"Afrika muss aufwachen"

27. Juli 2010, 21:26
  • Am AU-Gipfel: Links eine Maske von Ian Khama, Präsident von Botswana, rechts Präsident Bingu wa Mutharika aus Malawi.

Beim Gipfel der Afrikanischen Union in Kampala suchte man neue Finanzierungsmöglichkeiten - Chinas Premier Wen schickt Botschaft an "afrikanische Freunde"

Die Afrikanische Entwicklungsbank soll ihre Fonds verdoppeln, und Afrika setzt noch mehr auf China.

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Wer die Fernseher und die Satellitenschüssel nicht vor dem Ramadan abgebe, werde ab jetzt als ein Spion verdächtigt, kündigten die somalischen Islamisten an. Die Shabaab-Miliz, die bereits Schulglocken, Handyklingeltöne, Fußballspielen, Filme und Radiomusik verboten hat, fuhr in den vergangenen Tagen durch Süd- und Zentralsomalia und sammelte TV-Geräte ein.

Der Zeitpunkt für die Aktion war wohlgewählt: Die Shabaab-Miliz, die sich zu dem Bombenanschlag in Kampala bekennt, bei dem am 11. Juli 76 Menschen starben, beobachtete sehr genau, welche Signale in den vergangenen Tagen vom Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) ausgingen.

Die Islamisten diktierten auch das zentrale Thema des Gipfels: Wie befriedet man Somalia? Die AU beschloss denn auch die Aufstockung der AU-Mission in Somalia (Amisom). 2000 zusätzliche Soldaten sollen die bisher 6000 Mann in der somalischen Hauptstadt Mogadischu unterstützen.

Doch der AU fehlt nach wie vor eine militärische Strategie. In Puntland und in Mogadischu starben allein am Montag dutzende Aufständische, Soldaten der Regierungstruppen und Zivilisten. Die AU ist als militärische Organisation noch schwach. Als politische Bühne sind die Gipfel aber mittlerweile etabliert. So reiste etwa der deutsche Außenminister Guido Westerwelle an und forderte einen permanenten Sitz der AU im Weltsicherheitsrat. Dass der sudanesische Staatschef, der vor dem Internationalen Strafgericht wegen Genozids angeklagt ist, Kampala mied, zeigt zudem, dass das AU-Gastgeberland durchaus eine kritische Haltung einnahm.

Entwicklungsbank stockt auf

In Kampala diskutierten die Staats- und Regierungschefs aber auch ökonomische Fragen. Afrika leidet, gerade weil es so stark von der Hilfe von außen abhängt, stärker unter der Weltwirtschaftskrise. 2009 sank die Wachstumsrate von sechs auf ein Prozent. Deshalb wurden alternative Finanzierungsmöglichkeiten gesucht. Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) will ihre Fonds für Infrastruktur nun fast verdoppeln. In fünf Jahren soll sie zehn Milliarden Dollar pro Jahr ausgeben, bisher waren es höchstens sechs Mrd. "Die erste Welt steht unter Schock und beschäftigt sich mit internen Problemen" , analysierte der Direktor für Wirtschaftsangelegenheiten der AU, René Kouassi. "Wir müssen unsere Projekte mit Rücklagen finanzieren."

Der ugandische Präsident Yoweri Museweni betonte, dass die Entwicklungshilfe nicht aus der Armut herausführe. "Überall auf der Welt sind Handel und Investitionen die Lösung für Armut und Unterentwicklung" , sagte er und folgerte: "Ganz Afrika muss aufwachen." Die schlechte Infrastruktur würde Unternehmern zu teuer kommen. In China koste es zwölf Dollar eine Tonne mit Gütern von Peking nach Schanghai zu schaffen, in Ostafrika komme derselbe Transport auf 65 Dollar. China wurde in Kampala nicht nur als Referenzgröße genannt, die Beziehungen wurden einmal mehr gestärkt. AU-Wirtschaftskommissar Maxwell Mkwezalamba meinte etwa, der Westen habe für die Entwicklung Afrikas zu wenig gebracht. Die restriktiven Bedingungen der USA und Europas treibe Afrika geradezu in die Hände Chinas, das eben keine Bedingungen.

Glückwünsche aus China

Der chinesische Premier Wen Jiabao hatte sogar eine Glückwunschbotschaft nach Kampala gesandt. China werde "wie immer die Anstrengungen der afrikanischen Freunde unterstützen".

Der Gipfel wurde aber auch von der Zivilgesellschaft für eine Debatte über die Effizienz der Politik genützt. Der Bericht "State of the Union 2010" von afrikanischen NGOs und Thinktanks kritisiert die "alarmierende Kluft zwischen den Standards und Instrumenten der AU und der Politik und Umsetzung der Mitgliedsstaaten". So habe man bereits vor neun Jahren beschlossen, künftig 15 Prozent der Haushaltsmittel in das Gesundheitswesen fließen zu lassen. Bis heute hätten dies nur sechs der 53 AU-Staaten getan.

"Das Kennzeichen afrikanischer Politik sind gebrochene Versprechen", sagte Irungu Houghton von der Hilfsorganisation Oxfam. Es gibt aber auch Erfolge: Die Kindersterblichkeit in Afrika ging etwas zurück. Der Kontinent mit einer Milliarde Einwohner - 70 Prozent davon sind unter 31 Jahre alt - hat auch Fortschritte bei der Demokratisierung gemacht. 2009 wurde Afrika demokratischer regiert als in den 30 Jahren davor. In über 30 Prozent der AU-Staaten finden regelmäßig Wahlen statt. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2010)

Kommentar posten
14 Postings
Träume sind Schäume.
00
28.7.2010, 19:36
Ausgezeichet

Im Gegensatz zu dem was selbsthassende Bobo Westler denken betreiben die Chinesen KEINE Entwicklungshilfe.
Denen gehts um's Geschäft aka Profit.

Die Infrastruktur, Fabriken, Landwirtschaft wird nach kapitalistischen Kriterien neu aufgebaut.
Hundertausende Afrikaner studieren auch bereits in China.

Eine Steigerung der Produktivität und Lebensstandars kann für Afrika nur gut sein ;)

Dr. Schland
00
28.7.2010, 13:49

Wer diese Meinungsäußerung unnötig findet, soll mir bitte mal mit Gegenargumenten kommen. Ich weiß selbst, dass es nicht realistisch ist, u.a. geschätzte 700 Milliarden Euro zurückzuzahlen. Aber was spricht moralisch dagegen?

AntiFa201
10
28.7.2010, 15:41

dagegen spricht, dass der westen für seine schuld nicht zahlen will, sondern weiterhin ausbeuten will. entwicklungshilfe>schulden>rohstoffverkauf zur schuldentilgung>abhängigkeit>rückständigkeit.... sind ein gutes mittel afrika wieterhin auszubeuten. dass der westen kein gewissen hat, steht ausser frage.

Malkaye
00
28.7.2010, 11:43
"Westerwelle an und forderte einen permanenten Sitz der AU im Weltsicherheitsrat."

wenn ich nicht wüsste dass DER nichts gratis zugesteht...

aber super vorstoß.

Captain Future
01
28.7.2010, 13:51

Das hat er doch nur gesagt, dass die ihn ob seiner Homosexualitaet nicht gleich einsperren in Uganda.

Malkaye
00
28.7.2010, 23:22
denke eher in seiner nächsten afrika delegation gibts leute mit interessen dort.

Dr. Schland
51
28.7.2010, 10:34

Wenn die ehemaligen Kolonialmächte den afrikanischen Staaten, die sie jahrhundertelang massivst ausgebeutet und in ihrer Entwicklung behindert haben, deren arbeitsfähige Bevölkerung sie getötet,verschleppt und versklavt haben, folgerichtig die Schulden erlassen und Reperationszahlungen leisten würden...

Müßte in einer halbwegs vernünftigen und fairen Welt eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, stattdessen gibt es immer mehr, die
Entwicklungshilfe streichen wollen, da es die armen Afrikaner ja sooo abhängig macht. Aber ich habe mich schon lange daran gewöhnt, dass zwischen dem was uns in der Schule beigebracht wird und dem was wirklich passiert, ein riesiger Abgrund gähnt.

Jagoda1986
10
30.7.2010, 17:04

die usa und alle anderen sollten afrika in ruhe lassen... wenn sie nicht so augebeutet werden würden sie selbst zurecht kommen. sie sind nicht dumm oder unfähig das in den griff zu bekommen aber man stellt ihnen viele steine in den weg!

Captain Future
26
28.7.2010, 07:10

Ja, Afrika muss aufwachen. Aber es muss auch hoellisch aufpassen, dass es sich nicht in einem chinesischen Alptraum wiederfinded danach.

stanley H.
00
28.7.2010, 12:49
Was für ein

chinesischer Alptraum? China und Afrika arbeiten sehr gut zusammen und beide haben etwas davon. Wir Europäer und die Amerikaner haben es doch längst verschlafen, deshalb mach man auch wo es geht dagegen mobil. Ich denke, für Afrika ist es wirklich ein Gewinn. Endlich geht etwas voran auf dem Kontinent, ohne große Diskussionen. Kann ich nur befürworten. Wir Europäer und Amerikaner sollten mal von unserem hohen moralischen Roß herunter kommen.

http://www.youtube.com/watch?v=8gemM0htSlQ

wero2
00
28.7.2010, 19:26
die chinesen bringen die arbeiter mit,

also für wen wirds da besser...

AntiFa201
00
28.7.2010, 21:49

die chinesen bauen infrastruktur. was machen die euroaffen? zahlen n paar mikrige dollar "entwicklungshilfe" und sorgen so kurzfristig für einen anstieg der exportnachfrage im eigenen land. die afrikaner verschulden sich dabei und zahlen es mit rohgstoffen zurück. das nennt man ausbeutung, allerdings so gemacht, dass man es entwicklungshilfe nennen kann. die chinesen BAUEN und lassen die afrikaner nicht verschulden. das ist der unterschied. lernen sie die begriffe entwicklungshilfe und entwicklungszusammenarbeit.

Captain Future
21
28.7.2010, 13:49

Die Chinesen und Araber (Emirate und Saudis) sind grad auf grosser Einkaufstour in Afrika (vor allem was landwirtschaftlich nutzbares Land betrifft). Von Zusammenarbeit sehe ich hier nicht viel. Eher eine neue Form von Kolonialismus bei der die Einheimischen (wieder einmal) auf dem un- oder wenig fruchtbaren Land sitzenbleiben.

stanley H.
01
28.7.2010, 13:11
Das

Video ist besser. Beim vorigem sind Ton und Bild nicht Synchron.

http://www.youtube.com/watch?v=VZVP-M28Qm4

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