Choreografien aus zwei Welten: Keith Hennessy und DD Dorvillier bei Impulstanz
Wien - Zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Tanz liegen seit zwei Jahrzehnten Welten. Und das, obwohl der letztere dem ersteren seine ästhetischen Existenzgrundlagen verdankt. Wo es heute in der Choreografie aus den USA hakt, zeigten Keith Hennessy und DD Dorvillier nun bei Impulstanz.
Hennessy (51) bemühte sich in seinem Solo Crotch um eine ironische Aufarbeitung von Referenzgebäuden zwischen, grob dargestellt, Platon und Judith Butler mit Elementen der Popkultur und politisch-kritischem Input. Auch Joseph Beuys bekam sein Fett weg, Wes Cravens Scream geisterte über die Bühne, und ein Stoffhaserl musste gepeitscht werden.
Dabei verhinderte ein hoffnungslos überfrachtetes Konzept jede schlüssige Dramaturgie, das Stück blieb trotz seines angekündigten Radikalismus ziemlich handzahm.
Einem Vergleich mit Arbeiten, die DD Dorvillier bei früheren Ausgaben von Impulstanz gezeigt hat, hielt ihr nun präsentiertes Doppel-Duett RMW(a) & RMW mit Jennifer Monson nicht stand. Wie Hennessy geht Dorvillier von einem politischen Aktivismus aus, dessen Botschaften sich jedoch auf der Bühne in Pseudoaktionen verlieren. Seit einem Vierteljahrhundert leidet der unterfinanzierte amerikanische Tanz an den Folgen einer künstlerischen Stagnation. Wie aber beispielsweise Jennifer Lacey, DD Dorvillier bei anderen Gelegenheiten, Ann Liv Young und Miguel Gutierrez nachweisen, könnte dieser Stillstand bald vorbei sein. Und ein seit Langem in Europa arbeitender Amerikaner, Jeremy Xido von Cabula6, zeigt nun in seiner Lecture Performance The Angola Project, dass allein aus der mündlichen Erzählung mit Bild- und Videounterstützung eine aufregende Choreografie entstehen kann.
Partizipation und Gewinn
Noch einen Schritt weiter geht die junge belgische Künstlerin Sara Vanhee. Sie zeigt, wie ein offener Umgang mit performativen Mitteln der Gegenwartschoreografie neue künstlerische Möglichkeiten eröffnet. Unter dem Titel Great Public Sale of Unrealized but Brilliant Ideas versteigerte sie mit Hilfe der Direktorin von Sotheby's Austria, Andrea Jungmann, und Ex-Standard-Kulturchef Claus Philipp als Schätzmeister künstlerische Ideen von Franz West und den Choreografen Michikazu Matsune oder Alix Eynaudi.
So wurden Fragen von Autoren- und Eigentümerschaft, Kunstgenuss und Gefühlen des Ersteigerns und Kaufens aufgeworfen und im Rahmen eines Spiels mit dem Publikum als partizipative Choreografie erlebbar gemacht. (Helmut Ploebst/DER STANDARD, Printausgabe, 28. 7. 2010)