chinas mit hunderten Millionen Einheiten von Streumunition bleiben ganz verschont - die drei sperren sich gegen das Abkommen. Das Verteidigungsministerium der Supermacht USA bezeichnet Streumunition als "legitime Waffe mit klarem militärischem Nutzen" . Immerhin verbieten die Amerikaner den Export fast aller Sprengkörper.

Militärkooperation erlaubt

Ein weiterer Schwachpunkt des Abkommens: Die Vertragsstaaten dürfen mit Nichtvertragsstaaten der Anti-Streubomben-Konvention militärisch kooperieren. Konkret: Verbündete der USA können weiterhin an der Seite der Amerikaner kämpfen - auch wenn die USA Streumunition verschießen. "Das alles bereitet sehr ernste Sorge" , sagt Fachmann Thomas Küchenmeister vom Aktionsbündnis Landmine.de.

Trotz der Schwächen werten Regierungen und Fachleute die Vereinbarung von Dublin als wichtigen Schritt nach vorn. Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob Kellenberger, betont: In Zukunft werde das Abkommen "gewaltiges Leiden unter Zivilisten verhindern" . Organisationen wie Landmine.de schätzen: Mehr als 90 Prozent der mehr als 14.000 verstümmelten und getöteten Opfer trugen keine Uniform.

Besonders eifrig verschossen die Amerikaner Streumunition: Im Vietnamkrieg in den 1960er- Jahren, im Golfkrieg zu Beginn der 1990er-Jahre, in Afghanistan 2001/ 2002. Vor zwei Jahren noch bekämpften Russen und Georgier einander mit Streubomben.

Künftig sollen die Vertragsstaaten die gefährlichen Rückstände beseitigen. Und Überlebende wie der kleine Adnan aus dem Kosovo können auf Hilfe hoffen: Die Länder des Pakts verpflichten sich zu medizinischem und psychologischem Beistand für die Opfer. In Rehabilitationszentren sollen sie sich auf ein Leben nach der Streumunition vorbereiten.  (Jan Dirk Herbermann aus Genf/DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2010)

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styliann
29.07.2010 15:47

auch wenn das den opfern natürlich nicht hilft: ist es nicht möglich z.B. die NATO für das hinterlassen dieser sprengkörper zu verklagen? ... wenn schadensersatz von den militärs gezahlt werden müsste, dann würd sich der scheiss extrem schnell aufhören!

Donald Kerabatsos
29.07.2010 17:14

Die großen internationalen Oragnisationen sind nicht klagbar (UNO ect.).

do the evolution
29.07.2010 15:40
aber wehe wer anderer "sperrt sich dagegen"

Ich wär' gern eine Banane, manchmal ...
29.07.2010 15:08
Damit sich Schicksale wie das von Adnan nicht wiederholen, unterzeichneten 107 Staaten bis Mitte Juli das Übereinkommen über Streumunition

107 Staaten, die wahrscheinlich noch nie Streumunition besessen haben ... Schön, dass wir auch dabei sind, unnötiger gehts echt nicht. Genau der gleiche Blödsinn wie das Chemie-Waffen-Verbot. Die USA und Russland haben nach wie vor Restbestände, letztere setzen es sogar im eigenen Land ein.

pathan
29.07.2010 14:44

natürlich!! die Haupttäter dürfen einfach so weitermachen!

Fisch^^Fisch
29.07.2010 16:00

Wer soll es ihnen verbieten?

pathan
03.08.2010 13:38

das ist ja das Problem.

MACH PONYS ROT1
29.07.2010 14:02
wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehn!

mein erster Kommentar auf dem Standart ist ganz kurz:

http://www.youtube.com/watch?v=FsfnHKBEXm0

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
29.07.2010 14:01

willkommen in der Jungelwelt,wo das recht des Stärkeren nie aufgehört hat zu zählen,wer das noch nicht verstanden hat,lebt auf den falschen planeten.

pepitant
29.07.2010 14:48
Völlig richtig, und ich schließe daraus, dass

man bei Gesetzesübertretungen solange nichts moralisch Verwerfliches tut, solang man sich dabei nicht erwischen lässt. Die Macht des Einzelnen ist nun mal die Anonymität und ich sehe keinen Grund, diese Macht nicht gegen andere Mächte zu nutzen.
Sie ist sozusagen nichts weiter als das Recht des Stärkeren und grad die westlich-kapitalistische Gesellschaft heiligt doch den Erfolg mit allen Mitteln ?
Wie sagte doch mal ein Kabarettist sinngemäß:
"Hätte Saddam Hussein all die Waffen gehabt, die ihm angedichtet wurden, der Irak wäre nie überfallen worden. Saddam wäre bei Schröder zum 60. Geburtstag eingeladen worden (mit Putin, der die Waffen hat, die Hussein angedichtet wurden).

john.carter.denton
29.07.2010 13:27
gelten...

...für die usa, russland und china eigentlich irgendwelche internationalen abkommen?

Ingrid Richter
29.07.2010 17:05

Nur wenn sie daraus Vorteile ziehen

Ruskij
29.07.2010 14:05

Nur, wenn sich die drei nicht gegenseitig blockieren würden. Sobald einer sagt, würde bei einem internationalen Abkommen mitmachen, sagen die anderen, sie würden nicht mitziehen. Dann macht auch der Erste einen Rückzieher, er will ja schließlich keinen Nachteil gegenüber den anderen beiden Supermächten haben.
Erinnert irgendwie an unser Parlament.

176-671
29.07.2010 13:11

wenn 107 staaten das pakt unterschrieben haben und 192 sind in der UN vertreten will doch was heissen oder?

SMichel
07.08.2010 10:43
soll heissen...

Was soll es dann heissen, wenn die FIFA mehr Mitgliedsländer hat als die UNO...?

Prof. Alois
 
29.07.2010 15:56
Das heißt, dass mindestens 85 Staaten kriegerische Auseinandersetzungen in näherer Zukunft für denkbar halten

und sich diese konventionelle Waffe nicht nehmen lassen. Alle anderen haben ja leicht reden.

Solche Abkommen sind sowas von witzlos. Wenn es nicht gelngt wenigstens eine Supermacht zu verpflichten, bleibt das ganze substanzlos und hohl.

176-671
29.07.2010 16:45

lieber herr professor,
verstehe Ihre geschlagenheit dennoch nur mit schwarzsehen geht man nicht sehr weit
daher als aufmunterung:
"http://derstandard.at/127733921... -Soldaten"

good vibration
29.07.2010 12:30
auch Israel verwendet die menschenverachtenden "daisycutter" immer wieder..

Fisch^^Fisch
29.07.2010 16:03
Redens kan bledsinn!

Wenn Israel auch nur 1 Daisycutter, beispielsweise in Gaza eingesetzt hätte, wäre der halbe Gazastreifen in Schutt und Asche gelegt, buchstäblich.

Ich nehme dementsprechend an Sie wissen nicht was eine Daisycutter ist und wollte nur ein bisschen israel bashen.

good vibration
29.07.2010 17:52

obergscheiter und hellsichtiger Fisch: die haben das Zeug mit Flugzeug aus GB geholt und den Libanon bombardiert, so schauts aus

Donald Kerabatsos
29.07.2010 17:21

Die benutzen dafür Phosphor-bomben.

"Nach der Explosion einer Phosphor-Bombe ensteht eine Wolke, die alle Lebewesen im Umkreis von 150 Metern tötet"
http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Wa... phor2.html

Donald Kerabatsos
29.07.2010 17:18
Isr_ael verwendet dafür Phospor-Bomben.

"Nach der Explosion einer Phosphor-Bombe ensteht eine Wolke, die alle Lebewesen im Umkreis von 150 Metern tötet."
http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Wa... phor2.html

Kopflos
29.07.2010 13:51

"Daisycutter" sind keine Streumunition, sondern überschwere konventionelle Bomben, die eine massive, 100 bis 200 Meter wirksame Druckwelle erzeugen. Aufgrund ihres Gewichts können sie nur von strategischen Bombern abgeworfen werden, die Israel nicht besitzt. Also bitte informieren Sie sich wenigstens, bevor Sie solchen, tschuldigung, Unsinn posten. Aber Hauptsache man kann das pöse, pöse Israel irgendwie ins Spiel bringen.

loundy
 
29.07.2010 17:24
also ich persönlich hab keine ahnung was israel besitzt oder benutzt und es ist mir ehrlich gesagt auch recht wurscht.

mich hat nur der ausdruck "daisycutter" angesprungen und ich hab' ihn gegoogle't, wikipedia sagt dazu aber dass die daisycutter von einer c-130 abgeworfen werden können was ja aber kein strategischer bomber ist.

ich dachte, ich klugscheiss mal mit.

raff1
29.07.2010 15:56
also, wenn die keine Bomber haben, die diese Bomben transportieren können.

dann hat jemand einen Megadeal gemacht.

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