Causa Hypo Kärnten

Ominöse Hypo-Verbindungen

Renate Graber, 27. Juli 2010, 18:04

Liechtenstein und Vladimir Zago­rec spielen eine Schlüsselrolle, Geschäftspartner tauchen am Rande der Schießerei in der Wiener City auf

Wien - Die Vorwürfe in der Causa Kärntner Hypo Alpe Adria werden immer schwerwiegender, die Beschuldigten rund um die Ex-Bankchefs Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger, aber auch Ex-Kunde Vladimir Zagorec wehren sich entsprechend heftig. Wie berichtet geht die Justiz nach einer entsprechenden Anzeige nun dem Verdacht nach, die Involvierten hätten eine kriminelle Vereinigung gebildet. Kulterer, der die konkrete Anzeige nicht kennt, in der es um Kreditfinanzierungen für Ex-General Zagorec geht, lässt über seinenAnwalt, Ferdinand Lanker, ausrichten, er habe sichbei der Thematik "nichts zu schulden kommen lassen", überhaupt "werden sich die Vorwürfe sicherlich als haltlos herausstellen", ähnlich drückt es Striedinger aus.

Der kroatische Ex-Verteidigungsminister Zagorec wieder, der hohe Finanzierungen über ein dichtes Netz von Anstalten, Gesellschaften, Stiftungen und die Hypo Liechtenstein laufen ließ, spielt den Ball an die Banker weiter. Er habe sich auf die "Expertise der qualifizierten Mitarbeiter" der Hypo und deren Sachverständigen sowie auf "externe, renommierte Beraterfirmen wie die KPMG" (Ex-KPMG-Chef Gottwald Kranebitter ist heute Hypo-Chef; Anm.) verlassen können, erklärt seine Anwältin, Elisabeth Rech. Auf den Entscheidungsprozess in der Bank habe Zagorec keinen Einfluss, in ihre Entscheidungsstrukturen keinen Einblick gehabt.

Das Einblickproblem besteht auf beiden Seiten; in Liechtenstein tappen die Ermittler im Dunkel. Die dortige Justiz führt Ermittlungen gegen Zagorec und Gerold Hoop, einen Anwalt, der in vielen Zagorec-nahen Gesellschaften aktiv war. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Hypo-Tochter inLiechtenstein wird derzeit liquidiert; einer der Ex-Bankchefs, die 2008 abgefertigt wurden, ist immer noch gut bezahlter Konsulent. Die Conazo AG der Ex-Banker war dem Vernehmen nach auch früher schon in diverse Geschäfte rund um die Hypo, zum Beispiel mit deutschen Grundpfandbriefen, involviert.

Mord in Wiener City

Eine der Kernfragen, deren Lösung sich in Liechtenstein finden ließe:Die Kapitalerhöhung für die Hypo Leasing von 2004, an der letztlich Stiftungen von Hypo-Alpe-Adria-nahen Bekannten verdient haben. Sie waren zunächst von der HypoLiechtenstein mit Krediten finanziert worden; später wurde umgeschuldet. Aufgeflogen ist das alles nur dank einer Geldwäsche-Verdachtsmeldung der Bank Austria im Jahr 2007: Über sie hatten einige der involviertenStiftungen ihre Kredite rückgeführt.

Der derzeitige Stand der Dinge: Die österreichische Justiz hat in ihrenVerfahren gegen Striedinger, Zagorec und andere, die infragwürdige Grundstücksdeals und die Kapitalerhöhung verwickelt waren, Rechtshilfeersuchen an Liechtenstein gerichtet.

Feine Verbindungen zu Zagorec finden sich imFirmenbuch auch in anderen aktuellen Causen wieder. Die Schießerei von vorigemDonnerstag, in der ein 70jähriger Iraner einen Mann erschossen und zwei Männer schwer verletzt hat, fanden in den Büros der Cerag AG in der Wiener City statt.

Ein Verletzter, Jamal P., ist Aktionär undChef der Cerag Holding, der zu 90 Prozent die Cerag FinancialServices GmbH gehört; Jamal P. ist einer ihrer Chefs. Zweiter Geschäftsführer und Fünf-Prozent-Eigner ist Peter Illetschko. Er ist zu 33,3 Prozent an der Wiener Projektgesellschaft Einsiedlerplatz 4 beteiligt, 16,7 Prozent hält Gerald Hoop, 50 Prozent die US-Gesellschaft Spectra Management. Bis 2008 war Illetschko Geschäftsführer diverser Zagorec-naher Gesellschaften wie Börseplatz 1 oder Aktor Immobilienverwertung oder ProLoft. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.7.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
Auguste Bußmann
02
28.7.2010, 13:59
schüsseln haben kurze beine

blauschwarz war auch finanziell ein abbrenner

Deus Ex Coquina
02
28.7.2010, 12:28

Supasauba!

monoton
02
28.7.2010, 12:27

jaja die feinen effen und ihre geschäftspraktiken und geschäftspartner.

in diesem Milieu fühlen sich unsere braunen am wohlsten

Mostbluzza
01
28.7.2010, 16:46
tja nicht nur,

am fettnapf tummeln sich immer alle.

Philipp Gudenus
 
00
28.7.2010, 09:35
Liechenstein, nicht der Staat, nicht jemand dies Namens

sondern de HYPO-L... scheint dem Txte nach involviert zu sein. Präcision im Texte bitte!

Cuchullain
00
28.7.2010, 09:29
Kann mir jemand Kundiger (muss nicht intern von Hypo sein) ...

... verraten, inwieweit ein/der Leiter der EDV in der Hypo von den ganzen Malversationen gewusst haben könnte?

Cuchullain
00
29.7.2010, 07:45
Danke an alle post-kollegen für die interessanten Antworten:

... unsere staatsnahe Firma hat nämlich vor kurzer Zeit ebendiese Person aufgenommen/auf's Auge gedrückt bekommen.

Para Dox
00
28.7.2010, 13:01

Wenn er nicht eingeweiht wurde und es in der Hypo keine Gerüche gab, wird er mit ziemlicher Sicherheit nichts gewusst haben. Da müsste jemand schon sehr, sehr, sehr gezielt und lange suchen. "Glück" kann man natürlich immer haben.

Derzeit arbeiten mehrere Staatsanwälte und Ermittler an der Analyse des Materials (die haben auch überall Zugang). Um alles aufzudecken hätte ein IT MA den Arbeitsaufwand im Alleingang bewältigen müssen.

system1
00
28.7.2010, 10:08
muss nicht intern von Hypo sein...

wohl ein scherz! der punkt ist dass die nämlich niemanden kundigen (egal in welcher hinsicht) dort haben!

Dirty Sanchez
 
01
28.7.2010, 09:34
Gar nicht. Es sei denn, er hätte gezielt gesucht.

Wer auf jeden Fall alles gewußt hat, ist der Verantwortliche der Buchhaltung. Bei der Buchhaltung laufen alle Fäden zusammen, nicht bei der EDV.

GRohnePunkte
00
28.7.2010, 11:29
Und was verwendet die Buchhaltung?

Die EDV!

In der Buchhaltung laufen die wirtschaftlichen Fäden zusammen, aber in der EDV sehe ich dann alle Buchungen und alle Daten (Protokolle, den privaten und geschäftlichen Schriftverkehr der Vorstände, die emails, etc.) wenn ich mir den Zugang dazu denn verschaffen wollte.

Para Dox
01
28.7.2010, 12:56

ja, prinzipiell könnten sehr wichtige Leute in der EDV; aber welcher EDV Mensch fängt an die Daten zu analysieren. Buchungen mit archivierten Dokumenten querzuchecken, etc.

Dirty Sanchez
 
00
28.7.2010, 12:31
Wenn Sie in der EDV alles sehen, haben Sie ein Sicherheitsproblem.

Der EDV-Verantwortliche darf nur sehen, was für seine Arbeit relevant ist. Alles andere müßte er gezielt suchen und finden (nebstbei bemerkt, unser EDV-Guru kennt NICHT die Paßwörter der Buchhaltung und hat keinen Zugang zu den Akten derselben. Außerdem rennt eben NICHT alles über die EDV, aber alles über die Buchhaltung, wenn Sie verstehen, was ich meine ;-) )

GRohnePunkte
00
28.7.2010, 13:15
Ja, sicher, keine Passworte, LOL

Also es kommt natürlich darauf an ob jemand Chefprogrammierer ist oder in der Systemanalyse tätig ist oder ob er nur Aushilfsarbeiten macht. Es gibt wohl kein System ohne fix programmiertes Masterpasswort. Abegsehen davon geht jemand der sich mit den Daten und dem Programmiercode auskennt nicht über die Buchhaltungsschnittstelle in die Buchhaltungsdaten, sondern der geht direkt auf Betriebssystemebene auf die Files zu. Oder er holt sich die Files aus den Backups für die er verantwortlich ist. Anderenfalls wäre es unmöglich Schäden an Dateibeständen überhaupt jemals wieder zu beheben. Wenn ich dann noch weiss wie die einzelnen Daten verknüpft und eventuell verschlüsselt sind, ist das Ganze dann eine Sache von 5 Minuten.

Dirty Sanchez
 
00
28.7.2010, 13:24
Okay, angenommen, Sie haben Zugang zur EDV der Buchhaltung.

Und dann? Ohne dazugehörige Belege, Notizen udgl. (und die sind in der Regel NICHT im netzwerk drinnen), was wollen Sie dann sehen, vor allem als Informatiker? Da sehen Sie Zahlen. Zahlen, die sich Ihnen nicht von selbst erklären. Stellen Sie sich das vor wie wenn amn Ihnen den Stein von Rosette vorlegt und Sie keine der drei Schriften darauf entziffern können. Vor allem aber stellen Sie sich vor, daß da nur ein Teil des Steins von Rosette vor Ihnen liegt. Denn solche Malversationen laufen niemals nur über eine Firma. Mehrere Firmen-> mehrere EDV-Systeme. Also nochmals: Als EDV-Guru können Sie da genau nichts erkennen, es sei denn, Sie sind zusätzlich auch Bilanzbuchhalter und Jurist.

GRohnePunkte
00
28.7.2010, 13:29
Warum muss man es denn alleine machen?

"es sei denn, Sie sind zusätzlich auch Bilanzbuchhalter und Jurist."

Man teilt sich die Arbeit natürlich. Der Eine macht was er kann, der zweite was er kann, und am Ende hat man alles beisammen. Es kommt immer darauf an, welche Interessen dahinter stehen. Das können politische oder aber auch rein finanzielle Interessen sein, oder auch beides.

Dirty Sanchez
 
00
28.7.2010, 14:02
Ursprüngliche Frage:

... inwieweit ein/der Leiter der EDV in der Hypo von den ganzen Malversationen gewusst haben könnte?...

Genau deshalb müßte es einer alleine machen.

;-)

standardantwort
00
28.7.2010, 11:39

Genau, aber hier setzt der "Filter", sprich Bankgeheimnis, ein: Für manche Jahre, die man nicht preisgeben will, also insbesondere die Berlin Jahre 2007 bis 2009 (aber auch die Zeit unter Leitung Grigg/Kulterer), gibt es den Stempel "Bankgeheimnis" seitens des Chefanzeigers, der ja gleichzeitig die Bankinteressen vertritt. Einfach alles öffnen und dann würde man Meilenschritte weiterkommen!

Thomas Bayer
11
28.7.2010, 09:01
Auch Gusenbauer ist involviert

ab Herbst 2009 als Berater. An der Pleite ist er natürlich nicht Schuld.
http://www.sueddeutsche.de/geld/hypo... n-1.980630

gibts nicht - gibts nicht
00
28.7.2010, 09:47
auch gelesen oder nur gepostet?

:-)

Thomas Bayer
00
28.7.2010, 09:57
Schon gelesen

er ist auch nicht Schuld.

Interessant finde ich aber die Tatsache, dass gerade in der Süddeutschen sonst fast nichts über die Hypo berichtet wird. Die meisten Infos finde ich im Standard.

Herzerld
01
28.7.2010, 08:50
wolen wir doch mal hoffen,

dass der erwähnte Peter Illetschko nur eine Namensgleichheit mit einem ehemaligen Standard-Journalisten hat. Wäre es anders, könnte man den Eindruck der Parteilichkeit des Standard bekommen und das wäre doch unverzeihlich...

Hotzenplotz007
03
28.7.2010, 08:42
seid der wende

ist österreich wirklich moralisch unter jeder s.

§83SPG
91
28.7.2010, 09:29

Klar seit der WENDE – Österreich moralisch am Ende.
Alles Schlechte (Wetter, Klimawandel, Ölpest, erektile Dysfunktion ua.) ist direkt auf die WENDE zurück zu führen, die ja eine der größten Katastrophen in der Menschheitsgeschichte darstellt.
Zuvor gab es in Österreich keine Probleme und schon gar keine moralische Verworfenheit in der Politik.
Angebliche Skandale wie Lucona, Noricum, AKH, Konsum, Bawag, und gerichtliche Verurteilungen von Politikern wie Karl Blecha, Leopold Gratz, Hannes Androsch u.a. zählen nicht, weil die waren ja vor der WENDE, also zu einer Zeit, wo einfach alles besser war.

robert king
04
28.7.2010, 10:12
vor der wende

gab es wenigstens noch gerichtliche verurteilungen involvierter politiker

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.