Salzburg

Feier der Epochensprünge

27. Juli 2010 18:00

Konzert zum 50. Geburtstag des Großen Festspielhauses

Wien - Der Montag, das könnte so ein Tag nach seinem Geschmack gewesen sein: Sich vormittags festredend an juvenile Salzburger Erfahrungen erinnern, dabei aber auch seine Friedensvisionen für den Nahen Osten nicht vergessen. Abends zudem mit den Wiener Philharmonikern auch sein musikalisches Universalgelehrtentum zelebrieren und dies mit einem Programm der enormen Epochensprünge. Selbstverständlich als Dirigent und Pianist.

Ein Festkonzert zum 50. Geburtstag des großen Festspielhauses, das zwischen Wiener Klassik, Romantik und 20. Jahrhundert rast, um traditionsbewusste Modernität zu signalisieren, hätte natürlich durch drei Dirigenten inhaltlich wie eventmäßig zu einem Salzburger Festspielknüller werden können. In dieser Feierhinsicht kann man von Exoperndirektor Ioan Holender und dem von ihm zu seinen Abschiedsehren gegebenen Stargedrängeabend zumindest ein wenig lernen.

Wenn aber nur einer die Stilflexibilität fordernde Festarbeit übernehmen soll, dann allerdings ist Barenboim zweifellos einer der wenigen Richtigen. Bei Beethovens Viertem Klavierkonzert kann er sich in der Doppelrolle Pianist/Dirigent auf die einfühlsame Aufmerksamkeit des klanglich sowohl im Zarten wie im Ruppigen sehr präsenten Orchesters verlassen. Er seinerseits ist ein am sinnlichen Musizieren interessierter eleganter Ausdrucksorganisator, der im Poetischen ganz zu sich kommt. Also auch im zweiten Satz, wo er spannend einen starken Kontrast zur robusten Orchesterarbeit herstellt.

Und, ja: Bei Boulez' Notations für Orchester hört man dann sehr wohl die strukturelle Komplexität aus dem Komponiergeist magischen Klanges klar hervortreten, bis dann bei Bruckners Te Deum elegische Opulenz ein wenig über die Transparenz Oberhand gewann. Imposant war's denn auch auf eine etwas verschwommene Art und Weise. Wobei: Zwischendurch waren sehr wohl die Qualitäten der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor und der Solisten (Dorothea Röschmann, Elina Garanèa, Klaus Florian Vogt und Rene Pape) zu vernehmen.

Um danach klarzumachen, dass es vorbei war, stach Barenboim mit einem launigen "Das war's!" in die Stille. Am 1. 8. kann man es auf ORF 2 (11.05) hören. (Ljubiša Tošić/DER STANDARD, Printausgabe, 28. 7. 2010)

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