Sanktionen gegen Iran

Europäischer Bremsblock für Iran-Geschäfte

András Szigetvari, 27. Juli 2010 18:36

Fachverbände rätseln, wer wirklich von den Sanktionen betroffen ist. Der Zahlungsverkehr wird empfindlich erschwert

Wien - Ein Fonds auf den Cayman Islands, der für die Regierung in Teheran an der Börse investiert. Eine venezuelanische Bank in Caracas, die iranische Exporte fördert. Eine Postkastenfirma der Mullahs in Eriwan, Armenien: Die Liste mit den iranischen Unternehmen, die die EU künftig mit Sanktionen belegen wird, liest sich über weite Strecken wie ein spannender Agententhriller.

In dem am Montag beschlossenen Papier finden sich vier Einzelpersonen, die dem Regime nahe stehen und mehr als 30 Unternehmen, darunter iranische Redereien, Banken und ein Textilunternehmer, mit denen Europäer künftig keine Geschäfte machen dürfen.

Doch wer seinen Partner nicht auf der Liste findet, muss weiter abwarten: Denn Fachverbände und Unternehmen wissen noch nicht, wen die Iran-Sanktionen wirklich treffen.

Denn die EU-Außenminister haben am Montag nur die grobe Richtung vorgelegt, die konkrete Umsetzung der Sanktionen in Produktlisten muss erst in den kommenden Wochen in Brüssel ausgearbeitet werden. Wie so oft liegt der springende Punkt im Detail.

Energiesektor betroffen

Beispiel Energiesektor. Der schärfste Teil der neuen Maßnahmen betrifft nach Ansicht der meisten Beobachter ein generelles Verbot für Investments in den iranischen Erdöl- und Erdgassektor. Der Iran muss bereits jetzt Benzin importieren, weil dem Land die Raffineriekapazitäten fehlen. Doch die Formulierung im EU-Papier lässt fast alles offen: Dort steht, dass "der Verkauf, die Lieferung oder die Weitergabe von wesentlichen Ausrüstungen oder Technologien" im Bereich der Erdölproduktion und Raffinierung untersagt ist. "Wir wissen aber noch nicht was genau unter wesentlich zu verstehen ist", sagt Österreichs Handelsvertreter im Iran, Michael Friedl. Die entsprechende Liste mit den Details soll im September publiziert werden - erarbeitet wird sie in einer Fachgruppe der Außenminister.

Mit dem Iran sind derzeit rund 700 österreichische Unternehmen in Kontakt. Zuletzt wurden Waren im Wert von 320 Mio Euro in den Iran verkauft. Neben der Voestalpine und Andritz, zählt der Verpackungshersteller Mayr-Melnhof zu den größeren Investoren.

Von einem Ende ihrer Iran-Geschäftes wollte am Dienstag keiner der drei sprechen. Mayr-Melnhof hat eben erst den Probebetrieb in einem Verpackungswerk in Teheran gestartet und fühlt sich nicht betroffen. Die Voestalpine prüft derzeit eine mögliche Betroffenheit, denn sie belieferte nicht nur die Metro-Teheran, sondern verkauft auch Röhren für die iranische Ölindustrie.

Zahlungen genehmigen lassen

Eine weitere neue Bestimmung könnte aber alle Investoren treffen. Unternehmen müssen künftig Zahlungen aus dem Iran über 40.000 Euro genehmigen lassen. In Österreich soll die Nationalbank für die Genehmigungen zuständig sein. Dafür muss sie sich aber selbst Infos einholen, etwa von anderen Ministerien. Und das könnte dauern. Die Wirtschaftskammer befürchtet daher Zahlungsverzögerungen, was auch Unternehmen treffen könnte, die ansonsten völlig unbedenkliche Geschäfte im Iran tätigen.

Ebenfalls angehalten werden EU-Länder "Zurückhaltung" zu üben, wenn es um neue Ausfuhrgarantien und Kredite für Exporteure geht.

Die privaten Exportversicherer übernehmen allerdings bereits jetzte keine Geschäfte mit dem im Iran. Und die Österreichische Kontrollbank (OeKB), die Versicherungen im Auftrag des Bundes durchführt, will die neuen Bestimmungen nur so verstanden wissen, dass sie niemanden ermuntern wird, im Iran zu investieren. Die OeKB hat 2009 Haftungszusagen für den Iran in Höhe von 80 Millionen Euro übernommen. (András Szigetvari, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.7.2010)

Peter_23
28.07.2010 15:17
Tja, die USA befiehlt Europa die Iran-Sanktionen. Und Europa tut willfährig mit

Statt dessen könnte Europa auch einen eigenständigen Weg gehen: Europa liefert Technik und Know-How für den Energiesektor (Erdölwirtschaft) in den Iran. Als Gegenleistung bekommt Europa, in Euro abgerechnet, Öl und Erdgas aus dem Iran zu entsprechenden Konditionen.

Andere Erdölländer könnten folgen und auch ihre Abrechnung von Dollar auf Euro oder andere Währungen wie Yen oder die chinesische Währung umstellen. Für die USA, genauer für den US-$, wäre dass dann der Todesstoss.

Schade dass sich Europa da gegenüber den USA nicht mehr empanzipiert. Die USA sollen die eigene, versalzene Suppe doch selber auslöffeln.

ewi45
29.07.2010 07:09
geschäfte, konditionen?

hr.peter_23! was dann, wenn ein todesstoß mittels einer atombombe vom iran kommt?

Peter_23
29.07.2010 10:52
Warum sollte der kommen?

Ehrlich gesagt, da hätte ich mittelfristig vor einem US-Angriff mehr Angst. Nämlich dann, wenn die US-Wirtschaft weiter talwärts geht und dort breite Bevölkerungsschichten beginnen verstärkt auszurasten.

Alles was den US-Dollar anzweifelt ist defakto eine Kriegserklärung an die US. Beispielsweise die Ankündigung einiger erdölexportierender Länder nicht nur in US-$ (oder gar nicht mehr in US-$) zu verrechnen ist klarer Grund, dass die USA einen Angriffskrieg gegen jene Länder führt.

Ein paar Wirrköpfe gibt es überall. Das ist nicht der Punkt. Wenn man aber Menschen derart reizt und erpresst, darf man sich über den entstehenden Terror als (nicht sehr konstruktive) Antwort auch nicht weiter wundern.

ewi45
29.07.2010 20:53
hr.peter_23

immerhin gab es vom iran atombombendrohungen!
an israel und europa!
im iran werden christen und andere glaubensbekenntnisse die dem islam nicht entsprechen verfolgt und getötet!
das iranische regime ist brutal!
sanktionen sind angebracht!

der müde Joe...
28.07.2010 06:18
diese illegalen Redereien,

waren mir auch schon ein Dorn im Auge...

a b1
27.07.2010 21:22
Vorschriften?

Seit wann kann uns die EU vorschreiben, wen wir zu boykottieren haben?

Peter_23
28.07.2010 15:18
Nicht die EU

Defakto schreibt es uns die USA vor.

farsad kambiz
27.07.2010 21:44
wow ... albert einstein in person... wow...

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