Besucher eines Florentiner Renaissance-Palasts können bei der Erforschung des Stendhal-Syndroms helfen
Rom - Die Überlieferung will es, dass der französische Schriftsteller Stendhal (eigentlich Marie-Henri Beyle, 1783 - 1842) bei einer Reise nach Florenz in eine besondere Art von Ekstase verfiel, als er die Kirche Santa Croce besuchte, in der die Grabmäler kultureller Größen wie Michelangelo oder Dante Alighieri liegen. Obwohl sich die Begebenheit nur in einer Notiz Stendhals wiederfindet, hat die Medizin sie als Bezeichnung für ein Syndrom verwendet, das als eine Art Reizüberflutung mit starken geistigen wie auch körperlichen Folgen verstanden wird: das Stendhal-Syndrom.
Jetzt will ein Team aus Ärzten und Psychologen aus Florenz und Pisa
konkret messen, wie häufig das Stendhal-Syndrom Menschen beim
Anblick eines beeindruckenden Kunstwerks ergreift und welche physische
Reaktionen es im Körper auslöst: Im Renaissance-Palast Medici Riccardi wurde in einem vom
neapolitanischen Barockmaler Luca Giordano (1634-1705) bemalten Saal ein
multisensorischer Weg eingerichtet. Touristen und Kunstliebhaber können
auf der prunkvoll bemalten Decke des Saals "spazieren", deren Figuren
auf dem Boden nachgebildet wurden. In 15 Etappen, die den verschiedenen
Allegorien des Freskos entsprechen, kann der Besucher einen direkten
Kontakt zum Kunstwerk erleben, der mit Musikstücken und Klängen
bereichert wird.
Während des Besuchs werden dem Besucher mit einigen Geräten
Pulsfrequenz, Atem und Blutdruck gemessen. Die gesammelten Daten werden
von einem Wissenschafterteam überprüft. Die Resultate der Studie sollen
in wissenschaftlichen Fachblättern veröffentlicht werden. Ziel ist
festzustellen, ob und wie das Stendhal-Syndrom wirkt. Die Besucher
können sich dem Test bis 31. August unterziehen. (APA/red)