Hütet euch vor jubelnden Banken

27. Juli 2010, 18:50

Neue Eigenkapitalregeln können später kommen, dürfen aber nicht milder werden

Seit Ausbruch der großen Finanzkrise standen Regierungen und Aufsichtsbehörden in aller Welt vor einem Dilemma: Wie kann man die Banken an eine kürzere Leine nehmen und zukünftige Krisen vermeiden, ohne die Kreditvergabe und damit das Wirtschaftswachstum abzuwürgen?

Die Hauptlast haben dabei die Notenbanken zu tragen, die im Baseler Ausschuss die weltweiten Auflagen für Kreditinstitute beschließen. Denn der beste Weg, um Banken vor einem Kollaps zu schützen, der sie wieder von Staatshilfe abhängig macht, ist es, sie zur Bildung ausreichender Reserven zu zwingen.
Seit Jahrzehnten wird bereits an entsprechenden Vorschriften für das Eigenkapital der Banken gefeilt, die in aller Welt gleich sein sollten, um Wettbewerbsverzerrungen zwischen den großen Finanzplätzen zu vermeiden. Nachdem sich das „Basel II"-Regelwerk in der Krise als mangelhaft erwiesen hat, soll „Basel III" die Finanzwelt endlich krisenresistent machen.

Die Arbeit in Basel wird durch heftige Lobbytätigkeit der Banken erschwert. Diese wehren sich gegen allzu strenge Auflagen, die ihre Gewinne schmälern könnten, und warnten nach Veröffentlichung der ersten Basel-III-Pläne vor massivem Schaden für die Wirtschaft.
Dazu kommt das Tauziehen zwischen Staaten, deren Banken sich aus historischen Gründen unterschiedlich finanzieren - und deshalb von manchen Detailvorschriften besonders hart getroffen werden. Aber je mehr in Basel auf all die Bedenken Rücksicht genommen wird, desto weniger effektiv wird der Krisenschutz.

Die Teil-Einigung vom Montagabend ist sicherlich keine volle Kapitulation vor der Bankenlobby. Die Notenbanken sind der Industrie vor allem beim Zeitplan entgegengekommen und haben die Einführung vieler neuer Auflagen verschoben. Das schadet nicht, denn mit einer Rückkehr des „irrationalen Überschwangs" (Ex-Fed-Chef Alan Greenspan) ist in den kommenden Jahren noch nicht zu rechnen. Und wenn den Banken mehr Zeit gegeben wird, um ihre Kapitalpolster aufzufüllen, dann können sie in der Zwischenzeit zur Belebung der Konjunktur beitragen.
Es mag auch sinnvoll sein, neue, innovative Regeln für die Verschuldung und Liquiditätshaltung erst einmal in der Praxis auf Tauglichkeit zu überprüfen. Die einst hoch gelobte Risikogewichtung der Bankkredite unter Basel II hat etwa desaströse Folgen gehabt, mit denen anfangs niemand gerechnet hat. Basel III wird nicht auf einen Schlag eingeführt, sondern erst nach und nach entstehen. Das konterkariert nicht seinen Zweck.

Aber da die wichtigsten Entscheidungen über zukünftige Mindesteigenkapitalquoten auf September verschoben wurden, bleibt die Gefahr bestehen, dass die Banken mit ihrer Panikmache doch noch Erfolg haben und die Regeln im Interesse der Konjunkturankurbelung verwässert werden. Und so manche Regierungen könnten dies zulassen, weil sie dann bei den Bankenabgaben umso kräftiger zugreifen können.

Dies wäre ein ganz schlechter Deal. Die wichtigste Lehre aus der Krise müsste sein, dass die Kapitalausstattung der Banken langfristig der entscheidende Faktor für Wachstum und Wohlstand ist. Man kann ruhig einige Jahre warten, aber früher oder später müssen die Banken in ein engeres Korsett als bisher geschnürt werden. Je lauter die Banker am Ende jubeln, desto besorgter sollten alle anderen sein. (Eric Frey, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.7.2010)

 

Kommentar posten
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Linus Tintifax
00
28.7.2010, 15:18
drum hütet euch vor banken

frey versucht sich wieder in der aufklärung geistiger nachtlichter. bewundernswert diese hartnäckigkeit.

also dann ...
00
28.7.2010, 14:56
machen wir ein prakt. beispiel anhand der deutschen bank (DB) : sie hat bloss 17,5 % d. bilanzsumme als "risiko-aktiva"...klassifiziert ( ? ), den rest hält sie wohl nur zum S P A S S,

natürlich auch o h n e gewinnabsichten ...
- die bil.summe betrug (1. qu.)
1670 Mrd. Euro, die Tier-1-Kapitalquote 11,2 %.

Ziemlich s o l i d e, sollte man meinen...
allerdings betrug es nicht 187 Mrd. Euro, sondern bloß 32,8 Mrd. Euro (ohne Hybridinstrumente sogar nur 21,9 Mrd. Euro)
= 1,3 % der Bilanzsumme.
die DB gab auch keine ziffern zu ihren staatsanleihen an.

Im Euroraum
- stieg die Bankbilanz-summe (1999-2009)
v.14.708 mrd auf 32.708 (+ 222% !).
... tier 1 = 1939 mrd (5,9 %).
... das euro-bip = 9.000 mrd.
d.h.
die bankbil.summe = 363 % d. euro-BIP !

EU27.
das BIP stieg v. ca. 10.000 auf 12.700 mrd
= ein zuwachs von nur 27 %.
d.h.
die bil.summe stieg 10x so schnell wie d. BIP !!!

quelle : FTD.DE.

tucker maxxx
02
28.7.2010, 14:37
Hütet euch vor jubelnden Banken

das "jubelnden" kann man getrost weglassen

hotibaer
00
28.7.2010, 13:13

Die Überschrift ist nicht ganz richtig. Sollte heissen:

"Hütet euch vor Banken"

HagenvonTronje
00
28.7.2010, 12:34
staatliches Geldmonopol abschaffen

ist der einzige wesentliche Schritt; oder zumindest das Geld an reale Werte (Gold) koppeln, um die Inflationierung und damit verbunden das künstliche Hochhalten der Aktienkurse zu unterbinden. Aber das interessiert niemanden, weil der Staat dann nicht versteckt (eben über Inflation) besteuern kann. Dann lieber Spekulanten und anderen Schmähwörtern die Schuld in die Schuhe schieben, als das System seit dem Ende von Bretton Woods (und davor) in Frage zu stellen, das für den Mist verantwortlich ist.

HagenvonTronje
00
28.7.2010, 13:42
lernen Sie Geschichte

und sie werden merken, dass goldgedeckte Währungen oder Gold selbst stets die sicherste Zahlungsform waren.
Oder sehen sie in den Papierfetzen, auf denen Zahlen stehen, Werte? Nein, das ist staatlich verordnetes Klopapier das für sich genommen keinen Wert darstellt.
Genau hier liegt das Problem.

Mork vom Ork
01
28.7.2010, 13:56

Stimmt - Die alten volkswirtschaften die nur auf goldgedeckten Währungen basierten hatten ja nie wirtschaftskrisen ..

mann, mann, mann

Die wirtschaftskrise gibts schon so lange wie die menschliche zivilisation.

HagenvonTronje
00
30.7.2010, 13:29
Krise ist nicht Krise

was früher als Krise firmiert hat würde man heute nicht einmal merken

kalinka karechta
00
28.7.2010, 12:45

Wieso glauben Sie, dass Gold ein realer Wert ist?

Der große Mann
40
28.7.2010, 11:29

Viel wichtiger als Regeln für die Banken sind Regeln für die Kleinen Leute. Immerhin waren es die kleinen Häuslkäufer in den USA (typisches SPÖ-Klientel), die durch Nichtbezahlen der Kreditraten die Finanzkrise verursacht haben!

Diese gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit der Linken ist so entsetzlich!

hotibaer
00
28.7.2010, 16:16

Ist das ironisch gemeint?

Wenn ja ++++
Wen nein. OMG

lobo marunga
00
28.7.2010, 16:40

don´t feed the troll!!!

Happels Erben
00
28.7.2010, 11:25
Wär nicht eine Lösung

das die Staaten selbst Banken eröffnen? Oder warum übernehmen diese Aufgaben nicht die Landesbanken die es zum. in Österreich und Deutschland gibt? Mit den klassischen Kernaufgaben Geld zu sparen und zu verleihen. Und mit vielleicht etwas günstigeren Konditionen als die privaten Banken. Und diese Banken müßten sich dann auch nicht auf die abenteuerlichen Geschäfte der Privatbanken einlassen, da Sie ja quasi nur eine Servicefunktion haben, ähnlich wie die Post.

Aber das wird deshalb nicht geschehen weil die Privatbanken laut aufschreien würden wenn Sie an Kundschaft verlieren.

Mork vom Ork
00
28.7.2010, 14:02

Stimmt ... die deutschen und österreichischen Staatsbanken (oder zumindest politischen Banken) waren ja die "braven" in der gesamten geschichte ...

Hypo AA, Düsseldorfer WestLB, die Hamburger HSH Nordbank, Stuttgarter LBBW, BayernLB, ...

Dreistein
 
00
28.7.2010, 12:35

Keine gute Idee, denn gerade die Landesbanken haben - in gutem Glauben, den Staat als Ausfallsbürgen hinter sich zu haben - die gröbsten Fehler gemacht. Denken Sie an die Real Estate oder die bayrische Landeshypo oder an unsere Hypo Alpe Adria, der Haus und Spielbank der blauorangen Hundstruppe.

kalinka karechta
00
28.7.2010, 12:20

Richtig! Da könnte man dann auch gleich Vorstandsjobs für ausgediente Politiker wie zb Gorbach schaffen. Und die Erfolgsgeschichte staatlicher Unternehmen (Vöst, BAWAG,...) fortschreiben.

Manche lernen scheinbar nie dazu...

kalinka karechta
20
28.7.2010, 10:01
Man darf den Banken KEINE Regeln auferlegen

Nur so können sie effizient ihre Aufgaben verrichten.

ignazius rummsfeld
00
28.7.2010, 14:16
Das haben Sie

schön und differenziert dargelegt!

kalinka karechta
00
28.7.2010, 17:32

Danke. Ich habe auch lange nachgedacht, wie ich das jetzt am besten formuliere. Aber Ihr Lob zeigt mir, dass sich die Mühe gelohnt hat.

gilbmilb
 
01
28.7.2010, 11:11
Darüber hinaus sollte man sich vor den Erdrändern hüten,

denn wenn man von den Kanten der Scheibe runterfällt, landet man in der Hölle.

Toni Meister
00
28.7.2010, 07:55
Prof. Dr. Malik: Ein Insider spricht Klartext auch über Banken

http://www.handelsblatt.com/finanzen/... ;2431526;0

Prof. Dr. Fredmund F. Malik gilt als Experte für Management und Unternehmensführung. Er lehrt als Professor an der Universität St. Gallen. Daneben hat sich der 65-Jährige als Berater und selbstständiger Unternehmer einen Namen gemacht. Er ist seit 1984 Chef des von ihm gegründeten Malik Management Zentrums St. Gallen mit derzeit rund 300 Mitarbeitern. Malik stammt aus Lustenau in Österreich.

also dann ...
10
28.7.2010, 14:34
naja ... wie sagt man : neuer wein ... in alten schläuchen.

malik (ich kenne seine bücher, die sind o.k.)
ist ein berater, d.h.
"eunuch - die wissen wie man es macht..."
es aber selbst nie g e t a n ... haben.

ich erinnere mich an seine masslose überheblichkeit als aufichtsrat der ÖBB.
er sei der einzige
(weil er, angeblich, etwas von kybernetik verstünde...) der diesen konzern durchschaue,
gleichwohl er weder die spekulation in die "toxischen papierln" ... verhinderte, noch seine organisationskasteln (neuorganisation der AG`s)
wirklich - von der umsetzung - überzeugen konnten.

um wirtschaft zu "verstehen"...
brauchts keine guru`s - noch weniger die sog. wi-forscher, die (ausser die bekannten ausnahmen)
die krise "völlig überraschte" ...

Toni Meister
00
28.7.2010, 15:43
Faktenlage

1. http://derstandard.at/127137661... im-Dunkeln

Der ÖBB-Aufsichtsrat wurde erst zwei Jahre nach Abschluss der " Spekulationen " mit der DB informiert, über Abfindungen für den verantwortlichen Vorstand gar nicht.Was soll da Malik verhindern können ?.

2. Überheblich war m.E. ein anderer,
Malik konkret :
http://www.ots.at/presseaus... ard-schenz

also dann ...
00
29.7.2010, 04:28
sind sie ein fan ...von malik ? sie sehen hier durch die "rosarote brille"...

so to say :

ad 1. zitat : ..."nicht vollumfänglich informiert wurden"...
jeder ordentl. kaufmann der die h a k ...absolviert hat, würde bei einem deal über ca. 700 mio UMFASSEND nachfragen - insbes. wenn er dem aufsichtsrat angehört - oder ?

ad. 2. ... sagte ich ja - arrogant und überheblich.
dies zeigt alleine sein kommentar zum punkt
11. Abschliessend: Ich bringe Ihnen zur Kenntnis, dass ...es bei dem immer wieder (auch von Ihnen)
erwähnten Auftrag - nicht an mich - sondern an unser Tochterunternehmen ( ? ) in Wien, nicht um "Millionen(!)" geht,
sondern um einen Rahmenvertrag über maximal(!) 1 (eine) Million, . . .

offen bleibt die frage :
w a s ... hat die neu-organisation der ÖBB gebracht ?

Schwarz Grün
10
28.7.2010, 09:10
und wo in seinem lebenslauf finden sie einen halbsatz,

der darauf hindeutet das malik ein insider in bezug auf banken ist ....

.... ich kenn ihn nur als jemanden, der mit viel getöse banalitäten von sich gibt - ein berater halt.

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