Liechtenstein und Vladimir Zagorec spielen eine Schlüsselrolle, Geschäftspartner tauchen am Rande der Schießerei in der Wiener City auf
Wien - Die Vorwürfe in der Causa Kärntner Hypo Alpe Adria werden immer schwerwiegender, die Beschuldigten rund um die Ex-Bankchefs Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger, aber auch Ex-Kunde Vladimir Zagorec wehren sich entsprechend heftig. Wie berichtet geht die Justiz nach einer entsprechenden Anzeige nun dem Verdacht nach, die Involvierten hätten eine kriminelle Vereinigung gebildet. Kulterer, der die konkrete Anzeige nicht kennt, in der es um Kreditfinanzierungen für Ex-General Zagorec geht, lässt über seinenAnwalt, Ferdinand Lanker, ausrichten, er habe sichbei der Thematik "nichts zu schulden kommen lassen", überhaupt "werden sich die Vorwürfe sicherlich als haltlos herausstellen", ähnlich drückt es Striedinger aus.
Der kroatische Ex-Verteidigungsminister Zagorec wieder, der hohe Finanzierungen über ein dichtes Netz von Anstalten, Gesellschaften, Stiftungen und die Hypo Liechtenstein laufen ließ, spielt den Ball an die Banker weiter. Er habe sich auf die "Expertise der qualifizierten Mitarbeiter" der Hypo und deren Sachverständigen sowie auf "externe, renommierte Beraterfirmen wie die KPMG" (Ex-KPMG-Chef Gottwald Kranebitter ist heute Hypo-Chef; Anm.) verlassen können, erklärt seine Anwältin, Elisabeth Rech. Auf den Entscheidungsprozess in der Bank habe Zagorec keinen Einfluss, in ihre Entscheidungsstrukturen keinen Einblick gehabt.
Das Einblickproblem besteht auf beiden Seiten; in Liechtenstein tappen die Ermittler im Dunkel. Die dortige Justiz führt Ermittlungen gegen Zagorec und Gerold Hoop, einen Anwalt, der in vielen Zagorec-nahen Gesellschaften aktiv war. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Hypo-Tochter inLiechtenstein wird derzeit liquidiert; einer der Ex-Bankchefs, die 2008 abgefertigt wurden, ist immer noch gut bezahlter Konsulent. Die Conazo AG der Ex-Banker war dem Vernehmen nach auch früher schon in diverse Geschäfte rund um die Hypo, zum Beispiel mit deutschen Grundpfandbriefen, involviert.
Mord in Wiener City
Eine der Kernfragen, deren Lösung sich in Liechtenstein finden ließe:Die Kapitalerhöhung für die Hypo Leasing von 2004, an der letztlich Stiftungen von Hypo-Alpe-Adria-nahen Bekannten verdient haben. Sie waren zunächst von der HypoLiechtenstein mit Krediten finanziert worden; später wurde umgeschuldet. Aufgeflogen ist das alles nur dank einer Geldwäsche-Verdachtsmeldung der Bank Austria im Jahr 2007: Über sie hatten einige der involviertenStiftungen ihre Kredite rückgeführt.
Der derzeitige Stand der Dinge: Die österreichische Justiz hat in ihrenVerfahren gegen Striedinger, Zagorec und andere, die infragwürdige Grundstücksdeals und die Kapitalerhöhung verwickelt waren, Rechtshilfeersuchen an Liechtenstein gerichtet.
Feine Verbindungen zu Zagorec finden sich imFirmenbuch auch in anderen aktuellen Causen wieder. Die Schießerei von vorigemDonnerstag, in der ein 70jähriger Iraner einen Mann erschossen und zwei Männer schwer verletzt hat, fanden in den Büros der Cerag AG in der Wiener City statt.
Ein Verletzter, Jamal P., ist Aktionär undChef der Cerag Holding, der zu 90 Prozent die Cerag FinancialServices GmbH gehört; Jamal P. ist einer ihrer Chefs. Zweiter Geschäftsführer und Fünf-Prozent-Eigner ist Peter Illetschko. Er ist zu 33,3 Prozent an der Wiener Projektgesellschaft Einsiedlerplatz 4 beteiligt, 16,7 Prozent hält Gerald Hoop, 50 Prozent die US-Gesellschaft Spectra Management. Bis 2008 war Illetschko Geschäftsführer diverser Zagorec-naher Gesellschaften wie Börseplatz 1 oder Aktor Immobilienverwertung oder ProLoft. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.7.2010)