Vor gut vierzig Jahren, da gehörte Thome zu jenen Filmemachern, die das deutsche Kino aufmischten
Vor gut vierzig Jahren, da gehörte Rudolf Thome zu jenen Filmemachern, die das deutsche Kino aufmischten. Seine frühen Langfilme - Detektive, Rote Sonne oder Supergirl - waren klug und frech, Pop-Art; zugleich tollkühn erfundene Kinogeschichten und geglückte Bilder aus einer Gegenwart.
Seither ist vieles anders. Die Filme, die Thome immer noch in schöner Regelmäßigkeit herstellt, sind längst mehr im Fernsehen als im Kino zu Hause. Über die nicht immer schönen (ökonomischen) Bedingungen ihres Entstehens wiederum kann man sich im Internet ein Bild machen. Rudolf Thome ist nämlich auch einer der dienstältesten Blogger: Mit einem Drehtagebuch zu Paradiso. Sieben Tage mit sieben Frauen hat es 1999 angefangen - nicht nur das kann man auf www.moana.de nachlesen. Dort ist inzwischen das bisherige Filmschaffen Thomes ebenso akribisch in Fotos und Texten verzeichnet wie aktuell etwa das Drehtagebuch seiner jüngsten Produktion Das rote Zimmer oder die Auswirkungen der Hitzewelle auf die Johannisbeersträucher im Garten seines Bauernhofs.
"Jetzt in 2010", schreibt Thome, "hat eine neue Periode begonnen. Das Leben und die Abenteuer eines Regisseurs zwischen siebzig und achtzig. So lange ich Filme mache, wird das Moana-Tagebuch existieren. Seine Funktion für mich hat sich durch das 'Überleben in den Niederlagen' und das Erreichen eines in meinen Augen schon fast biblischen Alters nochmal verändert. Es ist auch ein Kampf gegen den Tod geworden. Daher die inzwischen fast täglichen Eintragungen."
Die kleine Reihe, die 3sat dem Veteranen des deutschen Autorenkinos widmet, läuft noch an den kommenden drei Freitagen, jeweils um 15.00 Uhr. (Isabella Reicher, DER STANDARD; Printausgabe, 29.7.2010)