Vorwurf wegen Präsenz von FARC-Guerilla im Nachbarland bekräftigt - Venezuela: Haben Grenztruppen zu Kolumbien nicht verstärkt
Bogota/Wien - Der kolumbianische Außenminister Jaime Bermúdez hat die
von Caracas erhobene Forderung nach einer "Richtigstellung" des Vorwurfs
abgelehnt, Venezuela biete kolumbianischen Guerillagruppen Unterschlupf.
Zugleich wies Bermudez einen "Friedensplan" zurück, den sein venezolanischer
Amtskollege Nicolas Maduro am Donnerstag bei einem Außenministertreffen
südamerikanischer Nationen (UNASUR) in Quito präsentieren will. Das berichtete
die kolumbianische Zeitung "El Tiempo" in der Nacht auf Mittwoch in ihrer
Internetausgabe.
Beim von Venezuelas Präsident Hugo Chavéz verlangten UNASUR-Krisentreffen
werde Kolumbien auf einem effektiven und überprüfbaren Mechanismus bestehen, der
die Anwesenheiten von Terroristen in einem Land der Region verhindere, betonte
Bermúdez. Zum Friedensplan seines Kollegen Maduro, den dieser derzeit auf einer
Rundreise durch mehrere südamerikanische Länder präsentiert, meinte der
kolumbianische Außenminister, ein solcher Plan könne nur zum Ziel haben, dass
die FARC-Guerilla an keinem Ort der Welt physischen oder politischen Schutz
finde. In Quito werde es jedenfalls keine Übereinkunft geben, da eine solche
gemäß den UNASUR-Regeln nur im Konsen erreicht werden könne.
Abbruch der Beziehungen
Die linke Regierung in Caracas hatte in der Vorwoche die bereits seit
längerem gespannten Beziehungen zu Kolumbien völlig abgebrochen. Der Grund war,
dass die Regierung des scheidenden kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe vor
der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Venezuela beschuldigt hatte,
Kämpfer der kolumbianischen Guerillagruppen FARC und ELN auf seinem Territorium
zu dulden. Doch anstatt die Vorwürfe von unabhängigen Experten überprüfen zu
lassen, beschuldigte Caracas Bogota, auf Geheiß der USA einen militärischen
Konflikt mit dem Nachbarland vom Zaun brechen zu wollen.
Schützenhilfe erhielt die rechte kolumbianische Regierung unterdessen vom
oppositionellen brasilianischen Präsidentschaftskandidaten José Serra, der in einigen
Umfragen mit der linken Kandidatin Dilma Rousseff Kopf an Kopf liegt. Nach Ansicht
Serras ist es "unbestreitbar", dass Chavez den FARC (Revolutionäre Streitkräfte
Kolumbiens) Unterschlupf biete. In Hinblick auf die Präsidentenwahlen im Oktober
sagte Serra, er werde das Thema auch innenpolitisch aufs Tapet bringen. Sollte
er gewählt werde, werde er sein Verhältnis zu Chavez anders gestalten als der
jetzige Präsident Luiz Inacio Lula da Silva. "Es weiß doch jeder, ich glaube
sogar die Bäume des Amazonas-Waldes wissen es, nein sie sind die Hauptzeugen:
Die FARC finden in Venezuela Unterschlupf", so der Ex-Minister und ehemalige
Gouverneur von Sao Paulo.
Venezuela: Keine zusätzlichen Truppen ander Grenze
Venezuela hat unterdessen verkündet, die Truppen an der Grenze doch nicht verstärkt zu haben. Das
Personenstärke sei dieselbe wie im gesamten Jahr, zitierte die Regierung in
einer Mitteilung vom Dienstag Franklin Marquez, einen General der Nationalgarde.
Am Montag hatte Marquez Journalisten noch gesagt, rund 1000 Nationalgardisten
seien bereits am Wochenende in der Grenzregion eingetroffen.
USA um Beruhigung bemüht
Die USA sind um eine Beruhigung der Gemüter bemüht. Das State
Department versicherte, die Vereinigten Staaten hätten keinerlei Absichten,
Militäraktionen gegen Venezuela zu unternehmen. Man wolle auch weiterhin
venezolanisches Öl kaufen. Die kolumbianischen Vorwürfe sollten von kompetenten
internationalen Stellen geprüft werden. In jedem Fall sollten in den Beziehungen
zwischen Kolumbien und Venezuela Dialog und Diplomatie vorherrschen. (red/Reuters/APA)