Experiment

"Überwältigung" durch Kunstausstellung gemessen

28. Juli 2010 14:34

Besucher eines Florentiner Renaissance-Palasts können bei der Erforschung des Stendhal-Syndroms helfen

Rom - Die Überlieferung will es, dass der französische Schriftsteller Stendhal (eigentlich Marie-Henri Beyle, 1783 - 1842) bei einer Reise nach Florenz in eine besondere Art von Ekstase verfiel, als er die Kirche Santa Croce besuchte, in der die Grabmäler kultureller Größen wie Michelangelo oder Dante Alighieri liegen. Obwohl sich die Begebenheit nur in einer Notiz Stendhals wiederfindet, hat die Medizin sie als Bezeichnung für ein Syndrom verwendet, das als eine Art Reizüberflutung mit starken geistigen wie auch körperlichen Folgen verstanden wird: das Stendhal-Syndrom.

Jetzt will ein Team aus Ärzten und Psychologen aus Florenz und Pisa konkret messen, wie häufig das Stendhal-Syndrom Menschen beim Anblick eines beeindruckenden Kunstwerks ergreift und welche physische Reaktionen es im Körper auslöst: Im Renaissance-Palast Medici Riccardi wurde in einem vom neapolitanischen Barockmaler Luca Giordano (1634-1705) bemalten Saal ein multisensorischer Weg eingerichtet. Touristen und Kunstliebhaber können auf der prunkvoll bemalten Decke des Saals "spazieren", deren Figuren auf dem Boden nachgebildet wurden. In 15 Etappen, die den verschiedenen Allegorien des Freskos entsprechen, kann der Besucher einen direkten Kontakt zum Kunstwerk erleben, der mit Musikstücken und Klängen bereichert wird.

Während des Besuchs werden dem Besucher mit einigen Geräten Pulsfrequenz, Atem und Blutdruck gemessen. Die gesammelten Daten werden von einem Wissenschafterteam überprüft. Die Resultate der Studie sollen in wissenschaftlichen Fachblättern veröffentlicht werden. Ziel ist festzustellen, ob und wie das Stendhal-Syndrom wirkt. Die Besucher können sich dem Test bis 31. August unterziehen. (APA/red)

 

an kog
29.07.2010 14:14

Ich denke nicht, dass die sensorischen Reize alleine ausreichen.

Gerade im Bezug auf Stendhal gehört bestimmt auch das Wissen über die Bedeutung des Ortes dazu.
Ähnlich wie die meisten erst dann in verzückten Kunstgenuss verfallen, wenn die Werke entsprechend gewürdigt wurden, oder wenigstens ganz wichtig kuratiert werden.

Czerwinski
28.07.2010 16:15
Kann auch das Beethoven-Fries in der Secession empfehlen...

... das hat mich auch geradezu in Verzückung versetzt. Ein Werk zum Staunen eben.

füllhornkäfer
28.07.2010 15:37

Diese didaktisch aufbereiteten Wegstrecken mit eingespielten Bild- und Klanginstallationen sind ja immer recht ambitioniert gedacht, aber in der Umsetzung eher langweilig. Ob dadurch wirklich ein aussagekräftiges Ergebnis herauskommt?

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