"Toy Story 3"

Wo Babypuppen Gefängniswärter sind

27. Juli 2010, 18:08
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    foto: pixar

    Ein nach Erdbeeren duftender Bär muss kein Vertrauensmann sein: Buzz Lightyear und seine Kumpels treffen in "Toy Story 3" in der Kinderkrippe auf ein Regiment des Schreckens. Ab Freitag im Kino.

Dem Pixar-Studio ist ein rundum beglückender Abschluss seiner Trilogie gelungen, in dem das Altern ins Zentrum rückt: Woody, Buzz und Co ergreifen Maßnahmen, um nicht auf dem Schrottplatz zu landen

Wien - Das Naserümpfen über die Sequel-Flut aus Hollywood hat natürlich jede Berechtigung. Im Fall von Toy Story 3 erzählt jedoch schon die Zeit, die man zwischen den Teilen verstreichen ließ, von einem konzentrierteren Zugriff auf das Material: Ganze 15 Jahre vergingen seit dem ersten Auftritt von Woody, Buzz Lightyear und Mr. Potato Head - und einem Film, mit dem die Erfolgswelle des digitalen Animationsfilms von Pixar begann. Nur darum, Gewinne rasch abzuschöpfen, ging es hier also nicht.

Der weiter zielende Zugang zeigt sich schon an der smarten Entscheidung der Autoren Andrew Stanton, Lee Unkrich (auch Regie) und Pixar-Boss John Lasseter, nun die Vergänglichkeit selbst zum Thema zu machen. Eine schwere Decke der Melancholie liegt über Toy Story 3, wenn der mittlerweile fast volljährige Andy zu Beginn sein Zimmer entleeren soll, weil er ins College wechselt und seine Spielzeugfreunde vor einer entscheidenden Weggabelung ihres Lebens stehen: Landen sie in der sicheren, aber langweiligen Pension Dachboden - oder brechen sie in das ungewisse Exil Kinderkrippe auf und geben damit ihren Besitzer endgültig auf?

Bei Pixar dürfte man ein gewisses Faible für alle jene Dinge unserer sogenannten Überflussgesellschaft haben, die irgendwann ihren eigentlichen Zweck verlieren. Schon der Müllroboter Wall-E leistete sich den Traum einer anderen, vor allem geselligeren Umgebung, was dem Film sein humanistisches Pathos verlieh. Die Dinge sind nun auch in Toy Story mehr, als sie objektiv erscheinen; sie sind eben nicht nur das, was ihnen ihre Designer an Fähigkeiten verleihen, sondern immer auch das, was wir in ihnen sehen. Das ist eigentlich purer Pop: Massenobjekte erscheinen als unverfälschte Individuen, die mit heiligem Ernst, emotionaler Verve und umwerfender Komik agieren.

Viel Liebe zum Detail

An Toy Story 3 mag man die Qualitäten von Pixar vielleicht auch deswegen so gut erkennen, weil hier kein origineller Rahmen mehr erzählerische Möglichkeiten generieren muss. Alles ist Liebe zum Detail. Eine Kinderkrippe genügt als zentraler Schauplatz, ein eisern kontrolliertes Territorium, in dem keineswegs nur herzige Kinderfreunde warten: Unter den Spielzeugen herrscht ein rigides Zweiklassensystem, und wer aufmuckt, landet hinter Gittern. Auf das Genre des Gefängnisausbruchfilms muss man in diesem Kontext erst einmal kommen - nicht nur beim Paul-Newman-Klassiker Cool Hand Luke hat man sich Ideen dafür abgeschaut.

Aber nicht solcher Zitate wegen ist der Film so betörend, sondern aufgrund der Fallhöhen, die er bereithält, im physischen wie psychologischen Sinn. So verbirgt sich hinter dem rosafarbenen, nach Erdbeeren duftenden Bär Lotso (im Original von Ned Beatty gesprochen) ein Bösewicht, dessen Vorgeschichte ein Trauma von epischen Ausmaßen offenbart. An seiner Seite steht Big Baby, eine Gefängniswärter-Babypuppe mit hängendem Lid - mit solchen Einfälle beweist Pixar seine ungebrochene Originalität.

Die manchmal schon arg düster-beklemmenden Atmosphären konterkariert der Film stets mit dem richtigen Gegengewicht - sei es verblüffender Dialogwitz, sei es 3D-beschleunigte Attraktion -, bis die haarsträubenden Fluchtmanöver auf einem Mistplatz ihren Höhepunkt finden. Das Ende liegt für die Spielzeughelden natürlich anderswo; und darin steckt die vielleicht ein wenig sentimentale, aber reichlich gerechte Ökonomie eines Films, in dem ein jeder das bekommt, was er verdient. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD, Printausgabe, 28. 7. 2010) 

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00
31.7.2010, 01:57

Seit 1982 habe ich im Kino keine Träne mehr geweint (E.T., ich war noch keine 10). Letzten Abend war es mal wieder soweit. Das Ende des Filmes hat mich in meine Kindheit zurückversetzt. Schnief.

Theo Dor
00
30.7.2010, 00:49
Schwere Empfehlung

Kann mich nicht erinnern, wann und ob ich schon mal einen Film im Kino war, an dessen Ende das Publikum in spontanen Applaus ausgebrochen ist.

Mein persönliches Highlight war der "spanish mode" von von Buzz!

Mit zu kleinen Kindern würde ich mir den Film allerdings nicht anschauen - hat ein ziemliches Alptraum-Potential...

Grammelknoedel
00
28.7.2010, 14:20

joe - die Kritik liest sich als waere der Film sehenswert. No, bald werde ich's wissen. Danke!

Nerlub
02
28.7.2010, 13:10

Und niemand erwähnt die vollkommene Fehlbesetzung von Michael "Bully" herbig als Woody? Eine schlimmere Synchronstimme wäre auch nur noch Verona Poth gewesen...

RebelAngel
 
00
28.7.2010, 16:19
hmm

ich pack Synchronstimmen generell immer weniger...

Beispiel: Iron Man 2 --> Samuel L Jackson mit dem selben Synchronsprecher wie Bill Cosby...wie passend!

coldturkey
00
28.7.2010, 14:09

Ich hab's ja noch nicht gesehen, aber den Hauptfiguren andere Synchronstimmen zu geben als in den beiden ersten Teilen find ich auf jeden Fall etwas problematisch. Meinem 7-jährigen Sohn ist das z.B. selbst beim Betrachten des kurzen Trailers sofort aufgefallen. Und das nur um halt auch bei der deutschen Fassung "prominente" Synchronstimmen vorweisen zu können? Und warum machen das in den USA "richtige" Schauspieler und bei uns halblustige Comedians oder sonstige "Promis", die sich auf diese Weise mal in's Filmgenre verirren?

Nerlub
02
28.7.2010, 14:27

ganz einfach, weil wir keine richtigen Schauspieler haben, sondern nur irgendwelche B-Promis die irgendwann irgendwas gemacht haben.

Dierichtigen Synchronisationskünstler, die richtige Blockbuster vertonen, denen wird nie gedankt, aber hautpsache ein Bully bekommt jetzt diese Chance und zerstört den Film - denn sind wir mal ehrlich, eine Synchronisation mach schon sehr viel aus

Fritze Flink
00
28.7.2010, 12:00
frage:

für einen 5jährigen empfehlenswert (punkto düsterkeit u. fürcht-faktor)?

der Zacharias
00
28.7.2010, 12:53
Hm... Eher nicht.

Der Film ist ein bisserl zu düster. Ich glaube auch, dass so kleine Kinder viele Aspekte nicht einmal mit kindlicher Logik verstehen werden, wie etwa Kens Modebewusstsein, Buzzes Rekonfiguration, und ich glaube auch nicht, dass ihnen mit ihrem kleinen Leben bewusst ist, dass sie ihre Spielsachen irgendwann einmal aufgeben müssen - in dem Alter sind Spielsachen noch Freunde für's Leben.

Mit einem Zehnjährigen, kein Problem, mit 5... hm, hm, hm, eher nicht.

coldturkey
00
28.7.2010, 14:10

Ich glaube Sie unterschätzen 5-jährige Kinder ein bisschen.

Nerlub
00
28.7.2010, 14:30

Er hat schon recht, wenn man sich den Film ansieht wird man mit Szenen konfrontiert an denen man sich schon überlegt : "Würde ich hier als Kind nicht Alpträume bekommen?"

Immerhin sind es Spielzeuge.

der Zacharias
00
28.7.2010, 17:48
Exakt. Und hier besteht leicht die Gefahr, dass

die Kleinen diese Spielzeuge mit eigenen Spielzeugen in Verbindung bringen, und ich sehe schon Eltern ihren Sprösslingen erlklären, nein, Kind, /dein/ Teddybär ist nicht böse, das ist nur der im Film, deiner ist ganz lieb... und so weiter.

hasenpelzz
01
28.7.2010, 10:13
auf ins Kino!!!

ev. vorher toy story 1 + 2 auf DVD anschauen!!!

I_prefer_not_to
04
28.7.2010, 01:17

"Wo Babypuppen Gefängniswärter sind"

Wunderbar, wie manchmal die Fiktion von der Realität eingeholt wird:

http://derstandard.at/127733866... en-bewacht

cupertino
11
27.7.2010, 21:35
pixar qualitaet

danke, steve.

[bitte nicht zu fest auf mich eindreschen]

Wickinger
02
27.7.2010, 19:56

toy story 1 und 2 sind zwei hervorragende filme! wenn ich irgendwo eine 2d-version von toy story 3 finde werd ich den sicher auch wieder anschaun...

haarspalter
80
27.7.2010, 23:26

modernisierungsverlierer?

denol
11
27.7.2010, 19:55
war auch positiv überrascht.

aber das eigentliche highlight ist der vorfilm: "night and day". einfach genial wie da die 3d technik eingesetzt wird. und ich sag das als 3d-kritiker.

cupertino
10
27.7.2010, 21:37
danke

es freut uns besonders, dass es ihnen gefallen hat.

ihr pixar team, emeryville.

Schas mit Quasteln
00
27.7.2010, 19:17
Buzz Lightyear spanisch sprechend

Einfach nur köstlich.

Hanna Funk
91
27.7.2010, 18:56

najo.. mir geht die radiowerbung ziemlich auf den nerv.
"ich bin kein mädchenspielzeug!!!"
suuuuper vorbildwirkung, mhm..

Hugh G. Rection
00
28.7.2010, 08:14
Zitronenernte!

Shark Abuser
22
28.7.2010, 00:43

Heutzutage muß doch in jedem Actionfilm schon eine zarte Frau männliche Gangster verdreschen.
Also ist es jetzt wirklich genug des Schwachsinns, und Schluß mit den Parolen.

Hanna Funk
00
28.7.2010, 09:33

Gehn's bitte, Parole..
Ich seh es einfach nur ungern, wenn meiner Tochter suggeriert wird dass ihr Spielzeug schlechter ist als das der Jungs.. sie versteht nämlich noch keine Ironie ;)

Der Unkurze
00
28.7.2010, 11:06

da gibts 3 möglichkeiten
1) radiosender wechseln (ich persönlich hab die werbung noch nicht gehört obwohl in der arbeit immer der radio rennt)
2) den film mit ihrer tochter ansehen
3) sie könntens ihrer tochter auch einfach erklären ;)

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