Nairobi - Nicht immer frönte das chinesische Kaiserreich dem Isolationismus: Im frühen 15. Jahrhundert führte der zur Legende gewordene Admiral Zheng He eine Reihe von Expeditionen in den Pazifik und den Indischen Ozean durch. Die Größe seiner Erkundungsflotten wie auch der Schiffe wurde dabei ebenso bis ins Märchenhafte gesteigert wie die Ziele, die er erreicht haben soll. Für chinesische Handelskontakte bis nach Ostafrika gibt es jedoch starke Indizien. Unter anderem wurde in Ostafrika Porzellan aus der Ming-Dynastie gefunden, unter deren Herrschaftszeit Zheng Hes Erkundungsfahrten fielen.
China und Kenia führen nun eine gemeinsame Expedition durch, die ein 600 Jahre altes Schiffswrack - Beleg des ältesten Kontakts zwischen den beiden Weltregionen - aufspüren soll, wie die BBC berichtet. Im Rahmen des auf drei Jahre angelegten Projekts sollen die kenianischen Gewässer rund um die Inseln Lamu und Malindi abgesucht werden. Der Überlieferung nach soll Zheng He Malindi im Jahr 1418 erreicht haben, wobei mindestens eines seiner Schiffe sank.
Noch vor der Ankunft der Unterwasser-Teams sollen überdies archäologische Ausgrabungen auf der Insel selbst stattfinden. Unter anderem ist man auf der Suche nach der Siedlung, in der einst der Sultan von Malindi residiert haben soll: Er könnte derjenige gewesen sein, der Zheng He die Giraffe überreichte, die auf einer der bekanntesten Darstellungen des Admirals zu sehen ist. (red)
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Es gibt Indizien dafür, dass die Chinesischen Schatzflotten unter Admiral Zheng He nicht nur das Mittelmeer befuhren, sondern auch die bis dahin unbekannten Küsten Amerikas und der Antartis zum Teil kartographierten. Immerhin waren sie Anfangs des 15. Jhdts bereits der Standortbestimmung unter Zuhilfenahme von Sternkarten mächtig - dieses Problem löste in Europa erst John Harris mit ganggenauen Uhren.
Kann die Bücher "1421" und "1434" von Gavin Menzies empfehlen.
Wenn die Indizien stimmen, segelten Maghellan, Columbus, Vespucci & Co mit abgezeichneten chinesischen Karten...
man muss auch dazusagen, dass die Chinesen inbekannten Gewässern fuhren. Es ging eigentlich darum, ob Sie sich die Handelskontakte im indischen Ozean bis Afrika selbst erschliessen oder sie wie bisher anderen Kaufleuten (arabischen, indischen...) überlassen. Letztendes war es ökonomisch attraktiver, alles beim Alten zu lassen.
hatte damals die größte Expeditions-Flotte auf diesem Planeten bauen lassen und wäre es nicht zu einem intriganten Umsturz in China gekommen,in dessen Zusammanhang die Chinesen die eigene Flotte vernichteten,hätte sich die Weltgeschichte anders entwickelt.
Sogar Amerika und Australien würden dann heute chinesisch geprägt sein und nicht europäisch.
Das glaube ich nicht. Das fehlende Interesse an Kolonisierungsmaßnahmen, ja selbst groß angelegten Handelsbeziehungen, kann keine die Folge eines singulären intriganten Umsturzes gewesen sein. Es muss eine grundsätzliche Abneigung dagegen bestanden haben und Ära Zheng Hes muss eine Ausnahmezeit gewesen sein. Andernfalls hätte spätestens der im 16. Jahrhundert einsetzende ständige Kontakt mit Europäern die Chinesen zur Wiederaufnahme ihrer Expeditionen bringen müssen.
Sein Nachfolger war wieder mehr nach innen orientiert. Was allerdings auch damit zu tun hat, dass über die Jahrtausende China zwar ein "vereintes", aber sehr inhomogenes Gebiet war. Die Zentrifugalkräfte waren immer eher gross, Krach und Konflikte gab an den Rändern allemal. Zheng He war ja eigentlich auch kein Han-Cinese sondern ursprünglich "Kriegsbeute" aus Yunnan.
Weiters ist sicher auch eine eher "pragmatische Sicht" erklärbar - die Flotte und die 7 dokumentierten Reisen waren sehr sehr teuer und wenn das Geld woanders gebraucht wurde....
Einem Kaiser (Zhu Di´s Nachfolger) ohne die wissenschaftlichen und grossräumigen Visionen des Zhu Di fiel es leicht, die Expeditionen abzubrechen. Sicher eine sehr komplexe Ursachenforschung.
MfG M.D.
China konnte sich ja nicht mal Japan und die Phillipinen aneignen, obwohl beide vor ihrer Haustür liegen. Mehrere Invasionen dorthin scheiterten.
Von Indonesien und Australien ganz zu schweigen.
Zhang ist mit seinen riesigen Monsterschiffen immer möglichst in Küstennähe gesegelt und hat auf hoher See nur relativ kurze Strecken zurückgelegt.
Ausserdem ist es strömungstechnisch viel einfacher von Asien nach Afrikas Süden runterzusegeln als von Europa aus.
Für den Pazifik hätte es für die Chinesen nie gereicht.
Wenige Jahrzehnte später haben die Portugiesen die Welt umsegelt. In winzigen Schiffen.
Das war nicht die erste und nicht die letzte Flotte, der Stürme zusetzten. Die Invasionsflotte von Xerxes - überwiegend phönizische Schiffe - und die Spanische Armada von 1588 haben dadurch z.B. große Verluste erlitten. Noch die Invasion in der Nomandie wäre bei Sturm nicht versucht worden.
Eben das war im Jahre der 2 (sic!) der Yuan Dynastie auch unter den Namen Mongolenherrschaft bekannt. Die Mongolen war für vieles berühmt aber nicht für ihre Seefahrt. Daraus etwas über die seetechnischen Fähigkeiten Chinas etwas abzuleiten, finde ich etwas zwanghaft. Besonders wenn man noch bedenkt, dass die europäische zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch nicht entwickelt war und die Chinesen ihre Hochzeit ebenfalls erst unter der später folgenden Ming Dynastie hatten.
Die Seeleute selbst waren sicher Han oder Koreaner. Die Führung war aber mongolisch. Und die Führung entschied da über die Planung und Durchführung. Ist natürlich rein spekulativ, aber ich denke einmal, dass Warnungen chinesischer oder koreanischer Seefahrer vor einem Wetterumschwung entweder gar nicht vorgebracht wurden oder seitens der mongolischen Führung ignoriert wurden. Man muss dazu noch bedenken, dass die Mongolen von den Han und Koreaner zu diesem Zeitpunkt selbst als fremde barbarische (also nicht sinisierte) Eroberer wahrgenommen wurden.
Bin da sehr Ihrer Meinung. Wenn Sie etwas weiter oben mein Posting lesen werden Sie sehen, dass ich die Erklärung auch in anderen Bereichen suche.
Man darf zusätzlich nicht vergessen, dass Zheng He, sein Leben und seine Reisen sehr früh "legendär" verklärt wurde und literarisch überlagert. Das bedeutet auch eine bis heute schwierige Lage der Quellenbeurteilung.
Übrigens hinsichtlich Quellenbeurteilung wird die Situation auch nicht erleichtert, seit das offizielle China Zheng He´s Fahrten und die Begleitumstände auch als Imagevehikel entdeckt hat. Nach aussen sowie auch nach innen. Ich persönlich halte auch die mehr oder weniger gesicherten Leistungen Zheng He´s für beeindruckend genug. Da ist mir egal ob die "Schatzschiffe" vielleicht doch wesentlich kleiner gewesen wären als kolportiert. Lassen wir doch mal ein wenig länger ernsthafte Forscher an das Thema.
MfG M.D.
Habe ihr voriges Posting gelesen und kann ihnen nur zustimmen. Ein Punkt der vielleicht noch bei den Ursachen erwähnt gehört (es spielten wie sie schon gesagt haben, viele Faktoren eine Rolle), ist der tobende Machtkampf am Kaiserhof (Eunuchen).
Es stimmt auch, dass Zheng He damals und vor allem auch heute wieder, als nationaler Held aufgebaut wurde. Was einerseits politisch gewollt ist, andererseits aber auch mit der neuen gewollten Rückorientierung zur eigenen Kultur und Geschichte bedingt ist. Die Figur Zheng He (ein Hui Muslim - sie wissen das natürlich, aber für andere Leser ist es vielleicht interessant) ist eine äußerst interessante. Nach einer Theorie soll er und die Flotte sogar als Vorlage für die Figur Sindbad gedient haben.
Bei Dschunken werden (schon lange) Schwerter verwendet und europäische Schioffe waren bekanntlich so phantastisch seetüchtig, dass nie welche in Stürmen untergingen. Wäre Zheng He mir riesigen nicht seetüchtigen Schiffen nach Afrika und zurück gesegelt, dann müsste man ihn für einen der größten Seeleute überhaupt halten.
Die mongolische Invasionsflotte war übrigens schon in Japan angekommen, als der Taifun losbrach.
Aber allein die Größe der Schiffe beweist doch die überlegene Schiffsbautechnik der Chinesen (darin ein Manko zu sehen, ist lächerlich) und die nautische Leistung von China nach Afrika zu segeln, kann man schwer kleinreden. Die Portugiesen erreichten erst Mitte des Jahrhunderts den Äquator und wagten sich nur zögernd auf den Atlantik hinaus. Zu seiner Zeit war Zheng He als Seefahrer jedem Portugiesen deutlich überlegen. Dass die Chinesen kein überseeisches Kolonialreich eroberten, lag sicher zuletzt an fehlenden seemännischen Fähigkeiten.
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