Spanische Superlative

Oliver Hochadel, 27. Juli 2010, 18:56
  • Artikelbild
    foto: museo de la evolución humana

    Eine der Attraktionen des Museums: Hyperrealistische Nachbildung der Australopithecus-Dame "Lucy".

  • Artikelbild
    foto: museo de la evolución humana

    Ebenso zu bewundern: Der Beckenknochen eines Homo heidelbergensis.

Wissenschaftlicher Reisetipp für Spanienurlauber: In Burgos wurde dieser Tage das weltgrößte Museum der menschlichen Evolution eröffnet

"Atapuerca ist die bedeutendste Fundstätte menschlicher Fossilien weltweit", behauptet Juan Luis Arsuaga. Das klingt nicht gerade bescheiden, aber der spanische Paläoanthropologe und Ko-direktor des Atapuerca-Projektes kann gute Gründe dafür nennen. Keine andere Fundstelle weltweit deckt einen Zeitraum von mehr als einer Million Jahre ab, nur in diesem nordspanischen Höhlensystem wurden Fossilien dreier verschiedener Menschenarten gefunden: Homo sapiens, Homo heidelbergensis (ca. 500.000 Jahre alt) und Homo antecessor - mit einem Alter von bis zu 1,3 Millionen Jahren die ältesten Europas.

Atapuerca eignet sich auch für weitere Zahlenspielereien: 60 Prozent aller hominiden Fossilien weltweit (!) stammen aus diesem kleinen Hügel 15 Kilometer westlich der Stadt Burgos. Für die Epoche des mittleren Pleistozäns (vor 781.000 bis 126.000 Jahren) sind es gar 90 Prozent. Hauptverantwortlich dafür sind die Funde in der Sima de los Huesos, der Knochenhöhle.

Tief im Berg gelegen, wurden dort bisher mehr 5500 Heidelbergensis-Fossilien gefunden. (Anderswo sind Paläoanthropologen froh, ein oder zwei Backenzähne zu finden.) In der nahegelegenen Höhle Gran Dolina gibt es auch die ersten Belege für Kannibalismus: Homo antecessor delektierte sich gern an seinesgleichen. Noch mehr Superlative gefällig?

Nirgends auf der Welt arbeiten mehr Forschungseinrichtungen und Wissenschafter an einer Fundstätte als hier. Fünfzig Postdocs und noch weit mehr als hundert Studierende buddeln hier jeden Sommer. Entsprechend gibt es auch über keine andere Fundstelle mehr wissenschaftliche Publikationen als über Atapuerca, und nirgends fließt mehr Geld in die Erforschung unserer Vorfahren.

Nur eines fehlte diesem Flaggschiffprojekt der spanischen Wissenschaft noch: ein Museum. Nach zehn Jahren Planung wurde es Mitte Juli in Burgos von Königin Sofía eröffnet: das Museum der menschlichen Evolution, selbstredend das größte seiner Art weltweit.

Museum der Extraklasse

Damit kein Missverständnis aufkommt, wie wichtig der Stadt Burgos und der Region Kastilien und León dieses Museum ist, wurden ein zentraler Platz im Herzen der Stadt freigeräumt und - Krise, welche Krise? - 70 Millionen Euro wurden investiert. Das Museum wird flankiert von einem dazugehörigen Forschungsinstitut und einem Kongresszentrum. Gesamtkostenpunkt: 200 Millionen Euro. Die Absicht ist klar: Burgos hat eine weltberühmte Kathedrale - und jetzt ein hoffentlich bald weltberühmtes Museum.

Erbaut vom spanischen Stararchitekten Juan Navarro Baldeweg, beeindruckt es durch Licht und Geräumigkeit. Außenwände und Decke sind ganz aus Glas. Im untersten Geschoß werden in einer Art Höhle die Prachtexemplare aus Atapuerca präsentiert: "Elvis the pelvis" und "Miguelón", ein Becken und ein Schädel eines Homo heidelbergensis, selbstredend die besterhaltenen ihrer Art. Und die Gesichtsknochen des "Jungen aus der Gran Dolina", die die Forscher dazu bewogen, 1997 nicht nur eine neue Art zu benennen, sondern diesen Homo antecessor auch zum gemeinsam Vorfahren von Homo sapiens und Neandertaler zu erklären - was außerhalb Spaniens kaum ein Forscher glaubt.

Das Museum will aber explizit kein Atapuerca-Museum sein, sondern eines der menschlichen Evolution. So kann man auf der nächsten Etage in der "Beagle" spazieren gehen, also jenem Schiff, mit dem Darwin die Welt umfuhr. Den größten Schauwert bieten die neun hyperrealistischen Hominidenfiguren der französischen Dermoplastikerin Elisabeth Daynès. Wenn einem Australopithecus afarensis (alias Lucy), Homo erectus und Neandertaler ins Auge blicken, wird dem Homo sapiens davor doch ein wenig anders.

Auf der dritten Ebene schließlich wird die kulturelle Evolution abgehandelt: Steinwerkzeuge, Höhlenmalereien und die Bedeutung des Feuers - gut erklärt und auch mit dem ein oder anderen interaktiven Element versehen.

Nicht nur Picasso und Nadal

An berühmten Künstlern und Literaten mangelt es Spanien nicht, und im Sport gewinnt es im Moment auch alles. Aber in puncto Wissenschaft leidet das Land immer noch unter einem Minderwertigkeitskomplex. Die Hoffnung auf eine "weltweite Ausstrahlung" des Museums wurde bei der Eröffnung immer wieder bemüht.

Man möchte eben nicht mehr nur für Cervantes und Picasso, für Iniesta, Nadal und Contador bekannt sein, sondern auch für "Miguelón", "Elvis the pelvis" und den "Jungen aus der Gran Dolina" - jetzt zu sehen in Burgos' Museum der Superlative. (Oliver Hochadel aus Burgos/DER STANDARD, Printausgabe, 28.07.2010)

Kommentar posten
13 Postings
Adiaphora
00
30.7.2010, 17:21
Ist das eine Nahaufnahme vom F S dry?

time to get sober
00
30.7.2010, 12:17
lucy gusenbauer?

TRON++
00
30.7.2010, 09:39
heisse Schnitte

Stahl_____666
01
28.7.2010, 13:08
.

Nina Hartley´s Ultimate Guide to hairy sex :-)

Prolet
00
28.7.2010, 09:27
Diese Naturschönheit widerspricht unseren Idealen!

Kräftig und behaart - keine Epilierung und das Parfum war der Körpergeruch.

Hätte der schon ein Handy gehabt, die Welt schaute anders aus.

Dirty Sanchez
 
02
28.7.2010, 10:40
Hätte der ein Handy gehabt, hätte er sich mit anderen haarigen Typen zum abendlichen Disco-Besuch verabredet.

Ist doch heute nicht anders.

wero2
00
30.7.2010, 10:45

die kommt grad aus der disco, darum kein handy mehr.

Dirty Sanchez
 
012
28.7.2010, 08:09
Frau Sarah Palin wird sogleich im US-Kongreß

eine Resolution einbringen, die die Auflösung sämtlicher Handels- und diplomatischer Beziehungen mit Spanien beinhaltet, denn diese Gotteslästerung darf nicht sein! Gut gemacht, Spanien, willkommen in der Achse des Bösen!

Nachhaltiger Bio-Tofu jetzt nur Euro 9,99
 
01
27.7.2010, 23:25
Gab´s damals eigentlich schon ...

... Epiliergeräte? ;-)

Dirty Sanchez
 
05
28.7.2010, 09:15
Schon, aber die Ganzkörperenthaarung mittels Baumharz

war eher was für Hartgesottene.

Ana Rio
00
27.7.2010, 22:36
Burgos rules!

Hat jetzt nicht unmittelbar mit dem Museum zu tun, aber die Stadt Burgos ist an sich wunderschön-auf jeden Fall einen Besuch wert - jetzt umso mehr mit dem neuen Museum!

Martin Müller10
 
013
27.7.2010, 21:35
Freikarten für alle Kreationisten!!!!!!!!

schulmilchfladerer
00
27.7.2010, 21:05
sieht aus wie ein früher politiker

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.