100-Meter-Läufer knapp am EM-Halbfinaleinzug gescheitert - Vojta als Gesamtelfter im Zwölfer-Endlauf
Barcelona - Andreas Vojta hat am zweiten Tag der
Leichtathletik-Europameisterschaften in Barcelona mit dem Finaleinzug
über 1.500 Meter für die große Überraschung aus österreichischer
Sicht gesorgt. Beim Sprint-Sieg des Franzosen Christophe Lemaitre
nicht mehr dabei war Ryan Moseley, der im 100-m-Halbfinale ausschied
und Gesamtneunter wurde. Zehnkämpfer Roland Schwarzl rangiert zur
Halbzeit auf Platz 16.
Vojta lief ein taktisch kluges Rennen, wurde in seinem Halbfinale
in 3:42,16 Minuten Fünfter und kam als Gesamtelfter über die Zeit in
den Zwölfer-Endlauf. Schnellster war der Spanier Reyes Estevez in
3:40,86. "Ich habe alles riskiert. Das ist ein Wahnsinn. Das
Halbfinale war die Draufgabe fürs Hiersein, das Finale ist die
Draufgabe aufs Halbfinale", sagte Vojta, der unter 31 Athleten in der
Entry-Liste nur die 26. Zeit aufgewiesen hatte.
Schon die Kulisse sei "ein Wahnsinn" gewesen, erzählte Votja, für
den so ziemlich alles - inklusive des Weltklassefeldes - Neuland war.
Das merkte man ihm im Rennen aber nicht an. Er lief vorne mit, und
kam "fast unfreiwillig durch ein paar Stöße von hinten in die
Führungsposition", wollte das Tempo aber nicht hochhalten und ließ
andere wieder vor.
Auf der Schlussrunde sagte er sich, wenn er auf der Zielgeraden
noch was aufholen wolle, dann müsse er dabei sein und verschaffte
sich vorne im Feld eine Position. Auf den letzten hundert Metern
spielte er seine Stärke aus und merkte: "Die kochen auch nur mir
Wasser." Da er Fünfter geworden war, war die Zeit entscheidend, denn
nur die Top Vier kamen direkt weiter - im Ziel war er sich nicht
sicher, dass es ausgegangen ist. "Ich habe ein, zwei Minuten lang
gebetet. Und bin glücklich, dass es geholfen hat." Das Finale findet
Freitag um 22.00 Uhr statt.
Im Zehnkampf hatte Roland Schwarzl trotz extremer Hitze einen
hervorragenden Vormittag abgeliefert und war nach drei Disziplinen
Achter gewesen. Über 100 Meter lief er in 11,23 Sekunden
Saisonbestleistung, im Weitsprung flog er trotz 2,4 Meter Gegenwind
pro Sekunde auf 7,68 Meter, was neuen persönlichen Rekord bedeutete.
Im Kugelstoßen übertrat er den ersten Versuch, "mit Sicherheit" kam
er im zweiten auf 14,16 m (14.).
Im Hochsprung zum Auftakt der Abendsession überquerte der
Salzburger dann aber nur 1,86 Meter und fiel auf Rang 14 zurück. Über
400 Meter lief der 29-Jährige dann mit 50,16 Sekunden nochmals
Saisonbestleistung, büßte aber zwei weitere Plätze ein, ist aber
punktgleich mit dem 15. In Führung liegt der Ukrainer Alexej Kasjanow
mit 4.409 Punkten, Schwarzl hat 4.014 auf dem Konto.
Der ebenfalls im Vorkampf engagierte Andreas Rapatz wurde in
1:51,55 Minuten über 800 Meter Gesamt-23. unter 32 Teilnehmern. "Ich
habe mich mental extrem gut gefühlt, aber ich war wohl heute nicht in
der körperlichen Verfassung", sagte der Kärntner, dem eine Attacke
der Konkurrenten bei 400 m zu früh kam.
Insgesamt standen sechs Medaillenentscheidungen auf dem Programm.
Wie bei den Männern ging auch der Titel über 20 Kilometer Gehen bei
den Frauen an Russland. Olga Kaniskina setzte sich in 1:27:44 Stunden
vor ihren Landsfrauen Anisja Kirdjapkina (1:28:55) und Wera Sokolowa
(1:29:32) durch. Im Diskusbewerb setzte sich überraschend die Kroatin
Sandra Perkovic mit 64,67 Metern vor Nicoleta Grasu (ROM/63,48) und
Joanna Wisniewska (POL/62,37) durch.
Nicht zu rechnen war auch mit Weitsprung-Siegerin Ineta Radevica
(LAT), die mit 6,92 Metern dank dem besseren zweitbesten Versuch Gold
vor Naide Gomes (POR/6,92) und Olga Kutscherenko (RUS/6,84) holte. Im
Hammerwurf der Männer gab es mit dem Slowaken Libor Charfreitag
(80,02 m) einen Favoritensieg, er verwies Nicola Vizzoni (ITA/79,12)
und Krisztian Pars (HUN/79,06) auf die Plätze. Den 10.000 m-Titel
sicherte sich die Türkin Elvan Abeylegesse (31:10,23 Min.) vor Inga
Abitowa (RUS/31:22,83) und Jessica Augusto (POR/31:25,77). (APA)