Wikileaks

Pentagon verfolgt erste Spur nach Weitergabe von Geheimakten

28. Juli 2010 10:52

Obama zeigte sich über Veröffentlichung der Geheimdokumente besorgt

Nach der Weitergabe Zehntausender Geheimdokumente zum Afghanistan-Einsatz verfolgen die Ermittler der US-Armee eine erste Spur. Ein in Kuwait inhaftierter US-Soldat sei "sicherlich eine Schlüsselfigur" in der Affäre, sagte ein Pentagon-Sprecher am Dienstag. Nach der Veröffentlichung Zehntausender Geheimdokumente zum Afghanistan-Einsatz leitete die US-Armee strafrechtliche Ermittlungen ein. Die Untersuchung sei der Kriminaldivision der Landstreitkräfte übertragen worden, teilte das Pentagon am Dienstag in Washington mit.

"Weiteres Spektrum"

Der US-Soldat Bradley M. habe bei der Weitergabe der Geheimakten an die Website WikiLeaks eine Rolle gespielt, sagte Pentagon-Sprecher Geoff Morrell. Es sei aber noch nicht klar, "auf welche Weise". M. war im Mai verhaftet worden. Er wird beschuldigt, ein Video aus einem Armee-Hubschrauber an WikiLeaks weitergegeben zu haben, von dem aus 2007 in Bagdad mehrere Zivilisten, darunter zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters, getötet wurden. M. wurde Anfang Juli auch angeklagt, 150.000 Datensätze von Computern heruntergeladen zu haben. Ein anderer Pentagon-Sprecher, Dave Lapan, betonte, die Ermittlungen konzentrierten sich "nicht auf ein bestimmtes Individuum." Sie deckten ein "weiteres Spektrum" ab.

Obama

US-Präsident Barack Obama zeigte sich besorgt über die Veröffentlichung Tausender Geheimdokumente zum Afghanistan-Krieg im Internet. Damit könnten eventuell Menschen oder Einsätze gefährdet werden, sagte Obama am Dienstag im Weißen Haus. In den auf der Online-Plattform Wikileaks einsehbaren Unterlagen über den Militäreinsatz seien aber keine Dinge enthalten, die nicht bereits in der Diskussion seien. Die Akten aus den Jahren 2004 bis 2009 rechtfertigten aber im Nachhinein seine Entscheidung, die Afghanistan-Strategie neu auszurichten.

US-Generalstabschef Mike Mullen erklärte in Bagdad, dass die Unterlagen an die Öffentlichkeit gelangt seien, könnte das Leben von Amerikanern gefährden. Die in der Nacht auf Montag veröffentlichten rund 90.000 Dokumente beinhalten Informationen von Angaben zum Tod afghanischer Zivilpersonen bis zu Hinweisen auf Misstrauen zwischen den USA und Pakistan. (APA)

 

BBSS
28.07.2010 11:39
Das Leben von Amerikanern

ist offenbar die einzige Art von menschlichem Leben, die nach amerikanischen Gesetzen schützenswert ist.
Tausende Zivilisten tatsächlich zu töten und als "Kollateralschaden" abzutun, zählt weniger als "eventuell Menschen oder Einsätze zu gefährden".
Wie gesagt, diese Menschen oder Einsätze sind nur "eventuell" gefährdet. Wie übrigens sieht denn die Gefährdung eines "Einsatzes" aus.
Die getöteten Zivilisten waren nicht nur "eventuell gefährdet" sondern sogar tatsächlich gefährdet; nein wurden sogar tatsächlich ermordet.
Die USA, die diesen Krieg in Afghanistan, wie alle anderen Krieg bisher, aus rein wirtschaftlichen Interessen der eigenen Rüstungsindustrie führen, übertreffen sich im Zynismus und Heuchelei wieder einmal.

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