Erotische Literatur

Die Sünde im Kaffeehaus

27. Juli 2010 19:07
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    Foto: tinte & kaffee

    Erotische Miniaturen im Kaffeehaus: Christine Renhardt, Andreas Kosek (li.), Christoph Prückner.

Sinnlich und poetisch, derb und verrucht - "Tinte und Kaffee" lockt dieser Tage ins Café Landtmann und präsentiert erotische Kaffeehausliteratur

Wien - "Gehst du mit mir auf einen Kaffee?" Wer diese Frage am Ende einer Partynacht von seinem Schwarm hört, hat den ersten Schritt Richtung Zweisamkeit bereits geschafft. Erinnerungen an die Anbandeleien im Teenie-Alter werden wach. Der Gedanke an das Rendezvous im Kaffeehaus am nächsten Tag ließ Schmetterlinge im Bauch fliegen und Hoffnung auf Händchenhalten und erste Küsse entstehen. Als Erwachsener kommt man schon wesentlich schneller zur Sache - und spricht mit den Worten "Kommst du noch mit auf einen Kaffee?" meist eine konkrete Einladung zum Sex aus. Im 16. Jahrhundert hielt man das im Okzident ankommende Getränk gar für ein Aphrodisiakum.

Das Ensemble Tinte und Kaffee hat sich im Séparée des Café Landtmann einquartiert und gewährt dort mit seinem Programm Sünde und Kaffee humorvolle Einblicke in die erotische Geschichte des Wiener Kaffeehauses. Zwei Darstellerinnen und drei Darsteller lesen und spielen Szenen aus Texten von Peter Altenberg, Arthur Schnitzler, Ferdinand Raimund, Lorenzo da Ponte, H.C. Artmann u. a.

Nach einer etwas schleppenden Lese-Eingangsphase schlüpfen die Schauspieler in die Rollen der Autoren wie auch deren Figuren und erlangen nun auch die Aufmerksamkeit des letzten am Einspänner schlürfenden, zeitunglesenden Zuschauers. Plötzlich fühlt man sich in die Geschichte zurückversetzt und genießt es, Ferdinand Raimund (Regisseur Christoph Prückner) beim Eifersuchtsausbruch zuzuschauen. Denn seine Freundin arbeitet als Sitzkassiererin im Kaffeehaus und ist den Blicken der hauptsächlich männlichen Cafébesucher ausgesetzt.

Kokette Sitzkassiererin

Kaffeehäuser galten als Höhlen des Lasters. Traf man darin Frauen ohne Begleitung an, handelte es sich meist um Prostituierte - oder Homosexuelle. Eva-Christina Binder gelingt es fantastisch, verschiedenste Frauenfiguren zu verkörpern - von der koketten Sitzkassiererin über die gewitzte Hure bis zur emanzipierten Schriftstellerin mit Berliner Schnauze. Bewundernswert ist Organisatorin Elisabeth Seethaler, die nicht nur das eine oder andere "Kaffeehaus-Mensch" spielt, sondern auch vom Kartenverkauf bis zum abschließenden Gewinnspiel (Kaffee-Geschenkkorb) durch den Abend führt. Hier wird ein Stück Wiener Geschichte liebevoll und unterhaltsam vermittelt. (Elisa Weingartner/DER STANDARD, Printausgabe, 28. 7. 2010)

>> Landtmann, "Tinte und Kaffee", am 1., 8., 15., 22., 29. 8. 20.00

patmos
02.08.2010 14:13

Hat es sich auf den Kaffeehaus-Toiletten nicht noch viel viel wilder abgespielt? Nur wenige Eingeweihte wissen von einem bisher immer unterschlagenen 27. Kapitel des berühmten Wiener Häuslalmanachs (ca. 1903), in welchem Dinge drin stehen sollen, die sogar in der Hölle zensuriert werden würden.

LinksSchreiber
28.07.2010 00:03
Die Epoche des sexuellen Lasters ist definitiv vorbei. In dieser finden sich vor allem sexuell dauerbelästigte Personen an diesen öffentlichen Örtlichkeiten, die nichts anderes im Sinn haben

als das Machen ihrer individuellen Karriere. Es gibt nichts Prüderes als die politisch korrekte Bobo-Elite, nichts Langweiligeres, als dieser beim Caffe-Latte trinken zuzusehen. Symptomatisch, dass das sexuelle Laster als nun als Historienspektakel (als Farce) wiederholt wird.

Katar Akt
 
28.07.2010 09:58

Selbstverständlich kann nichts dagegen gesagt werden, wenn jemand am populären Bobo-Schimpfen teilnehmen möchte (ist ja ein leicht zu verdienender Distinktionsgewinn), allerdings darf man auch in Frage stellen, was diese Veranstaltung und das Cafe Landtmann mit Bobos zu tun hat.

ValieImport
28.07.2010 07:49

Bobo-Lästerer verwenden meist Popo-Wörter:)

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